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Real gone

20. Juli 2012

„Sach ma, wo is eintlich der Proff gezz immer? Ich wollt ma nach dem hin wegen so paar kleine Schriftstücke…“ – Tut mir leid, Freunde. The master of desaster(-prevention) is temporarily not available. Ich muss jetzt in den Obergrund. Untergrund ist zu voll geworden. Außerdem brauch ich mal gemäßigte Sozialklima-Tapeten und will auch nicht mehr immer der bunte Hund sein. Inzwischen kennen mich sogar die beiden Brennpunkt-Bullen schon so gut, dass man auf der Straße stehen bleibt, um ein Pläuschchen mit mir zu halten: Wie läufts? Alles ruhig? Irgendwelche neuen Drogerie-Märkte eröffnet? Die Herren haben übrigens – was? Etwa Verstärkung bekommen? Na, das nun nicht gerade, aber brandneue, total schnieke dunkelblaue Uniformen, dazu blaue Krawatten und schneeweiße s-steife Dienstmützen. Wenn das doppelte Kriminalabschreckungslottchen des Sommermorgens, wenn es mal nicht regnet, gemeinsam Arm in Arm im Geddo auf Streife geht, sehen sie aus wie Kapitänleutnants-zur-See auf Landgang. Hey-Ho! Dies nur nebenbei. Alles wird gut, manches sogar besser.

Einige Nachbar-Menschen werden mir fehlen: Der Trinkteufel und eiserne Sportrentner Horst, der dauertraurige Milan, mein Busenfreund und Busfahrer Branco-Bär natürlich, und sogar der bekloppte Nachbar, Bastelbaumeister  und Spezialist für die Produktion kostspieliger Wasserschäden, Emre Özgur, sowie sowieso die gescheite nette Kopftuch-Frau von gegenüber, die mir immer meine Vorurteile zerlegt hat; dazu „Mazze“ Vlado, der mazedonische Ex-Seemann, der in Ex-Jugoslawien immer nur in der Kaserne blieb („war wegen damalig leider scharfes Mangel an Schiffe, verstehst?“), ferner Ahmed (Import-Export), besonders überdies Pitti, der stocktaube Hausbesorgerinnen-Witwer, treue Blockwart und Hausverweser der Mülldomäne; die black community werde ich nahezu durch die Bank vermissen – die Männer, mehr noch ihre Königinnen und am meisten die blitzgescheiten, pfiffigen polyglotten Milchkaffee-Kids, dazu noch die blujungen, ranken beauty queens des Disco-Islam, allen voran Azizze, das kurdische Bildungsdornröschen, und zu guter letzt vor allem Werner Rombach, den lebenstüchtigen, aber interessanterweise komplett wahnsinnigen Querulatoriker und international umtriebigen Nah-Ost-Korrespondenten aus Phantasialand.

Weitaus weniger wird mir die Bande der altdeutschen Alk-Fraktion abgehen, die in dem verschimmelten Loch unter mir bis vor kurzem nachts um drei oder Hatz4 ihre Wodka-Parties feierte, stur weg allnächtlich Marius-Müller-Westernhagen-Hits aus den 70ern gröhlte und mich – halbwegs widerwillig – die Muslime hoch schätzen lehrte, die wenigstens niemals volltrunken durch die Nacht klabautern und auch nicht morgens ihre doofen Mops-Köter zum Scheißen in den Hof schicken.

Was ich sonst noch erleichtert hinter mir lasse, erwähne ich nicht, um den stets über mir schwebenden Vorwurf der Ausländerfeindseligkeit zu umgehen. Dabei bin ich nicht im mindesten Fremdenfeind, im Gegenteil, ich kann nur Menschen generell nicht besonders gut leiden. Wo sie jeweils im Einzel- oder Gruppenfall dahergeschneit kommen, ist mir dabei herzlich egal. Blödheit ist per se kosmopolitisch und eine durchaus globale Erscheinung – das lernt man im Geddo. Überhaupt durfte ich hier eine Menge kapieren lernen: Z. B., dass der viel beschworene Multikulturalismus im wesentlichen darin besteht und solchermaßen funktioniert, dass ein gutes Hundert diverser Nationen auf engstem Raum, unter Aufbietung aller erdenklichen Höflichkeit und diskreter Distanz, gepflegt aneinander vorbeilebt.

Was Besucher aus dem bürgerlichen Ausland ja nie glauben wollen: Sicherer als hier ist es nirgends. Drei Jahre im übelbeleumdesten Geddo – und ich fahre immer noch das gleiche Fahrrad! Das ist ein Rekord, den ich im „bürgerlichen“ Innenstadtviertel nie geschafft habe. Es wird ja viel, unter anderem von mir, über die archaischen und mittelalterlichen Mentalitäten gewisser Zugewanderter geredet. Aber, mal im Ernst und andererseits: Zu den überkommenen Traditionen gehört auch der Respekt vor älteren Menschen und vor Lehrern. Ich habe das zu schätzen gelernt.

Jetzt bin ich ein paar Tage offline.

Demnächst something completely different: Spannende Berichte über Rollatoren-Rocker, Kirchentags-Punks und die allsonntägliche Morgenmahls-Prozession der Methadon-Marginalen. Geddo, Leute, ist im Grunde nämlich überall.

Into the ghetto (Captain Catastrophy’s movin‘)

10. August 2009
superman

Für den Umzug braucht man gute Männer!

