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Als Jesus mal gekommen ist (Kardinal Voll-Meise hat Schnappatmung)

16. September 2011

Meisner zeigt an: Ungefähr so weit kann man den Arsch offen haben (Bild: dapd)

Da ist man mal für einen Moment bei den Sanftmütigen und bespöttelt den Papst nur müd-milde-schmunzelnd, tatzelt sogar nebenher die linken Boykottierer ein wenig, aus Geschmacksgründen, und dann das: Kardinal Joachim „Gottes Pitbull“ Meisner ist wieder von der Kette und kriegt Schnappatmung. Oh, Herr. Was ist es denn nun diesmal? Furienkardinal Voll-Meise über die Papst-Boykottierer:

„Mich erinnert das manchmal daran, wenn Jesus gekommen ist und Besessene waren da. Da fingen die Geister, die die Menschen in Besitz genommen haben, an zu schreien: Was haben wir mit Dir zu schaffen! Und dann hat Jesus die Geister ausgetrieben.“ Die jüngsten Reaktionen erinnerten ihn an eine „rational nicht nachvollziehbare Anti-Papst-Besessenheit“, betonte der Kardinal.“ („DerWesten.de“)

Klar könnte man gelassen bleiben und sagen: Besser von Geistern besessen als von allen guten Geistern verlassen, aber bei manchen dieser Heuchelfressen ist mir nicht nach cool. Also wollen wir mal tief Luft holen und folgendes klarstellen:

Erstens. Das zutiefst mit dem Anti-Christ verschwägerte Höllenpack der Klerikalschranzen, heiligen Hooligans, papistischen Parasitenpriester, Erzkasper, Kardinalkakerlaken und letztgeölten Quatschsalbaderer soll mal schweinemäßig froh sein, dass ihr Jesus voraussichtlich nicht wiederkommt, weil wenn doch, dann brächte er den Zorn Gottes mit und würde der schleimheiligen Brut der pharisäischen Faselanten und hochfahrenden Monströsmonstranzen aber derart was in die schiefmäulige Giftvisage hauen, dass keine andere Backe zum Hinhalten mehr übrig bliebe.

Zweitens. Herr Dr. Ratzinger ist nicht Jesus. Nicht mal er behauptet das. Und wenn einer mit ihm nichts zu schaffen haben will, dann ist das dreimal verflucht seine Sache. Noch haben wir hier Religionsfreiheit, du kardinaler Karnevalsprinz! Und das beinhaltet die Freiheit, euer gesammeltes Gaga-Gesindel herzlichst zum Teufel zu wünschen sowie das Recht, nicht von euren frommen Geiferern mit komplett bestusster Moppelkotze beworfen zu werden! Ist ja widerlich!

Drittens. Mit Weihrauch aufgepumpte Transen-Schwellkörper und Wirrmichel-Hochwürden im goldbetressten Narrenhemd sollten mal nicht allzu dolle mit dem Begriff „rational nicht nachvollziehbar“ herumschäumen. Was an ihrer eigenen kraus-bizarren, byzanthinisch-blasphemischen, ruchlos ranzigen Rabulistik-Theologie „rational nachvollziehbar“ sein soll, steht ja dahin bzw. weiß der Himmel allein.

Viertens. „Mich erinnert das manchmal daran, wenn Jesus gekommen ist…“ – Meisner!!! Grammatik! Sinn!? –  Und dann noch solche Anzüglichkeiten! Was hattest du denn mit Jesus „zu schaffen“? Und wann? Als er noch ganz klein und süß-unschuldig war?

Mann, Mann, Mann.

Schwarm-Dummheit, Thaumaturgie, Hemden mit Stecknadeln

12. August 2011

Schwarm-Dummheit (Fotoquelle: http://www.reticon-de)

Die Medien sind insgesamt ein gutes Beispiel für Schwarm-Dummheit. Jaulend und japsend, fortwährend über einander stolpernd und sich vor Eifer überschlagend, hechelt die Meute von einem Zentralaufreger zum nächsten. Und wir immer hinterher! Was kommt morgen? fragen wir uns fingernägelbeißend und vorfreudig erregt, Atom, Krawall, Börse, Euro oder wieder was ganz anderes? Um die Spannung nicht bis zur Unerträglichkeit hochschnellen zu lassen, gibt es aber auch Fixpunkte, von ganz weitem Vorhersehbares, nach dem man seinen Kalender stellen kann – Jahrestage etwa. Fünfzig Jahre Mauerbau, dreißig Jahre IBM-PC, oder demnächst, mir wird jetzt schon schlecht, zehn Jahre 11. September.

