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Brüderle im Geiste. Ein Gesinnungsaufguss

31. Januar 2013
I-B-2-01

Der Mann kann nicht aus seiner Haut! Wie? Kann er doch?

„Deutsche* Mädchen sind unwiderstehlich, der Zauber des Anorganischen… Viele Schmerzen sind besser als einer.“

Samuel Beckett, Brief an Mary Manning Howe, 30. 8. 1937

In meinen Kreisen, die freilich recht kleine Kreise sind, die von weitem eigentlich mehr wie Punkte aussehen, sehr, sehr wenige Punkte überdies, eigentlich kaum zu erkennen oder überhaupt der Rede wert, in meinen Kreisen also gilt es neuerdings als de la mode und unfein, sich über die allobwaltende Dummheit zu empören. Wie es schon ein alter Tao-Meister der Tang-Dynastie ausdrückte: „Der Jadefisch des Kaisers hat große Macht – aber kann er den Milchsee austrinken, in dem er schwimmt?“ Auch wenn ich den weisen Chinesen gerade erst erfunden habe – er hat doch recht! Mit unseren zierlichen Teelöffeln können wir den See der Imbezilität nicht trocken legen, auch wenn unser See, der mediale Jahrmarkt, nicht mit kaiserlicher Kamelmilch, sondern mit lauter Laberquark gefüllt ist. Der Laberquark hört auf das Unwort des Jahres, das ich ebenfalls frisch gekürt habe. Es heißt „Debatte“ und ist ein Unwort, weil ihm nichts entspricht, denn ein Tsunami im Teetässchen ist keine Debatte, sondern allenfalls ein erzpeinlicher, unbeholfen humpelnder Zwergenententanz ums Goldene Quotenkalb (Bambi)! – Heute ist mir nach großzügigen Metaphern.

Unser lieber, lieber Friedrich Hölderlin, der heuer auch schon 180 Jahre tot gewesen sein wird, erfand seinerzeit eigens einen Griechen namens Hyperion, um ihn vor Abscheu zitternd und total unheilschwanger seufzen zu lassen: „So kam ich unter die Deutschen…“ Diese wiederum kamen dann im Gegenzug nicht besonders gut weg. Die heutigen Deutschen, dicke, rosige Zwerge mit blanken, arglosen Idiotengesichtern sind nicht mehr satisfaktionsfähig und der Kritik von Großlyrikern gar nicht wert. Sie sitzen in ihren Werkstätten und treiben Allotria, zum Beispiel bei der Aktion LiLiPuT („Linke Linguisten Putzen Texte“), wo sie fromme Reinigungslieder summend vor großen Stapeln alter Kinderbücher hocken und, die Zungenspitze zwischen den Lippen, mit roten Wangen und Ohren, daraus das Wort „Neger“ ausradieren, wo immer sie es finden. Die Lage der so ungut Bezeichneten bessert sich bereits stündlich! Wenn sie mit den Fibeln durch sind, radieren sie bei Hesse, Kant und Shakespeare weiter, bis alles reinlich und fromm strahlt wie frisch gewichstes Resopal. Die vom Radieren übrig geblieben Fusseln stecken sie sich in die Stumpfnase. Die Deutschen!

Soll ich, ganz ausnahmsweise doch den Löffel mal ins enorme Gewässer tunken? Ach, was soll die blöde Konsequenz – ich tu’s einfach mal! Leider bin ich so furchtbar träge und aus Sicherheitsgründen schwer entflammbar, so dass ich dem Flächenbrand der „Debatte“ über „Sexismus“ wieder mal meilenweit hinterhaste, mit meinem Gießkännchen voll Öl, aber sagen will ich’s doch; und ich mache beim Schreiben sogar extra ein spitzbübisch-anzügliches Rainer-Brüderle-Gesicht, obwohl die Gattin schon rüberguckt und die Stirn runzelt. Also: Schlimm, schlimm, schlimm! ist der Sexismus alter Männer!

Der Sexismus junger Männer ist allerdings noch tausendmal schlimmer, wie ich aus biographischer Erfahrung weiß und hiermit bekenne: Einst hatte ich unkeusche Gedanken! Als junge, schüchterne Testosterondrohne vulgo glutjunger Pubertäts-Zampel litt ich nämlich unter starker Heterosexualität und daraus resultierender innerer Überhitzung; infolgedessen zog ich sündiger Begierde halber fast täglich Frauen aus, ganz nackend! Im Supermarkt, im Schützenfestzelt, am Freibadstrand, sogar auf dem Schulhof! Meine Phantasie war unersättlich, machte vor nichts und niemandem halt und wäre sexuell äußerst belästigend gewesen, hätte irgendjemand etwas davon mitbekommen (z. B. Mutti!), zu mal ich ein schlampiger Sexist war, der die Damen hinterher nicht mal wieder anzog, sodass sich achtlos beiseite geschobene, traurig verkrunkelte und zerknitterte Kittelschürzen, Dirndl und Business-Kostüme in beträchtlichen Haufen unter meinem Herrenhormonsofa sammelten. Ekelhaft! Mach das mal jemand weg da!