Wer von euch, meine Freunde, hätte gern ein durch und durch langweiliges Leben? Wohl kaum einer, oder? Wer will denn schon öden Alltagstrott ohne würzende Abwechslung! Aber bitte Vorsicht mit Wünschen! Sie könnten nämlich in Erfüllung gehen, – und dann explodiert völlig unerwartet und aus heiterem Himmel die gesamte Existenz und die alltägliche Normalität fliegt einem aber schon dermaßen um die Ohren, daß einem Hören und Sehen vergeht! Mein schöner Alltagstrott! jammert man dann, aber es ist zu spät: das Leben muß jetzt raus, toben! Leute, glaubt einem alten Hasen in Sachen Dasein: So etwas passiert schneller, als man denkt! Bzw. denken kann. Und vom Alter, macht euch da nichts vor, ist das gar nicht abhängig! Auch durch widerstrebende, morsche Knochen fegt, wenn es Zeit dafür ist, ein frischer kalter Wind of Change (vgl. Sse Skorrpions).

 Im Film ist so etwas natürlich keine große Sache: Innerhalb weniger Minuten ist man untergetaucht, hat Stadt, Identität und Anzug gewechselt, kann plötzlich fliegen wie eine Fledermaus oder senkrechte Hochhaus-Wände hochklettern wie Super-Spinnen, verfügt über atomare oder phantastomate Geheimwaffen aus der Zukunft wie der Terminator, und man rettet sich und die Welt innert 90 Minuten vor dem Bösen. Wer allerdings leider kein Superheld ist, zufällig, könnte das rasche Untertauchen, die Emigration oder das Instant-Exil zu organisieren für eine schwierige Aufgabe halten. Kinohelden besitzen nämlich in der Regel weder tonnenschweren Bücherwände, noch einst zu teuer erworbene Kunst oder auch nur Elektrohaushaltsgeräte und Lattenroste, Kleiderschränke, Schreibtische oder Wäschespinnen. Die sich unweigerlich im Verlaufe des Daseins ansammelnde Halde von Lebensschrott ragt wie ein Berg, und man kann doch nicht ALLES wegschmeißen!

 Mit der neuen Existenzstellenbeschreibung (Daseinsabenteurer Kraska ist derzeit mal  Wandermönch, Exilant, Heiliger des Ghettos und Engel der Bescheuerten, Besoffenen und gänzlich dem Außenseitertum Verfallenen!) mussten Rochaden, Retiraden und Remisen organisiert werden; Dinge von Format und Gewicht wollten in kürzester Zeit verräumt, verpackt, verbracht und verschifft werden – und da mein Nervenkostüm ein extrem sensibles, komplexes und hochgradig irritables ist, dachte ich: Oh manno, resignier!, ich brauche professionelle Hilfe!

 Vom Therapeuten? Nee, das besser nicht. Aber ein richtig, richtig gutes, diskretes, schnelles und preiswertes UMZUGSUNTERNEHMEN, DAS wäre jetzt gut! Objects of desire: Junge, alerte Männer, die nicht viel reden oder fragen, sondern cool, calm & collected ihren heiklen Job durchziehen, besonnen, effektiv, diskret, bärenstark, kampfgestählt, durch nichts abzuschrecken oder umzuhauen, und dabei sensationell  und schier verblüffend preiswert; Möbel-Samurais mit der katzenhaften Schnelligkeit und Härte von Auftragskillern und der zartesten Einfühlsamkeit von pro-familia-Beratern, ausgestattet mit gefürchteten Sekundärtugenden wie Umsicht, Vorsicht und Rücksicht, begnadete Mit- und Selbstdenker, Elite-Kämpfer, Kameraden auf der road to nowhere, ja, ich möchte fast sagen: Krieger. Moderne, mobilitätsorientierte Umzugskrieger! Woher kriegt man aber solche soldiers of fortune resp. furniture? Und sind solche Schrankewandbezwinger und Bücherkarton-Sherpas nicht unbezahlbar? Na ja, eigentlich schon. Und doch wieder nicht: Wenn ihr im – äußerst großzügig bemessenen! – Großraum von Düsseldorf-Duisburg-Krefeld lebt (und plötzlich untertauchen müsst), und nun jammernd zu mir ins Ghetto kommt (ihr findet mich Rande, am Rande des Abgrunds, der Gesellschaft und des Sinns!), dann gebe ich euch einen Rat, der u. U. GOLD wert ist: Wendet euch an meine Freunde von der SHD!

 SHD … Soldiers of Hope and Defense? Service for Happiness on Demand? Nö, bloß lapidar „Selbsthilfe Düsseldorf“. Eine Initiative von Arbeitslosen mit Tatendrang, die es, man kanns kaum glauben, schon dreissig Jahre gibt. Man verschmäht Staatsknete und arbeitet lieber selbstorganisiert im Umzugsbusiness. Ich weiß nicht, wie das am Anfang lief – JETZT ist die Truppe so perfekt professionell, wie ich es mir von Berufskillern wünschte, mit denen man ja ewig Ärger hat, weil sie alles verwechseln, verbaseln und und vergessen. Nach meinen Recherchen ist diese Truppe die beste, schnellste, flexibelste und mut Abstand die preiswerteste, wenn es um die Organisation von Umzügen  geht – und zwar angefangen von der Auftragsannahme, der Kalkulation und und Planung bis zur Organisation und Durchführung. Die jungen Männer haben Kräfte wie HULK oder Superman, aber sie gehen mit meinen Sachen um, als handele es sich um zarte, ätherisch feine, nervöse Jungfrauen minderjährigen Alters. Die Berserker sind Möbelflüsterer.

 Ich rate euch: Wenn ihr weg müßt, schnell und reibungslos, dann bucht die SHD.

 Mehr vom äußersten Rand der Umlaufbahn demnächst bei Radio Kraska, the voice of the ghetto!