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Subserwies: Gebäudereinigung als Kunstkritik

22. November 2011

Der Großkünstler Joseph Beuys wird gerade zu heiß gebadet (Fotoquelle unklar, möglichwerweise urheberrechtlich geschützt; Rechteinhaber dürfen sich melden!)

Brühwarm erlebt und erzählt: Heute (!) im Seminar. Es herrschte reichlich kregle Stimmung (Die elitären Philo-Seminare vom alten Magister gehören zu den ganz wenigen Belegen für die sonst schwer haltbare These, dass man „auch ohne Alkohol lustig“ sein kann). Grundsätzlich ging es um den Versuch, zwischen Heidegger und Baudrillard ein dünnes Seil zu spannen, auf dem eine Philosophie des Mobiliars zu entwickeln wäre. Möbel sind in der klassischen Philosophie nämlich ein total unterschätztes Thema. Lange Zeit wurde verschwiegen, wie handgreiflich und übergriffig Möbel auf Körper und Seele ihres Besitzers einwirken. Wir hatten jedenfalls gerade über die psychoanalytischen Aspekte des Resopals diskutiert, das im Deutschland der frühen 50er Jahre zwei Fliegen mit einer Klappe schlug, indem es die Sehnsucht nach Abwaschbarkeit in eins mit dem Wunsch nach geschichtlichem Gedächtnisverlust stillte, also nationalen Waschzwang mit Sühneverweigerung kombinierte, da gerieten wir irgendwie auf abwegigere Fragen, ausgelöst durch einen Versprecher von Klaus.

Klaus hatte dabei das Phänomen „dieser Kunstputzfrauen“ ins Gespräch gebracht, jener teils offensiv ignoranten, teils fundamentalistischen Reinigungskräfte, die andauernd sauteure Kunstwerke ruinieren, indem sie hartköpfig die Dekontextualisierung des Gebrauchsgegenstandes und seine museale Rekontextualisierung als Kunstwerk missachten, und dem Beuys oder dem Kippenberger seinen künstlerisch applizierten Dreck weg machten, um das jeweilig zu Kunstzwecken missbrauchte Gebrauchsdings wieder seiner vermeintlich ordnungsgemäßen Bestimmung zuzuführen.

Ich warf, verschärft scharfsinnig, dazu die Frage ins Geviert, ob es sich dabei nicht vielleicht möglicherweise um eine subversiv-kritische Kunstputzfrauen-Bewegung handeln könnte, die klandestin daran arbeite, postmoderne Überspanntheiten im Kunstbetrieb der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich meine, wenn Banksy in Museen einbricht, nicht um Bilder zu stehlen, sondern um Bilder hinzuzufügen, warum sollte dann nicht eine Kunstputzbrigade für frischen Wind sorgen, indem sie den aufgeblasenem Kunstfurz Einhalt gebietet? Ihre Maxime wäre der bekannte Ausspruch: „Ist das noch Kunst, oder kann das schon weg?“ – Die Gattin nennt solche immerhin denkbaren Aktionen, ebenfalls aus einem Versprecher geboren, sinnig: subservice (sprich: subserwies), was eine Mischung aus Untergrund und Dienstleistung beschreibt. Gebäudereinigung als Kunstkritik!

Die ganze ontologische Verwirrung der Dingwelt hatte ja mit Marcel Duchamp begonnen, der ein Urinal und eine Schneeschaufel aus dem Baumarkt dadurch adelte, dass er das Zeug signierte und ins Museum stellte. Big deal damals, und mit einigermaßen verheerenden Auswirkungen auf die Kunstwelt und das Können an sich! – Und wenn man jetzt diesen Scheiß satt hätte und wäre der Geste überdrüssig, was hinderte einen, den hochintellektuellen Kunst- und Überfliegern ein wenig Flugangst beizubringen? Subversion kennt kein Ausruhen. „Nichts, das entsteht, ist wert, dass es nicht zu Grunde geht“ befand schon Goethes Mephisto in einem hellen Moment vulgo einem momentanen Anfall nihilistischer Grundstimmung.

Mein Lieblingssubserwies-Service begab sich einst in einer dem Kunstschamanen und Mental-Illusionisten Joseph Beuys gewidmeten Ausstellung, in der u. a. die Kinderbadewanne gezeigt wurde, in der Beuys als Kind gebadet wurde. „In dieser Wanne wurde Joseph Beuys als Kind gebadet“ beschied die angebrachte Legende feierlich ergriffen, und dann hatte jemand mit Kuli darunter gekritzelt: „Offenbar zu heiß!“ – Ich muss gestehen, dass mich, wahrscheinlich aus einer weltanschaulich fundierten Grundalbernheit heraus, solche Gemeinheiten resp. kynischen Spöttereien mehr erheitern als alle postmodernen Kunstexperimente sonst.

