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Puffreis (Gruß aus der Puppenküche)

15. März 2012

Traum vom Fliegen (Fotoquelle Wikipedia)

Gespräch mit dem Kinde. – „Was möchtest du denn mal werden, Kleiner?“ – „Ich werd krank!“ – „Waas? Krank?“ – „Ja, und denn wieder gesund. Da bin ich immunitär und werd Super-Held. Also Weltretter und so.“ – „Und wovor oder wem willst du die Welt retten“? – „Vor Lurchen! Dings, Schlampen. Oder Schrunden? Nee, warte: vor Schurken! Schurken ist das richtige Wort!“ – „So bösen Trenchcoat-Menschen?“ – „Jaha, genau! Die mach ich platt, mit’n Flammenkuchen…“ –  Gott, was für ein bescheuerter Dialog! Wie will ich so jemals einen anständigen Roman zustande bringen? Das macht doch keinen Sinn! Ich fang noch mal an…

Konfusionstechnik. – Was empfiehlt das postmoderne Benimm-Kochbuch derzeit eigentlich, wenn es im Treppenhaus zu unerklärlichen Unheimlichkeiten kommt? Wenn, sagen wir, aus dem Halbschatten hinter der verdorrten Flurpalme unversehens eine unfrauliche Frau, baulich unverfugt, im Schreckschraubenoutfit, mit Hornbrille und Hütchen auf dem schwarzblondierten Haar, auf einen zuschießt und faucht: „Sie sind seit Monaten eine Zumutung für mich!“ Hat der Kafka-Franz sie geschickt? Ist die Feder am Hut vom Paranoia-Vogel? Wer besäße in einer solchen Situation voll dubioser Implikationen und Unwägbarkeiten die legendäre Schlagfertigkeit des mythischen Hypnose-Therapeuten und Konfusionstechnikers Milton Erickson? Er hätte geantwortet: „Darf ich vielleicht anbieten, Ihnen eine Stricknadel ins Ohr zu stecken?“ Natürlich müsste man dazu noch ein absolut undurchdringliches Buster-Keaton-Gesicht machen und fragend auf seinen Kragenknopf deuten.

Shoppen mit Schwung. – Seltsamerweise können auch Vergeblichkeitsträume gelegentlich euphorisierend wirken. In einem großen Warenhaus für Galanteriewaren und Kreativkitsch fragte ich jüngst nach einer lebensgroßen Erich-Honecker-Büste aus Rauchglas, gefüllt mit rosenfarbenem Duftwasser. Ich meinte, dergleichen im Schaufenster erspäht zu haben. Man behandelte mich mit vorzüglicher Hochachtung und nannte mich ständig Herrn Dr. Brauchburger. So heiße ich zwar keineswegs, ließ es mir aber doch gefallen und erfreute mich der Zuvorkommenheit, die mir sowohl die Prinzipalin als auch der leitende Ladenschwengel zuteil werden ließen. Im Lager fand sich zwar nichts mehr, was meinem Wunsch gleichkam, obwohl man große Suchanstrengungen unternahm, aber dennoch verließ ich das Geschäft beschwingt und erhoben, noch im Erwachen lachend, ohne dafür einen zwingenden Grund angeben zu können.

Aus der akademischen Welt. – Ebenfalls traumentsprungen: Deutschlands jüngster Professor! Er hieß Korbinian Herrnwisch (24),  war Experte für proszillitäre Protreptologie an der Uni Münster und trat in einer Talkshow auf. Er wirkte schüchtern, litt offenbar unter Selbstzweifeln und war unfähig, dem Publikum im Studio plausibel zu machen, worin genau seine Tätigkeit bestand. Immerhin war ihm das Geständnis zu entlocken, dass an der Uni Münster bislang noch gar keine Proszillatoren installiert seien, aus Kostengründen. Dafür wusste er mit der Mitteilung zu verblüffen, dass es in Münster praktisch keine Studentinnen der theoretischen Pataphysik gäbe, die kein sog. Arschgeweih ihr eigen nennten. Ratlos starrte der Moderator in seine Karteikarten.

Doppelte Angstüberwindung. – Ja, zugegeben, ich träume von Reisen auf dieser Windmaschine: Nicht so sehr, wie ich die Drahtabsperrungen des Stromparks überwinde, den ragenden Mast mühselig besteige, den Turm des Wahnsinns erklimme, das Herzstück erreiche, die allfällige Höhenangst herunterschlucke, mich überwinde, mich mental einkriege, tieftief durchatme, nein, aber wie ich dann, endlich oben angekommen, befreit beschleunige, abhebe und los fliege – das hat was! Hab ich erwähnt, dass ich eine reizende Frau habe? Sie fliegt natürlich mit, auch wenn sie unter Flugangst leidet. 

