Posted tagged ‘Fettabsaugung’

Wer saugt uns Fett ab (Arme haben)

22. Juni 2011

Hat ihr Fett weg: Frau Mustermann

Eigentlich bin ich ein zierlich-zimperlicher, mädchenhafter Knabe, ein Typ mit der Anmut, Beweglichkeit und Eleganz eines schmächtigen Matadors. Bevor jemand laut zu lachen beginnt:  Natürlich nur innerlich! Faktisch und „tragischerweise“ stecke ich im falschen Körper, denn äußerlich bin ich in einem Grizzly-Körper gefangen, mit einem, nein, leider nicht Waschbrett-, sondern Waschbär-Bauch (dem Embonpoint eines außergewöhnlich gut genährten Waschbärs!) und dem Stiernacken einen deutschen Metzgers begnadet, breit, schwer und Ü100-Kilogigantisch,  und ich bewege mich mit der Dezenz einer überladenen Dampfwalze. Der einzige Sport, außer Schach, für den ich die richtige Figur hätte, wäre Sumo-Ringen. Ein mäßig tapferes Schneiderlein im Körper eines Menschen fressenden Riesen! Meine Stirn ist zwar noch glatt und sorgenfaltenfrei wie die eines glücklichen Idioten, aber wenn ich Fotos von mir zu Gesicht bekomme, sehe ich, wie das Gewicht der Existenz sich an meine Mundwinkel gehängt hat und meine ungeweinten Tränen über den Weltlauf sich in Säcken gesammelt haben, die mir dass Aussehen eines schwermütigen Walrosses verleihen.

Jedenfalls entgehe ich der Schmach nicht, im Dasein zu viel Platz einzunehmen. Ich bin der klassische Kandidat dafür, „etwas an mir machen zu lassen“. Wie mir „die Medien“, und nicht nur die privaten, derzeit unentwegt ins Ohr trompeten und ins Auge tröpfeln, gilt es schon als bedenklich Schluffi-haft und hart am Rand der Verwahrlosung, wenn man „nichts an sich machen lässt“. Fettabsaugung, Lider-Korrektur, botoxikologische Unterfütterung, Haartransplantation, Abnäher hier und da. Staunend verfolgte ich Interviews, in denen Menschen verschiedenen Geschlechts stolz berichteten, sie wollten nun endlich mal „etwas für sich tun“ und „legten sich dafür unters Messer“. Im Schnitt (ha!), schien mir, lassen Männer meistens etwas weg machen, Frauen hingegen etwas hinzufügen.

Möglicherweise unterschätzen diese Menschen einfach die Kraft der Suggestion? Gerade las ich – zugegeben nicht ohne klammheimliche Bewunderung, in gewisser Weise – von einem überführten Sexualverbrecher, der sich von „hunderten“, und, wie es heißt, „besonders hoch intelligenten“ Frauen sexuelle Gefälligkeiten erschlichen bzw. ergaunert haben soll, indem er vorgab, „keine Arme zu haben“.  Also, ich glaube, ich könnte das nicht! Wie geht denn so etwas? Das erfordert doch nicht nur enorme Chuzpe, sondern schier übermenschliche Disziplin, oder? Ich hätte die nicht. Dabei würde es mir schon reichen, zehn mittel-intelligenten Frauen suggerieren zu können, keinen Bauch zu besitzen…

Verblüffenderweise erinnert dieser Vorgang an die Weisheit altrömischer Stoiker, welche die Maxime „Haben, als hätte man nicht“ propagierten. Also beispielsweise, man hat Kohle ohne Ende, verhält sich aber, als krebste man knapp unter dem Existenzminimum herum. Diese eingebildete Armut kann man sich selber, aber auch anderen suggerieren. In dieser Hinsicht sind wir alle wie die „Hunderte hoch intelligenter Frauen“ – wir lassen uns den ungeheuerlichsten Quatsch vorzaubern und machen auch noch mit.  In meiner Heimatstadt, die demnächst den Jahrestag der Loveparade feiert, schauen wir zum Beispiel seit Jahren ohnmächtig zu, wie die letzten freien Kultureinrichtungen kaputt gespart werden, weil ja kein Geld da ist. Dabei betragen Kulturausgaben nur 3% (!) des Haushalts, und Duisburg hat noch nicht mal Rüstungskosten! Wir müssen halt sparen, allerdings nicht etwa, weil wir keine, sondern weil wir zu viele Arme haben.

