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Mit der Hand in der Hose

15. August 2011

Dem, der das an meine Hauswand geschrieben hat, schleudere ich energisch folgendes entgegen: 1. heißt das "dein Blog". Man schreibt ja auch nicht "Keiner bügelt deinen Hemd". 2. Woher willst Du das denn wissen? 3. Stimmt ja gar nicht!

Das Leben – ein Traum, oder? Alte Weisheit, klar, wenn auch als Titel für ein schmales Taschenbüchlein vielleicht noch immer Bestseller-tauglich, jedenfalls, weil, manchmal schläft man ein und wacht in Lummerland wieder auf, und dann tastet man vergeblich nach der Nachttischlampe und hat zugleich Angst, sich zu bewegen, denn die Puppenhäuschen um einen herum sind so zerbrechlich, die Menschen so winzig und die Verhältnisse von peinsam prekärer Abstrusität, man hat zwar das Gruseln gelernt und möchte aufwachen, was aber nicht geht, obwohl man vor Lachen nicht mehr schlafen kann, außerdem ist die Brille beschlagen, oder verlegt, man hat den dringenden Wunsch, zu sprechen oder zu schreien, doch die Lippen bewegen sich nur tonlos und man watet durchschnittsgelähmt durch einen See von Heuchelschleim. –  Was man einwerfen muss, um einen derart delikaten Bewusstseinszustand zu erlangen? Es reicht, Nachrichten zu gucken.

Da steht vor einem Wald eindrucksvoll erigierter Mikrophone im Blitzlichtgewitter ein gedemütigtes, seelisch schwer derangiertes Anzugmännlein, offenbar ein Politiker, knüllt ein vollgeheultes Tempotuch und entschuldigt sich mit zittrig-gebrochener Stimme unter Schluchzen dafür, eine (einvernehmliche!) Liebesbeziehung mit einem Mädel aus dem U18-Bereich unterhalten zu haben. Danach muss er einen hohen Schandhut aufsetzen und wird weggeführt, um füsiliert zu werden, oder er tritt jedenfalls zurück, irgendwas derart. Die Medien kommentieren mit der Hand in der Hose.

Die Menschenwürde ist unantastbar? Nun, zumindest nicht mehr tastbar, sie scheint derart tiefer gelegt, dass die Gürtellinie schon als Hochgebirgshorizont erscheint. Was für ein degoutantes Schauspiel. Es sei diese Amoure zwar „kein rechtlicher oder privater, aber ein politischer Fehler“ gewesen, muss der zusammengestauchte CDU-Schranze aufsagen – und niemand schreitet ein, fängt an zu schreien oder, meinetwegen, zu speien. Was soll das sein? Politik in der Puppenstube? Leben wir im amerikanischen Bibel-Gürtel, dass die Liebe zu einer jungen Frau „ein politischer Fehler“ sein kann? Schwindel erregend, welcher verzwergte Begriff des Politischen dem zu Grunde liegen mag; frappierend auf jeden Fall das Maß an Hypokrisie in einer Spießer-Gesellschaft, in der 14-Jährige, auf „sexy“ dressiert, über Heidi Klums Laufstall stöckeln dürfen, eine 16-jährige Autorin (kennt noch jemand Frau Hegemann?) sabbernd dafür gefeiert wird, über Analsex auf der Disco-Toilette zu berichten und … ach, was rege ich mich auf.

„Es war schlichtweg Liebe“ beteuert der arme Sünder. Na, wenigstens mal gut, dass es nicht Geilheit war. Freilich, wenn ich als Alt-Macho, der durchaus gewisse Erfahrungen mit dem Liebreiz 16-18-jähriger Backfische machen durfte, mich jetzt einmal kurz in eine junge Frau versetze – und ich muss dann sehen, wie mein Ex-Lover, der mich bis kürzlich noch ganz doll „geliebt“ hat, sich eben dafür nun im Fernsehen „entschuldigt“, dem würde ich von Herzen gern in die Eier treten. Wenn er nur welche hätte.

Sicher, selbst im Zwergenmaßstab von Lummerland nur ein Stürmchen im Eierbecher, und das Sommerloch muss gestopft werden, klar, aber, mit Verlaub, verehrte Medien, trotzdem ein Indiz dafür, dass Onanieren eben doch schädlich ist.