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Frühstückskriminalistik (Die lügnerische Tochter)

24. Oktober 2011
So ginge es natürlich auch. (Foto-Quelle unbekannt, natürlich)

Herrlich kommodes, besinnliches Eheleben: Am Wochenende nach dem Frühstück beim Kaffee sitzen und, obwohl wir beide nicht katholisch sind, die Samstagsausgabe der „Rheinischen Post“  teilen. Egal, gerade deswegen: Katholisch erwachsen gemeinsame Zeitungslektüre, einhellig zwischen Weltverachtung und Realitätsverblüffung, Lachen und Kopfschütteln, Suizidneigung und Lebensjubel, usw. – Der Blick der Gattin wird erst beim Anzeigenteil wach. „Hör mal…“, sagt sie plötzlich und runzelt grüblerisch die Stirn, „… hör doch mal!“

* * *

 Der Text der kryptischen Anzeige aber lautete, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr, so:

 „Für meine Tochter

Bitte nicht weiter lügen.

Ich weiß Bescheid, dass Umzüge

laufen. Bin zu einem Gespräch

bereit und stehe hinter Dir.

Kommt bitte beide vorbei.“

 * * *

 Nach hinreichend langer Ehe sieht man nicht nur die Filme im eigenen, sondern auch die im Kopf der Gattin ablaufenden, und das kann beunruhigend wirken, wegen der Kontraste und, nun, der … Interferenzen. Stumm telepathisch einig waren wir Frühstückskriminalisten uns immerhin darin, dass die Annonce von einer Mutter stammen musste. Männer begehen nicht diese Art Denkfehler. Auch die Überlegung, wie viele anonyme Töchter sich durch die Botschaft einer namenlosen Mutter angesprochen fühlen dürften, war uns gemein, desgleichen, dass man unter „beide“ wohl das gleißnerisch verlogene Fräulein Tochter sowie ihren obskuren Lover, Stecher oder Schwängerer  zu vermuten hätte. Vielleicht ja ein Türke! Zum common sense durfte ferner gehören, dass ein Vater niemals mit „beiden“ sprechen wollen würde, sondern sich wohl vorerst den Knilch, das Jüngelchen, den „verdammten Frechling“  zur Brust genommen hätte.

 * * *

 Bedrohlich und kontrovers beurteilt wurde indes die unheilschwangere Andeutung, dass „Umzüge laufen“. Umzüge! Man bedenke das! Und sie „laufen“ bereits! Wieviele Leute ziehen da um, nomadisieren, wechseln ihre Adressen, verschwinden und sind womöglich nur noch durch Zeitungsanzeigen auffindbar! Der Abgrund eines ziemlich verzweifelten Durcheinanders tut sich auf. Man sollte die Polizei einschalten, oder besser noch RTL.

 * * *

 Meine lässig hingeschlenzte Bemerkung, „bitte nicht weiter lügen“ sei ja nun freilich eine Aufforderung, die gerade an mutmaßlich pubertierende oder bereits adoleszierte Töchter definitiv eher verschwendet sei, bedachte die Gattin mit kaltem Blick. Mütter! Andererseits ist dieses penetrante Bescheidwissertum ja nun typisch für Mütter, oder? Dass Mütter immer über alles Bescheid wissen, nervt und ist gerade kein Grund, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Andererseits, zugegeben, gehört es ebenfalls zu ihrer Definition, immer hinter einem zu stehen. Das ist gewiss ehrenwert. Aber sollte man deswegen gleich ein „Gespräch“ mit ihnen suchen, den Müttern?

* * *

 Andererseits aber: Warum lügt diese Tochter denn nur immer? Und warum hat sie keinen Namen? Sie heißt doch bestimmt Chantalle, Jaqckeline oder wenigstens Jassmin-Nikolle? Ist sie vielleicht bloß untergetaucht („umgezogen“), weil sie es satt hat, von ihrer Mutter mit Zeitungsanzeigen terrorisiert zu werden? Könnte doch sein! Wär ja nun nicht das erste Mal.

