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Traumasiatisches

17. Januar 2010

Hiroshige Utagawa: Schale mit Sushi

(Wer den Text brav durchliest, kriegt zur Belohnung in der zweiten Hälfte einen brandheißen Sushi-Tipp!)

Der Noro-Virus tritt nach sieben Tagen Regentschaft bei mir den Rückzug an. Er hinterließ mir, in der post-fibrösen Mulm-Phase der Rekonvaleszenz, eine Serie äußerst bizarrer Träume. (Unter anderem umsprang mich heute Nacht eine Gruppe nachlässig gekleideter, kleinwüchsiger, zudem erschreckend verkrüppelter und verwachsener Graubärte, die, eine Art archaisches Bügeleisen in den gichtigen Fäusten schwingend, ein spätindianisches Geistertanz-Ritual um mich herum aufführten und mich dabei in einem rhythmisch komplexen Sprechgesang bitterlich und schneidend dafür anklagten, daß ich angeblich die zweite Hälfte des gestrigen Erstliga-Spiels FC Bayern München gegen TSG Hoffenheim nicht „irgendwo aufgenommen“ hätte. Später habe ich, weiß der Teufel, in welcher Eigenschaft und in wessen Auftrag, einige Helikopter abgeschossen Daß ich aus solcherlei, den Vorschriften der Sigmund Freud’schen „Traumdeutung“ zweifelsfrei absolut zuwiderlaufenden Traumdelirien mit einer Beule an der Stirn erwachte, lag indessen an meinem neuen dreieckigen IKEA-Nachttischchen, dessen raumzeitliche Koordinaten ich noch nicht vollständig abgespeichert habe.)

Weil die Gattin mit am Tisch saß und ich mich benehmen mußte, unterdrückte ich meinen Frühstückswunsch („2 doppelte Fernet Branca bitte! Rasch, wenn’s geht! Ich hatte schlechte Träume!“) und speiste stattdessen mal hübsch brav und deutschmarine-manierlich ein 6-Minuten-Ei und einen Marmeladentoast mit Margarine. Dünnen Schon-Kafffè dazu. Brrr. In meinem Magen toste toastbrothaft trostlos eine morose, marode, molluskenhaft mysteriöse, aber deutlich monströs malvolente, resp. maligne Grundstimmung herum, rumorte, böskasperte, klabasterte und koboldisierte in den südlichen Eingeweiden wie der sprichwörtlich dreifaltige Bi-, der Ba- sowie der Butzemann. Ooh Mann: Mir war blümerant! Ich hatte so Magen!

Beim samstagvormittäglichen Einkauf tapperte ich der Gattin fast greisenhaft nichtnutzig hinterher, ostentativ weinerlich meine Magengegend reibend und die eheliche Dialog-Spur mit allerhand wehem Gestöhn und Gegreine untermalend. Einkäufe sind auch immer so stressig! Und was man alles brauchen muß! Gitarrensaiten, Grünkohl, Imbus-Schlüssel Nr. 3, Bourbon-Vanille, Klavieradapterkabel, Hautcreme, Pandan-Essenz, Kasseler-Koteletts, womöglich noch div. Galanterie- und Kurzwaren sowie Frauenkram! Es hatte anscheinend auch HartzIV-Geld geregnet und zwischen den Discounter-Regalen wuselten mir Scharen von Mokka-Pilgern um die Beine und rhabarberten dabei katharrisch raspelnd arabische Rachenlaut-Rauchwaren-Ruchlosigkeiten, sodaß mir weißeuropäischem Zimperling stark die Nerven flatterten. „Weib!“, röchelte ich mit letzter Kraft, „laß uns jetzt… mal rasch… zum Onkel Lam vorbeifahrn..!“

