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Vermischtes aussm Geddo

2. Oktober 2011

In vino... Die Gattin hat mich bei meinen Forschungen erwischt!

Die Gattin schätze ich unter anderem wegen ihrer Durchsetzungsfähigkeit, was manche für ein anderes Wort für Dominanz halten. Ihre Strenge macht auch vor Dingen nicht halt. Ich habe frisches Backwerk zum Frühstück mitgebracht, das auf dem Teller das Kunststück fertig bringt, einerseits noch ofenwarm, andererseits aber schon elend pappig und zäh dahinzusemmeln. Die Gattin säbelt und zerrt eine Weile mit wachsender Wut an dem Getreidegummi herum, wirft das Besteck hin, durchbohrt das Weichteil mit loderndem Blick und herrscht es schneidend an: „Du bist ein BRÖTCHEN, Mann!“ Das Teil, anstatt auf der Stelle knusprige Haltung anzunehmen, schweigt impertinent pampig und bleibt zäh. – Also ich hätte mich das nicht getraut!

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 Anatol, der cholerische Alt-Punker kommt mir schon polternd im Treppenhaus entgegen geschossen. „Mann, Mann!“ donnert er die Backen aufblasend, „die scheiß Zigeuner die, du! Dat kann donnich wahr sein! Ich hab gezz aba ma die Feuerwehr gerufen!“ – Ursache seiner romakritischen Empörung ist die Vermutung, die ungeliebten bulgarischen Nachbarn hätten jetzt! auch! noch! ihre chronisch überfüllten Mülltonnen im Hof! angezündet! Na, zutrauen tät selbst ich denen das. „Echt jetzt?“ schüttle ich vorsichtshalber den Kopf und entdecke bei Augenschein-Recherche tatsächlich, dass der gesamte Block hinterwärts auf einen halben Quadratkilometer oder so in dichten, stinkenden gelbgrauen Qualm gehüllt ist. Herrje! Leute! Sah aus wie Seveso & Gomorrha bzw. Smog-Armageddon und Gift-Apokalypse. Meine Katastrophenschutz-Instinkte alarmaktivierend geh ich schnüffelnd und hustend, tränenden Auges den Giftschwaden auf den Grund: Und? Sowieso klar! Dieser Grund liegt mal wieder bei Nachbar Özgür, dem Experten für Stress & Belästigung aller Art – er probiert heute nämlich mal seinen neuen Grill aus. Weil ich Özgür ein bisschen auf dem Kieker habe, hoffe ich herzlos, die Feuerwehr rückt mal jetzt flink mit zwei, drei Löschzügen an, um ihm den Garten zu planieren.

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So, was noch? Drüben gegenüber, im Hinterhof, tagt im grün-blau-goldenen Herbst-Delir wieder das Garagenkollegium, bei Bier, harten Eiern und sauren Gürkchen. Als halbes Vollmitglied werde ich einigermaßen enthusiastisch begrüßt und bekomme umstandslos ein Diebels sowie ein Klappstühlchen ausgehändigt. Das Wort führt gerade Sportrentner Horst, der mit den Erscheinungen hiesigen Ausländertums auf fundamentalem Kriegsfuß steht. Ginge man nur von seinen Tiraden aus, würde er bei der NPD als Rechtsabweichler verstoßen. Er ist aber nur gegen Ausländer, sofern sie im Allgemeinen existieren; im konkreten Fall hilft er, wo er kann. So hat er den kleinen Zoltan zur Einschulung begleitet, weil die armen Serbeneltern verhindert waren. In der Schule trieb man irgendwann die Kinder auf den Hof und holte die Eltern zusammen, die dann namentlich aufgerufen wurden, wodurch es dann auf jenes faszinierende Ereignis auskam und hinauslief, dass Horst, der eigentlich Schmitz heißt und Deutscher „aus Überzeugung“ ist, beim Aufruf „Milan Amir Kustranovic“ die Hand heben und laut „hier!“ schreien musste. – „So weit is datt schon“, klagte der Sportrentner nun, „dasse dich nichma mehr unter dein eichnen deutschen Namen melden darfs…!