Im Geddo: Cherchez le pig (Deutsch nichso gut)

9. Dezember 2010

Rätselhaftes Schweinchen: Was hat man auf der Pfanne?

 

Für Chris & Hella (Gute Besserung, Mensch!)

„Dialog der Kulturen“ im Geddo. Fragt kleiner serbischer Nachhilfe-Schüler mich: „Lehrerr! Ch’abb isch mal Frage – darf ich? – „Hhmmm?“ – „Lehrerr, bist eintlich … Müslim?“ – „Nee! Niemals nich!“ – „Und, ja aber, Herrr Lehrerr, ch’ast du doch Frau! – Deine Frau, ist der denn Müslima?“– „Also erstens heißt es: ‚die’! Und außerdem, nö, schätz ma erst recht nich!“ – „Ach so, denn is der Krist oda was?“ – „’Die’, Blödmann!!! Aber sonsten: nö, wohl auch nicht…“ – „Unn was seit’n ihr denn zusammen?“ – „Na, weißt … eher so … halt … nix!“  – „???“ – „Na, schaust, Kleiner, Deutsche sind oft weder Krist noch Müslima…“ – (Schüler, sich stolz aufrichtend): „Aba binnisch auch Deutscher … –  und ischbinnich Muslim!“ – Ich, etwas jovial: „Ja, und? Was issn das gezz überhaupt so dolles, Muslim?“„Wir essen kein Schweinfleisch!“ kommt die Antwort prompt wie aus dem Bolzenschussgerät geschossen. Aha.

Aber mal andere Frage: Schweine jetzt – sind die, also von sich her, eigentlich „halal“, „koscher“ oder „ungläubig? Kurzum, was frisst’n so’n Schwein denn selbst? Ja klar, die Studis von der Wikipedia-Uni schnipsen eifrig mit den Fingern. Nach ihrem frisch gebackenen Klickwissen sind Schweine nämlich „Allesfresser“. How how! Beißen, schlingen und knuspern also alles Organische, was nicht bei „drei“ auf den Bäumen ist! Toastscheiben, Suppenreste, Kartoffelschalen: Dem Schwein ist alles Wurscht! Notfallls, wie mein Lieblingsfilm „Hannibal“ zeigt, frisst das wilde Waldschwein auch unmenschliche Bösewichter. Verdient hamses ja wohl, oder?!

Weil isch bin gutte Lehrer, ging ich Sache auf Grund. Schwein! Gibssu mir Wahheit! Bist du koscher, halal oder bös schlimmer Finger? Stieß ich auf so rundes Töppchen „Appel-Grieben-Schmalz“ von öko-edlem „Apfelparadies“. Aah! Ha! – Bzw.: Was? Wie? Ob denn lecker? Ja, ja, klar! Aber nicht die Frage. Auf Deckel von Töppchen hatte Chef von Schmalz-Schmiede (wer sonst traut sich so, bitte?) unbeholfen visuelle Graphik appliziert. Siessu drauf eines von den drei kleinen Schweinchen (Oink-oink-oink, aber ohne böse Wolf, wo pustet Häuschen um!), keckes Kochmützchen auffm Schweinskopp druff. Unterm Hals war so dünnes linkes (!) Ärmchen windschief drangemalt, wo hält seinerseits Pfanne in Pfötchen (sieht bisschen aus wie Augsburger Puppenkiste, Serie: „Die Mumins“). In Pfanne aber nun wiederum entweder vielleicht a) boah! ein klein niedlich Hundchen (hä? Is das chinés Schwein? Unn essen süß-saure arme Hundchen mit Soja unn Anananas, wo doch aber niedlich? – Bah!) , – oder doch vielleicht eher b) noch mal’n Schweinchen (also das zweite von den drei kleinen…). Was soll’n das? Grübel-grieben-grübel.

