Vorsicht: Freunde!


Ist auch bloß von der Versicherung...

Der Erzpole und geniale Multischlauberger Stanislaw Lem (1921-2006), er war Kybernetiker, Literaturwissenschaftler, Futurologe und Welttraumfahrer, hatte ein schwieriges Leben – er litt unter zu hohem IQ. Seine Zeitgenossen mieden ihn, weil sie dachten, IQ könnte vielleicht ansteckend sein. Ist es aber nicht, erwiesenermaßen. Den gleichen Quatsch, über den Lem schon in den 60ern kicherte, betreibt man heute immer noch.

Ich erinnere mich dunkel einer Lem-Geschichte, aus den Sterntagebüchern oder vielleicht eher den Robotermärchen, wo der Held, ein Versicherungsvertreter, – ich erzähle aus dem Gedächtnis –, um nach dem rechten zu sehen auf einen Planeten geschickt wird, auf dem blecherne Roboter die Macht ergriffen haben, welche die schleimbeutelig-fleischernen Menschen gnadenlos verfolgen und über sie ein übles Blechterror-Regiment errichtet haben. Zahllose Versicherungsrechercheure verschwanden bereits spurlos.  Dem Helden gelingt es aber nach einigen Verwicklungen, den machthabenden Zentralcomputer zu hacken, und es stellt sich heraus, dass alle terroristischen Roboter-Blechmänner auf dem Planeten in Wahrheit verkleidete menschliche, bloß fremdgesteuerte Versicherungsvertreter sind, die aus Anpassungsdruck und Opportunismus nur so tun, als seien sie Roboter-Rebellen.

Rund einhundertdreissig NPD-Fritzen, lese ich, seien in Wirklichkeit Versicherungsvertreter Verfassungsschutzagenten, wobei ich felsenfest glaube, die Zahl wurde sehr, sehr stark nach unten abgerundet. Jetzt kann man die braune Pest leider nicht mehr verbieten und in geschlossene Anstalten verbringen, weil das alles pensionsberechtigte Staatsangestellte sind, die nur unser bestes wollten.

Fürderhin werde ich also meine besten Freunde bitten, meine schlimmsten Feinde zu spielen, damit ich meine Gegner wenigstens jederzeit unter Kontrolle habe. Dies gibt mir ein Gefühl der Sicherheit, das ich einfach brauche, um meinen Freunden Vertrauen schenken zu  können, denn, sehen wirs mal so: Feinde kann man auf der Gehaltsliste führen – Freunde sind unbezahlbar. Ein Staat, der sich Freunde kaufen müsste, wäre zweifellos verabscheuungswürdig. Einer, der seine Organe für hoffnungslos geistesverwahrlost hält, aber gewiss auch. Lästige Logik ist hier völlig unangebracht und möge freundlichst unterbleiben!

Leitete ich ein Unternehmen, das ein begehrtes Produkt feilbietet, würde ich als erstes ein ernsthaftes Konkurrenzunternehmen gründen und ordentlich stark machen, denn auf diese Weise bin ich, aus intimer Kenntnis, der Konkurrenz immer einen Schritt voraus. Theoretisch jedenfalls, es sei denn, mein eigenes Intrigenspiel überforderte mich kognitiv, das wäre dann doof und gäbe eine schlechte Presse, weil betrogene Betrüger selten mit Hochachtung zu rechnen haben.

Bleibt eine Frage zur Chaos-Theorie: Wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings, wie es immer heißt, einen Tsunami auslösen kann, was passiert dann, wenn ein paar Millionen Mitbürger kollektiv und simultan den Kopf schütteln?

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2 Kommentare - “Vorsicht: Freunde!”

  1. /cbx Says:

    Die Lem-Geschichte kenne ich auch, ich finde aber, dass sie viel zu optimistisch konstruiert ist, um mit dieser Geheim-Staatspolizei-NPD Kacke verglichen zu werden. Deshalb ernenne ich Dich (damit Du es nicht selbst tun musst) zum Magister für atavistische Romantik und idealisierte Wahnvorstellungen.

    Ich habe bislang kein ernstzunehmendes Kopfschütteln bei meinen (eigentlich Deinen) Landsleuten erkennen können – außer, wenn ich ähnliche Gedanken äußerte wie Du. IQ war nie, ist nicht und wird auch nie ansteckend sein. Und hier schon gleich überhaupt garnicht!

    Wenn schon Kopfschütteln, dann bestenfalls so: „Nein, nein, nein, jetzt sind da schon 70% Verfassungsschützer in der NPD mit bei und das ist immer noch eine gemeingefährliche kriminelle Bande…“

    Drei mal abgeschnitten und noch immer zu kurz.

  2. steimi Says:

    Off-Topic und doch verwandt: Überlege mir gerade ob ich wirklich weiter bei wordpress.com bloggen soll. Der Server liegt ja in den USA und unsere Blogs unterliegen dementsprechend den US-Gesetzen.

    Der Artikel hier hat mir zu denken gegeben: http://www.nzz.ch/nachrichten/digital/crystal_cox_obsidian_finance_kevin_d_padrick_1.13605748.html

    Wenn ich jetzt in meinem Blog ein Unternehmen mit Sitzu over gar nur Filiale in den USA ans Bein pinkle … dann kann das teuer werden ?? ;-(


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