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Über das Schreiben (Ersatztext)

26. Januar 2012

Eine Unabdingbarkeit: Morgendliche Text-Redaktion

Thema Hochkultur, direkt durch die Hornbrille des Erzeugers: Mut, Mut, und noch mal Mut braucht es fürs Schreiben! Freche Dreistigkeit ist vonnöten, verdammt! Autist sollte man schon sein, ein Egozentriker eventuell und jedenfalls gestandener Ich-Inhaber! Natürlich ist im Vorteil, wer die Rückenschule besucht hat. Oft bläst strenger Krittel-Wind von vorn, da heißt es Tränen schlucken und den Trotzkopf hochhalten. Der Tag wird sonst eine Katastrophe! Buchstabierenkönnen ist auch wichtig, zum Beispiel das Wort Finanzmarktstabilisierungsgesetznovelle, – das ist wohl Ehrensache! Das nötige Mentaltraining erwirbt sich, wer etwa ausgiebig blutjungen Hefeteig knetet oder über rohen, ungeschälten Kartoffeln das Pendel schwingt, denn nicht immer sind Ergebnisse von Bedeutung.

Wie oft fördert nächtelanges Schlürfen im Wörterbergwerk nur wortreiches, aber wertloses Geraffel und Geschmeißgestein zutage? Das muss man aushalten! Von der Tiefe des Daseins sei man übrigens bereits in Kenntnis gesetzt: Wer nie über verknoteten Schnürsenkeln in Ohnmacht verzweifelte, wer die Kunst des Brotfaltens nicht erlernte oder das Schnorcheln mit Schnabeltassen, der hat nicht das Zeug zum Schriftsteller, der weiß nicht von Unbill und Not.

Ich selber komme ja von der Bocksbeutelflöte her, das war eine gute Schule! Wer in kurzen Texten lange Sätze unterbringen möchte, sollte ein rhythmisch kompetentes Gerät zur Geräuscherzeugung bedienen können, zwar nicht unbedingt virtuos, aber doch so, dass zwischendurch nichts schluchzt, quietscht oder klappert, denn Nebengeräusche sind in der schönen Literatur mit Recht verpönt. Also: Schön tief aus den Beinen atmen!

Oft wird die Frage aufgeworfen, ob es zum Schreiben hilfreich wäre, nicht ganz richtig im Kopf zu sein, was ich ohne Zögern bejahen möchte, indem ich indes zu Bedenken gebe, es möchte dies womöglich eine zwar notwendige, aber vielleicht nicht hinreichende Bedingung sein. Der Rentner Herr Rombach, mein guter Freund und Nachbar, ist zum Beispiel zwar definitiv wahnsinnig, aber gänzlich illiterat; ich meine, nicht jede Sprühdose spielt Kunstlieder – oft kommt nur Quacksilber heraus, das noch alchymistischer Veredelung bedarf, um als ein Bröckchen Wörtergold zu glänzen.

Hier haben wir soeben gerade die Metapher kennen gelernt, das wichtigste Werkzeug des Literaten. Metaphern sind die Dessous der Gedanken: Lediglich vage ahnen soll man, was sie an Sinn gerade so eben durchschimmern lassen  – schnöde Nacktheit bleibt pornographischen Sachbüchern vorbehalten! Wie bei Lingerie nicht unüblich, gibt es auch undurchsichtige, blickdichte Metaphern. Man nennt sie hermetisch, nach Hermes, dem Gott der unzuverlässigen Paketboten, die nicht mal klingeln, sondern aus Faulheit gleich Benachrichtigungszettel einwerfen. Mit hermetischen Metaphern bekommt man es praktisch nur in der Abitur-Phase zu tun; wenn sie länger anhalten, muss man allerdings zum Hermeneutiker, dem studierten Facharzt für Hirnschwurbel.

