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Über Geflügel

1. März 2014
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Giotto: Der Hl. Franz predigt den Vögeln

Der Hl. Franziskus predigt das Vögeln. Ha, ha, Kalauer! In der Frühlingskühle fliegen die Humorschwalben schon mal tief. Nein, den Vögeln natürlich, eine Bildreportage von Giotto bezeugt das. Die Vögel halten sich in der Angelegenheit bedeckt. Ob sie fromm geworden sind, lässt sich kaum beurteilen. Der Hl. Franz ging davon aus. Dass er, der Legende nach, sogar toten Vögeln gepredigt haben soll, zeugt von einem optimistischen Gottvertrauen, das ich persönlich nicht besitze. Das Thema ist also die schöne Natur hier im Viertel, im weitesten Sinne, Fauna und Flora sozusagen. Die Fauna besteht mehrheitlich aus kleinen fetten Hunden mit Fistelfalsett, Adipositas und Arthrose, von denen zu reden ich mir versage, da ich sonst brennende Mordlust bekomme, sowie allerhand hübschem Kleingeflügel. Generell mag ich Vögel; nur Tauben verabscheue ich. Ist das schon Rassismus? Man muss dies befürchten. Ich verwende sogar hate speech, wenn ich dieses Geziefer unwissenschaftlich, aber wissentlich und willentlich als Scheißdreckstaubengesocks tituliere, denn es, das Gesocks, Verzeihung! – scheißt überall hin. Und wer muss wieder das wegmachen? Ausnehmen möchte ich ausdrücklich die Türkentauben: Anmutige, leise, bescheidene, zierliche, geradezu charmante Schmuckgeschöpfe. Wie sie zu ihrem Namen gekommen sind, keine Ahnung.  

In der Platane vor meinem Lesezimmer versucht ein Elsternpaar, das Elternpaar werden will, seit drei Wochen ein Nest zusammenzuzimmern, mit rührender, inzwischen aber auch schon reichlich enervierender Unbeholfenheit. Bis jetzt haben sie nichts als so eine Art wackeliges Zweiggewirr zustande gebracht, windschief und wenig vertrauenserweckend. Na ja, andererseits, wenn man sich vorstellt, man sollte ein IKEA-Schrank bloß mit dem Mund und den Füßen aufbauen, sähe man ja wohl auch bescheuert aus. Apropos, manchmal frage ich mich, wann Vögel mal endlich kapieren, dass Menschen nicht fliegen können? Vor allem ich, ich kann ja kaum laufen! Aber sobald ich ihnen was predigen will, hauen sie ab, die Damen und Herren Singgeflügel, hypernervös und hysterisch. Dabei tu ich doch nichts! Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun (obwohl, nun ja….) und kein Wässerchen trüben. Dachte ich jedenfalls. Kann ich aber doch; und habe, um das hier mal, die Gelegenheit nutzend, herumzuposaunen, kürzlich ganz unbeabsichtigt etwas erfunden: Die Wasserschorle. Man nimmt zwei Teile Appollinaris classic und gießt dann einfach mit Gerolsteiner medium auf! Der Geschmack ist von phänomenaler Erlesenheit, allerdings nur für durchtrainierte Feinschmecker. Wer sich die Geschmacksnerven durch tägliches Fressen total überwürzter Chickenwings ruiniert, hat natürlich das Nachsehen, selber schuld, aber armen Vögeln die Flügel abzubeißen ist ja wohl auch das Hinterletzte.

Am Hinterletztesten indes, wenn man das so sagen darf, scheint mir der neueste Irrsinn und Hirnkrampf der Lebensmittelgeschmacksverstärkerindustrie: Die Fa. Maggi verkündet, stolzgeschwellt oder geschwollen, die Entwicklung eines geölten Gewürzpapieres, in welches man ein Geflügelteil einwickelt und dann in die Pfanne legt. Wenn es fertig ist, ist das dann gewürzt, vor allem mit lauter allergenem Mist, versteht sich. Braucht die Welt so etwas? Gehörte Gewürzpapier zu den ersten fünfhundert Dingen, die man auf eine einsame Insel mitnähme? Eine Verwendungsmöglichkeit sähe ich da nur für extravagante Tierfreunde: Die könnten auf das Gewürzpapier mit Zitronensaft einen Brief an das Hähnchen schreiben und dieses dann damit einwickeln, worin sie sich entschuldigen, ausnahmsweise mal Tierteile zu essen. Wahlweise wäre auch der Text der Predigt vom Hl. Franz an die Vögel denkbar.