In Kopp von zweitem Schweinchen stecken, schlarraffenlandesk surreal unwirklich bereits verzehrfertig & verbrauchergerecht Messerchen und Gabeline. Geht Hermeneutik auf Grundeis: Wie jetzt? Is Schweinchen denn kannibal? Schwein & Schweinchen im Blickwechsel: Mag ich disch? Fress isch disch? Bissu Koch oder Opfer, du … Sau? Kannibalische Wohlfühlkommunikation! Schwein guckt Schwein guckt Schwein guckt Schwein … und so weiter. Rätselbild! Fiesolophisch gesagt;  „Selbstobjektiviert und entfremdet durch den die Anerkennung verweigernden Blick des Anderen wird das Subjekt, den Fremden er-blickend als subjektiviertes Objekt auf der ent-fernt anderen Seite des Blick-Agons, seinerseits subjektiviert, kurz: wird im dialektischen Blickwechsel das identifizierte Andere seiner selbst im Spiegel des fremden Blicks“ (J.-P. Sartre, „Das Sein und das Nichts“). Jaha! Genau! Resp. Au weh!  Das Schwein ist des Schweinchens böser Wolfi! Das Böse lauert überall. Wer Schwein, wer Wolf, wer Werwolf? Der Apfel der Erkenntnis fällt im Apfelparadies (!) nicht weit vom Schwein. Hirnschmalz siedet, mit Apfel und Zwiebelgemüse, Grieben noch dabei. Dem Reinen ist alles Schwein. Aber wie soll das ausgehen?

Wie schön iss Muslim-Sein. Nix Dialektik, nix kannibal, nur sauber Übersicht und klare Regel: „Wir essen nix Schwein!“ Kann Schwein mal sehen, wo bleibt. Botschaft von Werbung ist schweindeutig: „Wir obergut, wir vorsichtshalber mal nix essen von unübersichtlich Tier! Wie sagt Proffeeht? Kannibalschwein is grundbös das! Genau wie Schnaps und fiese Kippen!“ – So, jetzt klar das. Schwein unrein unn hat Gesicht wie Steckdos! Sogenannt Schi-nitzel ist Essen von Ungläubige Hunde wie mich und dir! Womit geklärt  Ontologie von Schwein, – wir nix essen dies, bah & basta!

Weil gutte Lehrer immer geben Weltwissen, ich erklär: Wir auch nix essen Oile, Meerschawein und Käng-Guru! Aber sind deswegen nicht doll stolz drauf. Gebe kein Distinktionsgewinn. (Wort Schüler nich verstehn. Aach, mache nix, egal!) Weil deutsch, auch nich schlingen Frosche, Spaghetto und Kakerlak. Aber deswegen nich gleich gut, weil andermal wieder knuspere Kroko, Hummere und Auster-Schleim. Stecke in Mund, was kommt. Unsere Gott egal. Will nur nich, dass wir beiße in Goldene Kalb. Goldene Kalb ganz schlecht, auch in Scheibe (Schi-nitzl).

Serbische Freund’ von „Lehrerr“ fressen gern Manne-Essen: Fett mit Fett an Fett in Fett, aber bittscheen mit gut Buttersoße, sowie viel mit dicke Käse bei. Ja, schaust du: Dicke Mann, gutte Mann, unn is auch viel testosterone Mann-Mann! Frauen machen scharf, wenn dicke Mann! Mann muss immer könne, esse Viagra, fette Lamm, Hammelbein und mächtige Huhn mit Fetttauge-Suppen. Geht alles, wenn hinterher Slibo gut viel.  Hauptsach, nix Schwein. Schwein doppelplusungut. Allah unn Proffeht will nich wissen von Schwein. „Ich soll geschöpft haben? Nie, nix, nimmer. Ist doch krass eeklich Geziefer! Sieht aus wie Mensch, schmeckt wie Mensch, rolle blonde Auge wie Mensch, wenn köpfe.“, so sagt Herr Koran.  Allah meine nich gut mit Schwein. Zwar geschöpft, aber Ausschuß von Schöpfung!

So, willzu esse gut Schweinschmalz, gehssu in Paradies von Apfel. Nix 72 Jungfraue, aber gut esse! Mann stark danach! Ganze Runde ruft: „Ey, Wirt, mache Slibo fiehr Lehrerr! Is nich Müslim, aber gutte Mann, derr Magistrevic!! Weiß immer Bescheid!“ Frau aber schittelt Kopf (ohn Tuch). Hat sie wirklich gesagt: „Mann! Du bist zuviel in dieser Serbenkneipe! Du verblödest da noch!“ ?

PS: Chabb ich gehert, Freund von Freund Chris is anne Airport London gestoppt, weil hatte Töppchen Grieben-Schmalz in Gepäck. Musste ausläffeln an Gate zweihunderfuffzich Gramm von die fette Schmier! Hat danach nebbich bisschen explodiert, und war dann alles voll … Schweinesch…malz. – Allah! Wußt ich, dass Schmalz is fettich und schwer im Magen. Aber Sprengstoff? Nich glauben. Schwein harmlos. Und Islamerer-Terrorist geht nie mit Schwein!