Apropos – immer wieder werde ich auch gefragt: Was ist denn jetzt nun mit Alkohol? Wie schreibt es sich besser, „heilignüchtern“ (Hölderlin) oder „trunken vom Wein der Glückseligkeit“ (Dschalal ad-Din Rumi)? Hierüber experimentiere ich noch, bin der Wahrheit aber hart auf der Spur: Es hat offenbar mit Geschwindigkeit zu tun. Gern ein, zwei Gläschen, damit die Einfälle purzeln, aber dann auch in Windeseile wie wild in die Tastatur gehämmert! denn schon das dritte, gar das vierte Gläschen steigert das Hochgefühl bereits derart, dass sich morgens meist herausstellt, was einen nächtens noch begeisterte – es war, bei Licht betrachtet, leider bloß schnöder  Müll. Eine bestürzende Erfahrung: Was einen bei Glas Nr. 4 in der Nacht noch haltlos kichern ließ, windet sich im harten Morgenlicht klamm, doof und grau wie kalte Grütze! Ein Tag, der somit in eitel Selbstzweifeln beginnt, ist ein verlorener Tag, da kann ich ebenso gut gleich wieder ins Bett gehen.

Manche Erfolgsautoren empfehlen, man solle sich, bevor man sich gleichsam nackt in den Wörtersee stürzt,  genau überlegen, was man sagen will. Das fände ich aber langweilig. Wenn ich vorher schon weiß, was ich sagen will, brauche ich es doch nicht mehr aufzuschreiben! Ich strebe im Gegenteil beim Schreiben einen Zustand gelassener, tiefen-fluider Gedankenlosigkeit an. Das ist praktisch Zen, wie beim Bogenschießen. Es schreibt! Blöderweise ist mein Es, wenn es unbeaufsichtigt herumtollt, eine Art Soziopath, der für eine hübsche Formulierung seine Mutter verkauft, weshalb das gedankenfreie Bogenschießen auch schon mal einen Bock erwischt oder schwer ins Auge geht. – Deshalb ist dies hier ein Ersatztext für ein Stückchen, das ich jüngst beschämt aus legitimen Gründen einstampfen musste.

 

Gewalt geschrien! (I prefer not to)

19. Februar 2010

Ein bißchen Friedens-Aufrüstung schadet nicht (Verfasser im Stadtpark)

Wartet mal bitte kurz! Eine Umfrage erreicht mich gerade aus den unergründlich seichten Weiten meiner Hirnwindungen: Sollte ein älterer Herr, der nach Einbruch der Dunkelheit noch auf die Straße geht, sagen wir, um Homies in seiner Hood zu treffen, oder weil noch ein Fläschchen Kräuterbitter einzuholen ist, oder meinetwegen auch, weil er spät abends noch einen – handschriftlich mit Pelikan-Füller auf vanille-patschuli-aromatisiertem Büttenpapier verfassten – Amouröschenstrauß zum analog-verschnarchten Schnecken-Postkasten bringen möchte, um seine anbetungswürdige Herzensdame bzw. seinen heute (vgl. Wowereit, Westerwelle u. dgl.) ja auch durchaus akzeptierten Herzensherrn mit einem altmodischen Gruß zu beglücken, – sollte ein solcher der Bürgerlichkeit vulgo Zivilisiertheit zugetaner, gesetzter, eher uncooler Herr also – eigentlich bewaffnet sein? Ich lasse diese Frage hier im Raum stehen und erstmal wirken…

So. Die Wirkung wird allmählich eingetreten sein, oder? – Obwohl ich nicht in einem der einschlägig schlägerverseuchten Münchner S-Bahnhöfe, sondern einem von Sozialpädagogen betreuten Hundert-Nationen-Quartier wohne, möchte ich die brisante Frage, als Kontroverseschmied, der ich nun mal bin, mit einem herzlichen „Ja! Unbedingt!“ beantworten. Uijuijuiii! Schon sehe ich mich hart, aber unfair an den von Gutmenschen handgezimmerten Pranger (Holz aus gar. ökolog. Anb.!) gezerrt. „Oi weh, Gewalt jeschrien!“ jammert mein Lieblingsrabbiner Weinstock; Landesbischöffin Käßmann verlangt meinen sofortigen Abzug aus Abhängisthan, und Horst-Eberhard Richter drängt mich sanft, aber pädo-gogisch wohlmeinend auf seine Analyriker-Couch. (Nur Onkel Hodscha Kavrayış Kıt Efendi schweigt düster; in seiner Gemeinde wird die Gewaltfrage halt noch diskutiert…)

