Archive for the ‘Me myself I’ category

Last call for trolls

6. März 2014
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Trolle: Auslaufmodell mit geringem Abtropfgewicht

Eine meiner Lieblingsfiguren in Jim Jarmuschs Film Dead Man ist der Indianer Nobody, dem sein Volk den prachtvollen Namen He-who-talks-loud-and-says-nothing gab. Klasse Name auch für Trolle! Ein Troll, so haben mir im Internet wohnende Kindeskinder beigebracht, ist ein Mensch, zumeist männlichen Geschlechts, der irgendeine schwer erklärbare Befriedigung darin findet – sei es aufgrund ranzig gewordenen Testosteronüberschusses, sei es, mal ehrlich, weil es für in der Woche doch, zugegeben, ein bisschen viel Alkohol geworden ist –, des Nachts in den Kommentarspalten wildfremder Blogger sein verbales Leergut abzuladen, wobei es nicht unüblich ist, einen Schwall Invektiven, Insinuationen und Injurien darüber zu kübeln, denn der Troll hat ein Scheißleben, findet keine Beachtung und fühlt sich nutzlos und hässlich, und deswegen! Was soll man mit Trollen machen? Wichtigste Regel: Den Troll ignorieren, damit der Blutdruck runterkommt, die Schnappatmung sich legt und der ganze Mann ein wenig abschwillt, am besten auf seine vorherige siebengebirgige Zwergengröße. Das ist ein guter Ratschlag, kollidiert aber bei mir mit der beschämenden, kindisch-kleinlichen Eigenart, immer das letzte Wort behalten zu wollen.

Ich selbst habe persönlich fast nie mit Trollen zu tun: Meine LeserInnen sind sanfte, gütige und nachsichtige Geschöpfe, die gern ein bisschen schmunzeln; halten sie mal einen Text von mir für ausnahmsweise völlig missraten, gehen sie generös und gelassen darüber hinweg, klicken halt dann eben nicht auf gefällt mir und machen sich stattdessen lieber einen Becher heiße Milch mit Honig, weil das fast so gut für das Nervenkostüm ist wie über ein Textlein zu schmunzeln. Schmunzeln ist übrigens nicht nur ein hübsches, anheimelndes Wort, sondern auch eine viel zu selten ausgeübte Praktik mitteleuropäischer Zivilisiertheit, die keinem wehtut und praktisch nichts kostet. Wie schön, kuschelig und wangenzart ist ein leises Schmunzeln – und wie degoutant, ärgerlich und hautunverträglich kratzig dagegen das Genörgel und Gejammer der Trolle!

Wenn ich mir doch einmal einen einfange (vgl. letzten Kommentar zu „Über Geflügel“) wundert mich immer die klinische Eindeutigkeit des Befundes. Trolle sudeln ja nicht in meinem Textgärtchen herum, weil sie anderer Meinung sind – das dürfte auch schwierig sein, da ich entschiedene Meinungen entweder nicht besitze oder doch, aus Höflichkeit und Skrupolösität, nicht zur Äußerung bringe, sondern weil ihnen irgendwie meine ganze unseriöse Art nicht gefällt. Vage fühlen sie sich, nicht immer zu unrecht, ein bisschen auf den Arm genommen; das mögen sie so aber nicht stehen lassen, sondern schlagen im Gegenzug einen aufdringlich impertinenten, höhnischen Ton an, in dem sie mir – was? zunächst Rechtschreibefehler vorzählen! Die meisten Trolle sind ja Angehörige dieser ödesten und fadesten Spezies des Universums: Rechtschreiberechthaber! Darüber muss ich schon wieder schmunzeln, weil, für hungrige Orthographiefehlersammler sind meine Texte hier eine reich gedeckte Tafel: Ich schreibe gern bequem, d. h. etwas schlampig; außerdem bin ich Gelegenheitslegastheniker. Es gibt eine Reihe von Wörtern, die ich aufgrund irgendwelcher mysteriöser Fehlverdrahtungen im Sprachzentrum partout nicht auf Anhieb richtig in die Tastur bekomme: Astmophäre zum Beispiel, Plantane oder Lybien. Manchmal korrigiere ichs, manchmal lasse ichs stehen, damit die Pedanten was zum kauen haben.

In den meisten Fällen missfällt den Trollen vor allem mein Stil, was nur allzu verständlich ist. Merkwürdig nur, dass sie dann allesamt auf die Marotte verfallen, in ihrem Kommentar eben diesen Stil zu imitieren, vermutlich, um zu zeigen, dass sie hinter den sieben Bergen selbst tausendmal wortreicher, digressiver und sprachspielverliebter schreiben können als ich Nichtswürdiger, der das Geschreibsel gefälligst mal unterlassen soll. Oft kommen auch meine Charakterfehler zur Sprache, vor allem meine notorische Selbstverliebtheit oder, wahlweise, Selbsternanntheit, von der mich die aufgeblasenen Volkserzieher gratis und unverlangt kurieren zu müssen glauben. Kurieren zu müssen glauben? Genauso!