 * * *

 Der Fall bleibt ungelöst, vorerst, und ohne Pointe. – Also wenn die Tochter dies liest, soll sie sich bitte melden. Bald und egal wo, ich bin da und gesprächsbereit.

Forsch geforscht

28. August 2011

Ziemlich gescheit ohne Forschungsauftrag: Alter Mann (Euripides, 485/84-406 v. Chr.)

Meine Lieblings-Provinz-Postille, die liberal-katholische „Rheinische Post“, schätze ich für den in ihren Texten gelegentlich aufblitzenden staubtrockenen Humor. Beispiel? „Die klassische Entscheidungstheorie“, wird aus der Welt der Wissenschaften reportiert, „geht bislang davon aus, dass der Mensch ein höchst rationales Wesen ist – ein Zustand, der in der Realität so nicht nachgewiesen werden konnte.“ Ob wohl ich nur selten Berührung mit der Realität habe, ist mir der Verdacht auch schon gekommen, dass Rationalität etwas überschätzt wird. Ganz genau wissen kann mans freilich nicht, also untersuchen wir das sicherheitshalber mal wissenschaftlich. Gottlob haben wir eine „Arbeitsstelle Rationalität im Licht der experimentellen Wirtschaftsforschung“. Die untersucht in einem auf zehn Jahre (!) angelegten Projekt (Gesamtkosten 2,7 Mio.!), ob es eventuell sein könnte, dass Menschen nur „eingeschränkt rational“ handeln. Bis 2016 will man das herausgefunden haben.

Obschon, eigentlich weiß das der Altsprachlich-Humanistisch-Gebildete schon seit rund 2500 Jahren, wie die kürzlich bereits angeführten Euripides-Worte zeigen: „Einsicht fehlt /
den meisten nicht, ganz anders liegt der Grund:
/ Was recht ist, sehen wir und wissen wir
/ und tun es doch nicht, seis aus Lässigkeit,
/ seis weil die Lust des Augenblicks / das Werk
verdrängt, und mancherlei Verlockung gibt’s …“ Nicht wahr? Vernunft, das ist ein hohes Gut, nur fragt sich, wer besitzt davon genug? Na, ich jedenfalls nicht. Ich selber trinke, lese, esse, liebe, enthusiasmiere & bewundere mehr, als mir gut tut. Ich lebe praktisch ständig wider besseres Wissen! Das könnte auf meinem Grabstein stehen: „Er lebte wider die Einsicht“. Was ich mich sehr beschämt und mich meine Eitelkeit gewahr werden lässt: Ich habe nicht zu der unnachahmlichen Noblesse und Zurückhaltung von Loriot gefunden, dem einhellig zum ewigen Bundespräsidenten deutsch-humorigen Selbstverständnisses gekorenen großen verstorbenen Mannes, der, auf die Frage, was auf seinem Grabstein stehen solle, geantwortet hat:„Nun, es wäre wahrscheinlich zweckdienlich, wenn mein Name darauf stünde.“

Wenn ich in hohem Lebensalter noch einen Wunsch hätte, dann wäre es wohl der, ein solcher zu werden, wie der Herr von Bülow einer war: Geistvoll, bescheiden, nobel bis vornehm, unschlagbar in seinem göttlichen Understatement und unnachahmlich in seiner hoch-eleganten Selbstironie! Ich schaffe es nicht. Ich bin zwar auch preußischer Herkunft, aber eher pommersch-plebeisch-proletenmäßig, peinlich pöbelhaft um meine Reputation bedacht. Um jede Peinlichkeit, vor allem die der Eitelkeit zu vermeiden, muss man es wahrscheinlich genetisch-gebürtig „nicht nötig haben“. Im Zeitalter egozentrisch-selbstbewusster Ich-Ich-Brüllerei gebe ich gern zu: Ich wäre gern ein anderer. Für mediale Karrieren ist das schlecht. Jungen rational handelnden Menschen rate ich daher unbedingt, sich selber absolut und zweifelsdicht „echt toll“ zu finden. Das hilft! Sich selber peinlich und aller Zweifel wert zu finden, ist echt keine gute Voraussetzung, um öffentliche Aufstiegschancen zu befeuern!