Von der medialen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet verstrich heuer hingegen, sagen wir mal als Beispiel, der 1891. Todestag des berühmten Thaumaturgen Apollonios von Tyana. Als Wundertäter machte er einst selbst Jesus Konkurrenz. In Ephesos soll er eine Jugendbande angestiftet haben, einen obdachlosen Bettler zu steinigen. Hinterher behauptete der heilige Mann, dabei habe es sich um einen verkleideten Pestdämonen gehandelt, und siehe: Die Pest trat unter den Ephesern tatsächlich nicht auf! Apollonios hat auch irgendetwas Bahnbrechendes geschrieben, was teils leider verschollen ist, teils ein Konvolut von Fälschungen darstellt, die auf einen gewissen Flavius Philostratos zurückgehen, der auch die Biographie des Wundermannes, auf die wir uns hauptsächlich stützen, weitgehend frei erfand und zusammenfabulierte. Letzterer, der Heilsbringer, war evtl. gelegentlich in Äthiopien oder sogar Indien, oder er ist, anderen Quellen zufolge, vielmehr aus Klein-Kappadokien nicht herausgekommen. Aus den Lehren des Apollonios wurde man übrigens nie recht schlau; als verbürgt gilt lediglich, dass er wahrscheinlich Vegetarier war und die Meinung vertrat, Gott sei an der Verehrung der Menschen nicht im geringsten interessiert.

Mich würden solche Denkwürdigkeiten erfreuen, wenn sie in den Nachrichten kämen, denn ich habe es gern, wenn hier und da Fragen offen bleiben und mir nicht immer gleich jedes Problem von Expertokraten zugemüllt wird. Diese Welterklärer dürften meinetwegen ohnehin gern einmal spannenderen Fragen nachgehen, anstatt immer den neuesten Weltdorftratsch mit Trivialitäten zu kommentieren – etwa, warum, nach einem halben Jahrhundert Raumfahrt und digitaler Revolution, fabrikneue Hemden immer noch mit heimtückisch versteckten Stecknadeln fixiert werden, von denen man nie alle findet, sondern etliche stets unter veitstanzähnlichen Verrenkungen aus entlegenen Körperteilen ziehen muss, während man im Hemd schon drinsteckt und eine äußerst unwürdige Figur abgibt! Über so etwas wird nie berichtet, und später wundert man sich dann, woher die Gewaltbereitschaft des kleinen Mannes auf der Straße herkommt (oder schreibt man in diesem Falle „klein“ groß?).

Der Alltag der übergroßen Mehrheit der Menschen setzt sich aus kleinen Katastrophen zusammen – bei großen gibt’s ja den Alltag nicht mehr. Aus kleinen Anlässen entsteht oft Verblüffendes. Zum Beispiel dieser Text, der sich eigentlich bloß dem im Grunde nichtigen Wunsch verdankt, ein einziges Mal öffentlich das Wort „Thaumaturg“ verwenden zu können, um es so der Vergessenheit zu entreißen.

Doc Holiday erklärt Feiertage: Fronleichnam

11. Juni 2009
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Mahlzeit!

KAUM ZU GLAUBEN: HOKUSPOKUS MIT BLUT

Jetzt ist es wieder soweit. Scharenweise strömt das Jungvolk von der Tanzfläche, umringt meinen Lehnstuhl und ruft im Chor: „Daddy-O, lieber Professer, sag, erzähl doch bitte einmal wieder, was noch mal genau an Fronleichnam gefeiert wird! Wir vergessen das immer!“ Laß ich mich lange bitten? Iwo, von so adretten, wohlerzogenen jungen Leuten doch nicht! Außerdem werde ich für mein Leben gern etwas gefragt, und wenn ich eine bizarre Schnurre zu erzählen weiß, werd ich wieder jung. Hört fein zu: Doc Holiday erklärt die Feiertage! Fronleichnam also. Dieses Fest wird speziell von Katholiken gefeiert, Evangelen und sogar Ungläubige, Ketzer und Anti-Christen kriegen aber auch frei. Bei uns in NRW ist dies die letzte Gelegenheit, unter Einlegung eines Brückentages einen Kurzurlaub zu buchen. Der Sinn von Fronleichnam ist das aber nicht, denn Papst Urban IV., der das Kirchenfest 1264 einführte, wusste wohl noch nichts von Brückentagen. Verlängerte Wochenenden kommen in der Bibel nicht vor, nicht mal im „Neuen Testament“.