Später arbeitete ich hart an meiner Kultivierung, weil man mit plumper Anmache kaum das Herz intelligenter Frauen gewinnt, um die es mir aber kapriziöser Weise meist zu tun war. Von anderen Körperteilen ganz zu schweigen. Zwar heißt es: „Die Einfältigen erlangen das Himmelreich“, aber das ist, wie die meisten biblischen Weisheiten, stark mit Wunschdenken durchsetzt. Wie es der Zufall will, heißt die derzeitige Debatten-Weinkönigin Laura Himmelreich, ein Name wie von Thomas Mann oder Heinrich Böll erfunden, den beiden ungekrönten Königen übertrieben gebutterter Namenserfindung.

Frau Himmelreich trifft also nachts Herrn Brüderle an der Bar, wo er sich nach einem 15-Stunden-Politiker-Arbeitstag ein paar Gläser Wein gönnt. Ich gönne da durchaus mit. Und? Sagt sie vielleicht: „Trink, Brüderle, trink!“? Das wäre wohl zu nahe liegend. Stattdessen ranzt sie ihn aufs impertinenteste und altersrassistischste an: „Wie fühlt sich das an, in Ihrem Alter (!) noch (!) Hoffnungsträger der Partei zu sein?“ Was soll ein älterer, in Würden ergrauter, soignierter Herr auf so eine scheißblöde Anmache entgegnen? Vielleicht: „Und wie fühlt sich das an, unbedarft, weiblich, blond, frech und indezent zu sein?“ Tja, ich sollte sein Berater werden! Stattdessen zieht er sich leider, möglicherweise sind seine Wachsamkeit und sein Stilgefühl vom Wein etwas erodiert, mit verrutschten Halbanzüglichkeiten aus der Affäre. Was? Was Halbanzüglichkeiten sein sollen? Dumme Frage. Noch nie jemand halb angezogen gesehen?

Bedauerlicherweise zieht er sich damit gar nicht aus der Affäre, der Brüderle, sondern stolpert geradewegs in eine. Öffentlich! Mit Frau Himmelreich! Und mit zigtausenden weiterer Opferfrauen, die twitterhaft aufschreien, weil sie unter uncharmanten Männern und deren Flirt-Defiziten gelitten haben. Debatte! Debatte! Die Deutschen und der Sexismus! Ich würde mich, angesichts derartiger Hysterie, gern unter einer geschwätzabweisenden Burka verstecken! Und durchs Gesichtsgitter „Entschuldigung! Entschuldigung!“ greinen; andererseits beschleichen mich klammheimlich mitfühlende Solidargefühle. Wir sind halt Brüderle im Geiste. Und, ach, bei der Gelegenheit: Darf man eigentlich noch „Frauen“ sagen?

* Im Original heißt es bei Beckett: amerikanische Mädchen, aber das ist ja wohl kaum weniger sexistisch!

 

 

 

 

 

 

Das „man“ ist Präsident

5. Januar 2012

Tartuffe, Präsident

„Ihn jetzt noch schonen, wäre lächerlich! Zu lange mußte ich die Wut hinunterschlingen über des unverschämten Heuchlers Dreistigkeit, der alles hier im Hause durcheinanderbrachte.“

Jean-Baptiste Molière

 Aah, seht diesen Widerling! Wie er sich windet und wurmt, barmt und bramabasiert, schwankend zwischen schlecht geheuchelter Demut und kaum verhohlener Wut, schleimig und doch giftig aggressiv, sobald der Moment es erlaubt; ein ertappter Hypokrit und Erzschwindler, abgrundtief abgefeimt und doch armselig, ohne Eier, ohne Größe, ein feiger, mieser, kleiner Intrigant und Wichtelwicht, ein normaler, durchschnittlicher Korruptling auf 60cm-Gartenzwergformat; hört nur, wie er zwischen verzeihendem „man“ und anmaßendem „ich“ changiert, wie ein Schmierentragikomödiant chargiert und larviert, Ausflüchte macht, zu Kreuze kriecht, um gleich darauf frech und dreist zum Angriff überzugehen, ein grunddeutscher Gartengiftzwergling eben und Fundamentalheuchler, den Dackelblick geschürzt, die Doppelzunge gewetzt, ein verschlagener Clown, erwischt, ertappt, scheeläugig vor schlechtem Gewissen und dessen ungeachtet impertinent wie ein Straßenbettler mit ge-faktem Holzbein und … – wie? was? Aber nein! Wo denkt ihr denn hin! Ich rede doch nicht vom Bundespräsidenten, das verbietet ja wohl die Würde des Amtes, nein, von Molières genialem „Tartuffe“, dem Urbild des verlogenen Heuchelfrömmlers ist die Rede. Ich empfehle der geneigten Leserschaft, das Reclam-Heft mit Molières bitterer Komödie mal wieder herauszukramen: dreihundert Jahre alt, das Stück, und, wie sich zeigt, noch immer brandaktuell! Darin ist alles gesagt. Und die Idealbesetzung für den „Tartuffe“ wäre…