Mein herzliches Verhältnis zu Vögeln rührt übrigens, wie das meiste bei Menschen, aus der Kindheit her, in der ich, gemeinsam mit meiner Schwester, einen Wellensittich nahmens Peter besaß, der aufgrund wenig artgerechter Haltung sensorisch verarmte, vereinsamte und an Neurosen erkrankte; er starb bei einem tragischen Unfall, als er in den offenen Petroleumofen flog und sich selber grillte. Aber die Beerdigung – ein Traum! Wir bastelten aus einer Zigarrenkiste der Marke „Sportstudent“ einen Sarkophag, betten den eigentlich blauen, nun aber schwarzen Peter auf ein Lager aus Monatsbinden unserer Mutter und trugen ihn singend und Gebete mumelnd in einer kleinen Prozession in den Garten, wo wir ihn unter einem schönen Holzkreuz feierlich begruben. Meine Schwester sprach das Vaterunser und ich sagte, wiewohl es Sommer war, ein Weihnachtsgedicht auf, weil, ich war erst fünf und konnte noch nichts anderes auswendig. Theologisch interessierter als meine Schwester grub ich Peter am dritten Tage wieder aus, um zu schauen, was denn jetzt mit Auferstehung ist. Der Grundstein für einen massiven agnostischen Skeptizismus wurde gelegt. – Soviel zu den Vögeln. Warum nicht einmal Kühe Veganer sind, erläutere ich an anderer Stelle.

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Ansichtskarte aus dem Augenwinkel

6. Februar 2014
Seh ich aus wie ein Therapeut? Herz ausschütten hier verboten!

Seh ich aus wie ein Therapeut? Herz ausschütten hier verboten!

Im milden Westen viel Neues: Heuer nix mit Winter. Definitiv Eis-Abstellgleis: Winter fährt hier nicht mehr. Wir bitten um Verständnis. Babyblau und vertraulich zwinkert der Stadthimmel aus windzerzausten flauschigweißen Wolkenwindeln. Sonne brilliert als Debütantenball. Das ortsübliche Kleingeflügel macht schon Höllenlärm, es meiselt, finkelt und funkelt auf dem Balzplatz, als gäbs kein Morgen, bzw. eben schon ganz viel Morgen, Frühling, Aufbruch usw., Elstern in Paarungsplanung ziehen aufgeregt keckernd gen Norden, zu IKEA, Naturholzzweige fürs Nest. Ich steh derweil auffm Balkong, rauch mein Kaffee und fühl mich irgendwie so Rilke, vielleicht auch bisschen Benn dabei. Wieder mal leide ich unter meiner Unflexibilität: Ich hasse es, wenn ich mich auf etwas einstelle, und dann kommt alles ganz anders. Schon im November hatte ich den Kopf grottentief zwischen die Schultern geschraubt, doppelt Pulloverpower, orntlich Rotwein eingekellnert, Streusalzstreuer aufgefüllt, vorsorglich Depression (SAD – seasonal affective disorder) eingeübt – und was ist? Keine Nacht traut sich unter Null, prunkt dafür aber mit Sternbildern, die ich gar nicht kenne, im Park rotieren die Rentner-Rollatoren um blühende Japankirsche, grellbunte Velozipedisten rauschen durch den Rajon, und keiner sagt mir, wie diese Jahreszeit hier heißt.