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Der alte Blago, genannt Mazze, weil er gebürtig mutmaßlich aus Mazzzedonien stammt, ein Gründungsmitglied des Garagenkollegiums, weil es nämlich seine, euphemistisch als „Werkstatt“ titulierte, mit tonnenweise Geraffel vollgestapelte Garage ist, vor der wir tagen (das halb herunter gezogene Garagentor dient als „Marquise“), hat mit ca. 70 urplötzlich und pardauz! seine oberen Schneidezähne eingebüßt, was er mit einem umwerfend charmanten Lächeln quittiert, weil, seither kann er viel besser und genussreicher sein Flaschbier zutzeln; Mazze also hat neulich eine Fernsehreportage gesehen, und zwar über Kuba, und da sei ein Neger zu betrachten gewesen, der aus einer alten Zahnpastatube und einem Stück Schnürsenkel einen LICHTSCHALTER gebastelt hätte! Blago, selbst ein begnadeter Frickler und Bastler, ist ehrlich beeinduckt! Wir stoßen zu Ehren dieses Nobelpreiswürdigen kubanischen Bastelnegers mit einer weiteren Flasche Diebels an. Hoch lebe der findige Notneger! – Zumindest, sofern er in Kuba BLEIBT, beeilt sich Sportrentner Horst, hinzuzufügen.

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 „ – Aber weisse, Proff…“, Horst kriegt beim Ausgraben längst verstorbener fixer Ideen schon wieder glasig-glänzende Augen, „…Proff!!! Wenn WIR ne Partei gründen würden! Unn du wärs unser Führer!“ – Geduldig erkläre ich zum abertausendsten Male, dass „Führer“ heute in Deutschland keine wirkliche berufliche Option mehr sei, und für MICH schon gar nicht; Horst indes, nach dem ca. zwanzigsten Diebels, nickt plötzlich resigniert und beginnt, von mir (in meinem Beisein!) in der dritten Person zu sprechen: „Der Proff“, wispert er versonnen zu seinem Bier, „weisse, der Proff, der hat sich zur Ruhe gesetzt! Der is bloß noch son ESS…, EXSCH…, nee, EXX-RE-VO-LU-SCHONNÄR“ – Womit er zweifellos Recht hat. „Horst, du Lieber“, pflichte ich bei, „du bringssas auffn Punkt!“ – Horst denkt drüber ca. halbe Stunde nach (wir köpfen derweil neues Flaschbier), und resümiert dann ausdrucksvoll rülpsend: „Ja, aber schade! Nee, echt gezz…“

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 Im Anschluss zieht man noch über den stadtteilnotorischen Neger her, wobei ich aber entschieden nicht mitmache. „Ooh nein, den durchschnittlich hier ansässigen Neger“, doziere ich streng, wir hatten dann schon mittlerweile noch ein par Diebels-Alt getrunken, „den Neger, jetzt mal als Idee und Praxis gesehen“, – Horst kriegt runde Augen, Vlado schläft schon und Andy, der seine Schlaghand seit Wochen in Gips trägt, grinst tückisch-verschwommen – , „den Neger an sich beanstande ich keinesfalls“ fabuliere ich weiter, denn dieser sei erwiesenermaßen „sprachlich ein Super-Chamäleon, ein Checker, Auskenner und begnadeter Durchwurschtler vor dem Herren, also praktisch wie du und wir“,  wobei ich den Sportrentner Horst etwas dämonisch anzwinkere, „und wenner mal im Park bisschen Ganja vertickt, ja, na gut, dann ja wohl in bescheiden kleinen Tüten…!“ Auf meinen Antrag hin konzediert das Garagenkollegium widerwillig, „der Neger“ gehöre zu denen, die im Geddo noch am wenigsten Mist bauen; ferner sähe er immer gut aus und spräche oft besseres Deutsch als die polnisch-westfälisch-niederrheinischen Eingeborenen. „Kannzze gezzz soo aunich saagn“, mault Horst.

