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Lob der Knöpfe (Nachlassende Erregungspotenz)

8. März 2012

Die Schweiz der Ding-Welt: Knöpfe. (Foto: Gabi Haneld)

„Es ist bezeichnend für einen Mann von großer und langer Erfahrung, wie ich es bin, dass er nicht gleich weiß, wie er sich benehmen soll, weil ihm bewusst ist, dass ein einziges seiner Worte, eine einzige seiner Handlungen die unvorhergesehensten Folgen haben kann. Man muß nur die Weltgeschichte lesen, um zu sehen, was für ein seltsames Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung bestehen kann.“ (Italo Svevo)

Gestern sann ich über die Zärtlichkeit gewisser Knöpfe nach, nicht ohne Bedenklichkeit. Zwar ist das Gefühl unnachahmlich, wenn glatte, wohlgeformte runde Knöpfe aus Horn, Perlmutt oder purem Imitat so widerstands- wie mühelos und sinnig in die zu ihrer Bestimmung dienenden, sorgfältig umhäkelten Knopflöcher gleiten, um einer Hose, einem Janker oder vielleicht sogar einer selbst verfertigten Strickjoppe kleidsam definierten Halt zu geben – aber ist das auch relevant? Ja wohl sicher nicht. Idyllische Betrachtungen am Rande seniler Sentimentalität sind unvereinbar mit der Weltlage! Ich will das zugeben. Andererseits ist diese gegenwärtig derart deprimierend, dass man weiter fortwährende Realitätsangebote am liebsten dankend ablehnen möchte, weil das akzeptable Konto an Zumutungen und Lebensgemeinheiten schon erhebliche überzogen ist.

Früher war es für ältere Herren eine schöne und passende Beschäftigung, gewissenhaft die Morgenzeitung zu studieren, um tagsüber etwas Interessantes zum Räsonnieren zu haben – heute läuft man Gefahr, sich gleich den Tag zu verekeln, wenn man zum Beispiel erfährt, dass eine Discounter-Kette jetzt Hackfleisch verkauft, das mit 30% „schnittfest gemachtem Wasser“ angereichert ist. Lebensmittelpanscherei hat zwar Tradition, neu scheint mir aber die Dreistigkeit, besagte Pampe, weil sie angeblich der Gesundheit zuträglich sei, auch noch teurer zu verkaufen als ungewässertes Hack! Andererseits registriere ich mit zunehmendem Alter an mir eine um sich greifende Skandal-Indolenz. Ich will es nicht gleich Herzenslähmung nennen, aber die Erregungspotenz lässt nach. Der Kamm schwillt seltener. Was ist schon ein moderater Hackfleischskandal gegen die Tatsache, dass Diktatoren ihr eigenes Volk durch den Fleischwolf drehen?

Knöpfe haben etwas eminent Friedfertiges, Gutsinniges, ja Versöhnendes. Gutmütig lassen sie sich sammeln, sortieren und in illustrierten Alben katalogisieren. Knöpfe verbinden, sichern, schmücken; Skandale sind ihnen wesensfremd. Selbst wenn sie mal irgendwo abspringen, ist das zumeist nicht ihre Schuld – zu eng gewählte Kleidung oder ein schwächlicher Zwirn trug die Verantwortung. Reißverschlüsse dagegen – schon das Wort wirkt aggressiv! – haben unzählige Zähne, sind oft verklemmt oder beißen in empfindliche Körperteile. Ästhetische Qualitäten sagt ihnen selbst der Wohlmeinendste nicht nach.

Die entwaffnende Harmlosigkeit von Geknöpftem ist legendär. Mutter Merkel trägt ihre Großknopfjoppen als politischen Tarnanzug: Seht her, sagen die rundäugigen Joppen-Knöpfe, hinter uns kann kein Falsch wohnen! Tyrannen tragen Ordensspangen oder sind, wie in Nordkorea, komplett in Popeline-Uniformen eingenäht. Knöpfe? Fehlanzeige. Das Reich der Knöpfe ist die Schweiz der Ding-Nationen. Obwohl von unübertroffener Brauchbarkeit, beschränken sie sich nie auf vulgäre Nützlichkeit, sondern erfreuen die Sinne mit einem verschwenderischen Farb- und Formenreichtum, der bis weit ins Spielerische, Rokokohafte, ja Phantasmatische reicht.