 Übrigens, gegen die eigene vernünftige Einsicht Mist zu bauen – was man eigentlich für unmöglich hielt! – nannte man in der Antike akrasia.  Vielleicht lag es daran, dass man damals leckere Zigarettchen nicht kannte. Sokrates zum Beispiel hätte sonst nicht verstanden, wie man trotz der Vernunfteinsicht, dass Rauchen schädlich ist, trotzdem seine Kippen durchzieht. Der Großphilosoph Platon und seine literarische Marionette Sokrates waren allen Ernstes der Meinung, wer auf dem Athener Markt 400 Drachmen für ein Stück Räucheraal ausgab, könne nur nicht ganz richtig im Kopf, vulgo von übellaunigen Göttern missleitet sein. Nobel gedacht, wenn auch unrealistisch

Ab 2016, wenn man dann wieder Kapazitäten frei hat, möchte ich anregen, könnte man ja mal experimentell erforschen, ob der Kapitalismus vielleicht gar nicht nur auf das soziale Wohl aus ist, sondern ein bissl auch auf Habgier beruht. Könnte ja doch sein!

Kein Nobelpreis für deutsche Gurke

28. Mai 2011

Deutsche Gurke, unheimlich spannend (Foto-Quelle: tikonline)

Um mal mit einer Eilmeldung zu prunken: Die deutsche Gurke ist sauber! Wahrscheinlich, denke ich mir bei der morgendlichen Lektüre der Gurken-, quatsch, Tagespresse, weil in diesem Land eine Hand die andere wäscht, oder? – Wenn ich die Zeitung sehr früh lese, mit noch schlaftrunken zerknittertem Kopf, unterlaufen mir häufig Verleser. Meinen heutigen fand ich  nicht gänzlich absurd: Als  Zwischen-Headline der Gurken-Berichterstattung las ich in der Rheinischen Post als Zitat: „Es ist traurig, wenn eine ganze Bande in Verruf gerät“. Wieso denn? frug ich mich irritiert. Ist doch gut! Diese Bande von Panschern, Chemie-Baronen und Schmuddelfinken kann doch gar nicht genug in Verruf geraten! – Aber dann stellte ich fest, dass da gar nicht Bande, sondern Branche stand. Der hiesige Bauer protestiert gegen die Diffamierung der nationalen Gurke! Das wollen wir wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

Apropos deutsche Gurken: Eine Schauspielerin, die ich nicht ausstehen kann, ist Katja Riemann. Bislang dachte ich immer, diese Antipathie sei vollkommen subjektiv und  irrational, weil Frau Riemann nämlich auf frappante Weise einer meiner Ex-Geliebten ähnelt, die mir in einer aufwühlenden Phase meiner Biographie mal den letzten Nerv raubte, was man ihr, der Riemann, ja nicht ernstlich zum Vorwurf machen kann. Anlässlich eines frisch erschienenen Interviews keimt in mir nun allerdings der Verdacht, zwischen den zierlichen Ohren der Diva herrschten Verhältnisse wie im Inneren einer Salatgurke. Warum wird eine Salatgurke Schauspielerin? „Weil mich Menschen interessieren … Ich finde es bis heute (?!) unheimlich spannend (!), über Menschen nachzudenken, über Situationen und Geschichten.“

 Aufgrund ihres Nachdenkens hat Frau Rieman herausgefunden, dass „Frauen um die Vierzig“ wie etwa sie – im Jahrganng 1963 wird das „um die Vierzig“ natürlich langsam etwas brenzlig – im Film falsch dargestellt werden: „Im Film tragen diese Frauen … immer Kostümchen, sind frustriert, verbittert, verheiratet, haben sexuelle Probleme, sind nicht nett zu ihren Männern und haben erwachsene Söhne, die Robert heißen.“ – Allein, solche Frauen sind mir im wahren Leben auch schon begegnet; oft habe ich ihnen geholfen, das Kostümchen abzulegen, ihre sexuellen Probleme zu lösen und Robert dazu zu bringen, endlich auszuziehen! Auch habe ich mancher schon ans Herz gelegt, netter „zu ihren Männern“ zu sein, zum Beispiel zu mir.