Ich bitte herzlich, dies nicht als politisches oder ökonomisches Statement zu werten, wenn ich naiverweise noch immer über die Hunderte von Milliarden  staune, die gegenwärtig in der „Euro-Krise“ verbrannt werden. Natürlich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun, ich weiß. Es wird ja auch bloß Geld ausgegeben, das wir gar nicht haben. Damit kenne ich mich eigentlich aus, denn ich gehöre wie Griechenland den Banken und lebe von Geld, das ich nicht besitze. Mein Kulturetat ist allerdings höher – schon, weil ich nichts an mir machen lasse… 

 

Zwischen den Tagen: Alles über Frauen…

17. März 2009

…ZWISCHEN FRAUEN- UND MUTTERTAG

„Alles Nutten außer Mutti!“ – diese nur allzu griffige Formel frühzeitlicher Problem-Schnarchbären und Muttersöhnchen spiegelt ein total verqueres, durch Gewalt-Internet und masturbatorischen Computerporno („Ego-Shooter“!) künstlich zementiertes Frauenbild, das wir heute strikt anprangern und aufs Schärfste zurückweisen! Der „neue Mann“, ein stahlhartes, wald-, wiesen-und wüstenerprobtes Abenteurerweichei mit postmodernen Ecken und abgerundeten Kanten, fluffigen Breitschultern zum Anlehnen und Sixpacks, wo sie hingehören (Eisschrank), ein prickelnd bi-erotischer, geistvoll-muskulöser Kuschelkumpelkerl („beste Freundin“), der zuhören und ohne weiteres mit „ihr“ Pferde stehlen kann, aber auch unter Holzfällern, Bohrinselarbeitern und viril verschwitzten HeavyMetal-Schlagzeugern eine gute Figur abgibt, der „neue Mann“ also spricht, sei es in zittrigem Counter-Tenor sei es mit männlich-sahnigem Bariton: „Mutti, ich gehe! Ich ziehe aus!“ –  „Sohn…“, antwortet es mit der typisch wehleidigen, extrem schuldbewußtseinseinflößenden Leidensstimme der unausweichlichen Mutter, „…hast du etwa eine andere? Ist eine bedeutend Jüngere im Spiel, sodaß ich dir eventuell nicht mehr gut genug vorkomme?“  Wie immer hört Mutti nicht zu, wenn man ihr antwortet: Sie springt aus dem Fenster, denn nach 38-jähriger Mutterschaft hat ihr Leben nun keinen Sinn mehr. Männlicher Feminismus ist ohne Opfer nicht zu haben: Nur wer die Mutter „zu Tode enttäuscht“, kann den Vater des inneren Kindes in sich befreien! 

Draußen in der Welt kann er sich nun, ohne daß Mama ewig dazwischenfunkt, eine fremde Frau zur Gründung einer echt erwachsenen, partnerschaftlichen Beziehung suchen, einer Beziehung auf Augenhöhe, die auf Respekt, gegenseitigem Vertrauen und männlicher Verantwortungsübernahmebereitschaft beruht! Humor, Zärtlichkeit und gemeinsame Naturerlebnisse sollen aber auch nicht zu kurz kommen! Auch die „moderne, postfeministische Frau“ befindet sich nämlich im Aufbruch und ist jederzeit bereit, verknöcherte Patriarchatsstrukturen aufzubrechen, nicht trotz, sondern trotzig wegen ihrer „Tage“! Erst vor 12 Tagen war z. B. Internationaler Frauentag, und in knapp zwei Mondinnen ist Muttertag! Vorletzten Donnerstag aber herrschte noch frühes Mittelalter! Die Damenoberkleidung stöhnte unter dem Diktat männlicher Phantasielosigkeit,

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Miese Mode, ungenaues Frauenbild

und mit dem kleinen Geheimnis der Frau, dem süßen „Darunter„, sah es kaum nennenswert besser aus. Tristes Einerlei, Vermummungsgebot, vergebliche Suche nach Kleidsamem zum kleinen Preis. Unter der Burka herrscht tote Hose, „sexy„, gar sinnlich-sündig ist hier Fehlanzeige, statt O-làLà-Croissant nur alltägliches Graubrot in kalten Farben und Formen, die überall kneifen und außerdem einen dicken Hintern machen!

