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Vorbild Nacktnasenwombat (Über Verpackungsamok)

19. August 2010

Kopfschütteln, Knurren, Zähneknirschen: Der Nacktnasenwombat (Foto-Welle: Wikipedia, Artikel "Wombat")

Durchweg friedfertig bin ich, notorisch sanftmütig wie der manierliche Nacktnasenwombat – ein umwerfend harmloser Beutler und dickköpfig eigenbrötlerischer Pflanzenfresser, der aussieht wie das mythische Heffalumpp aus „Pu der Bär“ bzw. wie ein überdimensioniertes Meerschweinchen –, ein durchaus wehrhaftes, aber nur selten gewalttätiges Tier, das, laut Wikipedia, bei Verärgerung lediglich den Kopf schüttelt, knurrt und mit den Zähnen knirscht, ansonsten aber schnuffelnd seiner Wege geht und sich in seinem selbst gegrabenen Loch verschanzt. Natürliche Feinde hat er keine; wenn doch einmal ein Unbefugter ihn in seinem Bau belästigen will, verkorkt er das Eingangsloch einfach mit seinem plumpen, kräftigen Hinterteil und schaltet auf stur. – Mein Wappentier!

Aber jetzt reicht es. Kraska rastet aus! Ein Stuben-Wombat sieht rot! Wildwütig sieht man mich in der Kammer herumtoben wie Rumpelstilzchen oder dieser damalige Zeichentrick-Choleriker aus der HB-Reklame in den 60ern („Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zu HB!“): Wie auf hartem Ritalin-Entzug spring ich im spitzen Dreieck und stoße obszöne Verwünschungen, ja sogar infernalische, wenn auch ungezielte  Morddrohungen aus! Vorerst nämlich leider noch „gegen unbekannt“, denn welcher grundböse Dr. Mabuse oder was für eine anonyme  geistesverwahrloste Clique Kittel tragender Laborsadisten mich da in den Wahnsinn treiben will, weiß ich nicht. Oder warum. – Nur womit, das weiß ich: Mit Verpackungen.

Natürlich leuchtet es mir ein, dass man hochwertigen Waren-Kram, etwa so Elektronik-Geraffel oder High-Tec-Kleinzeug nicht einfach so nackt auf prollige Wühltische schmeißen kann, damit womöglich grobschlächtiges Kundenpack mit ungewaschenen Fingern darin herum graben könnte wie toll gewordene Konsum-Wombats. Moderne Logistik erfordert widerstandsfähige Verpackungen, klar, die Frage ist nur – Widerstand gegen wen?

Ich weiß nichht, ob euch das schon aufgefallen ist: Neuerdings, vielleicht seit zwei, drei Jahren werden Speicherkarten, Lesegeräte, Sticks & Kabelkram, möglicherweise, weil das teure Zeug optisch sonst irgendwie nichts hermacht, nämlich in eng anliegende, millimeterstarke Schneewittchensärge aus einem neuartigen Plexiglasimitat-Kunststoff eingeschweißt, einem Material, derart leder-zäh, kruppstahlhart und „unkaputtbar“ (!) fest verklebt, dass es sich um ein Abfallprodukt der Weltraumforschung handeln muß: Wasserdicht, erdbebensicher, abweisend gegen Meteoriteneinschläge, nukleare Sternenfeuer und Schwarze Löcher. Ein Meisterwerk der Chemie-Ingenieurskunst!

Nur eine Lasche, einen Nippel oder eine Sollbruchstelle mit der Aufschrift „Bitte hier öffnen!“ sucht man vergebens. Stattdessen zerrt, würgt, reißt, kratzt, frickelt und fummelt man sich die Finger blutig, bis man, nach einer Stunde, Irrsinn in den blutunterlaufenen Augen, losrennt, „Werkzeug holen“. Na, dann viel Vergnügen, Bastelkönig! Nagelfeilen, Grillspieße und Stricknadeln brechen sofort; edle japanische Fischmesser aus Damaszenerstahl sind zu schade; Patentscheren werden stumpf oder lösen sich aus dem Scharnier; Heckentrimmer, Flex und Schneidbrenner sind zu unpräzise, desgleichen Dynamit und Semtex. Am Rande des Amoklaufentschlusses sägt, schnippelt, hämmert, bohrt, sticht, brennt, hackt, ätzt und häckselt der scharf gemachte Verbraucherdepp an der tadellos stabilen, transparent-blanken Superfolie herum, die indes nicht mal einen Kratzer bekommt und das Objekt der Begierde in unmittelbarer Nähe, aber auch höhnischer Unerreichbarkeit glänzen läßt. Ein Königreich für ein Laser-Schwert! Falls man keinen mittelschweren Bolzenschneider besitzt, kommt man noch am besten, ich gebe den Hausfrauentipp gerne weiter, mit einer Kombi- oder Kabelzange voran.

Schon wenigen Stunden später zeigen sich erste kleine Risse in der Verpackung, Haifischzähnen gleich fahren rasiermesserscharfe Plastik-Splitter aus und machen sich bereit, dir hinterrücks heimtückisch die Heimwerkerhände zu zerfetzen. Zu diesem Zeitpunkt, sagt die Gattin, hätte ich begonnen, mit den Zähnen zu knischen und knurrende Geräusche von mir zu  geben.

Kurz bevor ich endgültig in Weißglut geriet, nahe daran, das Drecksding zurück zum Händler zu bringen, um es ihm entnervt vor die Füße zu schleudern (wahrscheinlich hätte ich es damit geknackt?) kapitulierte der Panzer schließlich doch noch. Schweißgebadet, blutüberströmt und kurz vorm Schlaganfall gelang es mir, das 2cm große Kartenlesegerät zu befreien. Leider erwies es sich als defekt. An der Verpackung kann es nicht gelegen haben.

Entscheidend für das Verpackungsknacken ist richtiges Werkzeug!