Mein Freund Fredi Asperger, der geniale Autist, pflegte immer, wenn er sich mit mir in ein Diskussionsgefecht verstrickte, ohne mir in die Augen zu schauen, manisch an den Knöpfen meines Sakkos zu drehen – es wirkte einfach beruhigend auf ihn und half ihm, sich zu sammeln. Die Welt der Knöpfe unterteilt sich in übrigens Ösenknöpfe, Lochknöpfe, Zwirnknöpfe, Posamenten- und Knebelknöpfe. Aus der Art geschlagen ist lediglich allein der schnöde Druckknopf; ihn erfanden Ingenieure, deren Zwanghaftigkeit sattsam bekannt ist und die notorisch im Dienste menschlicher-unmenschlicher Hast und Ungeduld stehen. Nun wird es aber selbst mir echt zu idyllisch, so etwas hält ja kein Text aus. Ich drücke abrupt den Aus-Knopf.

Tragikotzteske

20. Dezember 2011

Kim Jong-Un is lookin' at you!

Tragikotzteske? Aber wie soll man das denn nennen, wenn man etwas irre komisch findet, was einen zugleich total traurig macht und das außerdem im Grunde abgrundtief zum Kotzen ist? Gestern die Nachrichtenbilder aus Nordkorea: Das Volk in Klage-Brigaden angetreten zum Heulen und Haareraufen. Einerseits musste ich lauthals lachen, angesichts der unfaßbar laienhaft, fast schon subversiv schlecht gespielten Pappmaché-Trauer in Reih & Glied, die ungefähr so authentisch wirkte wie die geschminkten Warenprachtattrappen, die der Gesalbte Große Führer so unermüdlich zu besichtigen pflegte. Was muss er verehrt worden sein, dieser kümmerliche bebrillte Nacktmull in seiner durchfallfarbenen Popeline-Uniform! Ein Volksvorbeter warf sich sogar auf die Knie und hämmerte mit den Fäustchen auf den Marmorboden eines Platzes ein, wahrscheinlich um als vorbildliches Klageweib groß rauszukommen!

Andererseits wurde mir ganz schwer ums Herz, dass ein stolzes Volk mit eindrucksvoll alter Hochkultur sich derart verblöden und demütigen lassen muss, um kollektiv den Affen zu machen für diesen miesen Wicht, Mörder und Folterfürsten, dem jeder anderthalbte Mensch auf Erden die Pest an den Hals gewünscht hat. Man fremdschämt sich leise seufzend und gruselt sich. Himmel, strahlender Azur! War das zum Speien!

Dabei, beseligende Dialektik des Irrsinns, es besteht gar kein Anlass zu großer Trauer, denn siehe: Es ward ein Nachfolger geboren! Ein Reichsverweser! Kim Jong Un, der feiste Punk im Mao-Anzug, ein schwer mopsiges Diabetes-Mondgesicht, von dem die Geheimdienste greinen, sie wüssten nichts über ihn. Stimmt doch gar nicht! Wie die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur vermeldet, wurde diese Made in Eigenspeck „vom Himmel geboren“! – Schade, dass er nicht vom Himmel gefallen ist – ein Fettfleck im Stadtzentrum von Pjöngjang wär doch ein hübsches Befreiungsdenkmal. (Mir ist gerade aufgegangen, wie wahnsinnig politisch Joseph Beuys’ „Fettecke“ damals gewesen ist, und wie prophetisch.)