Ausnahmsweise ließ der Seminar-Leiter mal die Zügel streifen (vor allem die eigenen) und regte im Anschluss an eine Bemerkung von Erika an, darüber nachzudenken, ob man der Duchampschen Schneeschaufel ein, zwei oder drei weitere, freilich unsignierte, zur Seite stellen könnte, ohne dass es fad würde oder der Museums-Hausmeister dieselben in den Geräteschuppen verbrächte. „Anführungsstriche kann man nicht sehen!“ krähte ich, um zu einem Exkurs über Ironie anzusetzen. Leider ließ ich zwischendurch den Satz fallen: „Aber lassen wir das für heute“, worauf alle sofort aufsprangen, hektisch ihre Tasche packten und vor Schluss fluchtartig den Seminarraum verließen. Ich fürchte, meine Seminare ähneln sich mehr und mehr dem „Jour fixe“ des Traurigkeitslehrers Arnold Winterseel an (vgl. „Kategorien“ in diesem Blog!): Man hasst es, man fürchtet es, aber man geht trotzdem immer wieder hin.

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Romantik? Is‘ mit Sehnsucht, oder? (Aus meinem Tagebuch)

10. Oktober 2011

Romantik ist mit Sehnsucht, aber oft ohne Frühstück...

Polaroid von mir: Da kommt der König des Geddo! Altmagister Kraska walzt nächtens zu fuß, majestätisch seinen Embonpoint vor sich herschiebend wie den Bug eines äußerst selbstbewussten Öltankers, leicht schwankend über den Brückenplatz, steuert eine Gruppe schwarzer, des nachts aber noch erheblich schwärzer wirkender Ganja-Anbeter und Vielbier-Trinker an, teilt diese wie das Rote Meer, schreitet gemächlich durch sie hindurch, als wäre er von einer Uno-Blauhelmtruppe eskortiert und komplett immun gegen Anfeindungen und Zweifel jeder Art, grinst dabei auch noch doof herablassend und macht dazu ein Gesicht, das mimisch besagt: „Ja? Waas?!“ – Und? Kriegt er aufs Maul? Iwo! Rätselhafterweise nicht, im Gegenteil, ehrerbietig bildet das Zwielicht-Volk eine Gasse und lässt ihn sanftmütig passieren! – Bang frage ich mich, seit wann ich eigentlich dermaßen angstfrei bin. Ist es der Wein? Oder ist bereits das ein Anzeichen nachlassenden Lebenswillens? Geht es zu Ende mit mir?

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Wunderlich scheint mir auch, dass ich in erotischer Hinsicht, nach Cellistinnen, Friseusen und Sport-BH-Trägerinnen, nunmehr und gegenwärtig stark von barfuß singenden Soulschnepfen angefackelt werde? Ich wusste gar nicht, dass Senilität so bunt ist!

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Wenn nachts das Telefon in meinem Schlafbüro klingelt, dessen Nummer fast keiner kennt, kann es eigentlich nur Boris sein, mein Philosophen-Kollege, der Ex-Militante und gewesener Berliner Landesjugendmeister in der Kategorie „Forensisch relevantes und entsprechend kostspieliges Pflasterstein-Schmeißen“, dessen Doktor-Arbeit ich einst betreuen durfte (vgl. Boris Raskolnikov-Bronski, „Stein und Sein. Die Metaphysik der Überschreitung im Lichte hermeneutischer Ästhetik“, Heidelberg 1999); wenn ihm nach Telefonieren ist, liegt er meist, Unmengen von Absinth ohne Eis und Wasser vertilgend, in seiner Wohnbadewanne mit Blick auf den Zentralfriedhof, und äußert teils finsteres, teils aggressiv feindseliges, kulturpessimistisches Gedankengut.  Was uns zusammen schmiedet, ist unsere suizidale Neigung: Boris schläft mit dem Kopf im Gasofen, ich horte Pillen und übe Segler-Knoten an eingeseiften Hanfseilen. Wir sind beide noch am Leben, weil wir uns nicht einigen können, wer auf wen die Grabrede halten darf. Wir haben beide so gute Ideen!

