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Ode an ein unbekanntes Huhn (Pepi’s Blues)

12. November 2009
PepisEier

Urheber des Fotos: Hühnerflüsterin Tuliparola Kontakt: http://www.proz.com/translator/62859 Bei Qype als Tulpenteufel aktiv; ansonsten Übersetzerin, Dichterin, Emigrantin, Agrarnonne, Eremitin, Tomatenzüchterin, Katzen- und überhaupt Tierfreundin, wenn auch, gottlob, auf unsentimentae Weise. Pepi im übrigen wurde nicht etwa verspeist, sondern mit Rosinen (als Grabbeigabe!!) pietätvoll unterm Birnbaum bestattet. - Das folgende Lied ist all den namenlosen Hühnern gewidmet, die uns mit wunderbaren Frühstückseiern versorgen.


Ode an ein hart arbeitendes, philosophisches Huhn

Ein Huhn, so alte Spruchweisheit, sagt mehr als tausend Worte.
Nicht nur put-put, pik-pik,
in seinem Köpfchen wohnt Metaphysik!
Wie’s durch die Scheibe pliert und stiert: Man
könnte denken,der Vogel
philosophiert!

Pepi, Königin der Legehennen,
entdeckt für sich grad das Erkennen:
Anfang und Ende, Henne und Ei, Leben und Tod,
einerlei.

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?
Macht’s Erdenleben denn, bitte, noch irgendwo
Sinn?
Das ganze Gackern, Scharren, Umeinanderrennen,
für was denn? Für das? – Ich meine:
Sind denn die Legehennen, jenseits von Hühnerdreck und Körnerfutter,
nicht letztlich auch Frau? Und Mutter?
Umflort erscheint des Huhnes Blick – und die Kinder?
Blicken mit großgelben Augen lächelnd zurück.

Das Sein und das Nichts, das Ich und das Du, Leib und Seele und raus bist
du! Verwehrt
blieb dem Nachwuchs
die große Lebensfeier. Sie endeten schnöde, – als Spiegeleier.
Sünde und Lohn, Liebe und Hohn, Freiheit und Fron, ich ahne schon:
Das süße Sein, es kann
so schweinisch hühnerfeindlich sein!
Doch vom Denken beflügelt weitet Pepi gekonnt
ihren huhnbedingt engeren Horizont:
Als brutzelnde Pracht in der Pfanne zu landen,
noch dazu hier, in den westlichsten Niederlanden,
ist nicht zu verachten! Und keine Schanden!
Man kann das auch anders betrachten!
Zwar, sicher, das Dasein ist hart, doch andrerseits blieb es
den Eierchen auch erspart!
Ungeschlüpft und frühvollendet gerieten sie doch
zum Glück:
als labendes, nährendes
Bauernfrühstück.

Du kannst es nennen
Wie du willst: das Tao der
Legehennen
Ist, wie du siehst,
nicht das Erkennen, es ist in Wahrung
aller Würden: unsre Nahrung.
Leider ist nicht nur das Ei verderblich,
auch Mutterhenne Huhn ist sterblich,
weswegen Pepi, hör ich, jüngst
verschieden.

Ruhe du nun, Huhn,
in Frieden.
Zu deiner Totenfeier
Futtern wir andachtsvoll
Spiegeleier!

PS: Oh heiliges Huhn!  Geflügelte Mutter des
Duftenden Spiegeleis,
wir verehren dich,
– ohne Scheiß!