Man muss sich das Foto von dem Knilch mal richtig anschauen – ein Meditationsbild! Nein,  vielmehr ein Suchbild! Wo nur hat man je eine solche plump arrogante, blickdicht dumpfe, fischkalt fiese, verschlagene Killer-Fresse schon mal gesehen? Ach ja, der Türsteher von der Shanghaier Triaden-Bar „Zur Goldenen Wasserfolter“, stimmt, der sah so ähnlich aus. Ich weiß, Vater Lavaters gute alte Physiognomik steht nicht mehr hoch Kurs. Aber diese Visage? Kommt, Leute, ehrlich, jetzt mal in echt!

Angeblich ist der Mongo-Molch in der Schweiz ausgebildet worden. Fragt sich, in was. In Geld-Verstecken? Tausend Taschenmesser-Torturen? Schoko-Wettfressen? – Ach, ich merke, ich echauffiere mich. Du sollst nicht unflätig werden, heißt es in der Bibel. Schließlich besteht kein Anlass zur Hochmut: Wir Deutsche wissen ja, was es heißt, einem Irren zu folgen. Aber gleich eine Dynastie draus machen? Bei der Himmelssturzgeburt vom Hl. Kim-Vater sollen zwei Regenbogen am Himmel gestanden haben. In Braunau am Inn war es ein riesiges Hakenkreuz. Auf Zeichen des Himmels ist Verlass. Wenn man sie denn zu deuten wüsste.

Aus dem Bauch gedacht (Kleine Hasen)

20. Dezember 2011

Too much of Glühwein tonight (Dancing with de Sade)

Karneval in Absurdistan. Das Herz der Lustigkeit liegt in NRW. Hier werden wir seit irgendwann nur noch von starken Frauen regiert, das heißt von Hühnern, statt von Gockeln. Ist jetzt alles besser? Gewiss, schon irgendwie. Kuschliger, spontaner, vor allem aber noch mal 25% brunzdussliger. Ich weiß gar nicht, wen ich bezaubernder finde, die Ministerpräsidentin, die Bildungsministerin? Oder doch die Gesundheitsministerin? Die will jetzt die Nikotin-Kartuschen für E-Zigaretten verbieten. Oder nee, jetzt nicht gerade verbieten, vielleicht, eventuell, sondern apothekenpflichtig machen wie Nikotin-Pflaster. – Dann gibt es nur am Büdchen noch schädliche Zigaretten. Oder führt man die künftig auch in der Apotheke? „Ich hätte gern eine Dosis Aspirin-Brause und ein Päckchen HB, und, ach, vielleicht bisschen Hustensaft noch…“? Die Volksgesundheit jubelt und tanzt auf dem Ladentisch. Was Frauen evtl. tatsächlich besser können: Symbolischen Politaktivismus, der praktisch nichts kostet. – Apropos Hühner: Die kriegen weiter ihre Antibiotika. Scheiß auf Gesundheit!

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Der ulkige Schurke, der uns jahrelang mit seinem Besichtigungsfimmel begeisterte („Kim Jong Il is looking at things“): not longer available. Looking at grass roots now.  Falls im Kim-kommunistischen Kaiserreich von Nordlummerland denn überhaupt noch Gras wächst. Es ist wie in Serienkiller-Filmen: Kaum ist ein Unhold beseitigt, steht der nächste Irre schon hinterm Vorhang: Kim Jong Un, das neue Un-Wort des Jahres, der mopsgesichtige Mondprinz aus Nirgendstan. Man stelle sich vor, es hätte damals die Alliierten nicht gegeben: Wir würden heute von Adolfs Enkel Gernot-Kevin Hitler beherrscht!