Das geistige Abtropfgewicht der Trolle scheint mir, zieht man Metylalkohol und endokrine Sekrete von der Trockenmasse ab, nicht eben beträchtlich, weshalb man ihnen mit einem Schmunzeln (s.o.!) zu begegnen mehr als einen Anlass hat – wenn man nicht sogar Grund und Verpflichtung zum Dank empfindet. Zum Bespiel für ein neues altes Wort. Um seiner Insultationslust freien Lauf zu lassen, schalt mich mein letzter Troll einen Diurnisten. Ich verehre zwar das Österreichische als eminent charmante Version der Muttersprache, beherrsche es aber nicht fließend, sodass ich nachschlagen musste.

Und dies verriet mir mein Chef-Linguist von der Wikipedia-Uni: Im josephinischen Wien waren Diurnisten die subalternen Beamten der zahlreichen Verwaltungsstellen, die zwar ein gewisses Ansehen genossen, aber nur ein bescheidenes Salär bezogen. Es waren Sekretäre, Registranten, Adjunkten, Konzipisten, Protokollisten, Ingrossisten, Kanzlisten, Akzessisten usw., die pünktlich allmorgendlich in den „Tintenburgen“ der Staatskanzlei, Reichskanzlei, Kriegskanzlei, Österreichisch-Böhmischen Kanzlei, Ungarisch-Siebenbürgischen Kanzlei, Niederländischen Kanzlei, Obersten Justizstelle, Münze, Oberst-Rechenkammer, Religionskommission, Studienkommission und im Rathaus verschwanden.“

Potz Blitz! Das nenn ich eine mit Geschmack gewählte Invektive – und schon wieder durfte ich ein neues Wort in den Rückenschlitz meines Thesaurus-Sparschweins werfen. Nächstens, beim Empfang zum 90. Geburtstag meiner schönen Nachbarin eingeladen, werde ich auf die allfällige Frage „Und was machen Sie so beruflich, junger Mann?“ mich verbeugen und preisgeben: „Ich bin ein legasthenischer Diurnist, zwar nur ein selbternannter, aber mit bescheidenem Salär, Madame!“ Auf die erwartbare Nachfrage, ob man davon leben könne, werde ich verlegen errötend antworten: „Man braucht ja nicht viel.. – um die Trolle satt zu bekommen, reichts schon hin.

Traumkritik

4. März 2014
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Man wird nicht ernstgenommen!

Auch bei Träumen gibt es mehr oder minder erfolgreiche Remakes. Solange das nicht ins zwanghaft Redundante ausartet, ist da gegen ja nichts einzuwenden, auch wenn man sich fragt, was das denn nun wieder soll. – Vor Jahren musste ich, im Traum, als Sechsjähriger, noch im flanellenen Bärchenschlafanzug, in meinem Kinderzimmer eine Doktorarbeit bei Theodor W. Adorno schreiben – mit abgebrochenen Buntstiften auf zweilagigem Toilettenpapier, als Schreibunterlage nur ein grober Sisalteppich zur Verfügung, während Adorno unten mit meinen Eltern am Nierentisch Liqueurwein trank und ungeduldig mit den Fingern auf die Lehnen des 50er-Jahre-Sesselchens trommelte. Er war übrigens taubengrau mit lila Punkten, – der Sessel, nicht Adorno.

Zwei Jahrzehnte später sitze ich in einer altmodischen Druckerei, die eher einem osttürkischen Basar gleicht, und zwar einem, in dem gerade ein Selbstmordattentat stattgefunden hat, und soll, weil es sich um eine Art Workshop handelt, vielleicht aber auch um eine Fortbildung, eine Geschichte schreiben, wobei in der gesamten Druckerei nicht ein einziges Fetzchen unbedrucktes Papier aufzutreiben ist; Schreibgerät gibt es auch keines. Nachdem ich ein furchtbar weinerliches Gezeter angestimmt hatte, des Tenors, ohne Material und Gerät könne ich nicht arbeiten, reichte man mir endlich, höhnisch grinsend, ein Stück Frischhaltefolie und einen lichthellgrau schreibenden, hauchfeinen Drehbleistift: Ich konnte selbst kaum lesen, was ich damit niederschrieb!

Zudem hatte ich meine Lesebrille nicht dabei. Wer setzt denn schon zum Träumen seine Brille auf? Es zog sich dann, dergestalt, dass man mir immer absurdere Surrrogate anbot; in einer Episode sollte ich mit einem komplett ausgelaufenen Filzstift um eine Krankenkassenreklame mit lauter lebensfröhlichen Menschen herum feinziselierte, hochartifizielle Literaturprodukte fabrizieren! Schließlich bestieg ich, entnervt, erschöpft und, wäre ich eine Comicfigur gewesen, gewiß mit lauter Blitzen und Totenköpfen um meinen Kopf herumschwirrend gezeichnet, einen Schusterschemel und hielt eine flamboyante Beschwerderede, in der ich die prekären Verhältnisse scharf verurteilte und vor weiteren Eskalationen warnte.