Fronleichnam („Leib des Herrn, von ahdt. „Fron“, Herr, und „lichnam“, Leib) heißt offiziell „Fest des Leibes und des Blutes Christi“ und wird jeweilen am zweiten Donnerstag nach Pfingsten mit Umzügen („Prozessionen“) gefeiert bzw. begangen. Um zu verstehen, was da eigentlich gefeiert wird, lade ich das Jungvolk ein, mal eine katholische Messe zu besuchen. Am besten im Kölner Dom, weil hier der Aberglaube auf imposanteste, ja flamboyanteste Weise zu Stein geworden ist, und weil der alte Mann mit dem goldenen Mantel und dem komischen spitzen Hut, der da vorne herumzaubert und seinen Hokuspokus abzieht, in Köln eine besonders ulkige Pfeife ist. „Hokuspokus“ ist übrigens eine Verballhornung und geht darauf zurück, daß das Volk früher kein Latein konnte. In Wirklichkeit murmelt der Vorzauberer nämlich „Hoc est corpus meus“„Dies ist mein Leib“ – und hält dabei eine Schale mit geweihten Oblaten hoch. Außerdem hantiert er mit einem Kelch mit Messwein und spricht dazu „Dies ist mein Blut“. Damit meint der Kardinal oder Bischof natürlich nicht sein eigenes Blut, sondern  „Leib und Blut des Herrn“. Damit wiederum ist Jesus gemeint, also Herr Jesus. So. Jetzt wird es etwas unübersichtlich: Die Orgel braust, Weihrauchschwaden nebeln, Kerzen blaken im Halbdunkel,  es wird einem irgendwie ganz schwummerig und dann … – ruft Oma aus dem Jenseits an?

Nun, dies nicht gerade. Aber ein Glöcklein klingelingelt wie bei der Weihnachtsbescherung und in diesem Moment – wenn ihr wollt, denkt euch einen Trommelwirbel – vollzieht sich das Wunder der sogenannten „Wandlung“, die der Fachmann für Höheren Blödsinn (ich also) „Transsubstantiation“ nennt. Die faden Oblaten verwandeln sich in diesem Moment in das Fleisch des Gottessohns und der Wein – richtig! Gut mitgedacht! – in sein Blut. Die Gemeinde, also wir, wenn wir dazugehören, dürfen jetzt vortreten und den Mund aufmachen. Aber nix sagen, bitte! Sondern ein jeder bekommt jetzt ein Bröckchen Fleisch und ein Schlückchen Blut vom Herrn Jesus hineingetan und schluckt das! Uuääärrgs! Blut! denkt man noch, aber dann merkt man, das ist doch immer noch ein saurer Riesling aus Rheinhessen! Und die Oblaten schmecken noch immer nach Mehl, nicht nach rohem Fleisch! Was also? War das ganze nur so symbolisch gemeint?

Eben nicht! Sondern die Wandlung vollzieht sich tatsächlich – sofern man daran glaubt! Da könnt ihr jetzt kichern, so viel ihr wollt! Wenn man feste glaubt, ißt man in der Pommesbude Kaviar und Austern!

Na ja, jedenfalls, dieses „Wunder“, daß man bei der kannibalischen Verzehrung Gottes, die wiederum „Eucharistie“ genannt wird (von altgriech. eucharistein, = Dank sagen), wirklich Fleisch und Blut Jesu vor sich hat, beziehungsweise daß man dieses unappetitlich bizarre Brimborium tatsächlich nachhaltig einem gläubigen Volk einreden kann, das feiert die Heilige Mutter Kirche am heutigen Fronleichnam.

Wenn ihr jetzt „So’n Zinnober! Hokuspukus! Fauler Zauber!“ murmelnd auseinandergehen wollt, bitte ich euch, noch einen Moment zu warten, denn das Beste kommt erst! Und ich wusste das bis heute nämlich auch nicht, sondern las es jetzt in der Tageszeitung beim Frühstück, las es dreimal hintereinander, weil ich es erst nicht glauben wollte, aber dort stund es geschrieben schwarz auf weiß in seriösen Lettern, wie ein Text für Erwachsene:

„Das Fest geht zurück auf eine Vision der später heilig gesprochenen Augustinernonne Juliana von Lüttich. Sie soll beim Beten den Mond gesehen haben, der an einer Stelle verdunkelt gewesen sei. Christus habe ihr später [–??!, d. Verf.] erklärt, dass der Mond für die Kirche stehe, der dunkle Fleck für das Fehlen eines Festes des Eucharistie-Sakraments.“