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Wir müssen schon wissen, was wir wollen. Ein Bundespräsident hat die politische Wohlfühlfunktion, mit gütig-verständigem Gesicht Kindergärten zu besuchen, Weihnachtsansprachen zu halten und Staatsgäste zu empfangen. Wie soll er diesen hochbezahlten Job machen, wenn er ständig von der Medien-Meute wie der letzte Lump durchs Dorf getrieben wird? Dass das Politiker-Dasein eine gewisse soziale Devianz mit sich bringt, ist unumgänglicher Effekt der Rolle. Und was denn jetzt? Ich möchte bitte nicht, dass unser Land von einem asketischen Moral-Jakobiner repräsentiert wird! Das wäre dem Durchschnitt der Bevölkerung auch kaum angemessen. Wenn Herr Wulff lieber bei seinem reichen Schrotthändler-Freund in Florida Urlaub macht als in einer ökologisch betriebenen Jugendherberge auf Amrum – was schert mich das? Und wenn er gute, väterliche Freunde hat, die ihm nach der teuren Scheidung Geld leihen, freut mich das für ihn. Nicht, dass mir der Mann sonderlich sympathisch ist, aber im Amt ehren wir ja auch nicht die Person, sondern unsere Verfassung und damit uns selber. Ich muss gestehen, dass mich das allenthalben populär herumschwappende, hysterische Moralgetue ein bisschen langweilt. Schon grad, wenn die SPDler, die Komplizen des ollen Gazproll-Mannes Schröder, dabei die Trommel rühren.

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Ich bin einerseits so demütig, zuzugeben, von Politik nichts zu verstehen, andererseits arrogant genug, zu glauben, dass dies bei Politikern nicht anders ist. Selbstgewissheit ist, um sinngemäß ein Wort von Wolfgang Herrndorf zu zitieren, „das, was in kleinen Hasen wächst, wenn sie nachts allein durch den Wald hoppeln“.

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Heute letzter Seminar-Abend. Irgendwie schlittern wir unbeabsichtigt in die Apokalypse. Man überbietet sich in sinistren Prognosen über kommende Krisen und Katastrophen. Vergebens versuche ich, die Zukunft ins Heitere zu ziehen, aber letztlich ist es Klaus, der uns rettet: „Immerhin“, strahlt er Ruhe aus, „wir werden das alles nicht mehr erleben!“ – Entspannt gehen wir in den Weihnachtsurlaub. – Ah! zwei Wochen nichts denken!

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Apropos Seminar: Klamm hocken wir im abgeranzten, überheizten, dennoch zugigen, trist neon-befunzelten Zumutungsambiente (i. e.VHS-Raum) auf rachitischen 70er-Jahre-Möbeln und genießen die schmucklose Atmosphäre, die irgendwo zwischen nordkoreanischen Verhör-Zimmern und Kafkaeskem Albtraum changiert, und Heike flötet ansteckend fröhlich: „Also, ich weiß nicht, irgendwie find ich das hier schon wieder fast gut!“ Jetzt wussten wir aber einen Moment nicht, ist sie bloß die abgebrühteste Positiv-Denkerin der hiesigen Philosophen-Elite – oder aber schon dermaßen snobistisch, dass wir mit unserem Alltagssarkasmus hoffnungslos hinterher humpeln? Ein Engel durchflog den Raum.

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Ich weiß, ich bin bestimmt der Einzige, der sich diese Frage stellt, weil sie ihn quält, und zwar, weil gerade der „Nussknacker“ auf arte tanzt, ob es eventuell sein könnte, dass Tschaikowski ein unfassbarer Kitsch-Beutel war? Jedenfalls stelle ich hilfsweise die Behauptung in den Raum, dass er der erste Komponist war, dessen Musik man anhören kann, dass ihr Urheber schwul war. Wobei letzteres für mich kein Werturteil darstellt. Ich tanzte auch zu Sarabanden des Marquis de Sade!