Nach ca. drei, vier Stunden sind wir fertig mit Telefonieren, bzw. ich kann nicht mehr. Ich werde alt, Mensch! Boris, der gelegentlich leichte Züge von hereditärer Homophobie an den Tag legt, sagt noch: „Mann! Wie Mädchen! Wir telefonieren wie Mädchen!“ Dann ist es irgendwie zu spät, noch ins Bett zu gehen und zu früh, um Frühstück zu machen. – „Mein Gott!“, die Gattin schüttelt den Kopf, „Worüber zum Teufel UNTERHALTET ihr euch denn so lange?!“ „Darüber, dass alle außer uns doof sind“, entgegne ich betont beiläufig. – „Ach“, versetzt die Gattin nicht ohne Sarkasmus, „und dafür braucht ihr VIER Stunden?“

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 Nach früher Kälte noch mal Föhn. Die Fenster stehen auf und der warme, nächtliche Wind blättert in den aufgeschlagenen Büchern über das Wesen des Lesens, die sich auf dem Schreibtisch stapeln. Wer so etwas poetisch findet, kann nur ein sentimentaler alter Idiot wie ich sein. Machen wir uns nichts vor: Ein Großteil sogenannter Lyrik beruht auf peinlichen Klischees, das lässt sich kaum leugnen.

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 Azzize, die ich im Auftrag von Boris durchs Deutsch-Abitur peitschen soll, ist ein olivfarbenes, großes Fragezeichen mit seitlich so riesen Kreolen dran. Wir sollen steinalte, bemooste Gedichte verhutzelter Frömmlerinnen interpretieren. „Barock?“, murmelt Azzize ratlos, „nee, keine Ahnung. Ich hör mehr Old Scool, Jay Z und P. Diddy, kenn’ Se die?“ Ja, stell Dir mal vor, das kennt der alte Mann, Kiddo! – „Barock mehr so als … Epoche“, souffliere ich. Azzizes Gesicht hellt sich auf: „Ach, ja, Epoche, klar, wie Romantik oder? Romantik ist doch das mit Sehnsucht, ne?“ Na ja, in etwa kommt das hin.

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 „Boris!“ krähe ich ins Telefon, „kann es sein, dass unsere Schulbürokratie ein ziemlich zynisches Schweinesystem ist, das hauptsächlich Migrantenkinder verarscht?“ Ich soll nämlich inskünftig Murat, Emre, Gülter und Azzize (13. Klasse) Thomas Manns Schnarchsack-Wälzer erklären, aber pronto und inert vier Wochen. . „Manno, Boris“, jammere ich, „die können doch noch nicht mal ’ne Backpulveranleitung von Dr. Oetker kapieren!“ – Boris in seiner Wanne zuckt hörbar die Achseln: „Du wolltest doch die aussichtslosen Fälle!“ – Das hat man von seiner scheiß Phillipp-Marlow-Romantik!

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 Alle, die das Wohnzimmer der alten Bundesrepublik möbliert haben, werden früher oder später  verfilmt: Margarete Steiff, Marcel Reich-Ranicki, die RAF, Udo Jürgens und neuerdings Beate Uhse (Vorsicht, Pilcher-Kitsch mit fast gefühlsechtem Schleim!). Wer noch fehlt, ist Freddy „the mighty“ Quinn. Wenn ich mich erinnern will, wie verdammt scheiße alt ich bin, denke ich daran, wie ich als Kind von meinen Eltern zu Tante Klara abgeschoben wurde, die wiederum von ihrem weltläufigen Sohn Manfred, einem Seemann, einen Plattenschrank geschenkt bekommen hatte, auf dessen Zehn-Platten-Wechsler hauptsächlich Freddy-Quinn-Singles liefen, Sachen wie „Sie hängen Tom Dooley“, Fremdenlegionärs-Balladen und Seemannsschnulzen. – Wenn man danach gräbt, wovon man geprägt wurde, blickt man in einen Abgrund!

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 Früher erschien mir plausibel, was der Philosophie-Prof. Dr. Sloterdijk mal im Fernsehen sagte, dass man nämlich mit einem Riesenhaufen Dummheit geboren würde und dann sein Leben damit verbrächte, idealerweise zumindest, diesen Haufen im Laufe seines Lebens abzubauen. Ich hab das befolgt, in mühevollen Jahrzehnten, nur um am Ende zu kapieren, dass das Einzige, was man im Alter wirklich schmerzlich vermisst, die eigene Dummheit ist.

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 Romantik ist übrigens die Epoche, in der man voller Sehnsucht seiner vollkommen bescheuerten Jugend gedenkt. Mann, was hatten wir … Zukunft! Und, ja, nun,  Sehnsucht!

 


 

Einwurf: Abseits!

