OSTERBOTSCHAFT


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Gerade noch zu glauben: Die Zweifaltigkeit von Bruno Kraska und Reinhard Haneld

PERSÖNLICHE OSTERBOTSCHAFT AN DIE GLÄUBIGEN

 Ich persönlich möchte von den existierenden Weltreligionen eher abraten. Die mosaische Religion ist intellektualistisch, weltfremd und eigentlich nur etwas für Spezialisten, die sich damit beschäftigen, wie viele vollkommen absurde Gebote und Verbote man erfinden kann, um sich selbst das Leben schwer zu machen. Außerdem ist der jüdische Gott eifersüchtig, und eifersüchtige Leute nerven, vor allem, wenn sie wie Jahwe zu überschießender Gewalttätigkeit (Sintflut; Sodom; Gomorrha etc.) neigen. Außerhalb Israels besteht eigentlich kein triftiger Grund, ein besonders gläubiger Jude zu sein. Atheistische Juden sind nach meiner Erfahrung in der Regel jedoch ein sehr angenehmer Umgang.

Das Christentum in seinen ca. 1001 Spielarten stellt, wie schon Paulus andeutete, zwar eine „herrlich verrückte“ Antwort auf die Frage dar, wie bizarr und unplausibel ein Glaubenssystem aussehen muß, damit man daran nur glauben kann, indem man seinen Verstand nach erfolgter Überanstrengung zur Abwrackprämienstelle bringt, aber die Wiedererlangung eines fahrtüchtigen Verstandes ist schwierig und langwierig. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung: Wem Mutti erstmal einen Überwachungsgott in die kindliche Seele gepflanzt hat, dem bleibt auch als aufgeklärter Renegat im Hirn ein dauerhafter Schaden: etwa wie eine Art Loch im Zahn. Also besser gar nicht erst damit herumspielen! Man denke: Die Hälfte aller Welthirnschmalzreserven wurde auf den letztlich abgebrochenen Versuch verwendet, zu verstehen, was es mit der trinitarischen Dreifaltigkeit auf sich hat, in der Herr Gott, Gott sein Sohn und Gott sein Geist mit einander selbdritt zugleich unzertrennlich und doch, nun ja, eben zu dritt sind. Wozu soll man denn so etwas glauben?

Dann der Islam: Je nun. Fast alles, was man über ihn sagen kann, hören seine Anhänger gar nicht gern – es sträubt sich ihnen der Bart, sie verbrennen Strohpuppen von einem oder sinnen sogleich auf Massenvernichtung der Ungläubigen. Ein unangenehmer Zug. Übrigens plaudere ich gern ein Geheimnis aus der Häschenschule der Gottesbeweise aus: Der Koran ist gar nicht Gottes Wort! Denn Gott, was immer er sonst ist, ist per definitionem jemand, der seine Groschen beisammen hat und deshalb schon noch weiß, was er sonst noch alles offenbart hat. Der Koran hingegen beinhaltet ein krauses, krudes, nur halbbegriffenes, naives, durcheinandriges, wirres und vom Hörensagen her zusammengebasteltes Konglomerat alter jüdischer und christlicher Erzählungen und Theologeme. Außerdem erscheint es unwahrscheinlich, daß Gott, wenn er etwas extrem wichtiges zu diktieren hat, sich als Sekretär ausgerechnet einen ungebildeten, analphabetischen Kamelkarawanenführer aussuchen würde, dessen vages Gerede man erst fünfzig Jahre nach seinem Tod aufzuschreiben beginnt. Der Koran ist kein Text Allahs, sondern das Resultat einer im sonnenverbrannten, wüsten Beduinenland besonders lang unterwegs gewesenen stillen Post. – Außerdem ist der Gesamt-Islam extrem uncharmant zu Frauen, so was kann ich schon mal gar nicht ausstehen!

So, weiter. Was noch? Hinduismus? Na ja – für unsereinen ziemlich unübersichtlich, oder? Nichts gegen indische Exotik, Gurus und Heilige Kühe, aber die meisten hinduistischen Götter sind philosophische Prinzipien, von denen im Kindergarten die Aufgabe hieß, quietschbunte Bildchen anzufertigen. Ich meine, ich finde zwar diesen einen, wie heißt der noch? Der mit dem Elefantenkopf? Ganeshi? ganz lustig, aber im Grunde kann ich dann auch einen Kult um den bösen Wolf und die drei kleinen Schweinchen machen, – und etwas ernst möchte man doch auch genommen werden!

Bleibt der Buddhismus – schon fas-zi-nie-rend! Es gibt drei Sorten von Buddhismus: Zen, den tibetischen und den richtigen. Letzterer ist übrigens anstrengender, als die meisten glauben. Aber bitte: Wer gern ohne Fleisch, Alkohol, Sex, Spiel und Spaß, Schmuck und Schnickschnack leben möchte und lieber mit schmerzenden Knien im Lotussitz auf den endlich eintretenden Einsturz der Himmel wartet, meinetwegen. Ich frag mich bloß: Wenn es stimmt, daß Buddhisten keinen lieben Gott haben, Andersgläubige nicht hassen und verachten, keine Glaubenskriege führen und niemanden dafür blutig prügeln, daß er etwas anderes denkt – wozu dann überhaupt Religion? Dann kann man ja gleich normal bleiben!