Das einzige Resultat war, dass man mir mit einer ans Putineske grenzenden Kaltschnäuzigkeit beschied, ich solle nun mal zu jammern aufhören und gefälligst etwas mehr Kreativität an den Tag legen. Kann es mir als Schwäche ausgelegt werden, dass ich unter diesen widrigen, ja niederträchtigen Umständen von meiner Geschichte nur ein einziges Wort ins Wachleben davon- und hinübertrug? Hier bitte dieses Wort. Es hieß: Nopil.

„Was soll das denn heißen?“ fragte die Gattin, der ich zum Frühstückskaffee den ganzen Quatsch brühwarm auftischte. „Ich habe keinen Schimmer“, antwortete ich, „es handelt sich um einen Namen, glaube ich, den Namen eines irgendwie unglücklichen, vom Schicksal hartherzig und mit tiefgefrorener Stiefmütterlichkeit behandelten Menschen…“„Du Armer“, murmelte die Mütterliche und bedachte mich mit einer Serie rascher, rhythmischer Schulterklopfer, die sie als „eben selbst erfundene Therapie gegen Verspannungen“ apostrophierte. – Kein Zweifel: Traum und Realität konkurrierten darin, mich nicht ernst zu nehmen!

Ansichtskarte aus dem Augenwinkel

6. Februar 2014
Seh ich aus wie ein Therapeut? Herz ausschütten hier verboten!

Seh ich aus wie ein Therapeut? Herz ausschütten hier verboten!

Im milden Westen viel Neues: Heuer nix mit Winter. Definitiv Eis-Abstellgleis: Winter fährt hier nicht mehr. Wir bitten um Verständnis. Babyblau und vertraulich zwinkert der Stadthimmel aus windzerzausten flauschigweißen Wolkenwindeln. Sonne brilliert als Debütantenball. Das ortsübliche Kleingeflügel macht schon Höllenlärm, es meiselt, finkelt und funkelt auf dem Balzplatz, als gäbs kein Morgen, bzw. eben schon ganz viel Morgen, Frühling, Aufbruch usw., Elstern in Paarungsplanung ziehen aufgeregt keckernd gen Norden, zu IKEA, Naturholzzweige fürs Nest. Ich steh derweil auffm Balkong, rauch mein Kaffee und fühl mich irgendwie so Rilke, vielleicht auch bisschen Benn dabei. Wieder mal leide ich unter meiner Unflexibilität: Ich hasse es, wenn ich mich auf etwas einstelle, und dann kommt alles ganz anders. Schon im November hatte ich den Kopf grottentief zwischen die Schultern geschraubt, doppelt Pulloverpower, orntlich Rotwein eingekellnert, Streusalzstreuer aufgefüllt, vorsorglich Depression (SAD – seasonal affective disorder) eingeübt – und was ist? Keine Nacht traut sich unter Null, prunkt dafür aber mit Sternbildern, die ich gar nicht kenne, im Park rotieren die Rentner-Rollatoren um blühende Japankirsche, grellbunte Velozipedisten rauschen durch den Rajon, und keiner sagt mir, wie diese Jahreszeit hier heißt.

Aber mir sagt eh keiner was. Menschen, die mir nahestehen, verabscheuen mich in der Regel, schneiden schnöde Schnuten und meiden mich nach Kräften. Eine unerklärliche Anziehungskraft übe ich hingegen, wie, ich schwör, immer, immer schon, solange ich denken kann, nur auf Hunde, kleine Kinder und Irre aus. Kind und Hund wird man ja wohl noch sagen dürfen? Irre ist vermutlich nicht pc. In der Sache stimmt es aber: Kaum sitz ich mal auf der Parkbank, legen mir wildfremde Hunde treuherzig die nasse Schnauze aufs Knie und Kleinkinder strecken mir hoffnungsvoll schwanzwedelnd ihre klebrigen Wurstfingerchen entgegen, um sich herzen zu lassen. Die Tugend entschlossener Höflichkeit ist hier gefragt; nicht immer beherrscht man sie ohne Beanstandungen. Was die Verpeilten, Verstörten, Psychonauten und Schizonosen an mir finden, weiß ich nicht. Sehen sie in mir einen Seelenverwandten? Eigentlich habe ich nichts Therapeutenhaftes an mir, im Gegenteil. Mit aus Eiszapfen gebildeten Buchstaben steht auf meiner Brust: Hier bitte keine Herzen ausschütten! Nützt es was? Kaum.

