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Filmprojekt Blogbuster

30. Januar 2012

Der Moment der Entscheidung!

„Tränen der Gier II: Der Schatz in der Schute“. – Jonny Perfidel arbeitet als Quereintreiber für die Gemüsemafia in den Docks von Gütersloh. Sein mächtiger Boss, der Gurken-Mogul Ahmad Mahdi, genannt Mad-Mad, vertraut ihm, denn er ist der König der Durchstecher, Schadensschieber und Schnäppchen-Schlawiner. Jonny Perfidel ist unnahbar, ein selten harter Hund, doch er hat eine Schwäche: Des Moguls schöne Tochter Maybelline Mahdi, genannt Baby Maybe-Mad. In die ist er verliebt, denn sie hat ein Herz aus Holz, die Beine eines Feinstrumpfhosen-Models und den Überbiss einer ägyptischen Prinzessin. Jonny hat sich extra für zu Hause einen Tisch schreinern lassen mit Beinen dran wie die von seiner Angebeteten. Kommt er abends nach einen langen gefahrvollen Tag vom Quereintreiben, sitzt er in seiner Penthouse-Mansarde und streichelt versonnen die Tischbeine. Ein Bild subtiler Erotik. Auch er ist ein Mensch und hat Gefühle!

Nun beschleunigt der Film, Konflikte werden geschürzt und Verwicklungen gestrickt: Am Kanal wird eine Schute mit Schnäppchen erwartet, für den Mogul. Es geht um Millionen! Jonny beschließt, sich die Schnäppchen selbst zu schnappen, damit, wenn er mit Baby Maybe-Mad ein neues Leben beginnt, Geld da ist fürs Gardinen-Kaufen, oder was Frauen sonst wollen, Schuhe vielleicht. Die Frage ist, ob das gut geht, denn auch andere gut informierte Kreise wollen an den Rabatt. Mit von der Partie ist sowieso die berüchtigte Polizei von Gütersloh, Bullen wie aus dem Bierbuch, korrupt, superfies und mordsverschlagen. Ihr Auftrag ist Absperren mit Flatterband, Schusswechsel, Handaufhalten.

Die legendäre Gütersloher Dunkelheit bricht herein, notdürftig erhellt von Explosionen, brennenden Limousinen und Mündungsfeuer im Hafen. Es gibt Oscar-nominierte Erregungsmusik von Hans Zimmer, welche die Unübersichtlichkeit der Situation verstärkt. Jonny Perfidel ist derweil in den Matrosenaufzug gestiegen und mischt sich unter die Beteiligten, die größtenteils erschossen am Kai liegen. Im Rumpf der Schute kommt es zum Showdown: Mogul Mad-Mad sitzt auf einer Palette mit Schnäppchen und wartet auf Jonny. „Aha, da bist du ja!“ sagt er. Es kommt zu einem Gespräch unter Männern, also mit Boxen und Schießen, teilweise unter Wasser, denn die Schute, von Schüssen durchsiebt, versinkt in den Fluten, auf denen sinnlose Schnäppchen elegisch ins Dunkel treiben! Während der Mogul und Jonny um ihr Leben paddeln, versuchen sie das Gespräch aufrecht zu erhalten. Es gelingt mit Hängen, Hauen und Würgen.

Am Kai trippelt derweil des Moguls Tochter hin und her und ringt nervenzerrüttet die Hände. „Vater! Vater!“ ruft sie nach links, und „Jonny! Jonny!“ nach rechts. Sie wird sich entscheiden müssen…

 USA/D/DAN, 2012, 120 Min., Regie: Moi. Darsteller: Johnny Depp (Jonny Perfidel), Robert de Niro (Mogul), Katja Riemann (Baby Maybe-Mad) u. v. a.. Musik: sagte ich doch, Hans Zimmer

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Pizza, Fußball & ägyptische Italiener