Diese vielleicht allzu plausible und auf der Hand liegende Deutung geriet zwar etwas ins Wanken, als Galilei Galileo vierhundet Jahre später mit Hilfe eines Fernrohres den wahren Grund für die Mondflecken in der Krateroberfläche des Trabanten entdeckte, aber da war es schon zu spät: Das Fest war fest installiert, auch wenn Christus der Nonne gegenüber ein bißchen geschwindelt („improvisiert“) hatte…

 Hey, was ist? Warum lauft ihr denn alle weg? Das Jungvolk entfernt sich kopfschüttelnd. Nur ein Ungläubiger namens Thomas dreht sich noch mal um und sagt: „Doc, in Ihrem Alter sollte man aber nicht mehr so viel Drogen nehmen…!“ 

Wörter im Abstiegskampf

1. Mai 2009
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Nicht Stil-, noch werbe-, noch Kabarett-, sondern echte Ikone (6. Jh.)

EINE KURZE BESINNUNG ÜBER IKONEN

Bloße Kulturchristen wie unsereins wissen es noch mit Ach und Krach: Der Psalmsonntag bezeichnet den ersten Tag der Karwoche, an dem Religionsstifter Rabbi Jeshua von Nazareth auf einem weißen Eselsfohlen in Jerusalem einritt, begrüßt von jubelnden Menschen, die ihm „Hosianna!“ (= „Hilf doch!“) zuriefen. Die Woche ging bekanntlich gar nicht gut aus, zunächst. Am Ende muß man dann immer dran glauben, so oder  so. – Wer weiß aber, bzw. glaubt, daß Jesus auch Briefe geschrieben und Bilder von sich hat machen lassen?

„Hilf doch!“ schrieb ihm nämlich der Kirchenlegende zufolge auch von weither ein gewisser König Abgar V. von Osrhoene aus Edessa (dem heutigen südtürkischen Urfa), denn Abgar war krank, jedenfalls krank genug, um zu glauben, er könne sich den Wunderheiler-Rebbe Jesus mal eben so mir nichts dir nichts nach Mesopotamien einfliegen lassen.

Um den Gottessohn zu ködern, bot Abgar ihm sogar Asyl an: „Daher wende ich mich in diesem Briefe an dich mit der Bitte, dich zu mir zu bemühen und mich von meinem Leiden zu heilen. Ich habe nämlich auch gehört, daß die Juden wider dich murren und dir Böses tun wollen. Ich habe eine sehr kleine, würdige Stadt, welche für uns beide ausreicht.“ –

Kirchenchronist Eusebius berichtet im Jahr 325, Jesus habe die Einladung wegen anderweitiger Verpflichtungen (Kreuzigung, Auferstehung, Welterlösung) damals nicht annehmen können, habe aber dem Eilboten Abgars, einem Manne namens Ananias, einen netten Brief für Abgar V. mitgegeben, worin er geschrieben habe: „Selig bist du, weil du an mich glaubst, ohne mich gesehen zu haben. Es ist nämlich über mich geschrieben, daß die, welche mich gesehen haben, nicht an mich glauben, und daß die, welche mich nicht gesehen haben, glauben und leben sollen. Bezüglich deiner schriftlichen Einladung, zu dir zu kommen, mußt du wissen: es ist notwendig, daß ich zuerst all das, wozu ich auf Erden gesandt worden bin, erfülle und dann, wenn es erfüllt ist, wieder zu dem zurückkehre, der mich gesandt hat. Nach der Himmelfahrt werde ich dir einen meiner Jünger senden, damit er dich von deinem Leiden heile und dir und den Deinigen das Leben verleihe.“ [Eusebius, Kirchengeschichte (Historia Ecclesiastica) 1.Buch Kapitel 13].

Besagter Eilbote Ananias (alias „Hannan“) sei nun aber auch Maler gewesen, heißt es, der die Gelegenheit beim Schopfe griff und gleich mal eben den Gottessohn ratzfatz abkonterfeite und das Bild seinem König mitbrachte. Das ist ja zwar irgendwie nicht ganz logisch, weil es doch im Begleitbrief gerade heißt, „daß die, welche mich gesehen haben, NICHT an mich glauben“, aber Theologie und Logik stehen eh in einem gewissen Spannungsverhältnis. Ist ja nicht weiter schlimm. Noch weniger logisch scheint, daß dieses so entstandene Christus-Porträt als „nicht menschengeschaffen“ bis heute verehrt wird (heute hats der Papst in seiner Privatkapelle!) – und zwar als … erste wundertätige Ikone! Gott hatte sozusagen den Selbstauslöser benutzt, – was später zu weiteren theologischen Verwirrungen führte: Hieß es doch im Dekalog eindeutig: „Du sollst Dir kein Bildnis machen…!“ Ja, was denn nun noch?