Eine treue, mir allerdings gänzlich unbekannte und bestürzend schwerverwirrte Freundin etwa, eine reichlich bizarre Lady Gaga aus den kalten Weiten des Internetzes, schickt mir seit Wochen und Monaten pro Tag oder Nacht ca. ein Bäckerdutzend Mails mit Verwünschungen, Drohungen, Obzönitäten sowie knapp 60% absolut unverständlichen verquasten Verbalquatschtextmüll. Stalking on the wild side: Brieffreundschaft auf blackmail.de. – Was soll man da machen? „Kann man da denn nix machen?“ fragt die Gattin stirnrunzelnd, „Polizei oder so?“ Ich resigniere pantomimisch. „Oder deine Russenfreunde?“ insistiert sie. „Also erstens“, stelle ich richtig, „sind das ja nun mal keine Russen, sondern bloß Serben, und außerdem werde ich ja wohl, was die mir schulden, nicht für die Einschüchterung einer ungezogenen Pampelmuse verplempern…“ – Sie schüttelt missbilligend den Kopf. – „Du weißt, Liebelein, ich bin Taoist, da muss man nicht immer was MACHEN“ füge ich noch hinzu, ganz Oberschulrat Schlaumeier. „Und was MACHST du, wenn du NICHTS machst?“ fragt die Gattin, die nicht umsonst Kriminalhauptkommissarin auf der Visitenkarte stehen hat. „Ich lese ergeben den ganzen Schrott weg, als sei das meine Aufgabe, für die ich auf der Welt bin, wackle bekümmert mit dem Kopf und antworte … nichts.“ Ihr „Aha!“ nahm ich mal als bedingte Zustimmung. Wie ich nämlich mittlerweile erkannt habe, beruht gedeihliches soziales Miteinander auf Duldsamkeit und Nicht-so-genau-Hinsehen.

Ich fürchte, ich werde herzensliebe Künstlerfreunde verprellen, wenn ich behaupte, genaues Hinsehen wird überschätzt. Man liegt stundenlang auf dem Bauch im Garten, kiloschweres, schweineteures optisches Gerät im Anschlag und: sieht genau hin. Was sieht man dann da überhaupt? Besagtes singendes Kleingefügel, wenn man schnell genug ist, mit dem 200er aber auch schon Vertreter der Kerbtierwelt, und mit der nächsten Anschaffung dann wird man das Leben der Mikroben, Fibrillen, Spirillen, Mycoplasmen, Spirochaeten, Clostridien und anderer Repräsentanten des Prokary0tentums ans Licht zerren. Will man das denn? Dieses ganze Geschmeiß, Geziefer  und Geschnetz?

Die alte Mume Wikipedia wispert: Ein Mensch besteht aus etwa 10 Billionen (1013) Zellen, auf und in ihm befinden sich etwa zehnmal so viele Bakterien.“ Schon bei der Vorstellung, wie 100 Billionen Exemplare eklen mikrobiellen Gewürms „auf und in“ mir herumwuseln, wird mir blümerant, da brauch ich gar nicht noch genau hinsehen! Frauen sind nach meiner von Bonhommie gesättigten Erfahrung ja am schönsten bei Kerzenlicht, Sonnenuntergang, etwa 1,80m Abstand, ohne Brille und durch ein Glas Spätriesling betrachtet. Beim candle light dinner schreit doch auch keiner: Machma das Neonlicht an, ich muss da mal genau hinsehen! Ich persönlich liebe es verschwommen, verschleiert, verwischt und verhuscht. Eben so aus den Augenwinkeln bloß. Übrigens: Männer sind am schönsten im Dunklen. Überhaupt Männer! Man kann nie mit ihnen reden! Und wenn, dann brechen sie das Gespräch mitten im.

Magister Jekyll und der Volksmund (Altersindolenz)

28. November 2012

Herr Gauck wird in ein Lied involviert (Foto: A. Probst)

Ich spreche ganz gut Volksmund, wenn es darauf ankommt, aber nicht gerne. Mir liegt das Rohe, Derbe, Gemeine nicht. Ich bin noch in der Goethe-Zeit aufgewachsen und finde, die Sprache eines älteren Herren sollte gepflegt, reinlich und voller Anmut sein. Also nicht gerade geschniegelt, auf Kante gebügelt und steifleinern, aber doch von Obszönitäten und gemaulten Schimpfreden frei. Leider überdauern meine guten Vorsätze nie die Silvesternacht, und so entfuhr mir kürzlich eine unfassbare Entgleisung, die mich zwar noch immer erröten lässt, die ich aber doch bekennen will. Kürzlich beobachtete ich nämlich auf dem Fernsehschirm die 3Sat-Kulturzeit-Schnepfe Tina Mendelsohn, wie sie gerade im Bezug auf den Nahost-Konflikt plapperte, man solle doch mal „die Narrative ändern“ und „die Hamas endlich von der Liste der Terrororganisationen streichen“. Da entfuhr es mir, ehe mich mir den Mund mit Seife auswaschen konnte, laut und herzhaft: „Du bist doch echt eine scheißblöde Antisemiten-Kuh!“ – Oh Mann, und jetzt lüge ich auch noch! Ich habe gar nicht Kuh gesagt, sondern – zarten Gemütern empfehle ich, jetzt einen Piepton beliebiger Länge einzublenden – … Fotze. Echt. Antisemiten-Fotze! Entsetzlich, oder? Na ja, so entsetzlich auch wieder nicht, denn zum Glück war ich ganz allein im Fernsehzimmer, und Frau Mendelsohn im Flachbildland hat mich nicht gehört. Ins Gesicht gesagt hätte ich ihr solche Unflätigkeiten natürlich nicht! Obwohl, die hätte bestimmt eine ordentliche Schnute gezogen und einen Flunsch dazu mit ihren dicken Aufblaslippen, die dumme Kuh!