Ich gegen Nordkorea (1:0)

13. Mai 2011

Der Kaiser von Nordkorea in seiner neuen Paradeuniform

Warum ich neuerdings immer so auf Nordkorea herumhacke? Persönliche Gründe wohl. Wahrscheinlich hat es mit einem wunderlichen Traum zu tun, den ich kürzlich erlitt: Er begann damit, dass sich auf der weiten, wüsten Geröllfläche des hiesigen Industriekomplexes, den ich vom Schlafzimmerfenster meines Landhauses (?) aus sehen konnte,  plötzlich sehr unmotiviert Meeresgischt und Brandung zeigte, die aber schnell wieder verschwand. Des Rätsels Lösung, von hornbebrillten Experten düster dargebracht: Die „Nordkoreaner“ (?!) hätten unser Land angegriffen und mit Hilfe irgendwie durch „Kapillaren“ (?!) unterirdisch eingepusteten Buthan-Gases (?!) unterminiert und damit den Landsockel von Deutschland spröde-porös gemacht; gleiches hätten sie aber „auch schon mit Moskau getan“. Insgleichen seien sie nun aber bei uns einmarschiert, um alles niederzuhauen, was an Einheimischen zur Verfügung stände. Diese Prognose verlieh dem Traum streckenweise einen bedrohlichen Beigeschmack. Es war, glaube ich, sogar nervenzerwühlende Musik von Hans Zimmer unterlegt.

Die Musik log nicht. In der Tat erblickte man bald Horden von kleinen gelben Männern in himmelblauen Kapuzenoveralls, die mit langen Stöcken alles niederknüppelten, was nicht bei „drei“ in der Stube sich verbarg. Ganz schön brutal (der Traum war ab 18) bzw. es war lauter Alp und Grauen! Des nordkoreanischen Angriffs Schwerpunkt lag übrigens südöstlich von Bochum, vielleicht hatten die Invasoren daheim konstruierte Navis verwendet. Insbesondere, hieß es in den letzten Fernsehnachrichten vor dem Zusammenbruch, hätten die fiesen Kapuzenmörder aus Fernost es auf so genannte „paypods“ (?!) abgesehen, die sie aus unbekannten Gründen unbedingt vernichten wollten oder mussten.

 Dennoch war es nicht recht ein Albtraum (so etwas habe ich nie), denn die Situation ließ Hoffnung übrig. Eine wilde Jagd und Hatz begann, quer durchs Ruhrgebiet, von Duisburg nach Dortmund und zurück, unter sorgfältiger Umgehung Bochums. „Wir“ nämlich, also ich und noch ein paar andere, darunter eine gewisse Heidrun, mit der mich eine vage bleibende Kriegsromanze verband, schlugen wacker zurück, denn der Himmelblau-Gelben waren zwar unzählige, aber sie erwiesen sich auch als dumm wie feuchtes Graubrot, sodass unsere Waffen, Zwille, Käsemesser und Erbsen-Pistol, reiche Ernte einfuhren. Wir gruben mit Matsche gefüllte Schlaglöcher, in denen mancher Jeep der Aggressoren jämmerlich stecken blieb. Natürlich hatten wir auch ganz schön Angst, aber irgendwie ging es. Gefangene machten wir keine, weil wir des Nordkoreanischen ja eh nicht mächtig waren. Ohne sachkundig militärische Führung metzelten wir uns von Strauch zu Baum, vom Feldweg bis zur A40 (Stau, wie immer!), und die ungleiche Schlacht tobte und wogte bis zum Morgengrauen, als dann die (reale) Müllabfuhr dem REM-Schlaf ein Ende machte und mich aus dem Getümmel riss..

 Noch tagelang litt ich unter Anfällen eines gewissen gereizten Anti-Nordkoreanismus und hielt ängstlich Ausschau nach den Batallionen des Schreckens. Wir hatten sie aber wohl vertrieben. Ins Geddo hat sich jedenfalls kein Nordkoreaner mehr hineingetraut. – Nun drehe ich natürlich ratlos Freuds „Traumdeutung“ in den Händen, diese abgedrehteste, unplausibelste und scharlataneskeste Scharteke resp. Schwarte des Psycho-Schwadroneurs, derzufolge Träume irgendwie verdrängte, verschleierte oder sonst wie verhuschte Wunscherfüllungen symbolisierten, inszenierten oder auch gänzlich mystifizierten.  Aber Mutti kommt in dem Traum doch gar nicht vor! Wer eine Deutung für meinen Traum hat, nein, der darf sie nicht behalten, sondern möge sie mir gern mitteilen.