Frau Riemann (Hobby: „Ausschlafen“) weiß auch Erregendes über sich selbst zu erzählen: „Ich bin gut darin, zu Hause zu sein. Ich mag das, weil ich so selten zu Hause bin“ – eine Dialektik, über die nachzudenken freilich unheimlich spannend ist. Oft war Frau Riemann aber dann doch zu Hause, weil sie keine Rollenangebote bekam, was natürlich am sexistischen deutschen Film liegt, der mit Senta Berger, Iris Berben, Hannelore Elsner, Cornelia Froboes, Christiane Hörbiger u. v. a., chauvinistischweise eher Frauen über sechzig bevorzugt. Und la Riemann? „Die wussten mit mir nichts anzufangen.“ Hierfür ein klitzekleines bisschen Verständnis zu haben kann ich mir leider nicht verkneifen.

Abschließend wird die Frau mit der Sauerkrautfrisur und den eisgekühlten Blauaugen noch nach ihrer „Glücksformel“ gefragt. Zugegeben, keine besonders intelligente Frage, aber muss man deswegen gleich folgendes Geplapper ausstoßen? „Die Formel für Glück, Liebe und Erfolg. Halleluja?! Das wäre toll, dann bekäme ich den Nobelpreis und hätte ausgesorgt.“ Vielleicht ist ja mal jemand so freundlich, der Dame schonend beizubringen, dass für die Entdeckung einer solchen Formel gar kein Nobelpreis ausgelobt ist? Sonst hätte ich nämlich schon „ausgesorgt“! Meine Formel? Zu Hause bleiben, ausschlafen, die doofe Schnute halten.

Ach ja, noch dies: Frau Riemanns eigenes Kind heißt übrigens, um das Klischee mal zu durchbrechen, nicht Robert, sondern … Paula. – Gans schön mutig!

Gutfinderei von Pop-Phänomenen ist manchmal schwierig

25. Juli 2009

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Erst habe ich das für so einen zärtlich-frozzelnden Schimpfnamen für pubertierende Töchter gehalten, so „Aah, heut dreht sie ja mal wieder voll am Rad, unsere kleine Lady Gaga!“ Aber dann gab es sie plötzlich wirklich, jedenfalls auf MTV: eine uffjedonnerte New Yorker Hüpfdohle und Millionärstochter, sehr trashig, sehr Plastik, sehr 80er irgendwie in allem (kompt ja allet wieda!). Kunststoffblonde Perücke, sexysexy Schnullerschnütchen, Anziehsachen aus dem Porno-Shop und dazu superdünn-flaches Stimmgequäk: Zack, Pop-Queen! Schlichte, eingängige Disco-Liedchen, bestechend allenfalls durch ihren Einfalts-Reichtum. Alles nicht der Rede wert, dachte ich, aber mein Musikalienriecher scheint abzustumpfen. Die popmusikalische Aufblas-Barbie ist der neueste hype! Heavy rotation auf allen Fachkanälen, auf jedem Bildschirm neuerdings dieses bescheuerte kajalverschmierte Gepliere und das unsägliche erotischseinsollende Stripteasegezappel-ohne-Ausziehen, das da als Choreographie fungiert. Das ist ungefähr so sexy, wie meine siebenjährige Tochter, damals, als sie Mamas Pumps anprobierte und vor dem Spiegel den Vamp probte, den sie im TV gesehen hatte. Autsch.