Im 8.und 9. Jahrhundert kam es darüber in Byzanz sogar zum Bürgerkrieg zwischen Ikonoklasten (Bilderstürmern) und Ikonodulen (Bildverehrern). Letztere, z. B. Johannes von Damaskus, brachte pro Bilderlaubnis das theologische Argument vor, der unsichtbare Gott habe sich ja per Menschwerdung in Jesum Christum selbst sichtbar gemacht, – sei daher auch abbildbar geworden. So!

Jedenfalls, um die Sache abzukürzen: In den orthodoxen Ostkirchen sind Ikonen bildliche Darstellungen von Jesus, Maria und einigen Heiligen, welche eine erhebliche und bemerkenswerte Besonderheit aufweisen: Es handelt sich nicht einfach um irgendwelche Bilder, sondern in den flächig, zweidimensional und bewußt schlicht gehaltenen Bildnisssen ist das dargestellte Heilige selbst zugleich anwesend und aktiv. Weswegen solche Ikonen ja eben auch Wunder wirken, Krankheiten heilen, Krebs wegmachen, Kredite einlösen, flüchtige Bräute zurückholen können etc. Ikonen sind Hotlines zum Heiligen, Tag und Nacht besetzt. Wer dran glaubt, darf mit Wundern rechnen. Wer nicht, muß halt abwarten, was kommt.

Ich will über diesen Bildmagie-Glauben gar nicht aufklärerisch die Nase rümpfen. Ich hab als Kind auf dem Schulweg auch geglaubt, wenn ich nur auf jede zweite Gehwegplatte trete, schreiben wir Mathe erst nächste Woche. Der Mensch braucht sein bissel Magie. Wir sind so. Zum Beispiel ist der gegenwärtige Trainer des Zweitligisten MSV Duisburg zwölf Spiele lang nicht zum Friseur gegangen, in der abergläubischen Annahme, der Haarschnitt könne die Siegesserie des Vereins kappen. So ist der Mensch! Noch heute! – Ikonen also, halten wir das fest, sind magisch-spirituelle Dinge, in denen das Heilige selbst und persönlich anwesend ist, wohnt und wirkt. Ob in der Werbe-Ikone Verone Pooth geb. Feldbusch oder in der Stilinkone Madonna das Heilige anwest, bezweifele ich. Aber ich bin auch skeptisch, ob echte Ikonen Krebs wegzaubern. Damit beschließe ich diesen Besinnungsaufsatz. Glaube hin oder her – ich wünschte, das schöne alte Wort Ikone würde nicht zum Blödwort absteigen.  Wir machen ja Kirchen auch nicht zu Eventschuppen! Wie? Manche machen das? Dann Fluch über sie! Und jetzt Schluß damit.

Einiges über Bilder aus dem „Wachturm“ der „Zeugen Jehovas“

22. April 2009
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Eine schwierige Frage!

 

Ist ein rebellisches Kind im Haus?“ – so frug, im kryptischen Zusammenhang mit einem Bild von der Arbeit im Weinberg, dereinst ein Titelblatt des „Wachturms„, der bekannten Erweckungszeitung der „Zeugen Jehovas“. Diese Frage ist schwer zu beantworten. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind rebellische Kinder selten „im Haus“, weil, sie sind meistens „feiern“, „übernachten bei einer Freundin“, „lernen zusammen für die Klausur“, das heißt also, sie gucken zusammen „Germany’s next Top-Moppel“, haben Sex und/oder nehmen div. Drogen, „machen“ also „Party“. Genaugenommen: „In da houze“ sind rebellische Kinder eigentlich nur, wenn sie Geld brauchen, oder um den Kühlschrank zu plündern. – Aber wenn nun doch mal? Was mach ich mit dem rebellischen Kind, wenn ichs daheim ausnahmsweise vorfinde? Was empfiehlt der „Wachturm“? Soll ichs vielleicht mal präventiv züchtigen? Also aus Fürsorge gut und derbe durchhauen? Vorbeugend eine schallern? Wegen Rebellentum, Unbotmäßigkeit und unbefugter Widerwortigkeit? Ach, ich weiß nicht…