Der Volksmund sagt gern, wenn ihn Ereignisse unberührt lassen, sie gingen ihm „am Arsch vorbei“. Ich zitiere das nur, ich selber würde den Begriff indolent vorziehen. Meine Indolenz erreicht derzeit das Stadium einer gewissen Altersabgebrühtheit, stelle ich fest. Die letzten Tage war hier nämlich der Teufel los, aber mein Ruhepuls lag trotzdem kaum über der Raumtemperatur. Zuerst kam Opa Gauck, der Bundespräsident aller Gutwilligen und Harmlosen, direktemang mitten ins Geddo. Ach was sage ich, in meine Straße! Die wurde dafür den ganzen Tag gesperrt, der Müll wurde weggeräumt und die Anwohner, das Geddo-Gesindel, bekamen, zack, Hausarrest. Gauck kam dann, als die Luft rein war, und hat angenehm unverlausten, frisch schamponierten Migrantenkindern den Kopf getätschelt, die ihm dafür was gemalt haben. Zum Höhepunkt haben sie ihm auch noch ein Lied vorgesungen. Der Presse entnehme ich, der Präsident sei „sogar in das Lied involviert“ worden. Ich war noch nie in ein Lied involviert, glaube ich. Wie das geht, weiß ich gar nicht. Das heißt, ich weiß es in diesem Fall ja doch: Er hat mitgeklatscht! Es gibt sogar ein Beweisfoto in der Lokalzeitung, obwohl man auf einem Foto natürlich gar nicht sehen kann, ob einer klatscht oder nur mit den Händen anzeigt, wie weit ihm die scheiß Symbolpolitik zum Hals raushängt. Ups, schon wieder der böse Volksmund!

Kaum war der Gutmensch abgedampft, hat man nebenan eine Weltkriegsbombe gefunden, die siebente in diesem Jahr, 500 Kg bester Sprengstoff mit Säurezünder, und zugleich brannte im Geddo auch noch eine Schule ab. Oh, oh. Den ganzen Abend bretterten alle dreihundert Löschzüge der Region mit Blaulicht und Sirene panisch durch die Stadt und veranstalteten ein solches Chaos, das alles Leben zum Erliegen kam. Eigentlich hätte man die Bombe auch gleich hochgehen lassen können. Sogar der Weihnachtsmarkt wurde teilweise evakuiert, während im anderen Teil das Gedudel eines Karussells sich in das Sirenengeheul mischte. Ich radelte munter dran vorbei und amüsierte mich darüber, dass die einzige Möglichkeit, in der Stadt mit dem Auto voranzukommen, darin bestand, in dieses Karussell zu steigen. Zum Beispiel in ein Feuerwehrauto.  Bizarr, aber lustig. So weit zu meiner Indolenz. Ich habe trotz allem meinen Abend-Vortrag über den Selbstmord durchgezogen. Viele Zuhörer blieben auf der Strecke, allerdings schon vorher, weil die Autobahn abgeriegelt war.

Das alles hat mich kaum tangiert. Blöder ist schon, dass die Gattin zur Wellnessüberholung weg ist. Gut, man bekommt sie vielleicht wie neu wieder, aber erst einmal fehlt sie bitterlich, und mir ist novembrig zumute. Ja, wäre sie eine Zimtzicke, dann käme vielleicht ein Hauch diebischer Freude auf über ihre Abwesenheit, aber das ist sie ja nicht. Sie ist eine gute Frau. Männer mit schlechten Frauen führen ein trauriges Leben, das kneift und kratzt wie ein härenes Hemd. Oft sieht man solche Männer im Schlafanzug einsam durch ihren Garten streifen und aus lauter Verzweiflung Käfer fotografieren. Ich möchte das nicht. Ich möchte auch nicht, dass die Gattin dies hier liest und daher jetzt weiß, was ich zu Tina Mendelsohn gesagt habe. Sie soll nicht an meiner Gesittung zweifeln, sondern mir den Kopf tätscheln, sich in ein Liebeslied involvieren lassen und: Magister Jekyll, möge sie sagen, dein Herr Hyde geht mir am Arsch vorbei, – und nun hopphopp, Leergut wegbringen!