„Mönsch, komm’ma donnich mit diese Macho-Scheiße!“ schreiben mir, ohne süßliches Patschuli-Aroma, meine säuerlich-feministischen Leserinnen. „Gewalt, Gewalt, Gewalt! / ist doch  keine! / Löö-öö! – sunkk!“ skandieren sie unter auf der Straße, unter meinem Fenster. Mit Sprechchören kann man schlecht diskutieren, sonst würde ich wohl einwenden: „Doch, doch, aux contraire, mes chères, Gewalt ist sehr wohl eine Lösung, vielleicht nicht die beliebteste, sehr oft aber die effizienteste!

Gesetzt den Fall, ich absolvierte im Park gerade meine Tai-Chi-Übungen oder trainierte dort Zen-Bauch-Atmung mit Tiefenentspannungseffekt, und plötzlich stünde eine stattliches Grüppchen Jungspunte um mich herum, um mich „abzuziehen“: Handy, Bargeld, Kreditkarte, „oda isch mach disch kald, Alda!“. Welche Optionen habe ich? Ich könnte mich auf mein Sprachtalent verlassen und etwa, den Anführer scharf ins Auge fassend, fauchen: „Bana rahat birak, budala kafir! Defol savuş git, orospu coçuğu!!!“ Wenn ich die Kehl- und Rachenlaute etwas arabisch gefärbt aspiriere, etwa so, wie man das in der Gegend von ŞanlıUrfa spricht, kommt das schon ganz gut. (Wirkt aber  trotzdem nicht so durchschlagend wie Pfefferspray oder High-Voltage-Shocker-Taser.) Klar könnte ich auch spontan auf deutsch sagen: „Wenn ihr euch nicht sofort zu Mutti verpisst, ihr kleinen Wichser, kriegt ihr eine geschallert, daß euch die Ohren bluten!“ Auch nicht schlecht, so ein patziger Platzpatronensatz, oder? Ist aber sprachlich gesehen möglicherweise zu anspruchsvoll und benachteiligt jugendliche Straftäter aus dem Migrantenmilieu. Und die haben’s ja schon schwer genug.

Andere Option: Ich wäre, was man mir nicht ansieht, weil man vielleicht denkt, ich sei bloß eine armselig berentete, diabetesbedingt übergewichtige (vgl. Alkohol!) Bandscheiben-Scheiblette, in Wahrheit ein praktizierender Teilzeitasiate: Mit den Fäusten zwar nicht schneller als der Schall (vgl. Bruce Lee!), aber immerhin doch schneller, als man denkt. Bei dieser Option können die jungen Deutschländer-Lehrlinge jetzt Glück oder Pech haben. Glück: Ich bin ein sanfter Aikido-Mann: Aikido ist eine Art japanischer Konflikt-Tango, bei dem der Angreifer, was immer er tut, nach kurzem Tanz bedeppert auf dem Boden sitzt und grübelt, wie ihm geschehen ist. Pech: Ich wäre evtl. ein böser, zorniger alter Mann, ohne Skrupel, aber sehr, sehr aufgebracht und zudem ein Gegner von Straßenkriminalität; außerdem beherrschte ich nach jahrzehntelange Übung die Künste des Dim Mak. Dies mit chinesischen Frühstücksköstlichkeiten zu verwechseln („Dim Sum“), wäre fatal, eventuell tödlich. Dim Mak nutzt die asiatischen Kenntnisse der Akupressur, um Menschen mit bloßen Händen zu lähmen oder zu töten bzw., in leichteren Fällen, ihnen unfassbare Schmerzen zuzufügen. Dim Mak. (Mit dieser Technik killt die „Braut“ in Tarantinos „Kill Bill II“ im final showdown den Killer Bill).