Aber wo ihr das Thema schon mal aufgebracht habt, Nachbarn: Ich hatte mit der Gattin einen Disput. Sie, die gute, sanfte, verlangt einen Präsidenten, der ethisch-moralisch ein Vorbild ist. Ich hingegen möchte das nicht! Ich hasse Tugendrepubliken! Als Erz-Macho wünsche mir einen Machthaber, einen Usurpator, einen skrupellos machiavellistischen Kulturheroen, der Verbrechen in großem Stil vollbringt, einen Medici, einen Sforza, einen Sarkozy oder wenigstens Berlusconi! Nicht aber ein windelweiches, beschämend defensives Weichei, der irgendwelche Kredit-Petitessen mit subalternen, frechen Journaille-Fritzen noch kleiner redet! Wie beschämend ist das denn!? Ich bin darin Nietzscheaner: Wenn schon Verbrechen, dann in großen Stil, mit emphatischer Geste und mit Aplomb! Hätte er gesagt: „Meine Geschäfte gehen Euch nichtige Schreiberwichte ja wohl einen Scheiß an, Kanaille!“ Ja, dann hätte ich ihn respektieren können!

Aber so? Da sagt aber dieses Mensch, hundeäugig in die Kameras blinzelnd, flehentlich um Liebe heischend: „Man (!) ist ja auch Mensch!“ Wirklich? Daran zweifele ich. Besser, der Windelmann hätte gleich gesagt: „Man ist ja auch nur man…“ – Das hätte dem alten Heidegger (vgl. „Sein und Zeit“, § 27) gefallen:

 „Das Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, daß »man« sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. Das Man »war« es immer und doch kann gesagt werden, »keiner« ist es gewesen. In der Alltäglichkeit des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war es.“

 Man ist ja auch nur „man“! Wahrhaftig. Besser kann man seine Inferiorität, Imbezilität und Indolenz nicht zum Ausdruck bringen! Wäre ich eine tätowierte Frau, und mein Mann hätte nichts bessere zu melden als „man (!) hat ja auch eine Schutzfunktion (!) der Familie gegenüber“ – ich würde den Schwätzer von der präsidialen Luxusbettkante schubsen!

Nein, ich persönlich will keine Mutter Theresa als Präsidentin, und wenn der Mann günstige Kredite und Urlaube erschnorrt hat, ist mir das herzlich Wurst! Was hab ich denn mit dem lächerlichen Privilegien der Reichen zu schaffen! – Aber bitte, Stil! Stil muss er doch haben! Dichter und Maler soll er fördern, großartige Architekten beschäftigen, Prachtbauten initiieren, Atemberaubendes in die Welt setzen! Von den grundbösen, korrupten und gewalttätigen Medici spricht und schwärmt noch heute die Welt. Aber … der?

Dieser Reihenhaus-Zwerg soll uns repräsentieren? – Ich fürchte ja. Tartuffe ist unser Präsident. Besseres müssen wir uns erst verdienen.

Eigentlich kein Text (9/11)

11. September 2011

Momentan weiß ich nicht, wer die Rechte an diesem Foto hat. Ich werde es rausfinden. Jedenfalls bin ich solidarisch...

Texte, die mit „eigentlich“ anfangen, grooven nicht. „Eigentlich“ ist ein weinerliches Wort und leitet keine hook line ein. Eigentlich. Eigentlich wollte ich etwas über 9/11 schreiben; dass ich den islamo-faschistischen Massenmord damals persönlich genommen habe und dies noch heute tue; dass es meine Leute waren, die starben; dass meine Art, zu leben, meine Kultur und meine Werte angegriffen wurden. Ich wollte meine Verachtung für Antiamerikanismus, Antisemitismus und Anti-Zionismus zum Ausdruck bringen, Verschwörungstheoretiker verspotten und die ebenso verlogenen wie windelweich-ideologischen Islam-Versteher, Dialog-Phantasten und Totalitarismus-Verharmloser wortgewaltig niederpolemisieren. Ich wollte, kurz gesagt, mit einem einzigen Kurztext die Zahl meiner facebook-Freunde halbieren, dito die Zahl meiner LeserInnen.  Heroisch wollte ich mir den gelben Stern des bekennenden Israel-Verteidigers anheften und mich als beinharter USA-Fan outen. Gegebenenfalls hätte ich noch erwähnt, dass „mein“ Amerika das von Dylan, Bukowski, Joplin, Hendrix, James Ellroy, Buddy Guy und Robert Crumb ist, das Amerika von Tom Waits, Captain Beefhart, Woody Allen und Tarantino, weniger das von Georg W. Bush, Donald Rumsfeld und Dick Cheney. Obwohl das ja wohl klar ist.