28. April 2010

Ägyptischer Pizza-Teller

Ungewöhnlich warmer Frühlingsabend heute. Es groovt greifbar. Im Viertel riecht es betäubend, teils nach gemähtem, teils nach gerauchten Gras; Grill-Schwaden mäandern, der Flieder duftet, desgleichen die Mädchen, die heuer wieder eminent gut gewachsen sind, Kopftuch hin oder her. Die Tamilen spielen Krickett im Park oder Volleyball im Hof; die von mir politisch unkorrekt so genannten. Reggae-Neger sind bereits alle auf der Straße und üben ihren hoch-musikalischen Gang. Cool running. Vor lauter berauschtem Vormichhinradeln und urbanem Atmosphärengenuß vergesse ich übers Patroullieren glatt, mein abendliches  Diätbreichen zu kochen, und, was schwerer wiegt, auch noch, daß heute der FC Bayern in Lyon spielt. – Oh, oh! Jetzt aber schnell! Hunger UND Eile!

Spontan, was so viel heißt, wie: in Panik, beschließe ich einen Diätbruch. Wenn schon Mangel an compliance, dann aber richtig, also Ferttich-Pizza! Aber wo jetzt, bei wem und welche? Die Frage bei uns in der Nachbarschaft lautet dabei konkret: Wer sind die besten Italiener? Die Inder, die Tamilen, die Pakistani, die Marrokkaner oder die Ägypter?

Ich entscheide nach oberflächlicher Sympathie: „Mimmo“ war ein berüchtigter Mafia-Killer, der am Ende wieder katholisch wurde und seine Auftragsmorde beweinte wie ein  kalabresisches Krokodil. Besser spät, als nie, oder? Also okay, va bene, Mimmo. Freilich, die Italiener, die hier in der „Pizzeria Mimmo“ rasch, effizient und präzise agieren, sind allesamt Pharaonen-Söhne. Im Lokal weht an die Wand genagelt die rot-weiß-schwarze Fahne.  Im Fernsehen läuft das Bayern-Spiel, übertragen vom Kairoer Fernsehen. Man sei, so erklärt mir Kemal mit charmantem Lächeln, zwar durchaus auch in der Lage, auch dem deutschen Kommentar zu folgen, fände aber den ägyptisch-arabischen spannender. Ich muß dem zustimmen: Wer einmal einen schon in der 8. Minute ultrahocherregten ägyptischen Kommentator hat „Sch’huua-wwh’ein-staige’rrrrrrch“ hat intonieren hören, dem ist selbst Marcel Reif bloß ein Schnarchsack.

Also eine mittlere Napoli mit Tonno und Kapern. Noch heiß und knusprig, als ich den DBVT-Stecker ins Notebook einstöpsele und Wein (weiterer Diätbruch, jetzt ist schon alles egal!) eingieße. Eine tadellose Pizza, stelle ich fest, während ich wohlwollend registriere, daß die Bayern inzwischen bereits 1:0 führen. Ein kritischer Gedanke, des Inhalts, daß Pizza ja nun wohl definitiv das langweiligste Thema der Welt ist, schießt mir durch den Kopf. Kann sein. Trotzdem, wenn er’s mal sein muß, will man wissen, wohin. Ich schlage vor: „Mimmo“.

Die ägypytischen Jungs sind multitasking-fähig: Sie können gleichzeitig auf arabisch ins Handy palavern, Fußball gucken, mit Kunden plaudern, kassieren und zudem anscheinend recht leckere Pizza backen. Ich bin nicht ganz sicher – hat Ägypten sich für die WM in Südafrika qualifiziert? (Ich glaube, schon…) Wenn ja – ein Fußball-Spiel guck ich auf jeden Fall in der „Pizzeria Mimmo“: Das bißchen Arabisch lern ich bis dahin!

Bayern siegt 3:0. Die Pizza ist vertilgt. Ein Rest Wein ist noch da. Der Tag endet befriedigend.