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 „Wie, Proff? Willzze schon wiedda gehen?“ quengelt Horst später, als ich mich nach dem soundsovielten Diebels schwankend abmelde und verabschiede, „…watt is? Lässt dich die Frau nich EIMAA in Ruhe hier bei uns sitzen?“ Ich mach mich kerzengerade und erkläre hochwürdig: „Gezz lass meine Frau ma ausm Spiel, Horst! Die sitz nämich zu Haus und dressiert Brötchen!“ Dem Vernehmen nach tagte das Garagengremium noch bis in den tiefen Abend, um meine überraschend private Aussage zu entschlüsseln….

Inländer, heimatlos beim Weltuntergang

25. Mai 2011

"Da hörsse dich selpz deine eichne Sprache...!"

Samstag, 21. Mai. Wir hockten klamm beim Sportrentner Horst im dicke mit Schrankwand, Lederpolsterlandschaft und Flachbild vollgemachten Wohnzimmer und fremdelten. Seit Branko seine Kneipe an die bulgaro-türkische Mafia verscheuert hat, haben wir nämlich kein Heim mehr. Wir (zwei Griechisch-Orthodoxe, ein Russisch-Orthodoxer – glaubt er jedenfalls, weil er sich anders bekreuzigt als „die Griechen“ –, ein Atheist, ein Agnostiker und ein Quoten-Muslim, der aber „mit Religion nicht so viel am Hut hat“ – nuckelten am Diebels, guckten DFB-Pokalfinale und warteten auf den errechneten Weltuntergang. Von uns wurde natürlich niemand „entrückt“. Und untergegangen ist bloß der MSV Duisburg. Es war ganz furchtbar, obwohl Sportrentner Horst extra Buffet gemacht hatte mit Würstchen, Frikadellen und Nudelsalat, lecker Gürkchen auch dabei.

Es stand schon 5:0 für Schalke und wir waren eher ver-, als entrückt geworden, da schellte es und der verwitwete Ex-Hausbesorger Pitti schneite noch in die Runde (zwei Serben, ein Albaner, ein Mazedonier, ein Türke und zwei Deutsche), die gerade diskutierten, ob man nicht „alle Ausländer aus dem MSV rausschschmeißen“ sollte. Pitti sieht aus wie ein Trauer-Schlumpf, königsblaue Nase vom Kummer-Bier und schlohweißes Haupthaar vor Trauer; er ist der gegenwärtige Hauptvertreter der Duisburger Schule des Stoizismus (Maxime: „Watt willze machen? Da kannzze nix machen!“ – Was soll man zum Krebstod der Frau, mit der man 45 Jahre verheiratet war, auch weiter sagen?).

Speziell die Ausländer unter uns waren aus Frust extrem ausländerfeindlicher Stimmung. Als nach dem Spiel der Schalker Christoph Metzelder interviewt wurde und außer Atem etwas nuschelte, schollerte und bollerte, brüllte Vlado, der Mazedonier, der, obgleich seit 30 Jahren in Deutschland, die hiesige Landessprache nur rudimentär beherrscht, in den Fernseher: „Spreche maa deutsch, du Arscheloch!“, was unter den noch nicht-komatösen Stammtischlern für gewisse Erheiterung sorgte.

Pitti aber, durch bereits aushäusig stattgehabten Alkoholgenuss der vielleicht einzige „Entrückte“ unter uns, erzählte ein ums andere Mal, die lieben Knopfaugen weit aufgerissen, von dem Wunderding von Hörgerät, das „dem Arzt“ ihm verschrieben hätte. „Ey, datt glaubzze nich, da hörsse dich selpz deine eichne Sprache“, schwärmte er verträumt, „datt geht so per Funk von den einen Ohr an datt annere!“ Dass ich laut aufglucksen musste, verstand keiner, ebenso wenig wie meine kichernd hervorgebrachte Frage, ob der Funk jetzt um den Kopf herum oder quer hindurchginge, irgendeine Resonanz fand. Natürlich trägt Pitti das Hörgerät nicht, weil, bei 2000,00 Euro Selbstbeteiligung ist das einfach zu teuer, um benutzt zu werden.