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Verrucht wie Eierlikör: Lady Gaga

Jetzt war Lady Gaga auf Tournee, auch bei uns in der Nähe. Ich bin nicht hingegangen, aber weil ich mich für jeden Scheiß interessiere, habe ich mir die „Konzertkritiken“ in der Tagesfresse angeschaut. Die WAZ, eine unglaublich populistische Anbiederungshure unter den sog. „seriösen“ Tageszeitungen, in der man das Wort Kritik nur ungern in den Mund nimmt, fand den Auftritt wieder mal anbetungswürdig super & wow! Im Gegensatz hierzu hatten die Liberalkatholiken der „Rheinischen Post“ sogar tatsächlich jemand Kundigen zum Konzert geschickt. Sein Fazit: Fader Madonna-Klon, uninspirierte Mucke, perffekte, aber seelenlose Show. Und daß „Lady Gaga“ in Interviews ein paar Rilke-Zitate auswendig aufsagen kann und sich überhaupt gibt, als sei sie Andy Warhols illegitime Kopfgeburts-Tochter, das hat ihn auch nicht beeindruckt.

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Die Rezensionen vergleichend ging mir auf, daß das besondere an Pop-Kultur eigentlich ist, daß man andauernd irgendwas gut oder blöd finden kann, ohne das ernsthaft begründen zu müssen; mit dieser Gutfinderei drückt man dabei zugleich aus, was man für seine Persönlichkeit hält. „Eeeh, guck dir den Nerd da  drüben an, der hört bestimmt Placebo und so“. „Das ist so’ne Tante, die noch bei Herbert Grönemeyer ihr Bic-Feuerzeug schwenkt.“  Man kann Peter Fox gut finden, und sobald das zu viele tun, sagt man „Pah! Der!“ und schwört lieber auf Jan Delay. Und so weiter.

Schwieriger wird’s, wenn man Pop-Phänomene zugleicht gut und blöd findet. So geht es mir mit Graffiti. Ich bin bekennender Banksy-Fan, und es gibt Sprayer-Kunstwerke, die man genial nennen darf. Andererseits pflege ich gewisse Empfindlichkeiten, was Dilettantismus angeht, und die Milliarden uninspirierter, hässlicher, geschmackloser Namens-„Tags“, die von unfähigen Writern überall hinge-etched oder mit Edding hingemacht werden, nerven mich wie Neuköllner Hundedreck. Kurzum: Suberversive, geile Kunst, verbunden mit Untergrund und Mutprobe: Respekt! Pubertäres Namensgeschmiere zur bloßen Reviermarkierung: Bah! – Ich habe leider keinen Kontakt zur Sprayer-Szene, deswegen weiß ich nicht, wie die diversen Fraktionen zur Illegalität stehen. Ist die unverzichtbar? Gelingen richtig bombastische Graffiti nur unter Adrenalin-Höchstdosen, also nachts, gejagt von Polizei und Saubermännern? Oder darf man, wenn man ein Könner ist, auch mal legal zur Spray-Dose greifen?

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Im Rheinpark, in Duisburg-Hochfeld, hat mans mal versucht (vgl. Fotos). Der nagelneue Rheinpark wurde auf dem Gelände einer Industriebrache am Rheinufer angelegt, ein großzügiges Gebiet mit Promenaden, Rhein-Strand, Grünflächen, Biker- und Skater-Trainingsplätzen usw. Auf dem Gelände befinden sich noch die Fragmente einer alten Sinteranlage, Mauern von rund vier Metern Höhe und zwanzig bis fünfzig Metern Länge. Das Geld für Sprengungen hat man dankenswerterweise gespart und dafür lieber die besten Sprayer der Region eingeladen, die Betonbrocken künstlerisch zu bearbeiten. Die Ergebnisse, finde jedenfalls ich, können sich sehen lassen. Da waren überwiegend echte KönnerInnen am Werk. „Ordentliche Arbeit!“ möchte man sagen, wenn man nicht wüsste, daß dies für Sprayer eventuell kein Lob bedeutete. Auf alle Fälle machen die farbenfrohen Riesenkunstwerke mitten im Grün einen ganz eigenartigen, wenn man ihrer zum ersten Mal und unvorbereitet ansichtig wird, surrealen Effekt.

Wenn unsere Stadtväter mal eine richtige pfiffige Idee realisieren, was seltener vorkommt als ein Gastspiel von „Lady Gaga“ in unserem Stadttheater, dann finde ich das richtig gut und bin mit meiner Gutfinderei vielleicht sogar mal auf Seiten der Mehrheit.

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