23. September 2011

Kommen wir denn so hoch? (Bild: http://www.welt.de)

Nun abermals und wieder andersrum: Angesichts der enervierenden Selbstgerechtigkeit und bestürzenden Einfalt der sog. „Papst-Kritiker“ fühl ich mich gedrängt, ex kathedra privata einige vermischte Anmerkungen zu machen:

Den hohen spitzen Hut unerträgliche Fremdscham generierender Peinlichkeit hat, nein, nicht der Papst errungen, sondern das Oberhaupt der selbstgerechten Wichtigtuer, der Error-Sympathisant, Israel-Feind und Dauer-Nerver Christian Ströbele! Ich meine: Nichts gegen die deutsche Kulturkampf-„Linke“, die – in vermutlich realistischer Einschätzung ihrer kognitiven Kompetenz oder weil sie den „Abseits!“-Pfiff nicht gehört hat – lieber zum schwul-lesbisch-transischen Straßenkarneval gehen zu müssen glaubte; sie hätten von Professor Ratzingers Rede im Bundestag eh nichts begriffen. Die tuckige Schnepfigkeit und selbstverknallte Attitüde jedoch, mit der die stoffelige Ur-Knalltüte Ströbele wie ein verhaltensauffälliges, ungezogenes Kind den Bundestag während der Papst-Rede verließ, offenbarte eine derart blickdicht brunzdoofe Borniertheit und Selbstgefälligkeit, dass es schon wirklich weh tat.

Benedict XVI. pp., der alte Fuchs, hielt im Bundestag eine respektable Kurz-Vorlesung über Rechtsphilosophie resp. die christlich-naturrechtlichen Grundlagen aufgeklärter  Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten und nutzte dabei listig die postmoderne Vernunft- und Positivismus-Kritik für seine Zwecke. Er versuchte, es schlicht und simpel zu halten, überforderte das „Hohe Haus“ aber doch sichtlich. Für wen das peinlich ist, sei dahingestellt. Desgleichen, wer unter den dummstolzen „Kritikern“ in der Lage wäre, ihm auf gleichem Niveau philosophisch zu entgegnen. So ganz einfach ist das nämlich gar nicht. Aber in Deutschland wird eh lieber mit der Trillerpfeife argumentiert.

Was meine vielen atheistischen Freunde nicht so gerne hören: Es mag wenige geben, die für Religion zu klug sind – die meisten sind dazu leider eher zu dämlich. Wie? Doch, doch, man kann auch zu doof für Religion sein! So jedenfalls mein Eindruck, wenn ich die Stimme der Straße vernehme. Zu doof für Religion? Geht denn das? Aber ja! Das geht, wenn man noch nicht mal das Bildungsniveau eines Dorf-Vikars erreicht und nicht die geringste Ahnung davon hat, in welchem ungeheuren Maß das Christentum zweitausend Jahre lang unsere Kultur und Zivilisation, Kunst, Malerei, Musik, Sprache, Ethik, Philosophie, Lebenswelt und, par bleu! sogar auch noch die Religionskritik beeinflusst bzw. geprägt hat. Ohne das Christentum und die Kirche hätten die Kartoffeln, die sich für „Säkularisten“ halten, noch nicht mal das Rüstzeug, sich, metaphorisch gesprochen, alleine die Schuhe zu binden. Warum man Respekt vor dem Papst haben sollte? So fragen echte Analphabeten.

Vor der Päpstlichen Nuntiatur, dem Nachtquartier des Papstes, haben sich fünfzig postklimakterielle Frauen zusammengerottet, die sich „Hexen“ nennen, um beknackte Lieder zu grölen, den Nachtschlaf des alten Mannes aus Rom zu stören und zur Rechtfertigung in die Kamera der Tagesschau nichts besseres zu faseln wissen als: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir Frauen sind, und dass wir als Frauen DA sind!“ Leider trifft der Papst keine Agnostiker, sonst würde ich gern mit ihm in die Knie sinken und beten: Gott steh uns bei!

Mir persönlich ist die Gnade des Glaubens nicht gegeben, worauf ich nicht stolzer bin als auf ein abbes Bein; mein Interesse an Religionen ist eher melancholisch-distanziert (darf ja nicht mitspielen…), aber was mich fuchsig macht, ist kenntnisfreie Respektlosigkeit vor der eigenen Kultur. Plumper Anti-Katholizismus ist nicht weniger borniert als jedes andere Anti-. Leider sind die Trivial-Pöbler mit ihren ennuyierenden Stereotypen, die dem Papst an den Kragen wollen, um es mal derb-lutherisch auszudrücken, noch nicht mal in der Lage, ihm in die hübschen roten Schuhe zu pinkeln.

Über die innere Übersichtlichkeit unserer Nutztiere. Mongolen-Könige kaufen in Dinslaken!