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Patriarchalische Phantasielosigkeit!

Der Verhüllungswahn führte im Handumdrehn zu grotesker Orientierungslosigkeit unter den Männern: Die jüngere Generation hatte keinen Schimmer mehr, wie Frauen überhaupt aussahen! Flirt- und Tanzschulen wurden von den Moral-Taliban geschlossen, beliebte Volksfeste („Damenwahl im Ball der einsamen Herzen“) verboten, aufklärerische Literatur (Alt-Ayatollah Allahhand: „Frauen – Eine Gebrauchsanweisung für den Müslimmann“) verschwanden unter dem Ladentisch. Das notgeile männliche Jungvolk verzweifelte schier: Wozu noch mal bloß gab es Frauen? In der Not schlug Haut-Couture-Ayatollah Andy Warhola vor, die Burkas außen mit dem Bild eines nackten Weibes zu bedrucken, um hierdurch neue Anreize zu schaffen – doch die Tage des Verhüllungsdiktats waren bereits gezählt.

Die Frauenemanzipation nahm ihren Lauf: Das weibliche Geschlecht bewies mit links, daß es intellektuell locker mit den „Herren der Schöpfung“ mithalten kann. Schon bald tauchten  die ersten Frauen auf, die zwar noch mit dem Möbelkatalog in die Gemäldeausstellung gingen, aber bereits imstande waren, sich selber auf gemalten Bildern wiederzuerkennen, eine Fähigkeit, die bis dato ausschließlich höheren Primaten vorbehalten ist: 

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Bilder einer Ausstellung: Frauen schauen dich an!


 

 

 

 

 

 

 

 

Junge Frauen lernten nun endlich, welche Vorteile es bringt, das Kleid vor dem Dampfbügeln auszuziehen – was für eine Befreiung des vom männlichen Blick und dem heißen Bügeleisen malträtierten Körpers! Sinn und Sinnlichkeit brachen heraus, Stolz und Vorurteil blieben lächelnd auf der Strecke und gut für den Teint war es überdies!

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Ein heißes Eisen: das Nackt-Bügeln befreit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnurstracks eroberte sich die zarte Weiblichkeit den bis dahin eifersüchtig gehüteten sog. Männerberuf! Es waren schließlich Frauen, die den alten Handwerken, der Klempnerei, dem Tätowieren, der Hufschmiede („Piercing“), der Sorgenmacherei und dem Trash-Tratschen den sprichwörtlichen „goldenen Boden“ retteten.

Wer in der Oberstufe die MuMä-AG „Mutige Mädchen“ belegt hatte, schaffte es später sogar, den wilden Großen Roten Mob zu bändigen und damit zuhause souverän den neuen goldenen Boden zu polieren!

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Frauen bändigen den Riesenmob

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei alledem hütet sich die „junge Wilde“ von heute aber vor unschöner Vermännlichung. Sie steht zu ihrer weiblichen Seite, bekennt sich zu Kuscheligkeit, Nackenwärme und progressiver Muskelentspannung. Ohne falsche Scham möchte sie „schön“ sein – nicht für „ihn“, den fiesen männlichen Blick, sondern „einfach so“, „für mich ebend“ und für das schlaffe Plüschtier auch.

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Die postmoderne Frau hat eine weibliche Seite!

Um Mutti muß man sich übrigens keine Sorgen machen. Das Fenster lag gottlob im Erdgeschoß. Mütter sind ja, wie wir erleichtet feststellen, ohnehin unsterblich: Sie leben in ihren Söhnen weiter, oder, genau so schlimm, in den Töchtern. Davon ab: Mutti ist mit ihrem neuen griechischen Freund Dr. Botox Anacellulitis durchgebrannt und verbrät den mit Fettabsaugung und Lippenpolsterei zusammengerafften Zaster entspannt in der Karibik: Forever Young! 

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Forever young: Mutti wartet auf Dr. Botox Anacellulitis