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Schärfer als Möpse und Sex: franz. Bulldogge

19. April 2011

Sexy Lockvogel im Netz: Franz. Bulldogge (Quelle: Wikipedia, gemeinfreies Foto)

Einfach mal irgendwas tippen und dann ins Netz stellen reicht ja nicht, das weiß jedes Blogger-Kind. Man muss LeserInnen ködern und unaufhörlich „traffic generieren“, wie der Eingeweihte sagt. Mit den tags, den Hieb-, Stich-, Schlag- und Suchwörtern, mit denen man seine Artikelchen beklebt, damit Leser dran hängen bleiben, hat es freilich sein eigene Bewandtnis. Sie führen oft in die Irre, vor allem solche Zeitgenossen, die sich vom Internet sensationelle neue Kicks im bunten Bereich des Sexuellen versprechen. Einmal hab ich eine Art Kolumnen-Geschichte geschrieben, in der, ganz marginal und sozusagen nur so zu  Dekorationszwecken, die Achselhaare des Pop-Stars Madonna vorkamen. Ein anderes Mal hatte ich ein Aufsätzchen über Sprachpsychologie und Neurophysiologie keckerweise mit dem Foto einer gut gebauten, freizügig posierenden Blondine geschmückt. Das Foto aber, aus dem Netz gefischt, trug, was ich vorerst gar nicht bemerkt hatte, den Titel „busted blonde girlfriend“. In beiden Fällen schnellte kurz- bis mittelfristig meine Leserschaft ins Astronomische!

 Je nun, wohlan, „sex sells“, denkt der Weltkundige und geht müde schmunzelnd zur Tagesordnung über. Denke ich auch. Aber nun habe ich etwas entdeckt, das noch tausendmal mehr Besucher – für, wie ich vermute, sehr, sehr kurze Zeit – auf mein Blog  lockt, und sie in der Folge bitter enttäuscht wieder abschwirren lässt, und das hat mit kleinen dicken Hunden zu tun. Wer jetzt „Ha! Möpse! Möpse! Er hat ‚Möpse’ als Schlagwort!“ denkt, den muss ich eines anderen belehren. Keineswegs. Ich habe lediglich irgendwo am Rande mal erwähnt, dass mir die Französische Bulldogge zum unangefochtenen Modehund der Nuller und Zehner Jahre des Jahrtausends avanciert zu sein scheint. So eine Beobachtung kann man ja mal machen und beiläufig äußern, oder?

 Zumal ich da wohl richtig liege, weil ich seither täglich (!) zwischen hundertfünfzig und zweihundert BesucherInnen verzeichne, die mein Blog mit dem Stichwort „französische Bulldogge“ er-googelt haben. Was für eine herbe Enttäuschung erwartet die modehund-bewussten Tierfreunde! Bei mir erfahren sie über diese Rasse überhaupt nichts, es sei denn, für sie sei die Information wertvoll, dass diese Tiere für mich aussehen wie mit Kuhfell bespannte Leberwürste, denen man aus purem Züchterübermut alberne Fledermausohren appliziert hat, mutierte Möpse mit abgrundtief traurigem, ja anklagenden Blick, der mir nicht völlig unberechtigt erscheint. Die Züchtermafia, die alle 15 Jahre eine neue bescheuerte Creation (Nackthunde, Chihuahuas, Pinscher, Mini-Yorkshire-Zitterlinge etc.) auf den Markt wirft, kann bei mir nicht auf freundschaftliche Gefühle rechnen.

 Ob die Möpse, quatsch, franz. Bulldoggen nett zu Kindern und kleinen Ferkeln sind, ob sie beißen, betteln, zu becircen wissen, ob sie verträgliche Hausgenossen sind oder hässliche, mies gelaunte und stinkende Köter – all das weiß ich nicht. Schrübe ich, dieses Blog sei für Liebhaber der französischen Dogge völlig irrelevant, und sie sollten ihn keinesfalls lesen, würde er von diesen bestimmt erst recht angeklickt, weil sie auf solche kontrafaktisch-rekursiven Mätzchen („Dieses Schild nicht beachten!“) besonders gerne hereinfallen. Das Übrige erledigt die doofe Suchmaschine.

 Was, frage ich die anwesenden Fachleute, tut man da? Ich hab doch keine Lust, dass fünfzig Prozent der  Besucher wutenbrannt wieder abziehen, weil über die hochgeschätzte Französische Bulldogge hier absolut nichts zu erfahren ist! Mir scheint, Negation bringt hier gar nichts. Man kann nur seufzend einwilligen. Ich versuch mich demnächst mal an einem Text über Möpse. Der könnte immerhin zwei große Gruppen von Fehl-Googlern mal zusammenbringen. Vielleicht wird eine virtuelle Freundschaft daraus?