4. Dezember 2010

Wille zur Gemütlichkeit: Tisch fürs private Gänseessen am Digitalkamin

Bei einem privaten Gänseessen, auf dem wildfremde Leute halt notgedrungen miteinander reden mussten, kam irgendwann natürlich die unvermeidliche Frage auf: „Und was machst du so beruflich?“ – Eine eigentlich enorm indezente und überdies uninteressante Gesprächseröffnung, die selten zu funkelnden Highlights der Konversation führt, denn die meisten machen eh halt „irgendwas mit Medien“, und wenn nicht, wie in meinem Fall, bekommt man nur nebulöse Auskünfte, die in die Irre führen. Mein durch reichlichen Gans- und Rotwein-Genuss schon auf wattig-beduseltes Aufmerksamkeitsniveau herabgesunkenes und dort träge herumdümpelndes Gemüt bekam jedoch einen erfrischenden Kick, als meine charmante junge Tischbarin kundgab, sie sei jüngst von der gemeinen „Eigenbestandsbesamerin“ zur „amtlich zertifizierten Besamungstechnikerin“ aufgestiegen. Das groovt ja nun eindeutig mehr als das Geständnis, man sei „Philosophielehrer für ältere Erwachsene“, oder? – „Sind das nicht“, frug ich rotwangig animiert und durch RTL2-Reportagen vorgebildet, „nicht so Leute, die sich einen blauen Müllsack über den Arm stülpen, um dann hinterrücks schultertief in Kühen herumzustochern?“ – „Pferde“, konterte die zierliche Mitgästin daraufhin lakonisch, „ich mach es nur bei Pferden“. Als kostenfreie Dreingabe bekam ich hierzu die fortbildende Mitteilung, Pferde seien „innen viel übersichtlicher und auch hygienischer“ als Kühe, eine Information, die mir nicht weniger schwer verdaulich vorkam als die servierten Gänsekeulen. Meine stark angefackelte Wissbegierde wurde leider nicht weiter befriedigt, weil andere Gastmahlsteilnehmer das sich anbahnende Gespräch als „bei Tisch nicht appetitfördernd“ abbzubrechen befahlen. „Aber wieso denn..?“ versuchte ich noch zu protestieren, „das ist doch ganz … äh … natürlich!“, wurde aber mit einem Gläschen Wodka abgefertigt und ruhig gestellt. Halb träumerisch begann die mit Rotwein begattete innere Spieldose meines unübersichtlichen Gehirns bereits ein spekulativ angelegtes Traktat zu formulieren, das den barocken Titel tragen sollte: „Über die innere Übersichtlichkeit größerer Haus- und Nutztiere“…

Übersichtlicher als der Komplettvogel sind natürlich vor-amputierte Gänsekeulen, aber dennoch, sie angemessen und mit hohem Köstlichkeitsfaktor zu braten erfordert ein ähnliches Maß an Erfahrung, know how, Liebe und Hingabe wie, beispielsweise, die Besamungstechnik. Ich griff der federführend gastgebenden Hausfrau brattechnisch ein bisschen unter die Arme, denn bei Gänsebraten verstehe ich keinen Spaß! Erstens sind Gänse hochsympathische, viel zu denken gebende Geschöpfe Gottes, zweitens isst man sie höchstens ein, zwei Mal im Jahr, weswegen man sie drittens mit  besinnlicher Andacht, quasi-religiöser Hingabe und pedantischer Präzisionspusseligkeit zubereiten sollte.  Pfusch und Gefummel sind hier Lästerung! Als zwar nicht zertifizierter, aber seit Landei-Kindheit doch erfahrener Eigenbestandsbrater weiß ich darüber hinaus, dass es eine gehörige Rolle spielt, ob da jetzt so eine lieblos maisgestopfte, haltbare Graugans (Bertolt Brecht) aus schneeverwehten Tiefkühleiswüsten zu uns herübergehumpelt ist, oder ob es sich um ein vom grünen Bio-Bauern liebevoll handgestreicheltes, des Abends mit Liedern aus dem agrarischen Folkloreschatz in den Schlaf gesungenes, zertifiziertes Edelthaustier handelt – das Ergebnis nach drei Stunden Bratandacht unterscheidet nämlich sich um Welten!

Die in unserem Falle überaus köstlichen (außen kross-knusprigen, innen zart würzigen) Gänsekeulen lieferte eine hiesige Qualitäts-Metzgerei, die vielfach prämiert und zertifiziert ist und sich im Internet mit berechtigtem Stolz als „königlicher Hoflieferant der Bordschigin Familie der Mongolei“ präsentiert. Die mir bis dato gänzlich unbekannt gebliebene Tatsache, dass die Mongolen über einen König verfügen, der sich überdies sein Fleisch ausgerechnet aus Dinslaken-Hiesfeld einfliegen lässt, gehörte zu den weiteren lehrreichen Unterrichtungen dieses genussvollen Abends in unserem nun gewiß nicht „bildungsfernen“ Kreis.