Ich erwog, von meinen Freunden in Chicago, Illinois, zu erzählen, die meine „linken“ anti-amerikanischen Vorurteile einst in wenigen Wochen in Luft auflösten; am Ende hätte ich Persönliches ausgeplaudert, dass ich nämlich, wiewohl nicht ungern Deutscher, eigentlich lieber Amerikaner wäre; noch lieber vielleicht Israeli, aber dafür wäre ich vermutlich zu feige.

Eigentlich wollte ich sogar noch philosophisch werden und erklären, dass es keine Situation ohne Macht gibt: Wer nicht für die Macht des Westens ist, hält es halt mit einer anderen Macht. „Keine Macht“ gibt es nicht, auch wenn grün-linke Ideologen solche Idylle nicht müde werden, zu beschwören. Möglicherweise wäre ich sogar so weit gegangen, öffentlich zu machen, dass ich für die weltweite Dominanz der Ideale der Aufklärung bin, und zwar militant, auch wenn Militanz bei einem adipösen, osteoporotischen alten Sack wie mir natürlich der Komik nicht entbehrt. Kurzum, eigentlich wollte ich mich erklären.

Aber dann walzte die ungeheure graue Staubwolke des Geschwätzes heran, in Leitartikeln, Kommentaren, Talkshows, Sondersendungen und Blogs und schlug über mir zusammen. Die großen 24 Stunden der Selbstgerechten, der Besser- und Bescheidwisser, der Klugscheißer, der Leute, die den Juden den Holocaust nicht verzeihen können und den USA nicht, dass sie uns vom Faschismus befreit und wieder aufgepäppelt haben. Diese Wolke hat mir den Atem genommen, den Mut und Lust, die Dinge gerade zu rücken. Die Einsicht von Karl Kraus, dass manche Äußerungen so dumm sind, dass noch nicht mal ihr Gegenteil wahr ist, hat mir die Kraft geraubt und den Glauben ans Wort.

Eigentlich sollte ich mich auf meine Rolle als unerheblicher, melancholisch-romantischer und impressionistischer Idylliker beschränken und das Politisieren lassen. Zum Politischen tauge ich echt nicht, weil ich die Komplexität und Widersprüchlichkeit der Welt zu gut kenne; das Schweigen erlaubt mir wenigstens, mit vollem Bewusstsein naiv zu bleiben: Obwohl ich die Bilder vom Einschlag der Flugzeuge ungefähr tausendmal gesehen habe, krampft sich mir immer noch das Herz zusammen. Ich habe anscheinend ein empfindsames Herz, zugegeben, aber darin haben nicht alle Platz. Mein Mitgefühl für Taliban, die Mädchen die Nase abschneiden, „Ehebrecher“ auspeitschen und Vernunftanhänger steinigen, hält sich in äußerst engen Grenzen. Klar, die Politik von Bush, Rumsfeld, Sharon oder Netanjahu ist möglicherweise nicht klug, nicht weise, nur, wer bin ich, darüber zu urteilen?

Im Fernsehen werden klippgeschulte Hobby-Flieger-Idioten wie Roger Willemsen oder Elke Heydenreich (!!?) darüber interviewt, warum die Amerikaner alles falsch gemacht haben und die jüdische Geld-Verschwörung an allem die Schuld trägt. Jeder halbgebildete Skribent oder ambitionierte Ingenieur* (ups! Damit meinte ich die gerade im TY verfolgten Sprengmeister, die behaupten, es sei gar kein Flugzeug ins Pentagon geflogen – nicht indessen befreundete Ingenieure!) glaubt, er wüsste es besser als „die Amerikaner“, „die Juden“,  „die Imperialisten“ oder, horribilie dictu, „das System“. Nach meinem Eindruck wird viel dummes Zeug publiziert, selten aber dümmeres als das über „9/11“. Sollte man sich an diesem Geschwätz beteiligen?

Eigentlich nicht. Deswegen schreibe ich nichts über 9/11. Ich bin traurig.

Schwarm-Dummheit, Thaumaturgie, Hemden mit Stecknadeln

12. August 2011

Schwarm-Dummheit (Fotoquelle: http://www.reticon-de)

Die Medien sind insgesamt ein gutes Beispiel für Schwarm-Dummheit. Jaulend und japsend, fortwährend über einander stolpernd und sich vor Eifer überschlagend, hechelt die Meute von einem Zentralaufreger zum nächsten. Und wir immer hinterher! Was kommt morgen? fragen wir uns fingernägelbeißend und vorfreudig erregt, Atom, Krawall, Börse, Euro oder wieder was ganz anderes? Um die Spannung nicht bis zur Unerträglichkeit hochschnellen zu lassen, gibt es aber auch Fixpunkte, von ganz weitem Vorhersehbares, nach dem man seinen Kalender stellen kann – Jahrestage etwa. Fünfzig Jahre Mauerbau, dreißig Jahre IBM-PC, oder demnächst, mir wird jetzt schon schlecht, zehn Jahre 11. September.