Aber mir sagt eh keiner was. Menschen, die mir nahestehen, verabscheuen mich in der Regel, schneiden schnöde Schnuten und meiden mich nach Kräften. Eine unerklärliche Anziehungskraft übe ich hingegen, wie, ich schwör, immer, immer schon, solange ich denken kann, nur auf Hunde, kleine Kinder und Irre aus. Kind und Hund wird man ja wohl noch sagen dürfen? Irre ist vermutlich nicht pc. In der Sache stimmt es aber: Kaum sitz ich mal auf der Parkbank, legen mir wildfremde Hunde treuherzig die nasse Schnauze aufs Knie und Kleinkinder strecken mir hoffnungsvoll schwanzwedelnd ihre klebrigen Wurstfingerchen entgegen, um sich herzen zu lassen. Die Tugend entschlossener Höflichkeit ist hier gefragt; nicht immer beherrscht man sie ohne Beanstandungen. Was die Verpeilten, Verstörten, Psychonauten und Schizonosen an mir finden, weiß ich nicht. Sehen sie in mir einen Seelenverwandten? Eigentlich habe ich nichts Therapeutenhaftes an mir, im Gegenteil. Mit aus Eiszapfen gebildeten Buchstaben steht auf meiner Brust: Hier bitte keine Herzen ausschütten! Nützt es was? Kaum.

Eine treue, mir allerdings gänzlich unbekannte und bestürzend schwerverwirrte Freundin etwa, eine reichlich bizarre Lady Gaga aus den kalten Weiten des Internetzes, schickt mir seit Wochen und Monaten pro Tag oder Nacht ca. ein Bäckerdutzend Mails mit Verwünschungen, Drohungen, Obzönitäten sowie knapp 60% absolut unverständlichen verquasten Verbalquatschtextmüll. Stalking on the wild side: Brieffreundschaft auf blackmail.de. – Was soll man da machen? „Kann man da denn nix machen?“ fragt die Gattin stirnrunzelnd, „Polizei oder so?“ Ich resigniere pantomimisch. „Oder deine Russenfreunde?“ insistiert sie. „Also erstens“, stelle ich richtig, „sind das ja nun mal keine Russen, sondern bloß Serben, und außerdem werde ich ja wohl, was die mir schulden, nicht für die Einschüchterung einer ungezogenen Pampelmuse verplempern…“ – Sie schüttelt missbilligend den Kopf. – „Du weißt, Liebelein, ich bin Taoist, da muss man nicht immer was MACHEN“ füge ich noch hinzu, ganz Oberschulrat Schlaumeier. „Und was MACHST du, wenn du NICHTS machst?“ fragt die Gattin, die nicht umsonst Kriminalhauptkommissarin auf der Visitenkarte stehen hat. „Ich lese ergeben den ganzen Schrott weg, als sei das meine Aufgabe, für die ich auf der Welt bin, wackle bekümmert mit dem Kopf und antworte … nichts.“ Ihr „Aha!“ nahm ich mal als bedingte Zustimmung. Wie ich nämlich mittlerweile erkannt habe, beruht gedeihliches soziales Miteinander auf Duldsamkeit und Nicht-so-genau-Hinsehen.

Ich fürchte, ich werde herzensliebe Künstlerfreunde verprellen, wenn ich behaupte, genaues Hinsehen wird überschätzt. Man liegt stundenlang auf dem Bauch im Garten, kiloschweres, schweineteures optisches Gerät im Anschlag und: sieht genau hin. Was sieht man dann da überhaupt? Besagtes singendes Kleingefügel, wenn man schnell genug ist, mit dem 200er aber auch schon Vertreter der Kerbtierwelt, und mit der nächsten Anschaffung dann wird man das Leben der Mikroben, Fibrillen, Spirillen, Mycoplasmen, Spirochaeten, Clostridien und anderer Repräsentanten des Prokary0tentums ans Licht zerren. Will man das denn? Dieses ganze Geschmeiß, Geziefer  und Geschnetz?