Unser Tischgespräch glitt indes im weiteren aus dem Pferde-Inneren wieder hinaus und in den Erfahrungsaustausch über die Frage hinüber, wie es sich anfühle, eine Gans auszunehmen. Einig war man sich, dass hier Fingerspitzengefühl angeraten sei, denn käme es durch Unachtsamkeit oder Defizite in der Kenntnis der Vogelanatomie zur Verletzung der Gallenblase, müsse das schöne Vieh nämlich leider komplett weggeschmissen werden. Ein Pferd wegzuschmeißen, wäre zweifellos noch trauriger und kostspieliger, aber die rund um dieses Tier ausgebildete Tisch-Dame versicherte mir beruhigend, ein Pferd sei, schon aus Gründen innerer Übersichtlichkeit, weniger empfindlich und gefährdet, sodaß der Eingriff in der Regel eben nicht zur Verringerung des Pferdebestandes, sondern zu seiner Vermehrung beitrage, – eine Sachinformation, die nicht zuletzt auch den Mongolen-König erfreuen dürfte, wenn denn seine Existenz nicht, wie manche meinen, „eine Ente“ sei. Über die Zubereitung solcher Enten ein andermal.


 

Philosophie im Bad. Elektro-Dreadlocks

10. November 2010

Extrem aufregendes Bekenntnis, Leute: Ich besitze einen Fön! Kaum zu fassen, ich weiß. Er ist halt nützlich bzw. unabdingbar zur Herstellung einer modischen Fönfrisur, das einzige, was meine wachsenden sog. Geheimratsecken einigermaßen kaschiert. So weit, so spannend. Wow, oder? Ein Fön! – Morgens, nach dem Duschen knipse ich ihn an und puste mir die Frisur zu Berge. So weit, so trivial. Gähn… – Das metaphysisch Eigentümliche, intellektuell kaum zu Bewältigende liegt indes darin, dass das anhängende Kabel, obwohl ich mit dem Fön überhaupt nichts Extravagantes anstelle, täglich und zusehends immer mehr und niederschmetternd … verkrunkelt(vgl. Foto!). Das Kabel verdreht, verzwirbelt und verknotet sich jeden Tag um mehrere Windungen, – und ich weiß nicht, wieso. Ich tanz doch nicht Tango beim Fönen! Dessen ungeachtet verflixt, verfilzt, verwirbelt und verdengelt sich das seelenlose Mistding ein ums andere Mal hoffnungsloser, bedrohlicher und irreversibler zu einem unauflöslichen Wirr-Quirl und Katastrophenknoten. Elektro-Dreadlocks.

Ich entwirre es fast täglich, drösele es mühsam wieder in Normalform, aber schon am nächsten Morgen bildet es wieder ein elend draht-nudelig in sich verflochtenes, verknotetes Gebilde selbstinduzierter Verdrehtheit, Verschraubung und Verkorkstheit. Eines Tages wird das Kabel endgültig an seiner eigenen, selbst gewollten Verdrillung zerbrechen und es ist aus mit der heißen Luft. Todestrieb der mobilen Haushaltsgeräte! – Gut, aber warum? Es gibt, so viel ich weiß, mathematisch-physikalisch-topologische Theorien, die beweisen, dass längliche, flexible Dinge (Haare, Nudeln, Kabel, Zwirn) nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten dazu neigen, sich zu unentwirrbarem Filz zu verknoten. Aber genügt das?

Es will mir doch auch etwas sagen, das Kabel, es verdrillt sich metaphorisch und symbolisch, es fungiert als ein Zeichen höherer, klügerer Mächte! Es spricht, und zwar auf Sanskrit: „Tat tvam asi“ sagt es, – das bist DU! Wie? Ich ? Wieso ich denn? Weil, nebbich, mein Hirn diesem Kabel halt aufs Haar gleicht. Als ich jung war und die Wirklichkeit noch direkt aus der Steckdose kam, verwandelte sich der Impuls unverwunden (!) und unmittelbar direkt in heiße Luft. – Wie anders heute! Jetzt, im fortgeschrittenen Alter, muss, was ich denke, sich durch ein wirres Knotenknäuel von Verdrehungen, kruden Verwindungen und jähen Richtungsänderungen kämpfen; alle anderthalb Zentimeter ein Wenn-und-aber, ein Jedoch- und-andererseits, ein Hingegen und Hinwiederum-im-Gegenteil! Die ursprüngliche Idee kühlt dabei merklich ab, relativiert, verzweigt, ja untergräbt und verknotet sich selber. Kaum gelingt es mir noch, mich zu einem Meinungsinhaber hochzufönen!

Das Kabelorakel verrät mir: Du wirst alt! Dein Denken wird ja peinlicherweise immer verdrehter, verwinkelter, knotenreicher und komplizierter. Noch nicht Alzheimer, aber doch schon eine Art Zerebral-Sklerose, ein empfindlicher Mangel an Gradlinigkeit, Direktheit und Schnörkellosigkeit. Der Kölner Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer konstatierte einst: „Je einfacher denken, is oft enne jute Jabe Jottes“. Ja, Pustekuchen! Damit ist es leider vorbei! An die Stelle schnurz-präpotenter Bescheidwisserei tritt das skeptische Abwägen, die frei assoziierende Abschweifung, die sich potenzierende Komplikation. Am Ende steht, anstelle eines knackigen Meinungs-Statements, bloß ein müde-fragendes „Phhhh…? – Wie bei meinem Fön!

