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Über sprachliche Verbringungsarten

13. Oktober 2011

Trotz Orden: Goethe sprach nicht bundeswehrisch!

Meinen Abi-Nachhilfis, die im Migrationshintergrundsumpf stecken geblieben sind, pflege ich immer zu predigen: Leute! Kiddos! Bambini! Çocuglarım! أطفال 

– lernt mit Fleiß fremde Sprachen! Wobei ich mit „fremd“ jetzt durchaus nicht eure Muttersprache sowie die einstweilen hiesige meine, die solltet ihr eh beherrschen, sondern noch ganz andere! Pfingstliche Polyglossalie gehört zu den skills, die ihr bringen müsst, um auf dem Arbeitsmarkt mengenmäßig krass viel unbezahlte Praktika zu ergattern! Wer von Lissabon bis Islamabad an der Rezeption in der jeweiligen Landessprache Beschwerde über das defekte Klo führen kann, oder gar in fließend Einheimisch zu monieren imstande ist, es hänge „da oben anner Decke so’n komisches Tier“, – aus dem wird mal was!

Meine eigene Sprachbiographie widerspricht dem allerdings. Ich musste zunächst Sprachen von Ländern lernen, in die ich entweder nie hin – oder aus denen ich schon immer weg wollte: Latein, Altgriechisch, Plattdeutsch, Urdu. Vorerst lernte ich aber Schulenglisch, leider bei einem ultra-extrem oxfordianischen Oscar-Wilde-Anhänger, mega-sophisticated, aber mit der Folge, dass ich noch Jahre später, in Chicago, Illinois, wo ich vorübergehend kurz Wohnsitz nahm, überall für schwul gehalten wurde. Nicht schlimm eigentlich, es sei denn, man hatte sich vorgenommen, das überaus faszinierende Volk der US-Amerikaner kennenlernmäßig von der weiblichen Seite her aufzurollen.

Zuvor schon hatte ich mich zunächst aufs Italienische gestürzt, wegen einer venezianischen Verlobten namens Luigiella; dann, weil ich als Historik-Student der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, zwecks höherem Verständnis der dänischen Arbeiterbewegung,  einen Schein in der Sprache unserer Erbfeinde machen musste, lernte ich im Chrash-Kurs Dänisch, was mir so lala zu gute kam, als ich mich in Mittelschweden als Strohrum-Schmuggler-Gehilfe  zu orientieren hatte. Eine unausschöpfliche Quelle kindlichen Vergnügens hingegen besteht im Geddo darin, türkisch zu verstehen, es sich aber nicht anmerken zu lassen. Türken sind unglaublich vertrauensselig!

Natürlich kann man sein Leben auch damit zubringen, Deutsch zu lernen. Ich kann Goethe-Deutsch, Geddo-Speak, ein bisschen Ärzte-Sprache (das haben die gar nicht so gern, wenn man mit ihnen in ihr eigenen Kauderwelsch plaudert!) sowie ganz gut juristisch, wenn auch nicht fließend. Jetzt habe ich mir vorgenommen, noch Bundeswehrisch zu lernen, denn das bietet einem völlig neue Perspektiven. Zum Beispiel: Wie heißt es auf bundeswehrisch, wenn einer unserer geheimen KSK-Kämpfer in Afghanistan mit dem Fallschirm abspringt? Das heißt, ehrlich wahr jetzt: „Verbringungsart: vertikal“, und zwar tunlichst unter Verwendung eines „luftbeweglichen Starr- oder Drehflüglers“ (deutsch: Flugzeug oder Hubschrauber), welcher zumeist dem „Eigenbestand“ entnommen wird. Dem Taliban seine Toyata-Pickups zu mopsen nennt man hingegen „Fremdgewinnung einsatzfähiger Transportmittel aus gegenerischen Beständen“.  

Natürlich darf so nur ein Staatsbürger in Uniform sprechen; alle anderen würden wohl in die Klappse gebracht, wobei die Verbringungsart eher horizontal sein dürfte.