Diktatoren, wie sie keiner kennt

10. Mai 2011

Heben, Straffen, Halten: Der Sozialismus marschiert

Wir wissen das: Der dekadente imperialistische Westen lässt (sich) hängen! Meinen Lieblingsdiktator Kim Ding Bum ließ das Elend unter den Arbeitsoveralls der Volksgenossinnen aber nicht ruhen. Sozialismus, das heißt Straffung, Haltung und Disziplin. Der erleuchtete Erfinder des Atom-Busens hat einen weiteren Schritt auf dem Pfad revolutionärer Ertüchtigung und Aufrüstung getan und dem hungrigen Volk den Büstenhalter geschenkt. Noch nicht alle rückständigen Genossinnen in der Produktion begreifen die Weisheit des Genossen Großen Führers; ratlos drehen sie das innovative Gerät in den Fingern (auf dem Foto: rechts!), aber der Genosse Oberkommandierende wird’s ihnen schon beibiegen! Schutz und Hebung des nationalen Brustsozialproduktes liegen ihm am schlaflosen Herzen. Hier auf dem Foto sehen wir die Weisheit Nordlummerlandes bei der Prüfung der neuen Waffe im Kampf gegen die imperialistische Dekadenz. „Push up! rufen die Brigaden des völkischen Genossinnentums revolutionär entschlossen und in akzentfreiem Englisch. Die neue Geheimwaffe gibt es in weiß, rosé und bleu.

Amerikanische Geheimdienstkreise sind alarmiert, Nach unbestätigten Berichten brütet das kreative Hirn der revolutionären Volksmassen Nordkoreas bereits über einer neuen, noch durchschlagenderen Waffe gegen den US-Imperialismus. Sein noch geheimer Arbeitstitel: Lady-Shaver.

Anti-zyklischer Text mit Osterbezug

10. Mai 2011

Erbsen zählen, Eier sortieren: Der Kleine Diktator im Ei-nsatz

So, jetzt endlich mal ein Text mit Oster-Bezug. Wer jetzt nörgelt, Ostern sei aber doch lange vorbei, darf gleich die Biege machen und abdampfen, weil, er versteht nichts von anti-zyklischer Medienpolitik. Mir geht diese Aktualitätsraserei in den Medien nämlich derart auf die Eier, dass ich nur noch betont in-aktuelle Artikel schreibe. Außerdem kann man den Text auch bookmarken, denn Ostern ist bekanntlich ein Periodikum und kommt jedes Jahr wieder. Im Grunde ähnelt Ostern sich wie ein Ei dem anderen.

Apropos: Ist es „rassistisch“, wenn ich behaupte, für uns Langnasen sähen alle Asiaten gleich aus und man könne die gar nicht unterscheiden? Der Asiate scheints ja selber zu glauben, oder warum bietet er Frühlingsrollen, Sushi, Dim Sum und Bami Goreng im gleichen Laden an? Jedenfalls,  Eier sind für uns auf geradezu sprichwörtliche Weise ununterscheidbar. Ein Ei ist ein Ei ist ein Ei (Gertrude Ei, quatsch, Stein). Kennt man Ei-nes, kennt man alle. Der Deutsche ist nicht gut im Differenzieren. Ihm ist alles ei-nerlei. Die Kultur der feinen Unterschiede geht uns ab. Anders hingegen dem Asiaten! Geschult und durchtrainiert in 5000 Jahren Mönchskultur, kann man ihm kein Ei für ein U vormachen. Leuchtender Beweis: Genosse Oberkommandierender Kim Song Il, oder wie der Knilch heißt, dieser putzige Kleine Diktator im beigen Popeline-Blouson, die Sonne Koreas, Leuchtturm der Welt, Lehrer der Völker und oberster Qualitätskontrolleur der nordlummerländischen Eier-Produktion.