Die Weisheit Ostasiens wirkt nämlich nervenberuhigend! Der ehrwürdige Onkel Lam sitzt versunken in seinem Asia Laden und meditiert. Zen, schätz ich mal, denn sobald ein Kunde auftaucht, ist der alte Onkel Lam in Sekundenbruchteilen voll da! Und spricht deutsch! Ich so: „Ehrwürdiger Onkel Lam, ich suche diese eine Mehl-Mischung für um so Tempura-Sachen zu frittieren, weißt du, so Panade…“ „Aaa-ah so“, lächelt Onkel Lam, „jaa-ah! Banane, ne?“ Ohne sich von seinem Meditationsklappstühlchen zu erheben, deutet er in den dämmrigen Ladenhintergrund und verspricht: „Doo-oh! Frau geben!“. Rätselhafterweise (vgl.: Asien!) reicht mir seine Fau indes aber keine Banane, sondern tatsächlich das gewünschte Tapioka-Mehl!

An der Kasse aber hat Buddha, der erhabene Wegweiser und Reiseführer zum vollkommenen Wohlbefinden, für mich einen Flyer hinterlegt. Die Kalligraphie kündet kaum Glaubliches: In der Kulturwüste Duisburg hat eine zweite Sushi-Bar eröffnet! Ein Blick auf die Speisekarte läßt mich zweifeln: Träum ich noch immer? So günstig ist Sushi doch in der Realität nicht!?

Fragend blicke ich zu Onkel Lam. Doch der ehrwürdige Greis lächelt gütig bestätigend und versichert: „Aahjaa-ah!“ (Vietnamesen können aus einer einzigen Silbe einen abendfüllenden Gesang formen!), „Zzuuuou-shi! Zz-ehr g’utt! Zz-ehr z-zauber!“

Meine und der Gattin Blicke kreuzen sich, blitschschnell und präzise wie die Schwerter zweier Shaolin-Mönche aus dem Wudang-Gebirge: „Hu-ah! Ha! Da! Müssen wir SOFORT! Hin!“ Ist ja auch nur um die Ecke, mitten in der Innenstadt-Mitte. Zack, Huii und Wuusch! Mit federnden Ninja-Schritten sausen wir los – und die Realität meint es gut mit uns: Sie erweist sich als traumhaft! Das Ambiente: Kühl japanisch, schmucklos, ohne nervende Schnörkel. Der herbe japanische Grüntee ordnet den wirren Kopf; die absolut perfekt köstliche Miso-Suppe beruhigt den Magen-Mulm; die übersichtliche, aber verführerische Karte läßt die Augen übergehen: Nicht nur Sushi-Menüs für jeden Appetit, Hunger und Geldbeutel, sondern darüber hinaus leckerste Vorspeisen wie Yakitori oder Gyoza-Teigtaschen, Tempura-Krabben und Fisch-Salate, Suppen und Makis, und alles zu Preisen, die es sonst eigentlich nur in geträumten Sushi-Bars gibt!

Wir testen, kosten und toasten: Als vorerst einzige Gäste, vom (phillipinischen? indonesischen?) Betreiberpaar ängstlich beäugt, kommen wir aus dem anerkennenden Nicken, Schnalzen und Schmatzen gar nicht mehr heraus: Sushi-Reis perfekt, delikater Fisch super-zart, ultra-frisch und schmackhaft, Präsentation tadellos, Preis unwirklich, aber berauschend! Auf Anhieb von Null auf Hundert: Das beste Sushi der Stadt! Wir schmieden schon Pläne, was wir hier noch alles probieren wollen.

Wie hoch die Wellen unserer Begeisterung schlugen, mag man an folgendem ermessen: Die sonst extrem zurückhaltende, wortkarge deutsche (!) Gattin bescheinigt (mit leicht vietnamesischem Akzent!) dem phillipinischen Chef und seiner indonesischen Frau, das japanische Essen sei „zz-zehr authentisch!“. „Mensch, was red ich hier für’n Scheiß“, kichert sie hinterher. Mein Magen-Rumor hatte sich unterdessen in vollkommenes Wohlbefinden aufgelöst.