Selbstverständlich schätze ich die kulturellen Mitbringsel der Weltreligionen. Das Judentum hat uns Klezmer, Selbstironie und die Buchmessen beschert, der Christenheit verdanken wir herrliche Kathedralen, die Zwangsneurose und ihre Psychoanalyse sowie in toto das liebe, teure europäische Abendland. Dem Buddhismus danken wir für Sushi, coole Wohnungseinrichtungen und die Kunst des Blumenschießens; nicht zu vergessen den Dalai Lama, Papst für die Verständigen unter den Träumern. Ohne den Hinduismus schließlich kein Bollywood, keine Null (und damit keine digitalen Rechner!) und kein Lamm-Curry oder Tandoori-Huhn.

Und was den Islam angeht, na, dem werden wir schon auch irgendwas verdanken. Alles ist ja auch immer zu etwas gut, selbst eine Katastrophe.

 Wer aber nun, ganz ohne den Schutz, die Versicherung und hirn-schonende Komplexitätsreduktion der Religionen, in der Welt etwas fröstelt, frustet und fremdelt sowie einen gewissen Draht zum Himmel vermisst, dem aber reiche ich ein Trostpflästerchen:

 Besorge er sich die neue CD der Leipziger Sopranistin Simone „the Queen of Baroque“ Kermes mit Händel-Arien, so hat er dem Gesang der Engel hienieden schon einmal lauschen dürfen. Wer sich, sagen wir, die CDs „La Magia Abandonata“ und die neueste, „La Diva“, kauft, der braucht kein sprengstoffumgürteltes Märtyrertum,  der hört den makellosen Glanz, die leidenschaftspralle Fülle und überweltliche Göttlichkeit engelsgleicher Koloraturen schon auf Erden, der nimmt die auf ihren Extrakt, ihre Essenz eingekochten menschlichen Leidenschaften der Liebe, des unerfüllten Begehrens, der Wut und Rachsucht, der Bitterkeit und des Entsagens in einer quasi-himmlischen Verklärung wahr, die überirdisch zu nennen keine Übertreibung darstellt. Wer Frau Kermes’ Händel-Arien lauscht, braucht keine blassen, dummen 72 Jungfrauen! Die sind erstens im Gesang inbegriffen und zweitens darin im Hegelschen Sinne schon aufgehoben und überwunden, sublimiert nämlich und vergeistigt zu reinem Wohlklang. – Und wer nicht in den Himmel will, der soll sich die Musik trotzdem anhören, denn Georg Friedrich Händel feiert heuer das Jubiläum seines 250. Todestages, Anlaß genug, sich dem berauschenden Zauber seiner Opern einmal rückhaltlos auszusetzen. Ist immer noch weniger schädlich als Aberglauben!

 

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14 Kommentare - “OSTERBOTSCHAFT”


  1. […] Freiheit, die ich meine… By botschaftneukoelln EI, ZWEI, DREI: […]

  2. vilmoskörte Says:

    Deine Darstellung des Islam ist doch recht einseitig. Da scheint es mir doch mindestens eben soviele Spielarten wie beim Christentum zu geben, die sich teilweise auch nicht so recht grün sind.

    Und Händel ja, aber Kermes?

    • 6kraska6 Says:

      @vilmos: Ich würde sogar sagen, es ist NOCH NICHT MAL einseitig, sondern extrem polemisch zugespitzt. Liegt am Text-Genre. Wenn ich in der Öffentlichkeit seriöse Vorträge über den Islam halte (wovon ich mich hier erhole), dann parliere ich spielend über Sunniten, Wahabiten, Salafiten, Siebener- und Zwölfer-Schiiten, Alewiten, über die div. Rechtsschulen, die einzelnen Reformer in Ägypten, Marokko und Tunesien und…. – aber das kann nicht Inhalt eines satirischen Kurztextes sein.

      Wenn Du einen Einwand gegen die Kermes erhebst, wer dann? Im Fach Sopran? Bin für jeden Hinweis offen…

  3. botschaftneukoelln Says:

    Spiel-Arten sind kein Synonym für Ta(r/n)ten.
    Einseitigkeit jedoch vielleicht eine Spiel-Art des Zweideutigen ?

  4. vilmoskörte Says:

    Ich habe wohl eher ein generelles Problem mit dem Sopran, vor allem, wenn er arg bel canto ist. Ich bin wohl eher der „Chor-Typ“. Kermes kannte ich bis zu deinem Artikel noch nicht und habe mal bei iTunes in die von dir angesprochenen Aufnahmen reingehört und fand sie „zu schön“.