Von der medialen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet verstrich heuer hingegen, sagen wir mal als Beispiel, der 1891. Todestag des berühmten Thaumaturgen Apollonios von Tyana. Als Wundertäter machte er einst selbst Jesus Konkurrenz. In Ephesos soll er eine Jugendbande angestiftet haben, einen obdachlosen Bettler zu steinigen. Hinterher behauptete der heilige Mann, dabei habe es sich um einen verkleideten Pestdämonen gehandelt, und siehe: Die Pest trat unter den Ephesern tatsächlich nicht auf! Apollonios hat auch irgendetwas Bahnbrechendes geschrieben, was teils leider verschollen ist, teils ein Konvolut von Fälschungen darstellt, die auf einen gewissen Flavius Philostratos zurückgehen, der auch die Biographie des Wundermannes, auf die wir uns hauptsächlich stützen, weitgehend frei erfand und zusammenfabulierte. Letzterer, der Heilsbringer, war evtl. gelegentlich in Äthiopien oder sogar Indien, oder er ist, anderen Quellen zufolge, vielmehr aus Klein-Kappadokien nicht herausgekommen. Aus den Lehren des Apollonios wurde man übrigens nie recht schlau; als verbürgt gilt lediglich, dass er wahrscheinlich Vegetarier war und die Meinung vertrat, Gott sei an der Verehrung der Menschen nicht im geringsten interessiert.

Mich würden solche Denkwürdigkeiten erfreuen, wenn sie in den Nachrichten kämen, denn ich habe es gern, wenn hier und da Fragen offen bleiben und mir nicht immer gleich jedes Problem von Expertokraten zugemüllt wird. Diese Welterklärer dürften meinetwegen ohnehin gern einmal spannenderen Fragen nachgehen, anstatt immer den neuesten Weltdorftratsch mit Trivialitäten zu kommentieren – etwa, warum, nach einem halben Jahrhundert Raumfahrt und digitaler Revolution, fabrikneue Hemden immer noch mit heimtückisch versteckten Stecknadeln fixiert werden, von denen man nie alle findet, sondern etliche stets unter veitstanzähnlichen Verrenkungen aus entlegenen Körperteilen ziehen muss, während man im Hemd schon drinsteckt und eine äußerst unwürdige Figur abgibt! Über so etwas wird nie berichtet, und später wundert man sich dann, woher die Gewaltbereitschaft des kleinen Mannes auf der Straße herkommt (oder schreibt man in diesem Falle „klein“ groß?).

Der Alltag der übergroßen Mehrheit der Menschen setzt sich aus kleinen Katastrophen zusammen – bei großen gibt’s ja den Alltag nicht mehr. Aus kleinen Anlässen entsteht oft Verblüffendes. Zum Beispiel dieser Text, der sich eigentlich bloß dem im Grunde nichtigen Wunsch verdankt, ein einziges Mal öffentlich das Wort „Thaumaturg“ verwenden zu können, um es so der Vergessenheit zu entreißen.

Elefantenbeerdigung. Schweigen oder Schreien?

25. Juli 2011

Musik: Gustav Mahler

Ist dies ein retrograder, die Vergangenheit verklärender Wunschtraum, oder gab es das in meiner Kindheit tatsächlich einmal? Dass das Radio – Fernsehen spielte noch kaum eine Rolle –, bei wirklich erschütternden Welt-Ereignissen, stundenlang bloß getragene Musik spielte? Knapp und beherrscht, sozusagen mit schwarzer Krawatte in der Stimme, wurden die Nachrichten verlesen, dann gab es Chopin und Brahms zum Nachdenken und In-Ruhe-Traurigsein. Wer nicht traurig war oder keine Lust auf Nachdenken hatte, schaltete das Radio halt aus oder er konnte Radio Moskau einstellen, wo eine Dame mittleren Alters jeden Abend gleichmütig kryptische Zahlenkolonnen in den Äther murmelte, welche von Spionen draußen an den Weltempfängern beflissen mit unsichtbarer Geheimtinte auf spezielle Spickzettel notiert wurden.

Als älteres und etwas verschrobenes Kind pflegte ich meine Weltverzweiflung – Gothic, Grunge und TripHop gab es ja noch nicht – gern z. B. mit dem Trauermarsch aus Gustav Mahlers 5. Sinfonie in cis-moll zu untermalen bzw. zu bestätigen. Freilich, dieses Sahnestück trauermusikalischer Monumentalsymphonik ist so pastos-pompös und Pathos-gesättigt, dass ich mich beim Anhören immer unwillkürlich auf einer Elefanten-Beerdigung wähnte, auf der endlose Reihen solcher imposanten Rüsseltiere in traumverloren retardiertem, tonnenschweren Trampeltrott zu Paukenwirbeln, wienerischem Geigen-Weinen und gelegentlichen, herzzerreißend dissonanten Posaunenstößen aus ihren anklagend hoch geschlenzten Rüsseln zum Friedhof walzten, und dann musste ich fast schon wieder ein bisschen lächeln.