Mangels Hörgerät hatte er aber auch wiederum gar nicht mitbekommen, dass das Spiel schon zu Ende und die Welt bereits untergegangen war. Mir aber, dem aus verschiedenen Gründen (MSV, Religion, Alltagsrassismus, Wein) melancholisch gewordenem Volksmagister wurde die Welt schon wieder zu Gleichnis. Man stelle sich vor, es gibt Funk, aber zwischen dem einen und dem anderen Ohr … ist nichts, geht keiner hin, ist bloß weißes Rauschen. Endlich kann man sich hören – und dann stellt man gerade deswegen fest, zwischen den eigenen Ohren herrscht Funkstille, Verstummung, Schweigen. Nobody at home. Das weiße Rauschen, das schwarze Loch, zu groß, um es mit Bier und Schnaps zu füllen. „Isch geh denn gezz ma“ beschied Pitti der Runde würdevoll, „ich krich noch’n Anruf“. Wir protestieren höflich und denken im Stillen: „Ja klar, sicher doch, Hauptsache, du hörst den dann auch….“

Na ja, egal, Fazit ist – in der Welt wie im Geddo: Wir sind es, die HIER BLEIBEN müssen! Scheiß Propheten… – Das Pokaldebakel war dann überraschend rasch vergessen. Milos und Nikolaj bemühten sich, mir komplett Ungläubigen beizubringen, wie man sich korrekt russisch- bzw. griechisch-orthodox bekreuzigt. „Proffesser“, wachte Bogdan, der chronisch übermüdete Bosnier, der es als Baupolier wissen muss, kurz auf, „Professerweißt du, warum euer Jesus bei die Bosnier nich gekreuzigt worden wär?“ Nö, wusste ich nicht. „No, überlech maa, Professer – Nägel aus Eisen! Wärn doch längs alle  geklaut!“  – Treuherzig, wenn auch unmotiviert, erklärt mir der Mazedonier Vlado, „…und deswegen hass ich die Griechen!“ – „Wieso“, frage ich, „das sind doch eure Nachbarn?“ — „Eben“, schmunzelt Vlado gütig, „eben!

Dem Führer wird es zu blöd. Nix Anpassung

17. April 2011

Reden, wie der Schnabel gewachsen ist

Heute in der serbischen Stammkneipe. Komme wie immer zu spät, hab die ersten Runden Diebels oder Warsteiner verpasst. Am Stammtisch ist Schalke gegen Milano schon durch, es herrscht bereits Religionskrieg. Oh, Allah, dicke Lufthoheit! „Bismallah ah-Rahman i-rahim“, sage ich höflich, klopfe auf den Tisch und grüße brav „Selam-aleikum“. Ich bin halt so erzogen. Immer höflich, kommt von Mutti. Sportrentner Horst ist aber schon auf höchster Krakeelstufe. „Aaaannn-passsn solln die sich! Aannpass-ssen!“ – „Wer denn? Was denn jetzt? Woran denn?“ versuche ich die Tagesordnung zu eruieren. „Na, die scheiß Türken!“ brüllt Horst, und zeigt erbittert auf seinen serbisch-montenegrinischen Herzensfreund Branko. Wie sich nach einigen Gläsern Wein (vino bjelo), mit denen ich mich einzugrooven versuche, herausstellt, Horst möchte gern, dass unsere Muslime hier Schweinefleisch essen, „weil das numaa unsre Regeln sind“, greint er pampig. – „Horst“, rüge ich milde, „du bist doch noch nicht mal Christ! Also blas hier die Backen nicht so auf!“ – „Anpassen oder rausschmeißen!“ insistiert der Sportrentner bockig, der eigentlich, nüchtern, ein herzensguter Mensch ist und noch nicht mal wirklich Ausländerfeind. Der Alkohol hat ihm irgendwie die Koordinaten verknotet.

 Horst stiert mich wütend an und versetzt: „Proff! Du hast von nix ne Ahnung!“ Ich schlucke das zunächst, wie alles, was man mir in dieser Kneipe vorsetzt (obwohl ich bei selbstgebranntem, mit dem Bus aus der Heimat [„Ch’aimath“] hergeschmuggelten Slibo inzwischen mädchenhaft zimperlich geworden bin). Eigentlich hatte ich die Chancen des MSV Duisburg beim Pokal-Endspiel diskutieren wollen, aber hilft nichts, der Integrationsmagister ist jetzt gefragt.