Die alte Mume Wikipedia wispert: Ein Mensch besteht aus etwa 10 Billionen (1013) Zellen, auf und in ihm befinden sich etwa zehnmal so viele Bakterien.“ Schon bei der Vorstellung, wie 100 Billionen Exemplare eklen mikrobiellen Gewürms „auf und in“ mir herumwuseln, wird mir blümerant, da brauch ich gar nicht noch genau hinsehen! Frauen sind nach meiner von Bonhommie gesättigten Erfahrung ja am schönsten bei Kerzenlicht, Sonnenuntergang, etwa 1,80m Abstand, ohne Brille und durch ein Glas Spätriesling betrachtet. Beim candle light dinner schreit doch auch keiner: Machma das Neonlicht an, ich muss da mal genau hinsehen! Ich persönlich liebe es verschwommen, verschleiert, verwischt und verhuscht. Eben so aus den Augenwinkeln bloß. Übrigens: Männer sind am schönsten im Dunklen. Überhaupt Männer! Man kann nie mit ihnen reden! Und wenn, dann brechen sie das Gespräch mitten im.

Gedanken zur Zeit: Ausweicheier am Welt-Katastrophentag

22. März 2011
Auweia – Wie jetzt nichts sagen…?

Heute ist, wie passend, Welt-Katastrophentag. Wusstet ihr gar nicht? Hab ich auch grad erst ausgerufen, den Tag. Grund genug, einmal nach dem Beitrag Deutschlands zur Weltkatastrophe zu fragen. Da sieht es, nach Ende des II. Weltkriegs leider mau aus. Waren wir einst führend in der globalen Katastrophenproduktion, sind wir heute auf hinterletzte Plätze abgerutscht, noch hinter Tonga, Liliput und Lummerland. Am schlimmsten ist es in der Jetztzeit. Japan hat einen Tsunami, wir eine mit Haarfestiger gebändigte Westerwelle. Lühbien hat den grottigen Großkotz („Zenga, Zenga“) Gaddaffi („der große Diktatatatatator“), wir bloß einen eklig kleinen („Geiz ist gel“) Guttenberg. Italien hat immerhin den mussolinesken Triebtäter und Trebegänger („Bunga, Bunga“) Berlusconi, wir nur den greisen Exilkubaner Roberto Blanco („Ein bisschen Spaß muss sein“.) Die Welt verliert komplett Verstand und Gleichgewicht, – wir vermissen bloß unseren Kuschelbär. Katastrophenmäßig drohen wir, auf das Niveau eines Zwergstaates herabzusinken. Großmächte stapeln Tarnkappenbomber, Drohnen, Cruise Missiles. Und der Deutsche? Exportiert den Musikantenstadl nach Österreich. – Wer war es denn? Marshall? Stalin? Adenauer? Irgendwer hat nach ’45 anscheinend eine Vollkasko-Versicherung für uns abgeschlossen und das betreute Wohnen zum Verfassungsgrundsatz gemacht.

Früher fürchtete uns die Welt, heute werden wir belächelt und bekopfschüttelt als Nation, die am Rockzipfel bzw. Hosenanzugshosenbein einer froschäugig-klappmäuligen Miesmuschel namens Mutter („sans courage“) Merkel, diesem Mensch gewordenen abwaschbaren Bürodrehstuhl, hängt, und einem nassforschen Blender, notorischen Onanisten und Politiker-Imitator erlaubt, für sie den Außenminister zu spielen. Wir machen uns halt so klein wie möglich. Ein politisches Schwergewichtel. Nach Japan schicken wir 45 (!) Mann, Frau und Hund, um selbige nach drei Tagen wieder abzuziehen. Nach Lybiien schicken wir nicht mal nen symbolischen Eurofighter. Einst ließen wir uns stolz mit den „Hunnen“ vergleichen – heute gehören wir zu der in der UNO zu vernachlässigenden Gruppe der Leisetreter, Heuchler, Ausweicheier und unsicheren Kantonisten. Wenn die USA noch immer den Weltpolizisten spielt, geben wir den Welt-Sozialarbeiter. Ich habs nicht glauben wollen, kam aber in den Nachrichten: Deutschland hat generös angeboten, „Anti-Konflikt-Teams“ nach Liibüen zu schicken. Was Gadaffi vielleicht brauchen könnte und bestimmt noch nicht kennt, ist ein von deutschen Sozialpädagogen geleiteter Anti-Aggressionskurs. Ansonsten immer bei uns zu haben: die sog. „Humanitäre Hilfe“. Schicken die Verbündeten Flugzeugträger, setzen wir ein Lazarett-Schiff von „Ärzte ohne Grenzen“ in Marsch. Aber nur, wenn wir von der Weltgemeinschaft drum gebeten werden. Ansonsten steht das THW bereit, beim Aufbau von IKEA-Zelten zu helfen, und – es ist noch Suppe da!