Die tägliche Medienmahlzeit war noch frugal und der Seelenhaushalt dementsprechend schlank und beweglich. Heute wird von Print, TV und Internet auch jede noch so winzige Denkpause mit einem übel riechenden, klebrigen, hirnzersetzenden Geschwätz vollgekübelt. Voll aufgedreht sind die Phrasophone und Trivialtrompeten und ergießen routiniert und gnadenlos ihre Plapperkaskaden, in Livetickern und Leid-Artikeln, ihren würgenden Brei aus Tränensülze und zähem Worthülsenstroh, der nichts offenbart als die sinistre Geistesferne, Gemütskälte und Herzensleere eines sich um sich selbst drehenden  Apparates. Getrieben von der Logik des Sensationellen und ausgepumpt von der Inflation der Superlative, ist alles, vom Tsunami über das Loveparde-Desaster bis zum Massaker in Norwegen selbstredend eine „unfassbare Tragödie“ und eine „unermessliche Katastrophe“, nach der „das Land sich verändern wird“ und, natürlich, dumpfes Orakel, vor allem „nichts mehr so sein wird wie zuvor“.

Die Redundanz dieser Phraseologie entspringt nicht so sehr – wenn auch im Einzelfall evtl. schon –  der lähmenden Denkfaulheit von Redakteuren, Leitartiklern und Reden-Schreibern, sie ist dem System der Massenmedien inhärent wie ein unausrottbarer Herpes-Virus. Dessen Grundfluch liegt in dem Zwang, keine Minute innehalten zu dürfen; selbst während mühsam aufgebrachter Schweigeminuten läuten wenigstens die Kirchenglocken oder werden notfalls Bilder von Schweigenden gezeigt, vielleicht, damit man sich daran erinnert, was es eigentlich noch mal hieß, die Klappe zu halten. Neben dem horror vacui, aus dem heraus gegen das erschütterte Schweigen, gegen die Angst vor dem Sterben und das Vordringen des Nichts angelabert wird, hat das Elend mit der Armut der Sprache zu tun. Es gibt ein Entsetzen oder eine Erschütterung, dessen Gewalt sich nicht in Worten ausdrücken lässt. Dafür brauchte man ein Saxofon, eine E-Gitarre, einen Schrei, so unartikuliert und seelengepeinigt, dass alles Gerede daneben verstummt.

So einen Schrei oder so ein Schweigen für ein paar Stunden zu übertragen wird sich gewiss kein Redakteur überreden lassen, schon klar. Das Innehalten ist unwiederbringlich dahin. Wie eine palavernde Affenherde müssen wir alles bis zum Überdruss beschwatzen, solange, bis wir knöchelhoch in leeren Worthülsen waten, bis uns das Geröll, der Müll, das Gerede bis zum Hals steht.

Die alten Griechen, unter denen ich, gymnasial bedingt, aufgewachsen bin, führten einmal im Jahr, zum Dionysos-Fest, Tragödien auf. Sie waren zwar wuchtig und aufwühlend, aber durchaus nicht „unfassbar“, sondern dienten im Gegensatz gerade dazu, das Grauen und die Tragik des Existierens fassbar zu machen. Tragödie, das heißt wörtlich „Bocksgesang“ und war der Beschwörung des doppelgesichtigen (und bocksgestaltigen) Fruchtbarkeits- und Todes-Gottes Dionysos gewidmet, dem fremden Gott aus dem Osten, der zügellos zeugte und zertrat, was sich ihm in den Weg stellte. Ich stelle mir vor, die Zuschauer im Theatron haben dabei geweint, geschrieen und Sonnenblumenkerne gegessen, deren Schalen sie zwischen die Sitzreihen spuckten. „πολλ τ δειν κοδν νθρώπου δεινότερον„, sang der Chor die Worte des Sophokles: „Ungeheuer ist vieles, doch nichts ungeheurer als der Mensch“. Die Athener nickten ergriffen, seufzten vier Tage lang, dann wandten sie sich wieder ihrem Tagwerk zu – der Beraubung, Plünderung, Schändung und Ermordung ihrer Nachbarn.

– Und jetzt Musik.