Auf dem 1-A-Beweisfoto sehen wir den obersten Eiermann des Volkes, wie er in vorbildlicher revolutionärer Wachsamkeit ein imperialistisches Weiß-Ei enttarnt, das sich volksschädlingshaft hinterlistig unter die dicken gelben Eier des Volkes gemischt hat. In seiner blendenden Weisheit legt der Genosse Diktator den vorwärtsweisenden Zeigefinger unerbittlich auf die Wunde imperialistischer Aggression. Das konterrevolutionäre Produkt wurde dingfest gemacht. Nach dem entarteten Huhn wird noch gefahndet. Die Behörden brüten aber schon über einem Umerziehungsprogramm. – Was? Wie bitte? Hör ich schon wieder Genörgel? Dieser Artikel hätte gar keinen Osterbezug? Das weise ich als westliche Provokation schärfstens zurück! Ab ins Arbeitslager! Der Ostern ist rot!

 In der nächsten Ausgabe: Genosse Oberkommandierender Kim Song Il erfindet den Büstenhalter.

Vorwärts zur Weltevolution der Knalltüte!

26. Mai 2009
KOREA-NORTH/

Neuerliche ungeheuerliche Provokation! Der durchgeknallte „Kleine Diktator“ ( – der alte Mann im beigen Rentner-Look ganz rechts) von Nordlummerland fordert schon wieder die Weltgemeinschaft heraus: Diesmal mit einer Weltolympiade im Reise-nach-Jerusalem-Spielen. 28 000 Armee-Generäle rennen in der Hauptstadt Pingpong um die Wette, um einen Sitzplatz auf einem der bloß in achtfacher Ausführung in Nordlummerland produzierten und entsprechend begehrten roten Stühle zu ergattern. Wer noch steht, wenn der Diktator zu dirigieren aufhört, wird erschossen oder verschwindet spurlos in einem der streng geheimen, über Google Earth aber mühelos auffindbaren Arbeitslager des Landes. Die geheuchelte Begeisterung der Generäle ist natürlich staatlich verordnet. In Wahrheit freuen sich die Würdenträger nur über ihre volkseigenen Atomschwellkörper-Mützen brandneuester Bauart. – Soeben rezitiert Diktator Sang Sung seine welthistorische Phrase: „Ein kleiner Knall bei jedem von uns, aber ein großer Bumms für die Menschheit!“ Für den Fall, daß die USA Nordlummerland nicht bald aufkaufen, droht der Dikator mit dem Platzen-Lassen mittelgroßer Langstrecken-Knalltüten.

DIE EVOLUTION MARSCHIERT!

Auf dem Gebiet paläoontologischer Angelegenheiten sind nur wenige bewandert. Man kennt den einen oder anderen monströsen Dinosaurier, aber was denen da so für Kleinvieh oder Geziefer um die dicken Säulenbeine sprang, wüssten wir kaum beim Gattungs-, geschweige denn beim Vornamen zu nennen. Eine Ausnahme bildet die Ur-Primaten-Dame „Ida“ der Gattung Darwinius masillae, deren propperes Fossil jetzt beschrieben wurde. Ich hätte das Uraffen-Mädel ja „Madonna“ getauft, weil es nämlich blutjung und steinalt zugleich ist – eine noch mit Milchzähnen ausgestattete Zweijährige, die aber schon vor 47 Mio. Jahren verstarb. Ihr noch tadellos in Schuß befindliches Skelett gibt angeblich Anlaß, die Spezies Darwinius masillae aus der Gruppe der primitiven, relativ doofen  Feuchtnasenaffen (Halbaffen, Makis etc.) in die illustre Gruppe der schlaubergerischen Trockennasenaffen (Vollaffen, Primaten, Klassen-Primusse) zu promovieren, so erklären uns die Wissenschaftler. Dabei hätte ich für meinen Teil das kleine langschwänzige Vieh – das sich hinter einer DIN A-4-Seite verstecken könnte, wäre so etwas damals schon verfügbar gewesen – eher für eine Art Eidechse gehalten. Doch nein, weit gefehlt: Uraffe mit abnorm großem Hirn, wobei uns die journalistischen Edelfedern das Getier wahlweise als „Groß-Cousine“ (stern) oder „Ur-Ur-Ur-Großtante“ (SPIEGEL online) „der Menschheit“ schmackhaft machen wollen.