Soll ich mal verraten, was wir für eine Kanne Grüntee, zwei Miso-Suppen und zweimal schöne Sushi-Auswahl zum Sattessen ausgegeben haben? – 20 Euro! Im Ernst! Und zwar mit Trinkgeld! Gibt’s nicht, oder? Werd ich geträumt haben…

Im Ernst, Leute! Duisburger! Geht bitte bald oder besser sofort in diese Sushi-Bar! Dieses Lokal muß der Stadt erhalten bleiben! Denkt dran, wir sind mit Kulturhauptstadt! Probiert und genießt Sushi! Wann und wo, wenn nicht hier und sofort! Hört auf Onkel Lam: „Zzehr g’utt! Zz-ehr zzauber!“ KANA-Sushi!

Verliebt, verlobt, verpeinlicht: Bonner Knutschfleckchen heiratet Zonen-Urschel

5. Oktober 2009

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Direkt nach der Konfirmation hat der kleine Guido seine Mutti geheiratet. Trauzeuge Horst „Ödipussy“ Seemeier macht, was er als Chefdiplomat aus dem Land des Lächelns gelernt hat:  gute Miene zum blöden Spiel. Mutti hätte es ja auch schlimmer treffen können. Immerhin hat der Bub ja gute Anlagen (in Liechtenstein und der Schweiz, glaub ich) und in seinem Alter schon den schwarzgelben Gürtel im Krisen-Weggrinsen. Ein Lausbub, Laumann und Blaumacher von Format wird aus dem frisch verpartnerten Sympath mal werden, comme il faut und cosi fan tutte, Kameraden! Der seit kurzem onanie-abstinent lebende Jungjurist freit keine blonde Barbie mit Atomhupen, der läßt sich von oberflächlichen Sex-Äußerlichkeiten gar nicht erst geil machen, der greift sich lieber die solide abgehangene Maultrommel aus der Uckermark ab, die Kartoffel mit dem Pokergesicht (Royal Flunsch!), von der er mit Recht erhoffen darf, daß sie ihn samstagabends, wenn regierungsfrei ist, auch mal ordentlich stramm übers Knie legt. Erwartungsfroh strahlt das Arschgesicht schon mal über alle Backen. Wie ein kaputtes, notdürftig mit Tesa geflicktes, noch mal kurz „ans Netz“ gehendes Atomkraftwerk.

Hei, das wird bestimmt dann zünftig, scheint auch der Feld- und Wiesn-Freund Seebeißer zu schmunzeln, dem man eigentlich selbst Absichten auf Mutti nachgesagt hatte, nach dem er der ollen Urschel neulich vom Oktoberfest extra ein Lebkuchenherz mitbrachte bzw. ihr vor die Füße legte, wo draufstand, also auf dem Herz, nicht den Füßen, „Angelika du bist unsere Beste“ oder so ähnlich. Aber Horst Seemann lächelt tapfer. Als Diplomat kann er ja auch schlecht zum Juniorpartner und neuen Hausfreund sagen: „Warum grinst du Blödmann denn so verschwiemelt?!“ So etwas sagt ein Brautführer aus der Hauptstadt der Bewegung nicht. Daher kann der bengelhafte Spitzbub und verliebt in seine Zukunft winkende Außen-Ministrant in spe auch nicht antworten: „Ich freu mich so auf die Kohabitationsverhandlungen! Ich schätz, ich steh ganzganz kurz vorm ersten Koitus!“ Mutti pliert dazu wie gerade selbstbefriedigt in die Kamera und deutet mit den Händen an, wie groß die Welle ist, die der Guido machen kann. Ganz schön groß, oder? Und länger als Zonen-Urschels erste Banane im freien Westen!

(Für diesen unreifen Beitrag bitte ich um Entschuldigung. Ich weiß nicht, so kenne ich mich gar nicht. Was ist mit mir los? Warum mir zu diesen Nasen bloß noch Zoten & mühsam unterdrückte Obzönitäten einfallen, ist mir schleierhaft. Ich schätz, für Politik bin ich zu hohl, unernst, albern und oberflächlich…)