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Anti-zyklischer Text mit Osterbezug

10. Mai 2011

Erbsen zählen, Eier sortieren: Der Kleine Diktator im Ei-nsatz

So, jetzt endlich mal ein Text mit Oster-Bezug. Wer jetzt nörgelt, Ostern sei aber doch lange vorbei, darf gleich die Biege machen und abdampfen, weil, er versteht nichts von anti-zyklischer Medienpolitik. Mir geht diese Aktualitätsraserei in den Medien nämlich derart auf die Eier, dass ich nur noch betont in-aktuelle Artikel schreibe. Außerdem kann man den Text auch bookmarken, denn Ostern ist bekanntlich ein Periodikum und kommt jedes Jahr wieder. Im Grunde ähnelt Ostern sich wie ein Ei dem anderen.

Apropos: Ist es „rassistisch“, wenn ich behaupte, für uns Langnasen sähen alle Asiaten gleich aus und man könne die gar nicht unterscheiden? Der Asiate scheints ja selber zu glauben, oder warum bietet er Frühlingsrollen, Sushi, Dim Sum und Bami Goreng im gleichen Laden an? Jedenfalls,  Eier sind für uns auf geradezu sprichwörtliche Weise ununterscheidbar. Ein Ei ist ein Ei ist ein Ei (Gertrude Ei, quatsch, Stein). Kennt man Ei-nes, kennt man alle. Der Deutsche ist nicht gut im Differenzieren. Ihm ist alles ei-nerlei. Die Kultur der feinen Unterschiede geht uns ab. Anders hingegen dem Asiaten! Geschult und durchtrainiert in 5000 Jahren Mönchskultur, kann man ihm kein Ei für ein U vormachen. Leuchtender Beweis: Genosse Oberkommandierender Kim Song Il, oder wie der Knilch heißt, dieser putzige Kleine Diktator im beigen Popeline-Blouson, die Sonne Koreas, Leuchtturm der Welt, Lehrer der Völker und oberster Qualitätskontrolleur der nordlummerländischen Eier-Produktion.

Auf dem 1-A-Beweisfoto sehen wir den obersten Eiermann des Volkes, wie er in vorbildlicher revolutionärer Wachsamkeit ein imperialistisches Weiß-Ei enttarnt, das sich volksschädlingshaft hinterlistig unter die dicken gelben Eier des Volkes gemischt hat. In seiner blendenden Weisheit legt der Genosse Diktator den vorwärtsweisenden Zeigefinger unerbittlich auf die Wunde imperialistischer Aggression. Das konterrevolutionäre Produkt wurde dingfest gemacht. Nach dem entarteten Huhn wird noch gefahndet. Die Behörden brüten aber schon über einem Umerziehungsprogramm. – Was? Wie bitte? Hör ich schon wieder Genörgel? Dieser Artikel hätte gar keinen Osterbezug? Das weise ich als westliche Provokation schärfstens zurück! Ab ins Arbeitslager! Der Ostern ist rot!

 In der nächsten Ausgabe: Genosse Oberkommandierender Kim Song Il erfindet den Büstenhalter.

Ode an ein unbekanntes Huhn (Pepi’s Blues)

12. November 2009
PepisEier

Urheber des Fotos: Hühnerflüsterin Tuliparola Kontakt: http://www.proz.com/translator/62859 Bei Qype als Tulpenteufel aktiv; ansonsten Übersetzerin, Dichterin, Emigrantin, Agrarnonne, Eremitin, Tomatenzüchterin, Katzen- und überhaupt Tierfreundin, wenn auch, gottlob, auf unsentimentae Weise. Pepi im übrigen wurde nicht etwa verspeist, sondern mit Rosinen (als Grabbeigabe!!) pietätvoll unterm Birnbaum bestattet. - Das folgende Lied ist all den namenlosen Hühnern gewidmet, die uns mit wunderbaren Frühstückseiern versorgen.


Ode an ein hart arbeitendes, philosophisches Huhn

Ein Huhn, so alte Spruchweisheit, sagt mehr als tausend Worte.
Nicht nur put-put, pik-pik,
in seinem Köpfchen wohnt Metaphysik!
Wie’s durch die Scheibe pliert und stiert: Man
könnte denken,der Vogel
philosophiert!

Pepi, Königin der Legehennen,
entdeckt für sich grad das Erkennen:
Anfang und Ende, Henne und Ei, Leben und Tod,
einerlei.

Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?
Macht’s Erdenleben denn, bitte, noch irgendwo
Sinn?
Das ganze Gackern, Scharren, Umeinanderrennen,
für was denn? Für das? – Ich meine:
Sind denn die Legehennen, jenseits von Hühnerdreck und Körnerfutter,
nicht letztlich auch Frau? Und Mutter?
Umflort erscheint des Huhnes Blick – und die Kinder?
Blicken mit großgelben Augen lächelnd zurück.

Das Sein und das Nichts, das Ich und das Du, Leib und Seele und raus bist
du! Verwehrt
blieb dem Nachwuchs
die große Lebensfeier. Sie endeten schnöde, – als Spiegeleier.
Sünde und Lohn, Liebe und Hohn, Freiheit und Fron, ich ahne schon:
Das süße Sein, es kann
so schweinisch hühnerfeindlich sein!
Doch vom Denken beflügelt weitet Pepi gekonnt
ihren huhnbedingt engeren Horizont:
Als brutzelnde Pracht in der Pfanne zu landen,
noch dazu hier, in den westlichsten Niederlanden,
ist nicht zu verachten! Und keine Schanden!
Man kann das auch anders betrachten!
Zwar, sicher, das Dasein ist hart, doch andrerseits blieb es
den Eierchen auch erspart!
Ungeschlüpft und frühvollendet gerieten sie doch
zum Glück:
als labendes, nährendes
Bauernfrühstück.

Du kannst es nennen
Wie du willst: das Tao der
Legehennen
Ist, wie du siehst,
nicht das Erkennen, es ist in Wahrung
aller Würden: unsre Nahrung.
Leider ist nicht nur das Ei verderblich,
auch Mutterhenne Huhn ist sterblich,
weswegen Pepi, hör ich, jüngst
verschieden.

Ruhe du nun, Huhn,
in Frieden.
Zu deiner Totenfeier
Futtern wir andachtsvoll
Spiegeleier!

PS: Oh heiliges Huhn!  Geflügelte Mutter des
Duftenden Spiegeleis,
wir verehren dich,
– ohne Scheiß!