Während ich euch mit solchem wertvollen Wissen ausstaffiere und voll ballere, steht der versammelte Leistungskurs „Jugendkriminalität“ immer noch nervös um mich herum und wartet, welche Option ich denn nun wohl wähle, den verbalen Tiefschlag, den Defensiv-Tango oder die koreanische Naturheilpraxis mit Todesfolge. Ich denke, ich würde das von Fall zu Fall entscheiden. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel will ja bedacht werden, auch das Staatliche Gewaltmonopol. Doch, doch, kurz bedacht muß es schon werden – es in Anspruch zu nehmen, würde allerdings leider in den meisten Fällen zu viel Zeit kosten.

Bevor ihr euch jetzt mit mir begeistert auf den street-fighter-Kriegspfad der kriminalitätspräventiven Friedensmission  begebt, muß ich noch eines klarstellen: Um präventive und defensive Gewalt effektiv, zielführend und ästhetisch befriedigend anwenden zu können, heißt es erstmal üben, üben, üben! Ich kenne Menschen, die mussten erst drei Jahre lang bei ihrem Meister die Stube fegen und Miso-Suppe kochen, bevor sie trainingshalber das erste Mal mit den Fingerknöcheln gegen Betonwände donnern durften! Um ein gefährlich böser alter Mann zu werden, bedarf es also, wie der Begriff schon sagt, langer Zeit, viel Bosheit, Männlichkeit (auch bei Frauen!) sowie prinzipielle Gefährlichkeit (siehe auch unter: Gewaltbereitschaft).

So, und wenn ich euch das Üben schmackhaft gemacht habe, wendet euch bitte an den Budoten Limited Kampfsport Versand. Dort bekommt ihr sämtlichen Kampfsportbedarf, von Aikido bis zur Ninja-Attentatslehre, vom Kampfanzug bis zum Wurfstern, vom Aikido-Hakama bis zur Zwille alles, was der Kampfkünstler braucht, schnell, zuverlässig, preiswert. Ein kompetenter Fachhandel ist das! Deckt euch dort ein, übt schön, und genießt es, wenn ihr dereinst, aufgefordert, euer Handy abzugeben, seelenruhig mit Melvilles Schreiber Bartleby entgegnen könnt: „I prefer not to“ – „Ich möchte lieber nicht.“

Selbstbeweihräucherung, sozialverträglich

11. Februar 2010

Fürs Ego unerläßlich: Weihrauch

Eine der wenigen befriedigenden, zicken-freien Zwischenmensch-Beziehungen, die nicht in Kummer-Blues und fies verdüsterter Seelen-Verkaterung zu enden drohen: Selbstverknalltheit! Ich empfehle das! Mit sich selbst hat man totsicher eine lebenslange Affäre. Gut, zwar hab ich mich auch schon mal selbst betrogen, aber – bislang bin ich jedesmal reumütig zu mir zurückgekehrt! Mit mir raufe ich mich immer wieder zusammen, denn ich bin ja ein Typ, mit dem man Pferde stehlen kann! Ich (297) bin dufte, knorke & hip: außerdem Nichtr., schlk., tol.,  unkomplz., sportl., humorv. und Akadem.!

Mich mag ich nicht nur um meines Körpers willen, und auch nicht bloß des Geldes wegen! Ich find mich einfach supergut, hach! – „so, wie ich bin“! Um es rundheraus zu sagen: Ich bin wohl im Grunde meine große Liebe! Die Liebe meines Lebens! Keiner versteht mich so gut, keiner kennt meine verborgenen Qualitäten besser und keiner weiß, wie witzig, klug, na ja, seien wir ehrlich: im Grunde genial ich eigentlich bin – niemand leider, außer mir selbst! Nee, ich glaube, jetzt mal im Ernst, ich bin schon ein klasse Typ! Ein Unikat, ein Schnäppchen, ein Sahneteil…

„…Na“, denkt das Publikum allmählich stark verschnupft, „da ist aber mal einer schwer auf dem Selbstbeweihräucherungstrip! Was für ein eminent unerträglicher Blödmann! Das ist ja nicht auszuhalten!“ Tatsächlich nerven ja Zeitgenossen, die unentwegt von sich selber sprechen und einem erzählen, was für unfassbar aufregende Ausnahmeerscheinungen sie darstellen, immens, oder? Sie wirken immer so beklemmend bedürftig, diese Leute, die einem andauernd aggressiv ihr leeres Mützchen entgegenstrecken, damit man ihnen lauter pure Anerkennung oder atemlose Bewunderung hineintut; Anerkennungsbettler berühren unangenehm, schon weil man – unverdientermaßen auch nicht gerade in Ruhm und allgemeinem Applaus gebadet! – selbst gern mal das eigene Ego in der Sonne spazieren führen würde.