Real gone

20. Juli 2012

„Sach ma, wo is eintlich der Proff gezz immer? Ich wollt ma nach dem hin wegen so paar kleine Schriftstücke…“ – Tut mir leid, Freunde. The master of desaster(-prevention) is temporarily not available. Ich muss jetzt in den Obergrund. Untergrund ist zu voll geworden. Außerdem brauch ich mal gemäßigte Sozialklima-Tapeten und will auch nicht mehr immer der bunte Hund sein. Inzwischen kennen mich sogar die beiden Brennpunkt-Bullen schon so gut, dass man auf der Straße stehen bleibt, um ein Pläuschchen mit mir zu halten: Wie läufts? Alles ruhig? Irgendwelche neuen Drogerie-Märkte eröffnet? Die Herren haben übrigens – was? Etwa Verstärkung bekommen? Na, das nun nicht gerade, aber brandneue, total schnieke dunkelblaue Uniformen, dazu blaue Krawatten und schneeweiße s-steife Dienstmützen. Wenn das doppelte Kriminalabschreckungslottchen des Sommermorgens, wenn es mal nicht regnet, gemeinsam Arm in Arm im Geddo auf Streife geht, sehen sie aus wie Kapitänleutnants-zur-See auf Landgang. Hey-Ho! Dies nur nebenbei. Alles wird gut, manches sogar besser.

Einige Nachbar-Menschen werden mir fehlen: Der Trinkteufel und eiserne Sportrentner Horst, der dauertraurige Milan, mein Busenfreund und Busfahrer Branco-Bär natürlich, und sogar der bekloppte Nachbar, Bastelbaumeister  und Spezialist für die Produktion kostspieliger Wasserschäden, Emre Özgur, sowie sowieso die gescheite nette Kopftuch-Frau von gegenüber, die mir immer meine Vorurteile zerlegt hat; dazu „Mazze“ Vlado, der mazedonische Ex-Seemann, der in Ex-Jugoslawien immer nur in der Kaserne blieb („war wegen damalig leider scharfes Mangel an Schiffe, verstehst?“), ferner Ahmed (Import-Export), besonders überdies Pitti, der stocktaube Hausbesorgerinnen-Witwer, treue Blockwart und Hausverweser der Mülldomäne; die black community werde ich nahezu durch die Bank vermissen – die Männer, mehr noch ihre Königinnen und am meisten die blitzgescheiten, pfiffigen polyglotten Milchkaffee-Kids, dazu noch die blujungen, ranken beauty queens des Disco-Islam, allen voran Azizze, das kurdische Bildungsdornröschen, und zu guter letzt vor allem Werner Rombach, den lebenstüchtigen, aber interessanterweise komplett wahnsinnigen Querulatoriker und international umtriebigen Nah-Ost-Korrespondenten aus Phantasialand.

Weitaus weniger wird mir die Bande der altdeutschen Alk-Fraktion abgehen, die in dem verschimmelten Loch unter mir bis vor kurzem nachts um drei oder Hatz4 ihre Wodka-Parties feierte, stur weg allnächtlich Marius-Müller-Westernhagen-Hits aus den 70ern gröhlte und mich – halbwegs widerwillig – die Muslime hoch schätzen lehrte, die wenigstens niemals volltrunken durch die Nacht klabautern und auch nicht morgens ihre doofen Mops-Köter zum Scheißen in den Hof schicken.

Was ich sonst noch erleichtert hinter mir lasse, erwähne ich nicht, um den stets über mir schwebenden Vorwurf der Ausländerfeindseligkeit zu umgehen. Dabei bin ich nicht im mindesten Fremdenfeind, im Gegenteil, ich kann nur Menschen generell nicht besonders gut leiden. Wo sie jeweils im Einzel- oder Gruppenfall dahergeschneit kommen, ist mir dabei herzlich egal. Blödheit ist per se kosmopolitisch und eine durchaus globale Erscheinung – das lernt man im Geddo. Überhaupt durfte ich hier eine Menge kapieren lernen: Z. B., dass der viel beschworene Multikulturalismus im wesentlichen darin besteht und solchermaßen funktioniert, dass ein gutes Hundert diverser Nationen auf engstem Raum, unter Aufbietung aller erdenklichen Höflichkeit und diskreter Distanz, gepflegt aneinander vorbeilebt.

Was Besucher aus dem bürgerlichen Ausland ja nie glauben wollen: Sicherer als hier ist es nirgends. Drei Jahre im übelbeleumdesten Geddo – und ich fahre immer noch das gleiche Fahrrad! Das ist ein Rekord, den ich im „bürgerlichen“ Innenstadtviertel nie geschafft habe. Es wird ja viel, unter anderem von mir, über die archaischen und mittelalterlichen Mentalitäten gewisser Zugewanderter geredet. Aber, mal im Ernst und andererseits: Zu den überkommenen Traditionen gehört auch der Respekt vor älteren Menschen und vor Lehrern. Ich habe das zu schätzen gelernt.

Jetzt bin ich ein paar Tage offline.