Hülfe es, einen neuen Fön zu erwerben? Immerhin gäbe es den leichter als ein neues, junges Hirn. Das wärs doch: Neues, junges, unverknotetes Denken! Heiße Luft wieder ohne Umwege! Aah, noch mal jung sein! Rankes, schlankes Direkt-Meining! Andererseits: Der Fön TUT es doch noch! Nur das blöde Kabel zickt. Am liebsten wäre mir ein Laden, wo ich sagen dürfte: „Tun Sie mir bitte an den noch hervorragend pustenden Fön ein ordentliches neues, unverdrilltes Kabel so irgendwie unten hinten dranbummeln!“ – Aber solche Geschäfte gibt es ja nicht mehr, aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Man kann ja auch nicht zum Arzt gehen und sagen: „Bittschön, machen Sie da das bisschen Alzheimer weg, und lassen’s den Rest halt, wie er ist!“


Der blinde Herr der Bücher

28. Mai 2010
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Jorge Luis Borges (1899-1986)

Auch wer ihn nicht kennt, kennt ihn vielleicht indirekt: In Umberto Ecos berühmtem Kloster-Krimi „Der Name der Rose“ trägt der Bösewicht „Jorge von Burgos“ seine Züge: Ein blinder Hüter der Archive und Bibliotheken, etwas unheimlich und furchterregend. Der blinde Direktor der argentinischen Nationalbibliothek, der Dichter, Essayist und Erzähler Jorge Luis Borges freilich wear, anders als seine Karikattur bei Eco, weder humorlos noch ein Bösewicht oder gar ein Mörder. Er war einer der größten und interessantesten Schriftsteller des 20. Jahrhundertsa!
Borges’ bevorzugtes Gebiet ist das Phantastische, das Unheimliche und Bestürzende, das Schwindelerregende des Imaginären, aber – obwohl auch solche Phänomene ihn faszinieren – es sind nicht vorwiegend Fabeltiere, Aliens und Gespenster, die er beschwört, sondern verstaubte Folianten, mittelalterliche Manuskripte und verwehte Inschriften, aus denen das bizarre Genie, der Triumph und der Wahnsinn von Jahrtausenden menschlicher Geistesanstrengung aufsteigt und nach uns greift. Metaphysischem Irrsinn und irrer Metaphysik verleiht Borges eine merkwürdige Vertrautheit und Selbstverständlichkeit. Uralte Ketzereien, die Irrlehren vergessener Häresiarchen und abseitiger philosophischer Dissidenten treten wieder ans Tageslicht. Aus dem Staub und Moder alter Büchergruften steigt die dunkle, verworfene Heiligkeit des Apokryphen und Kryptischen und wir vermeinen, wieder das ganze Grauen jener verschollenen Meister und Mystiker zu spüren, die zu nah an den Rand des Undenkbaren gerieten und von dort nicht mehr zurückkehrten.
Borges ist zweifellos ein Magier. Er hält uns in Atem und Beklommenheit, obwohl seine Albträume ganz »trockener«, theoretischer Natur sind und sein Ton lakonisch, betont nüchtern, wissenschaftlich referierend, oft im Stil eines Lexikon-Eintrages. Gelassen, betont rational, mit einem kaum wahrnehmbaren ironischen Ton, führt er uns durch die Labyrinthe seiner offenbar unerschöpflichen, enzyklopädischen Gelehrsamkeit und konfrontiert uns mit Rätseln, Paradoxien und schwindelerregenden Gedankenabstürzen aus der maßlosen und verworrenen Geschichte des menschlichen Denkens. Er vergegenwärtigt ehrwürdige philosophische Dilemmata, Aporien und Antinomien, die man aus gutem Grund irgendwann in der Vergangenheit ruhen ließ und vergessen hat, um zum Frieden der Einfalt zurückzufinden. Borges beschwört aber gerade diese Relikte und Reliquien der Ruhelosigkeit, die Ausgeburten unzähliger Nachtwachen, Meditationen und Erleuchtungserlebnisse, all dies ausgestellt in einem bizarren Museum, das in geheimnisvolles Licht getaucht ist und als dessen lebende Bewohner wir am Ende uns selbst bestürzt wiederfinden. Borges kreiert dabei in technischer Hinsicht ein Misch-Genre, eine literarische Hybridform, die es bis dahin, soweit ich sehe, nicht gegeben hat: die »philosophisch-essayistische Erzählung« könnte man diese Form nennen oder das »phantastische Philosophie-Essay« oder auch ein »Lexikon philosophischer Albträume«. Die philosophischen Themen von Borges sind dabei weder exotisch noch besonders gesucht und esoterisch, es sind die alten, die ewigen Fragen der Menschheitsgeschichte: Zeit und Unendlichkeit, Freiheit und Vorhersehung, Tod, Unsterblichkeit und das Schicksal der Seele, die Rätsel und Fragwürdigkeiten der Wirklichkeit und ihrer infiniten Spiegelungen im Traum, in der Poesie und allen Formen der Imagination. Besonders angetan haben es ihm die grotesken und absurden Versuche tapferer Denker, das Chaos des All-Seienden in ein universales Ordnungssystem zu bringen, etwa die Träume des Barock von der Universalsprache, an der Leibniz arbeitete oder der legendäre John Wilkins, über dessen analytische Universalsprache, in der jedes Wort zugleich sein Signifikat definiert, Borges eine wunderbare Geschichte geschrieben hat.Borges versteht es bei alledem, den Eindruck zu erwecken, als wäre er überall im Universum der Texte, in der gesamten Bibliothek menschlichen Wissens zuhause. Für Borges scheint das Entlegene nur einen Regalmeter vom Mainstream entfernt; er ist, so scheint es, ein »Spezialist für alles«. Wer die Erählungen von Borges verschlingt, den ergreift eine Art Höhenangst und Bildungsschwindel. Ob es um altisländische Sagas, frühe Ketzer und Kirchenväter, um die Odyssee, die kabbalistische Zahlenmystik oder Dantes »Göttliche Komödie« geht, um die Visionen des Mystikers und Geistersehers Emmanuel Swedenborg oder das Werk des arabischen Philosophen Averroës, um apokryphe Bibeltexte, pythagoreische Sekten oder die Alchymie des Paracelsus, um Shakespeare, »Don Quijote« oder die verschiedenen Übersetzungen von »Tausendundeiner Nacht« – Borges scheint sich überall detailliert auszukennen und dekoriert seine Erzählungen reichlich mit gelehrten Zitaten, philologischen Anmerkungen und bibliographischen Apparaten, die ihnen das Flair umfassender Gelehrsamkeit verleihen und den staunenden Leser die unermeßliche Weite des Universums der Texte erahnen lassen….