Ich war auch mal ein rebellisches Kind. Ja, hätte der Herr Vater für mich ebenfalls körbeweise Weintrauben gepflückt, wär es noch angegangen, aber die stattdessen angebotenen Ohrfeigen verschmähte ich regelmäßig und verließ das Haus, während mein Erzeuger mir etwas Unflätiges oder Erzieherisches hinterherbrüllte. Ich hielt ihn damals, ehrlich gesagt, für ein ziemliches Würstchen. Es ist das Vorrecht der rebellischen Jugend, aus dem Überschwang mangelnder Lebenserfahrung arrogante Urteile zu fällen. Heute weiß ich, daß Würstchenhaftigkeit ein Zustand ist, in den ein Mann der heutigen Zeit schneller hineinrutschen kann, als er glaubt. Besser, man akzeptiert eine gewisse Grundlächerlichkeit des gemeinen Gockels, dann ist man später nicht so beschämt. Und ehe sich die Damenwelt jetzt etwas einbildet: Der Weg von der Rosenknospe und Märchenfee zur Schnepfe, Schnalle oder Zicke ist ebenfalls abschüssig und schlüpfrig!

Eine ganz andere Frage, die mich interessiert, weil ich heut schon wieder zum Quengel-Trainer und Denksportwart Reinhard Haneld muß, ins Seminar für Bildästhetik und Hermeneutik, ist ebenfalls von den „Zeugen Jehovas“ aufgeworfen worden:

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„Ist es richtig, Bilder zur Anbetung zu verwenden?“ – so fragt hier bang eine Großmutter, Trümmerfrau oder Mutter Oberin, die, während ihre in einem höchstwahrscheinlich harten, arbeitsreichen Leben abgearbeiteten, knotigen Gichthände einen Rosenkranz befingern, das miniaturisierte Bildnis eines halbnackten jungen Mannes, den man gerade totgemartert hat, weniger betrachtet als argwöhnisch beäugt oder aber, besser, ahnungsvoll seherisch durch ihn hindurch visioniert. Tja, darf man? Die einen sagen so, die anderen so. Ikonoklasten die einen, Ikonodulen die anderen. (Wenn Ihr nicht wißt, was das ist, schlagts halt bei Wikipedia nach!) Die Lösung liegt in einem entschlossenen Es-kommt-darauf-an! Worauf? Nun, was auf dem Bild zu sehen ist. Bei Jesus wird in der Regel ein Auge zugedrückt. Einen gekreuzigten Frosch anzubeten, oder, wie kürzlich in der taz abgebildert, Bayern-Trainer Klinsmann am Kreuz, das ist schon problematischer.

Regelrechter Moralalarm schrillt jedoch, wenn, wie im folgenden zu sehen, eine junge Dame, möglicherweise ein halbes rebellisches Kind, sein Spiegelbild anbetet. Hier hat Satanas das Schminktischchen reich gedeckt! 

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Fräulein Kesse Lippe auf dem Weg zur Hölle

Wie man sieht, hat das Fräulein sich eine frivole Schleife ins Haar gemacht und zieht gerade seinen „Schmollmund“ mit Lippenstift nach!  Fräulein Kesse Lippe wird daher leider in der Gosse landen! Da nützt dem Backfisch auf dem Weg zum Gefallenen  Mädchen auch nicht das weiße, gestärkte Krägelchen oder der strenge Pferdeschwanz. Tut mir leid! Dieses Girl ist verdammt! Es hat schon vom süßen Gift der Sünde (Parfüm!) genascht! Später wird es mit Adam ausgehen, und bei der Rückkehr vom Kino gibt es Knutschen mit Zungenkuß, und „sie“ wird fragen: „Kommst du noch auf einen Apfel mit ‚rauf?“ Kehrt bloß um, im Fallen begriffene Mädchen! Meidet den verderbten Schminktisch, verabscheut den Spiegel und den kristalllüsternen Flakon! Es weilt kein Segen drauf!

Segen hingegen bekommt überreich, wer auf Jehova vertraut. Sollte ich je Lust haben, nackt, nur in einen Fransenvorhang gewickelt, in einen vergitterten Keller zu springen, in dem sich drei halbverhungerte männliche Löwen sowie eine wohl kaum weniger gesättigte weibliche Löwin befinden, so werde ich umgehend Jehova anrufen und bitten: „Hol mich hier ‚raus!“

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Irgendein Bruder Ephraim oder Hesekiel im Dschungelcamp