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Heiliges Deutschland

11. November 2011

Ich bin auch nicht Goethe.

Normalerweise, wenn ich allein bin und des nachts am iMac TV gucke, mache ich das still und unbewegten Gesichtes mit mir selber ab. Mir selbst gegenüber wahre ich in der Regel überhaupt ziemlich stoische Contenance, d. h. ich trage Schlafanzüge mit Bügelfalte, putze mir vor dem Lachen die Zähne und schnäuze mich, wenn überhaupt, in edle Batisttücher, die mein gesticktes Monogramm tragen. Selbst vor dem Spiegel betrachte ich mich grundsätzlich nur korrekt bekleidet, falls das jemanden interessiert. Wer mich als irre kichernden, haltlos wiehernden, vor hirnschwurbliger Besoffenheit schier schon fast sabbernden Hysteriker erleben will, der lauthals mit dem toten Medium Fernsehen redet, nun, der muss mich schon vor eine ganz, ganz besondere Sendung setzen. Eine solche Sendung, die mich in den Zustand komplett zurechnungsunfähiger Exaltiertheit versetzen vermag, ist die alljährliche Bambi-Preis-Verleihung der Burda-Medien-Mafia! Abgefahreneres gibt es im gesamten deutschen TV-Zoo nicht!

Erstmals komplett ausgetickt bin ich schon beim letzten Mal Gucken, als der Scientologen-Spinner und notorische Minderschauspieler Tom Cruise den „Bambi für Zivilcourage“ bekam, und wofür? Weil er den Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg zu spielen gewagt hatte! Was für ein angstfreier Zivilcouragierter! Die Verwechslung von Spiel und Realität war damals derart zwingend, dass besagter US-Schauspieler irgendwann, nach einer langen, wirren, bekifften Rede, am Ende selber an seine Rolle glaubte und seine denkwürdige Burda-Bambi-Dankesrede mit den letzten Worten des Widerständlers endete: „Es lebe das Heilige Deutschland!“ Wie wahr! So würde ich das auch sagen. Das Heilige Deutschland!

Die Heilige Deutsche Burdarepublik besteht prima vista aus gefaketen Titten, toupierten Hohlköpfen sowie viel kalter Sülze mit Makeup. Der knallkrachkrasse Coup der „Preisbeschmeißerkreise“ (W. Röhl) war natürlich die Verleihung des „Bambi für Integration“ (!) an die deutsch-tunesische Türsteherfresse, den antisemitschen, antiamerikanischen Frauenhasser, Schwulen-Basher und rappenden Immobilienhändler Anis Mohamed Youssef Ferchichi, der sich „Bushido“ nennt, was insofern falsch ist, weil es übersetzt gar nicht „Der Weg des Arschlochs“ bedeutet. Selbstredend ist das ganze Geddo-Gangsta-Getue ebenfalls nur fake, das Gepluster von Catchern, Kirmes-Boxern und Schiffsschaukelbremsern. In seinem Dankesgestammel beschwor das Großmäulchen seine Mutti, die bezeugen könne, dass er ein „guter Junge“ sei. Darauf einen alkfreien Schnaps!

 PS: Den Bambi für Selbstreflexion bekam die Schauspielerin Veronika Ferres für ihren Satz: „Ich bin nicht Goethe“.