    • 6kraska6 Says:

      Ich bin halt schon den ganzen Weg gegangen, von Sun Ra über Archie Shepp, Jack de Johnette bis John Zorn: Ab jetzt darfs auch mal wieder „schön“ sein (von Arvo Pärt bis Händel…)

  5. vilmoskörte Says:

    Arvo Pärts CD stehen ausnahmslos hier, schön aber nicht gefällig (vor einem Monat habe ich seine Berliner Messe vom Rias-Kammerchor gesungen in der Philharmonie gehört, grandios). Ich habe nun mal etwas mehr in Kermes reingehört, und zwar Dido und Aenas, davon habe ich hier zum Vergleich eine Live-Aufnahme aus der Berliner Staatsoper (ich habe die Oper auch selbst gesehen). Die Kermes-Interpretation lässt mich vergleichsweise kalt, technisch perfekt, aber rührt mich nicht an. Die Geschmäcker sind eben verschieden, und das ist gut so.

    Kennst du L’Arpeggiata von Christina Pluhar? Die lassen mir die Schauern den Rücken runter laufen. Reinhören z.B. bei http://www.teatrodamore.com/.

    • 6kraska6 Says:

      @vilmos: Hm. Danke für den Hinweis. Hm. Im Allgemeinen steh ich zur Verjazzung von Renaissance/Barock-Musik wie zu Spaghetti mit Lavendelblüten: Distanziert. Andererseits…. na gut, ich werde mir die Platte besorgen bzw. wenigstens ausführlicher reinhören. Technisch sind die Leute schon gut. Doch. – Ein bißchen Apodiktik muß sein. Weicheier gibs schon genug. Jetzt frag ich mich gerade, ob ich ein Ironie-Smiley setzen soll – weil Dus bist, laß ichs.

  6. vilmoskörte Says:

    Vergessen: Archie Shepp steht hier auch mehrfach als LP im Regal. Ich glaube fast, dass wir – musikalisch gesehen – (und vielleicht auch beim Treffen apodiktischer Aussagen) ganz gut zusammen passen würden;-)

  7. vilmoskörte Says:

    Noch etwas ganz anderes: ich bin gerade über diesen Bericht zum Thema Christentum gestolpert: http://olyly.wordpress.com/2009/04/08/christliche-fanatiker-auf-dem-vormarsch/.

    • 6kraska6 Says:

      Ja, über diese Camps hab ich schon mal eine TV-Reportage gesehen. Die einzige Ressource, die unerschöpflich zu sein scheint: die Welt-Dummheitsreserven. The torture never stops. Aber so hat unsereins wenigstens immer was zu quengeln.

  8. donqyxote Says:

    Ich empfehle zu „nach Ostern ist vor Ostern“ und nahezu sämtlichen Weltreligionen mit ihren extremen Wucherungen die Lektüre des 684 Seitenwälzers vom Kiran Nagarkar „Gottes kleiner Krieger“. (ISBN 978-3-596-17690-8)

  9. ChiantiClassico123 Says:

    Das war ein schönes Stückchen um unser hiesiges Britisches ’noli me tangere‘ Wetter aufzuheitern. Was mich besonders freut, ist das die Herren Kraska und Haneld offensichtlich 100% meiner Meinung sind in Hinsicht in Punkto ‚was hat Religion für einen Sinn?‘ Ich teile jedoch auch seine Meinung in Hinsicht auf ‚religiöse‘ ’spin-offs‘. Architektur, feine Kunst, Musik etc.

    Man stelle sich vor:

    Kein päpstliches Vermögen = kein de’Medici Familien-Vermögen. Kein de’Medici Familien-Vermögen = Michelangelo, da Vinci, Galileo u.v.a. mit grossem Fragezeichen versehen.

    Darüber hinaus wäre dann Florenz einfach eine kleine und langweilige Römer-Siedlung. Neyyyyyn!!!!

    Da hätte man auch den Film ‚Hannibal‘ genauso gut in Gelsenkirchen drehen können. Kein toter Commandante aus der berüchtigten Pazzi-Familie der am Seile verweile, sondern ‚Derrick liegt dood in der Nordkurve bei Schalkes‘.

    Das können wir doch nicht wollen!

    Ebenfalls fand ich die Äusserungen zum Thema Islam wunderschön. Es stimmt ja alles, aber wer weiss das oder sagt es denn?

    Die Aufklärung sollte öfters gemacht werden? TV-Kampagne? Sponsoring?

    Summa summarum beziehe ich mich auf die Händel-Referenz und sage schlicht „Kraska – Hallejulah!“

  10. Kristof Krause Says:

    Also…ja! Cool! Absolut lesenswert. Erinnert mich ein bisschen an das neue Programm von Dieter Nuhr mit dem tollen Namen „Wahrheit“, von dem ich am Sonntag den zweiten Teil verpasst habe.
    Ich muss auch immer wieder darüber lachen: „Es droht Kurzarbeit in den Denkfabriken!“
    Ich bin jetzt sowas wie ein Fan. Wann gibts das mal als Buch zu kaufen?


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