JETZT NEU AUF DEM „denkfixer“-Blog [http://reinhardhaneld.wordpress.com]: Eine LIEBESERKLÄRUNG AN JORGE LUIS BORGES

Sex & Metaphysik: Platonische Perversionen leicht gemacht

30. Januar 2010

Schwer verkopft: Erotologe Platon, der Herr ohne Unterleib

Lange Zeit, seit 2003, kursierte sie nur als Gerücht, als vage Erinnerung an einen Skandal, an eine unfassbar unseriöse, unverschämte und dreist verständliche  Vorlesung, bei welcher der Dozent seine ZuhörerInnen angeblich nicht nur mit Mengen billigen Weins betrunken und wehrlos machte, sondern sich, die Zuhörerschaft schwindelig redend, auch noch anmaßte, den großen Gipsheiligen Platon, den Oberpriester und Standeshalbgott der Philosophen-Zunft, vom Sockel zu holen und zügellos der Lächerlichkeit preiszugeben. Dieses legendäre Symposion über Platons „Symposion“ machte das mutmaßliche psychopathologische Elend eines antiken Neurotikers sichtbar, der aus Angst vor dem Tod den Selbstmord empfahl und mit seiner kranken Metaphysik das erotische Leben Europas für Jahrhunderte vergiftete.

Und jetzt die Sensation: Das Manuskript der Skandal-Vorlesung ist jetzt öffentlich zugänglich! Und zwar auf dem Blog „denkfixer“:

http://reinhardhaneld.files.wordpress.com/2010/01/platon22.pdf

– man kann es sich als pdf-Datei herunterladen und sich bei ein, zwei Glas Wein zu Gemüte führen. Die akademische Welt steht natürlich Kopf: „Dieser Herr ist eine Schande für den gesamten Denkerstand! Verbrennt seine schändlich respektlosen Texte!“ heißt es allenthalben, aber Digitales brennt ja zum Glück nicht. Höchstens auf den Nägeln – wie dieser Vortrag über einen mumifizierten, aber immer noch infektiösen Denkleichnam beweist. Das Schönste: Zum ersten Mal wird einem mal verständlich, amüsant und ohne falschen Respekt erklärt, was es mit der sogenannten „platonischen Liebe“ denn eigentlich auf sich hat! Guckt mal rein, Ihr hellen Köpfe!