Wie ich höre, gab es als Reaktion auf das japanische Atom-Unglück neben einer Menschen-Kette  mit Gesang vor allem einen Ansturm auf Jod-Tabletten. Dabei ist höchstbehördlich noch gar nicht geprüft, ob deutsches Jod gegen japanisches Atom überhaupt hilft. Andere Impfungen (Vogel-, Schweinegrippe etc.) waren ja verbraucherschutzmäßig auch umstritten. Und apropos, die ersten Avantgardisten greinen schon: Was darf man denn JETZT überhaupt noch essen? Unsere Fischstäbchen werden nämlich vor Japan gefangen! Weiß BILD das schon? Und wie verstrahlt ist Sushi? Wird Sushi überhaupt artgerecht gehalten? Oder, nebenbei, der Döner? Weil, wie unsere Tierschützer bemängeln, Knut wurde nämlich nicht artgerecht gehalten. Tatenlos sahen grausame Tierquäler zu, wie er von drei alten Weibern gemobbt wurde! Auf n-tv war das übrigens nach Japan und Lüybien die drittte Top-Nachricht. Zum Glück haben wir in Deutschland einen relativ neuen Beruf geschaffen: den Notfallseelsorger. Er schließt den deutschen Kreis, der einst mit, ich glaube einem Schlager von Ralph Bendix, begann: „Ich zähle täglich meine Sorgen“. Wenn ich mich recht erinnere, wurden es täglich „immer mehr“. Ein prophetisches Liedchen, das man mal gut re-mixen könnte. Vielleicht können wir wenigstens am Welt-Sorgentag punkten.

PS: Frage an die Experten: Wie erkenne ich bloß, ob mein Haustier schon Atom hat?

 

 

 

Preisbewußter Underground kauft bei IKEA

21. September 2009
banksy

Da ist er: der neueste Banksy! (Quelle/Autor: Gesehen auf nerdcore.de, auf flickr veröffentlicht von romanywg, über xfuckerx)

Jetzt ehrlich: „Banksy“ ist ein Kollektiv, oder? Kaum vorstellbar, daß ein lonesome nightrider über Jahre DERMASSEN gute Ideen hat! – Auch dies ein Kommentar zur unserer Wahl. Das Theater gekauft, der Protest dagegen leider auch, selbst wenn er davon nicht weiss!  Der Anarcho geht zu IKEA und holt sich den GROSSEN ANARCHO PUNK RUNDUMSCHLAG-Graffitti-Bausatz beim Lebensmöblierer aus Schweden.

Hoffentlich kann er aus dem Piktogrammsalat entnehmen, wie er die Silbenbauteile ZER, SCHLAGT, SCHWEI, NESYS, TEM!,  DAS, CAPI, FUCK, THE, TALISM! zur ersehnten „Grossen Punkparole“ zusammenschraubt! Wünscht ihm Glück! Letztmögliche Steigerung von PUNK: Brett vorm Kopf aus polnischer Preßholzspanplatte, Irokesen-Furnier (PVC) mit Rebellen-Optik aus Trüblack, das ganze Produkt hochgiftig, aber mit TÜV-Gütesiegel! PUNK RULES FOREVER! Und Banksy seh ich ja knapp vor der Genie-Grenze. Es sei denn, seine Sachen gibt es demnächst als fotorealistische Repros, auf Leinwand aufgezogen, bei IKEA Poster-Shop. Aber das glaub ich nicht.

