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Raus aus Bio!

6. Juni 2011

Endlich identifiziert: Der Erreger! (Quelle: Werbefigur "Bruno" der BAT, Bild möglicherweise urheberrechtlich geschützt)

Wo liegt Deutschland? Es liegt natürlich vor Madagaskar und hat schon wieder die Pest an Bord. Gerade hatten wir unser Handtuch auf einen Liegestuhl platziert, um ein biederes Schläfchen im lauen Halbschatten zu riskieren – und jetzt dies: Schon wieder Erreger! Erreger! Ich hab jetzt endlich kapiert, warum Bakterien Erreger heißen. Beruhiger brechen ja nicht aus. (Obwohl das eine hübsche Vorstellung wäre.) Erreger erkennt man daran, dass als erstes die Medien anschwellen und blutigen Sprechdurchfall bekommen. Bald dann wird das Gehirn angegriffen. Tragische Tode, fieberhafteste Forschungen, strengste Kontrollen, radikalste Konsequenzen! Deutschland im Belagerungszustand. Jetzt kommt es ans Licht: nach Rind, Schwein und Vogel, jetzt Gurke, Tomoffel und Soja-Sprosse – wir liegen im Fadenkreuz des Bioterrorismus!

Die Biologie gegen Deutschland! Warum mag uns die Biologie nicht? Wo doch gerade bei uns alles „bio“ ist? Antwort: Weil wir sauber sind. Weil nach 45 Abwaschbarkeit zum höchsten deutschen Wert aufstieg. Weil wir unsere Hände seit Jahrzehnten in Unschuld waschen. Weil eine anti-bakterielle Einstellung bei uns Einbürgerungsvoraussetzung ist! Alles vergebens: Keim-Krise!

Fieberhaft, wie auch sonst, wird jetzt nach der „Ursache“ geforscht und nach der „Quelle“. Warum, weiß ich nicht genau. Was ist die „Ursache“ von Bakterien? Vielleicht, dass es sie gibt? Und die Quelle? Wird halt irgendein dänischer Ziegenarsch sein, ein chinesisches Schlamp-Labor, eine niedersächsische Gülle-Kanone, ein Taliban-Lager in Nordostwest-Pakistan, eine ökologisch korrekte Biogasanlage (schnelle Brüter!), was weiß ich. Vor allem, was weiß ich, sobald ich das weiß? Glaubt man, die Natur keimfrei zu kriegen? Ach, wir sind verloren, oder anders, als BILD-Schlagzeile formuliert:

MÜSSEN WIR ALLE STERBEN? –  Die Antwort: Unbedingt ja! Leider. Wir sind alle des Todes! Das ist der eigentliche Skandal. Warum gerade wir Deutsche, die Mustermänner des Universums? Als Christoph Schlingensief, wie Millionen anderer Menschen, Krebs bekam, weinte er und belästigte 300 Seiten lang Gott mit der Frage: „Warum gerade ich?“ Deshalb haben wir ihn postum als deutschen Biennale-Beitrag nach Venedig überführt. Er ist der deutsche Künstler par excellence.

Jedenfalls, wenn Deutschland noch zu retten ist, dann durch den sofortigen Ausstieg aus der Biologie!

Kein Nobelpreis für deutsche Gurke

28. Mai 2011

Deutsche Gurke, unheimlich spannend (Foto-Quelle: tikonline)

Um mal mit einer Eilmeldung zu prunken: Die deutsche Gurke ist sauber! Wahrscheinlich, denke ich mir bei der morgendlichen Lektüre der Gurken-, quatsch, Tagespresse, weil in diesem Land eine Hand die andere wäscht, oder? – Wenn ich die Zeitung sehr früh lese, mit noch schlaftrunken zerknittertem Kopf, unterlaufen mir häufig Verleser. Meinen heutigen fand ich  nicht gänzlich absurd: Als  Zwischen-Headline der Gurken-Berichterstattung las ich in der Rheinischen Post als Zitat: „Es ist traurig, wenn eine ganze Bande in Verruf gerät“. Wieso denn? frug ich mich irritiert. Ist doch gut! Diese Bande von Panschern, Chemie-Baronen und Schmuddelfinken kann doch gar nicht genug in Verruf geraten! – Aber dann stellte ich fest, dass da gar nicht Bande, sondern Branche stand. Der hiesige Bauer protestiert gegen die Diffamierung der nationalen Gurke! Das wollen wir wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

