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Preisbewußter Underground kauft bei IKEA

21. September 2009
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Da ist er: der neueste Banksy! (Quelle/Autor: Gesehen auf nerdcore.de, auf flickr veröffentlicht von romanywg, über xfuckerx)

Jetzt ehrlich: „Banksy“ ist ein Kollektiv, oder? Kaum vorstellbar, daß ein lonesome nightrider über Jahre DERMASSEN gute Ideen hat! – Auch dies ein Kommentar zur unserer Wahl. Das Theater gekauft, der Protest dagegen leider auch, selbst wenn er davon nicht weiss!  Der Anarcho geht zu IKEA und holt sich den GROSSEN ANARCHO PUNK RUNDUMSCHLAG-Graffitti-Bausatz beim Lebensmöblierer aus Schweden.

Hoffentlich kann er aus dem Piktogrammsalat entnehmen, wie er die Silbenbauteile ZER, SCHLAGT, SCHWEI, NESYS, TEM!,  DAS, CAPI, FUCK, THE, TALISM! zur ersehnten „Grossen Punkparole“ zusammenschraubt! Wünscht ihm Glück! Letztmögliche Steigerung von PUNK: Brett vorm Kopf aus polnischer Preßholzspanplatte, Irokesen-Furnier (PVC) mit Rebellen-Optik aus Trüblack, das ganze Produkt hochgiftig, aber mit TÜV-Gütesiegel! PUNK RULES FOREVER! Und Banksy seh ich ja knapp vor der Genie-Grenze. Es sei denn, seine Sachen gibt es demnächst als fotorealistische Repros, auf Leinwand aufgezogen, bei IKEA Poster-Shop. Aber das glaub ich nicht.

Flashmob, Merkel Mobbing – Und alle so: „Yeaahh!“

20. September 2009
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Wie alles anfing. Veralberndes "Mashup" von Wahlplakaten

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Der immer öfter auf Bildern rund um den Globus auftauchende "crasher squirrel", ein Photoshop-Eichhörnchen, das jedes protzige Parade-Pic unter Garantie in Echtzeit komplett doof macht! - Übrigens, das "zomg" auf dem Mashup-Kleber bedeutet "zzzzz oh my god!"

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Ich steh auf Yes Men-Aktionen, Banksy-Statements sowieso, auf subversives Guerilla Marketing, und neuerdings auch wieder auf Flashmob, das heuer, in der Wahlkampfödnis (beyond the boredomline) die ultimative Polit-Satire liefert, die über Horst-Schlämmer („Isch kandidiere!“) und Titanic-Partei („Zukunft für alle!“) noch ins Grenzenlose hinausgeht.. Flashmob wird zur Demonstration, ohne selbst politisch zu werden – es gibt einfach nur die Entpolitisierung der Politik verstärkt zurück.

So vorgestern abend am Gänsemarkt in Hamburg. Die Porträt-Plakate hatten es braatzbunt und nutten-nichtig in die staunende Welt posaunt: „DIE KANZLERIN KOMMT“ – worunter jemand mit Edding im typishen Nerd-und Schüler-Speak-Tonfall lakonisch geschrieben hatte: „Und alle so: ‚Yeaahh!’“

Das reichte bereits. Kaum war das Foto dieses Kommentars auf den einschlägigen Blogs (nerdcore.de, spreeblick.com) veröffentlicht, vernetzte sich die Spaßguerrila und traf noch rechtzeitig in zwei, drei Hundertschaften  zum Entpolit-Endspurt-Event am Gänsemarkt ein. Jedesmal, wenn die Kanzlerin nun eine ihrer tausendmal heruntergequakten, vorgestanzten hohlen Statement-Phrasen beendet hatte, schallte ihr ein frenetisches „Yeaahh“-Gejubel entgegen, was sich dann im Zusammenwirken zwischen Solo und Chorus zu einer granaten-komischen, anarcho-neo-dadaistischen Performance entfaltete. Es war unbeschreiblich schön. Ein Rausch entfesselt hysterischer Blödheit irgendwo zwischen Goebbels-Verzückung und einem Life-Auftritt von The Prodigy: Die Kanzlerin erwies sich dabei als lediglich begrenzt reaktionsfähiger, androider Quak-Roboter, der ungerührt mit aufgesetzter, stimmtrainer-trainierter Kämpferischschkeit und immer gleicher, quakig-impertinenter Pathos-Pampigkeit die Plaste-Perlen populistischer Platzpatronen-Pumpguns ins Publikum pumpte oder pampte, und für jedes noch so hirnrissige Hohlraum-Vollrohrdummdumm-Geschoß ein seliges, zusehends fanatischeres, von Wellen konvulsischen Kicherns, Giggelns, Kreischens, Prustens, Jubelns und Trubelns begleitetes „Yeaahh!“ erntete.

Und alle so: „Yeeeaaaahh!“ Mit jedem Wechselgesang strahlte die vollkommene Sinnentleertheit der mechanisch-leerlaufenden Politik-Phrasen-Maschine im reineren, abendbesonnt goldenen Glanz eigener absoluter Bescheuertheit. 

Vielleicht muß man das gesehen – oder gar mitgemacht haben – um die bittersüße, doppelmoppel-ironischer Komik dieser Spiegelfechterei auf dem Boden hingebungsvoll zelebrierter Absurdität und Nullnummerhaftigkeit goutieren zu können. Das Schlagwort heißt: Vernichtung der Macht durch Affirmation! Vergeßt Trillerpfeifen, Sprechchöre und das! An posierende Polit-Androiden ist Politisches bloß verschwendet, Gebt ihnen tausendfach zurück, womit sie euch bis zum Überdruß einseifen. Sagt zu allem enthustisch Ja! Bzw. Jaaa! Und alle so: „Yeaah!“

 

UPDATE: Das Original-Plakat mit dem handschriftlichen „Und alle so: ‚Yeaahh!'“ wird zur Zeit bei eBay versteigert. Der Erlös kommt der Hamburger Obdachlosen-Arbeit des CaFee zu gute. Steigert mit! Dieses Poster wird Zeitgeschichte machen!