Demnächst something completely different: Spannende Berichte über Rollatoren-Rocker, Kirchentags-Punks und die allsonntägliche Morgenmahls-Prozession der Methadon-Marginalen. Geddo, Leute, ist im Grunde nämlich überall.

Zug um Zug: Umzug (Hegel und das Tao 2.0)

3. Juli 2012

Home, sweet home…

Unter den philosophischen Großzauseln des 19. Jahrhunderts steht mir Hegel eigentlich am fernsten; gar zu monströs und abwegig erschien mir immer sein monumentales Weltgeistgebastel, trotz allem Respekt, – den ich aber freilich auch Menschen entgegenbringe, die in lebenslanger Hobby-Fron im Keller den Kölner Dom maßstabgerecht aus Streichhölzern zusammenleimen: eine grandiose Leistung, das ja, das schon, aber doch letzten Endes von geringem Nutzen für die Menschheit. – Was mir den schwäbischen Starkbierdenker trotz seiner bierernsten Humorlosigkeit dennoch ein wenig liebenswert macht, ist seine zutrauliche und freimütige, aber doch dezidierte Ablehnung der Alpen.

Der Anti-Romantiker fand sinn- und vernunftlos aufgehäufte Gebirge schlichtweg banal; bei einem Ausflug in die Berner Alpen notierte er vorbildlich herzenskühl: „Die Vernunft findet in dem Gedanken der Dauer dieser Berge oder in der Art der Erhabenheit, die man ihnen zuschreibt, nichts, das ihr imponiert, das ihr Staunen oder Bewunderung  abnötigte. Der Anblick dieser ewig toten Massen gab mir nichts als die Vorstellung: es ist so.“ Das nenne ich mal konsequent und furchtlos gegen den Mainstream gedacht! Heilige Indolenz der Vernunft!

An den anti-alpinen Panlogisten  musste ich gerade denken, weil ich derzeit ohne Orientierung und nennenswerten Mundvorrat durch die Schluchten des Kartongebirges klabautere. König Ohneland muss nämlich sein Weltreich, in dem die Schreibtischsonne nicht untergeht, in eine ALDI-Tüte packen, bzw. in die Tüte kommen natürlich nur die Wertsachen, aberhunderte von Umzugskisten aber wollen mit Büchern befüllt werden. (Für unsere Kleinen: sog. „Bücher“ waren einstmals archaische, Gemütlichkeit und Wohnlichkeit stimulierende, Gelehrsamkeit simulierende, aber durchaus auch sperrige und in der Masse bleischwere Speichermedien aus der Goethe-Zeit; „Goethe“ indes nannte man so eine Art Sprachspielprogrammierer aus der Weimarer Puppenkiste; „Weimar“ wiederum ist … ach, ich hab keine Lust, das jetzt alles zu erklären, Mann!) Jedenfalls: totales Buddelschiff-Rätsel-Syndrom – ich frage mich, wie ich den ganzen Kram eigentlich je in mein winzig-karges Wohnbüro-Kloster bekommen und darin beherbergt habe, ohne selbst vor der Tür bleiben zu müssen.

Mein großes Tao-Buch, das wie immer nur allzu Recht hat, empfiehlt Männern meines fortgeschrittenen Alters, allen Besitz bis auf einen Wanderstab und eine Reisschale fort zu geben und in die Berge zu ziehen. Solche guten Ratschläge wurden allerdings zu einer Zeit ertüftelt, als man alles Wissenswerte noch mühelos im Kopf behalten konnte. Natürlich könnte der Wandermönch heute nebst Stab und Schale noch ein Notebook mitnehmen und den ganzen großen Lebensschamott in einer cloud parken – Tao 2.0, sozusagen. Aber dazu bin ich zu old school, und Berge, fällt mir grad ein, sind eh nichts für mich, da bin ich dann doch Hegelianer.

Außerdem stecke ich bis zum Hals in Wirklichkeit, in der Hegels Weltgeist-Dialektik gar nicht vorkommt; dafür Scheuerleisten-Probleme, Beleuchtungsangelegenheiten und diffizile Logistik-Wirrnisse. Dinge, die ich nicht studiert habe! Wirklichkeit ist wie alpine Gesteinsmassen: vernunftlos, blickdicht und doof positivistisch: „Es ist so…“, das ist noch das beste, was über sie zu sagen ist, freilich mit dem Zusatz: „…kann aber so nicht bleiben“.