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Cousine Darwinius masillae soll die Evolution erklären!

Großes Hirn hin oder her, ich finde die possierliche Proto-Primatin überfordert, las ich doch in einer Schlagzeilenmeldung: „Uraffe soll die Evolution erklären“! – Ich soll das nämlich auch, im nächsten Semester, und ich finde das gar nicht so einfach. Schon Franz Kafkas Schimpanse Rotpeter hat in der Erzählung „Bericht für die Akademie“ nicht geringe Schwierigkeiten, seine Menschwerdung zu beschreiben. Und nun ein Uraffe gleich die ganze Evolution! Was, außer ihrem daumengroßen Gehirn, qualifiziert „Ida“ für eine solche Aufgabe? Daß sie dabei gewesen ist? Das ja wohl kaum! – Die Menschen beispielsweise, die 1789 beim Sturm der Pariser Bastille dabei waren, wussten ja auch nicht, daß sie die weltberühmte „Große Französische Revolution“ machten – sie hatten sich bloß über Brotpreise aufgeregt! – Sind wir selbst denn Zeitgenossen unserer Evolution? Sind wir „dabei“? Entwickelt sich denn da noch was?

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Der gemeine Grüne Atomschwellkopf: Mit Grauem Volkstrott-Vortänzer Vogel (Volkstrottel)

Wahrscheinlich. So hat sich aus einem entlegenen, gewissermaßen cousinenhaften Nebenarm des Homo sapiens sapiens jüngst etwa der sog. Grünmützige Atomknallkopf entwickelt, eine hoch aggressive, sehr spezialisierte Spezies mit abnorm kleinem Hirn und dem typischen bunten Ordensgefieder auf der Brust, deren Populationen sich gern um einen beige-grauen Volkstrottvortänzer-Vogel (kurz: Volkstrottel) scharen, dessen charakteristisches Tschilpen ihnen eine Heidenangst einjagt. Die schwellköpfigen Grünmützen arbeiten, obwohl chronisch halb verhungert, emsig an der Massenvernichtung anderer Gattungen, was sie für ihre verdammte sowie vornehmste Pflicht und Schuldigkeit halten. Ihre zweite Aufgabe im Gefüge der Lebewesen besteht im weltall-weiten Absingen revolutionärer Hymnen auf ihren „geliebten göttlichen Führer“, den grauen Volkstrottel. Als Fernziel streben die kleinen grünen Gesellen die vollständige Umgestaltung der Erde an, deren auffällige Rundungen für sie eine Provokation des amerikanischen Imperialismus darstellen, mit denen der Klassenfeind die Hungerkünste des heroischen nordlummerländischen Volkes verhöhnen will. Eine vollständige Rückführung des dekadenten Erdballs auf seine schon von Marxengelsleninstalinmaodzedongkimilsung entdeckte würfelförmige Grundform ist daher gleichbedeutend mit dem Endsieg aller friedliebenden Kräfte bzw. dero Nachkommen, die den Atomknall überlebt haben werden. Als Banner des Friedens wird dann das steingraue Hungertuch der Revolution auf allen sechs Seiten des Erdwürfels wehen!

Fest vorgenommen haben sich die grünen Knalltüten, nicht den Fehler ihrer Vorfahren, der Neanderthaler, zu wiederholen und auszusterben. Ihre Nuklearwaffen werden ihnen dabei helfen, hoffen sie. Meine Damen und Herren – die Evolution! Und wir dürfen sagen, wir seien dabei gewesen! (Die letzten Primaten machen dann bitte das Licht aus!)

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Das Banner des grauen Hungertuchs der Revolution wird über dem von den Rundungen des Imperialismus befreiten Erdwürfels wehen!