Ich formuliere ein paar wohlgesetzte Worte über religiöse Toleranz, werde aber von Horst direkt volley niedergebrüllt. „Der Türke“, beharrt er und macht eine weit ausholende Geste in Richtung der überwiegend serbisch-orthodoxen oder bosnisch-liberalmuslimischen Gäste, „der Türke“ sei ein „Sozialschmarotzer“. Und seine besondere Dreistigkeit sei, kein Schweinefleisch zu essen, obwohl er sich vom deutschen Staat durchfüttern ließe. Ich gebe zu, über diese logische Komplikation einen Moment lang nachgedacht zu haben, gab dann aber zu Protokoll, mir persönlich sei es völlig gleichgültig, was ein Mensch äße oder nicht; ich zum Beispiel verschmähte geröstete Kakerlaken und gegrillte Meerschweinchen, hielte mich deswegen aber nicht gleich für einen besseren Menschen. Zum Beispiel möge ich auch keinen Spinat, würde aber von niemandem verlangen, meine Abneigung gegen dieses köstliche, vitaminreiche Blattgemüse zu teilen. Geschweige denn, dass ich darauf eine Religion gründen möchte.

 „Außerdem: Was haben wir denn davon“, versuche ich es mit der gewaltfreien Kraft des Arguments (Habermas), „wenn der Türke jetzt Schweinefleisch isst?“„… unn die ganzen Zigeuner!“ trumpft der Sportrentner auf und gerät in Rage. „Alle rausschmeißen!“ – Ich gebe, um die Redundanz des Diskurses durch Bildungselemente aufzulockern, zu bedenken, dass diese Leute meines Wissens weder Muslime seien noch Schweinefleisch verschmähten. „Anpassn!“ beharrt Horst, „oder ehm raus hier!“ – „Wie denn anpassen, alter Mann“, frage ich, langsam etwas auf Krawall gebürstet, den Schweinefleisch-Fundamentalisten, „solln die sich auch die Haare blondieren wie du?“ – Nebenbei fällt mir auf, wenn der Sportrentner sich die Fusselfrisur schwarz färben würde, hätte er frappierende Ähnlichkeit mit Muammar al-Gaddafi, und ich kann mir nicht verkneifen, ihm (also Horst) das mitzuteilen.

 Weil man am Stammtisch deshalb nun auch lebhaft über „Egüppten“  und „Lübien“ redet und dabei Mubarak und Gaddafi ständig verwechselt, mache ich zur Güte den Vorschlag, nach 22.00 Uhr am Stammtisch evtl. die Sachgebiete Religion und Politik besser auszuklammern, vergeblich natürlich, weil, man hält mich als „Prof“, „Magister“ und „Lehrer“ zwar in gewissen Ehren, hört mir aber trotzdem nicht zu. Im Gegenteil, nach dem 20. Bier schlingert Horsts Blick ins Visionäre. „Ich grünne ne Paatei!“ verkündet er der vorwiegend aus „Ausländern“ bestehenden Runde charismatisch, fixiert mich dann plötzlich mit verliebtem Blick und donnert: „Unn du, Proff, wirst unser Führer!“ – „Horst“, repliziere ich maliziös, „ich glaube, die Partei, die dir vorschwebt, gibt es schon“, und ergänze, ich sei indes weder geneigt, deren „Führer“ noch auch der irgendeiner anderen Partei werden zu wollen und mache mich dann auf den kurzen Heimweg, was ich mit einem knappen, aber konzisen „Das wird mir jetzt zu blöd hier!“ begründe.

Freund Branko, der in Erfüllung seiner Wirts-Pflicht, stumm brütend dabeigesessen hat, macht eine halb bedauernde, halb resignierte Geste. Seine Form von Islam ist von der fatalistischen Sorte und besteht im wesentlichen darin, seine Kinder sonntags zum Hodscha zu schicken, „damit die da Anstand kriegen“. –

Der Sportrentner aber hat das letzte Wort: „Typisch den Proff, eyh. Wennas ma kons… kons…trucktief wird, hauter ab!“