Apropos deutsche Gurken: Eine Schauspielerin, die ich nicht ausstehen kann, ist Katja Riemann. Bislang dachte ich immer, diese Antipathie sei vollkommen subjektiv und  irrational, weil Frau Riemann nämlich auf frappante Weise einer meiner Ex-Geliebten ähnelt, die mir in einer aufwühlenden Phase meiner Biographie mal den letzten Nerv raubte, was man ihr, der Riemann, ja nicht ernstlich zum Vorwurf machen kann. Anlässlich eines frisch erschienenen Interviews keimt in mir nun allerdings der Verdacht, zwischen den zierlichen Ohren der Diva herrschten Verhältnisse wie im Inneren einer Salatgurke. Warum wird eine Salatgurke Schauspielerin? „Weil mich Menschen interessieren … Ich finde es bis heute (?!) unheimlich spannend (!), über Menschen nachzudenken, über Situationen und Geschichten.“

 Aufgrund ihres Nachdenkens hat Frau Rieman herausgefunden, dass „Frauen um die Vierzig“ wie etwa sie – im Jahrganng 1963 wird das „um die Vierzig“ natürlich langsam etwas brenzlig – im Film falsch dargestellt werden: „Im Film tragen diese Frauen … immer Kostümchen, sind frustriert, verbittert, verheiratet, haben sexuelle Probleme, sind nicht nett zu ihren Männern und haben erwachsene Söhne, die Robert heißen.“ – Allein, solche Frauen sind mir im wahren Leben auch schon begegnet; oft habe ich ihnen geholfen, das Kostümchen abzulegen, ihre sexuellen Probleme zu lösen und Robert dazu zu bringen, endlich auszuziehen! Auch habe ich mancher schon ans Herz gelegt, netter „zu ihren Männern“ zu sein, zum Beispiel zu mir.

Frau Riemann (Hobby: „Ausschlafen“) weiß auch Erregendes über sich selbst zu erzählen: „Ich bin gut darin, zu Hause zu sein. Ich mag das, weil ich so selten zu Hause bin“ – eine Dialektik, über die nachzudenken freilich unheimlich spannend ist. Oft war Frau Riemann aber dann doch zu Hause, weil sie keine Rollenangebote bekam, was natürlich am sexistischen deutschen Film liegt, der mit Senta Berger, Iris Berben, Hannelore Elsner, Cornelia Froboes, Christiane Hörbiger u. v. a., chauvinistischweise eher Frauen über sechzig bevorzugt. Und la Riemann? „Die wussten mit mir nichts anzufangen.“ Hierfür ein klitzekleines bisschen Verständnis zu haben kann ich mir leider nicht verkneifen.

Abschließend wird die Frau mit der Sauerkrautfrisur und den eisgekühlten Blauaugen noch nach ihrer „Glücksformel“ gefragt. Zugegeben, keine besonders intelligente Frage, aber muss man deswegen gleich folgendes Geplapper ausstoßen? „Die Formel für Glück, Liebe und Erfolg. Halleluja?! Das wäre toll, dann bekäme ich den Nobelpreis und hätte ausgesorgt.“ Vielleicht ist ja mal jemand so freundlich, der Dame schonend beizubringen, dass für die Entdeckung einer solchen Formel gar kein Nobelpreis ausgelobt ist? Sonst hätte ich nämlich schon „ausgesorgt“! Meine Formel? Zu Hause bleiben, ausschlafen, die doofe Schnute halten.

Ach ja, noch dies: Frau Riemanns eigenes Kind heißt übrigens, um das Klischee mal zu durchbrechen, nicht Robert, sondern … Paula. – Gans schön mutig!