 

Hirnstaub

23. Juni 2012

Triumph des Willens, der Kraft, der Freude (Source: Wikipedia)

Mutter, die nunmehr wohl schon komplett hemmungslos Wahnsinnige, hatte mich mit Zwetschgen-Knödeln geknebelt. Humpf, humpf. Das Badewasser wurde kalt, die Finger schrumpelten, mein mattes Widerwort erstickte in grünblauem Badedas. Warum trug ich eine Krawatte beim Baden? Und sonst nichts und war nackig? Mutter klopfte mir sanft, aber methodisch mit einem Löffel auf den Kopf. Sie glaubte fest, ich wäre ein Ei. „Eichen, mein selig Eichen…“ summte sie versonnen und salzte mir schmunzelnd den Kopf. Dann sagte sie über mir ein Vaterunser auf, in der Absicht, darauf dann in Andacht und Dankbarkeit mein Eigelb-Hirn zu verspeisen. Ich verschwiemelte glanzlos, und meine verdrehten Augen wurden blau vom Schaum, ich rutschte, fiel, fiel und hatte den Himmel schon weit unter mir. Was sollte mir noch Sinn? noch Zweck? Mit letzter Kraft zog ich Mutter gemein an den dünnen Haaren. Sie, die Entfesselte, schrie schrill auf und holte Gott aus der Kittelschürze, um mich mit seiner Hilfe zu kujonieren. In der Gegenwart des HErrn beschlug jedoch ihre Brille.

Ich nutzte das aus, sprang aus der Wanne und stieß dabei gegen den dicken, hölzernen Vater, der ohne Nutzen in der Badezimmertür stand und fassungslos durch seine 60er-Jahre-Hornbrille glotzte. Ich fühlte mich wie in einem Film von Ingmar Bergmann! – Was für Wirrnis begegnete mir? War dies meine Kindheit? So ein widriger Blödsinn? Aber nein! Das war bloß Traum, Alb, schleimiger Nachtschrecken. In Wahrheit,  und dies zu betonen bin ich der Mutter schuldig, wurde ich nie gezwungen, nackt und mit Krawatte zu baden, sie knebelte mich auch nicht mit Knödeln, und das einzige, was einigermaßen stimmt, ist das mit Gott und dem Vaterunser. Den Rest hab ich geträumt, was freilich keine wirkliche Beruhigung darstellt, weil, bitte, warum träume ich denn heute noch so etwas?

***

SPARGELonline ist mal wieder alarmiert: Die Lillipertulaner sind süchtig nach Quiz! – A, B, C oder D? Das ist die Welt-Frage, die Kleinwüchsige umtreibt, quält und beschäftigt! Das Leben ist ja ein multiple choice, ohne Aussetzen oder Publikumsfrage. Kein Telefon-Joker weit und breit. Unerbittlich fordert das Schicksal Entscheidungen und, blöd genug, sie sind immer, wirklich immer falsch. Soll ich in High-Heels sterben? Im Trainingsanzug? Ein Star in Gesang oder Tanz werden? Meine eigene Frau heiraten (vgl. Inzest)? Die Ukraine bokottieren? Oder gar einfach still in fader Bedeutungslosigkeit untergehen? Der Möglichkeiten sind bestürzend viele. Eine gute Muslima reüssiert wegen Kopftuchbehinderung nicht beim table dance, eine bayrische oder gar genuin Paderborner katholische Bauernmagd nicht im lukrativen Pornogeschäft und nie je, traun, wurde ein Zwerg Toptorhüter der Nationalmannschaft: Meine Möglichkeiten sind also begrenzt. Früher, als ich ein blutjunger, rotwangiger Punkrocker war, grölte ich mit Inbrunst: „No future!“ – Heute, wo ich tatsächlich keine Zukunft mehr habe, verstehe ich nicht mehr, was ich daran mal so toll fand.

Ansonsten ist natürlich alles ein Triumph des Willens, der Kraft, der Freude. Lebe deinen Traum! Du kannst Bundesbanker werden, Violin-Virtuose oder Golf-Magier, Hauptsache, du fängst mit drei Jahren an zu üben und sparst auf der Sonnenbank. Wer nur „schlafen, sterben, vielleicht träumen“ möchte wie Hamlet, fällt, padauz, durch den Rost. Karriere zum Knicken. Oooch, schade, aber unvermeidlich. Zum Glück gibt es guten Lebensersatz: Fußball, Olympia, Fürstenhochzeiten, Eurorettung, Rosé-Wein aus Spanien. Vor Fistel und fisten steht im Lexikon: Fiskalpakt. – Pain in my ass!

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Neuerdings habe ich einen Organspende-Ausweis, das ist meine Form von Optimismus bzw. Humor. Wer meine Organe kriegt, dem wünsche ich ja viel Vergnügen damit, aber das soll meine Sache nicht sein. Nach meinem Ableben lege ich keinen Wert mehr auf mich. Meinetwegen können sie auf meinen Knochen Marimba spielen. Akzeptabel fände ich es, wenn mein Schädel als Requisit in der Hamlet-Aufführung eines Behinderten-Theaters Verwendung fände.

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Francis Bacon hat gesagt, er hasse Bilder, die sich reimen, und gute Kunst sei alles, woran man sich hinterher nicht mehr genau erinnern kann. Das kann man so stehen lassen. Texte, die grooven, sind solche, wo man nie weiß, was im nächsten Satz kommt. Manchmal ist es bloß das plötzliche

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