Löffel treuer als Socken. Was selbst bei IKEA nicht zusammengebaut werden muß

13. August 2009
gabelöffel

Unzertrennlich: Löffel verehrt Gabel

BESTECK IN DER BEZIEHUNGSKISTE

 Da gibt es nichts: Die sattsamst bekannteste Vergnügung der Welt (Sexualität. Ja, genau, gääähn!) ist immer noch der absolute Renner Nr. 1! Weil ich allergisch auf die höhnisch-fiesen Sprayer-Parolen reagiere, die auch bei uns an die Tunnel-Durchgänge geschmiert werden („Keiner liest deinen Blog!“), guck ich aus purer Eitelkeit alle paar Tage auf meine Blog-Statistik, um mir ein Bild über meine tatsächlich zahlenmäßig recht bescheiden ausfallende, aber nicht gänzlich gegen Null tendierende  Lesergemeinde zu machen. Dankenswerterweise wird einem ja angezeigt, wer von wo warum mit welchen Suchwörtern zu mir gelangt ist. Meine Statistik ist recht ansehnlich! Ich habe rund hundert Leser pro Tag. Immerhin!

Schau ich genauer, sinkt mein Triumpfgefühl wieder auf Normalnull. Irgendwann, bei einem Artikel über Sprache, Alltagssemiotik und Presse-Wahnsinn hab ich mal ein völlig sachfremdes Foto verwendet, das eine unbekleidete vollbusige Blondine zeigt (in Teilansicht!) und in Internet, wo ich’s her hab, den Titel „busted teen girlfriend“ trägt, also zu deutsch „mit Brüsten ausgestattetete Freundin zwischen Dreizehn und Neunzehn“. Wie sich zu meiner Beschämung herausstellt, ist diese Dame, die ich noch nicht mal zu kennen die Ehre habe, für den – relativ – passablen Leserdurchschnitt meines Blogs praktisch fast alleine verantwortlich! Zahllose Interessenten müssen im Netz von der Nachricht förmlich elektrisiert werden, daß es U-20-Frauen gibt, die a) blond, b) mit Brüsten ausgestattet sind, welche man sich c) bei  mir auf dem Blog zu zwei Dritteln ansehen kann! Sechs bis elf Männer (na, Frauen werdens wohl nicht sein, oder?) surfen pro Tag im Durchschnitt auf meine Seite, bloß weil ich vor zig Wochen mal die einladend ausladenden Möpse einer Anonyma in einen Text integriert habe! Ist das zu fassen? Meine Phantasie reicht so weit, daß ich mir ausmalen kann, wie man im Internet nach Anregungsbildchen sucht. Auf die Idee aber, zu diesem Zwecke die Suchwort-Kombi „busted teen girlfriend“ einzugeben, wäre ich wohl im Leben nicht gekommen.

Während das menschliche Triebleben offenbar unausschöpfliche Aufmerksamkeit beansprucht, wird das Liebesleben der Dinge selten erörtert. Gut, es gibt ein paar Aufsätze zur Frage, warum bei der Spezies der Socken die Paare sich meist schon nach der ersten Wäsche trennen und nie wieder zusammenkommen, und der frühe Thomas Kapielski hat in Berlin, wenn ich richtig informiert bin, mal ein Werk namens „Sex mit Möbelstücke“ vorgelegt – das wars dann aber auch schon.

Was ist zum Beispiel mit Besteck? Anders als Socken bleiben Löffel und Gabel zumeist ein Leben lang unzertrennlich. Zwar gehen sie auch mal getrennte Wege, wenn etwa dem Löffel nach Suppe ist und der Gabel nach Pasta, aber sie wissen immer, daß sie letztlich in ein- und denselben Besteckkasten gehören. Zumindest in gehobenen Besteckläden sind Löffel und Gabel gar nicht getrennt erhältlich, immer nur als Paar. Ich besitze ein Besteckset aus Stahl (glaub ich jedenfalls, daß das Stahl ist, Tafelsilber brauch ich alltags nicht), daß ich vor zwanzig Jahren bei IKEA gekauft habe, und noch immer sind alle Teile zusammen, trotz mehrerer Umzüge! Ich bin also noch immer versorgt.

Wer aber erstmals aus dem Hotel Mama auszieht und eine preisgünstige Erstausstattung benötigt, kann sich sein Küchenzubehör ruhig bei IKEA kaufen, zumal Messer, Gabel und Löffel so ziemlich die einzigen Teile im IKEA-Angebot sind, die man NICHT nach diesen verdammt bescheuerten, piktographischen Bauanleitungen SELBER ZUSAMMENPFRIEMELN muß!