Voll schwul (Romantik)

5. Juli 2011

Romantisches Essen, ohne Mutti

Freitag, Fragestunde. Mein serbo-deutscher Nachhilfe-Schüler Milan darf mir wieder Fragen stellen. Meistens sind sie ziemlich persönlich. Lieblingstier, Lieblingsreligion, Lieblingsfarbe, Lieblingsgetränk. „Wein“ sage ich. „Aber neulich, bei uns, da hast du aber BIER getrunken, Lährärr!“ – „Ja“, repliziere ich herzlos, „weil es nichts anderes gab – aber ich hasse Bier!“„Aber Wein?“ – „Ja, den trinke ich gerne. Wenn ich mit der Gattin koche und wir essen, dann gibt es Wein.“ Milan, mit acht Jahren schon immens weltläufig, nickt verständig: „Und mit Kerzen, ne? Und denn Sonnenuntergang! Und nachher geht ihr ins Kino…“ Ehe ich nachfragen kann, fügt er träumerisch hinzu: „Dassis dann … ROMANTISCH, ne?“ Was „romantisch“ ist, weiß er aus dem Fernsehen. Amerikanische Filme. Soviel zum Weltwissen achtjähriger Migrantenkinder. Obwohl er die Grammatik des Geschlechtlichen noch nicht so drauf hat. Was nach dem Kino evtl. noch passieren könnte, bleibt vorerst im Dunklen.

Dass er, wie ich ihm prophezeie, dereinst ein hübsches Mädchen heiraten wird, empfindet er indes als Beleidigung. Ein Mädchen? Das ist ja wohl voll eklig! Ich verzichte darauf, ihm zu erklären, die Alternative wäre, schwul zu werden, weil schwul ist nämlich noch schlimmer als sich mit Mädchen abzugeben. Oder, präziser, strikt nach Schulhoflogik: Sich mit Mädchen zusammenzutun ist „voll schwul“! Sobald Papa tot ist, heiratet Milan deshalb seine Mutter. (Er hat ein beunruhigendes Interesse am Thema „Erben“.) Und fremde Frauen möchte er zuhause nicht haben. Da mich gelegentlich der Hafer sticht, sage ich ihm vorher, dass er in ein paar Jahren verrückt nach Mädchen sein wird. Darüber kann er nicht lachen. „Lährerr“, sagt er ernst, „du machst mich schon wieder Scherz! Hab ich genau gemerkt!

Immer denselben schlechten Scherz machen die öffentlich-rechtlichen Medien mit mir, indem sie zu meiner nie erlahmenden Fassungslosigkeit stundenlang sog. Fürstenhochzeiten übertragen. Das Rätsel, wer zur Hölle so etwas guckt, ist gelöst: Ich! Wenn auch nur drei Minuten, und bestimmt nicht, weil ich das „romantisch“ finde. Kürzlich las ich den Kindermundspruch: „Wenn man Kinder haben will, muss man Sex machen oder heiraten.“ Oder, wenn man aussieht wie ein pummeliger Busfahrer aus Leverkusen, aber ein voll schwuler Operettenprinz und schwer betuchter Spielbanker ist, kauft man sich halt eine schöne Frau und heiratet die öffentlich. Kinder kann sie ja dann vom Bademeister kriegen. Die bildschöne Frau hat ein bisschen geweint, was auch in den Nachrichten kam. Sie hatte wahrscheinlich zu spät geschnallt, wozu Candle-Light-Dinner und Kino-Besuche führen können. Ihr Prinz Albern I. sah übrigens aus, als hätte er lieber Mutti geheiratet, das war deutlich zu sehen.

Abschließend stecke ich mir eine fremde Feder an den Hut. Unsere BILD-Zeitung – ist sie nicht unschlagbar? „In aller Offenheit kann unsere Nationaltorhüterin Nadine Angerer erklären, dass sie mit einer Frau lebe. Undenkbar im Männerfußball.“ – Der ist nämlich voll schwul.

Sex, Sexismus, Frauenfußball

26. Juni 2011

Doofer Sexismus, aber sehenswert, oder? (Copy-Right: Natürlich der PLAYBOY)

Frauen, das ist inzwischen weltweit bekannt, haben ein Geschlecht. Man darf heute mutig hinzufügen: Und das ist auch gut so! Zwar, Männer haben ja auch eines, und sie sind sogar gemächtig stolz darauf, verstecken es aber auch gern unter Suspensorien, hinter vorgehaltenen Händen (beim Freistoß mit Mauer) oder in der Semantik. 2010 hatten wir z. B. die FIFA-Fußball-WM, klar, und was geht heute endlich ab? Die „FIFA-Frauen-WM“ – ein Turnier, in dem also offenbar ermittelt wird, wer Weltmeister im Frau-Sein wird. Verwirrend, denn die Weltmeisterin im Frau-Sein hieß lange Zeit „Miß Universum“ und die war gar nicht Teil einer Mann(!?)schaft.