Ich persönlich praktiziere eine Form von Selbstbeweihräucherung, die ich für weitgehend sozialverträglich halte; Besucher schnuppern zwar manchmal ein wenig nervös in meinem sorgfältig stilisierten Privat-Ambiente meiner Teilzeitmönchsklause herum und meinen, gewisse Spurenelemente von Eso-Qualm, Hippietum und Baghwan-Zauber zu erschnüffeln, aber als pensionierter Ex-Punk-Rocker der härtesten Sorte bin ich hippiesk spinnerter Verweichlichungen unverdächtig; und dem vorbeischneienden Kriminalhauptkomissar-Schnüffler erkläre ich milde: Oooh, nein! Diese kristallinen Bröckchen sind weder Crack noch Crystal Meth! – es handelt sich bei diesen exotisch-berauschenden Odeurs lediglich um strunz-legalen … – Weihrauch, und den brauche ich, wenn ich meditiere und meine Übungen mit Schwert, Bogen, Zwille, Dolch oder Teebeutel absolviere. Ich bin bekanntlich Hobby-Asiate! Weihrauch reinigt, stärkt, bügelt und faltet das vom Alltag geschundene Ego wieder auf Kante, es verleiht Ruhe und Gelassenheit, stärkt die spirituellen Kräfte (Ki, Chi, Qui oder wie), und zwar  gerade an Tagen, an denen einem mal wieder alles tierisch auf den Sack geht!

Weihrauch kennt, verehrt und benutzt man seit der ur-ersten Alt-Antike. Seit Duft, zeitlos, erhaben und fremdartig, erinnert dich daran, daß du weder der erste noch der letzte Mensch bist. Weihrauch ist, was schon Jehova als Deo benutzte oder auch Buddha und seine Leute, und so weiter. Weihrauch verhält sich ein bißchen zu Gott, wie Veilchen-Parfum zu meiner Oma: Die ihn trugen, sind schon lange tot, aber ein Hauch ist in den Zimmern geblieben, in denen sie dereinst gewohnt haben sollen…

Wenn man nicht gerade das Jesus-Kindlein im Stall zu Bethlehem ist und daher Weihrauch, Myrrhe & Co. vom Lieferdienst der DREI Hl. KÖNIGE nicht frei Haus geliefert bekommt, erhebt sich die Frage: Wo krieg ich denn dieses überaus kostbare Zeugs (das getrocknete Harz des Weihrauchbaums Boswellia) her? Ich bin doch nicht katholisch, außerdem fast nie in Somalia, in Oman, oder gar in Indien? Und kann man das überhaupt bezahlen? Ja, kann man, und dank Globalisierung und Internet bekommt man – was früher Glücksache war und der Job jahrelang unterwegs seiender Kamelkarawanen! – , heute innert drei Tagen  cool geliefert, zuverlässig, aromaschutzverpackt, preiswert und in reichhaltiger Auswahl!

Wer spirituelle Aufrüstung gern durch die Nase zieht, dem empfehle ich, den liberianischen Koks-Dealer mal für eine Weile zu meiden und dafür die legale, seriöse, zuverlässige Firma „Anandam“ zu nutzen. – Auch für atheistsche Historiker geeignet: Wenn ihr mal wissen wollt, wie es in Nomadenvater Moses’ Ziegenfellzelt roch, auf Noahs Arche, oder bei Familie Gautama-Buddha daheim: Anandam hat für euch die passenden Räucherwerke. Gönnt euch das! Legt eine Platte auf, von Leonard Cohen, Nusrat Fateh Ali Khan oder mit Bollywood-Schlagern, lasst euch selbst beweihräuchern und träumt von großen Dingen! Badet den Orient! Schaumbad für die Seele: Weihrauch!