Natürlich kann man sich trefflich über den latenten Sexismus der alten DFB-Säcke echauffieren, die noch vor drei Jahrzehnten keinen Zwanziger für den Frauenfußball gegeben hätten, aber Sexismus ist, wie ich an mir selber registriere, hartnäckiger als Haarwuchs an den falschen Stellen. Zwar bin ich seit Jahren Fan des Frauenfußballs, nur – bin ich es auch aus sport- und gender-politisch korrekten Gründen? Oder handelt es sich um einen klandestin-unbewußten Triebimpuls, wie ihn nur die Adepten von Professor Freud aus meiner schwarzen Seele herausgrübeln dürfen? Kann doch sein! In meiner Jugend wurde ich, außer von Cellistinnen, die aber nur selten vorkamen, erotisch stark von Friseurinnen – die man damals noch betörend-sinnenverwirrend „Friseusen“ nennen durfte, ein Wort, das so herrlich säuselte und süßelte – angefackelt. Sie rochen so gut und waren Virtuosinnen der Kopfmassage, und der Kopf ist ja bekanntlich, ahem, nun ja.

Heute machen mich eher stramm-schenklige, Sport-BH-tragende junge Frauen an, aber das ist falsch, oder? Evtl. sogar verwerflich? Das Fortbildungsmagazin „Playboy“ versorgt den Teil der männlichen Bevölkerung, dem beim Thema „Frauenfußball“ weniger das Herz, als die Hose aufgeht, mit Nackt-Fotos von Fußballerinnen, die selbst ich, gäbe es sie bei Panini, vermutlich wohl eher sammeln würde als etwa bodenlos hosenlose Fotos von Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger, zugegeben. Auch ich bin „nur ein Mann“. Nebenbei, Frauenfußball ist vielleicht weniger kampfbetont und athletisch, dafür aber anmutiger, technisch versierter und ästhetisch befriedigender. Das liegt letzten Endes vermutlich daran, dass Frauenfußball von Frauen gespielt wird. Und damit sitze ich schon wieder in der Sexismus-Falle, weil ich ganz generell, als bekennender „Hetero“, Frauen ansehnlicher finde als Männer, und zwar ziemlich egal, was sie gerade tun. Selbst beim Trikot-Bügeln oder Beine-Rasieren würde ich Fatmire „Lisa“ Bajramaj, Celina Okoyino da Mbabi oder Kim Kulig wahrscheinlich lieber zuschauen als, sagen wir mal, Phillip Lahm. Schon wieder falsch! Ich soll ja nicht Frauen, sondern Fußball gucken.

Andererseits: Ich würde auch gern saudi-arabischen Frauen beim Auto-Fahren zuschauen, oder iranischen Mädels beim Fußball ohne Tschador, und das wäre, zunächst mal, ein politisch korrektes Begehren. „In Saudiarabien dürfen Frauen noch nicht mal Auto fahren!“ – diesen Satz hört man hierzulande gerade ziemlich oft, wenn die unglaubliche Tatsache ventiliert wird, dass Frauenfußball in Deutschland bis in die 70er Jahre – was? genau! verboten war! Er gefährde nämlich, so noch Sepp Herberger, die „weibliche Anmut“.  Das finde ich ja nun gerade eben nicht, aber könnten wir das Thema „weibliche Anmut“ nicht irgendwie überhaupt mal beiseite lassen? Offenbar nicht. Weil nämlich selbst Emanzipationsvorkämpfer wie DFB-Theo Zwanziger Werbespots genehmigen, in denen sich Spielerinnen mitten im Match die Lippen nachziehen und die Wangen pudern. Haha! Ein bisschen doof sind die Tussen also wohl doch, aber wenigstens nicht „vermännlicht“ wie Mario Gomez und Manuel Neuer, die sich wahrscheinlich noch nicht mal die Beine rasieren, schon gar nicht während des Spiels.

Ist das eigentlich ein Fall von latenter Homophobie? Dass Männer immer Angst haben, Sportlerinnen könnten „vermännlichen“?  Also meine Befürchtung ist das nicht, auch wenn Fußballerinnen mal vergessen, sich im Strafraum die Nägel zu lackieren. Ich verstehe auch nicht, warum so viele Testosteron-Junkies immer Angst vor Lesben haben. Glauben sie vielleicht, sie kriegen irgendwann keine Frau mehr ab, weil die alle ihresgleichen bevorzugen? Wie kleinkariert und kognitiv bierbäuchig! Ich halte es mit dem französischen Philosophen und Sozial-Utopisten Charles Fourier, der bekennender Anhänger des „Sapphismus“ war, was wohl, weniger vornehm, bedeutete, dass er gern bei lesbischem Sex zuschaute, was ich ganz gut verstehen kann. – Aber, warum rede ich bloß die ganze Zeit über Sex? Es geht doch um Fußball!

Nachher gucke ich das Eröffnungsspiel. Ich hoffe natürlich, dass unsere Frauen auf dem Platz gut aussehen. Wobei ich dies rein sportlich und wettkämpferisch verstanden wissen möchte. Andererseits: Würde das Geschlecht GAR KEINE Rolle spielen, könnte ich, wäre es mir nur um „schönen Fußball“ zu tun, ebenso gut auch den FC Barcelona ansehen. Es ist zum Mäuse-Melken – man entkommt irgendwie dem Geschlechtlichen nicht, selbst wenn man altersbedingt schon darüber hinaus ist!