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An Old Fart’s Blues

16. Juni 2012

Es perlt

Na, mal wieder Monsum-Zeit im Zwergenwald. Zartgrau rauchtaubenblaue, total verperlte Dämmerstunden in der Nasszelle, zähflüssig wie Rübenkraut auf warmer Margarine. Gehört das denn auch zum sogenannten Leben? In der Schlafwandergruppe: Die junge Zukunftshoffnung am Nebentisch (mademoiselle donneuse la leçons), monopologisiert wie der Dauerregen und redet dabei wie eine Nähmaschine. Monotones Surren, Sticheln, Nadeln. Kommunikativer Kollateralschaden: Singert und pfafft mir Mund und Ohren zu, mit staubgrauem Zwirn. Nerven nadelstreifendünn und fadenscheinig. Dr. Kimble ertappt sich bei Gedankenflucht, dergestalt, dass er sich fragt, was er in dem klebrigen Hier und Jetzt eigentlich ist, macht und soll, was logisch dann freischwimmend schließlich zu funeral-fundamentalen Gedanken über den Tod überleitet und abschweift, oder auch, beispielsweise, warum nicht, zu Gott. Agnostiker mit Stil gedenken durchaus gelegentlich des HErrn, wenn auch nur schüchtern aus den Augenwinkeln schmollend (plus Flunsch wegen andauernder Offenbarungsknappheit).

Obwohl solch metaphysikverliebtes Denken ja selbstredend auch schnell an seine natürlichen, von Immanuel Kant straff gescheitelten Grenzen stößt: Im Grunde geht es bloß um die Frage, wie man es vermeidet, in einem deutschen, beige-grün karierten Pflegeheim zu landen, in dem das Leben unzumutbar und der Tod unerschwinglich ist. Wenn man schon sterben muss, dann bitte nicht im Stuhlkreis mit anderen Demenz-Exzellenzen, besinnungslos in die Hände klatschend und mit einem einfältigen Kinderlied im zahnlosen Mümmelmund. Durch welche Schuld hat man es eigentlich verdient, alt zu werden?

Der neue bundesdeutsche Gesundheitsreport fällt mir da ein, die jüngste Offenbarung des Hippokrates: Die vier apokalyptischen Reiter, Adipositas, Hypertonias, Osteoporosis und der grimme Demenzius auf dem fahlen Pferd, fahren hin über und gegen die Deutschen, auf dass sie diese verderben und definitiv zuschanden reiten. Ach, das Gezwitscher der Ärzte! Und was empfehlen überraschenderweise diese sogenannten, selbsternannten und erzverdammten Ärzte? – Bewegung! Mehr fällt dem Mediziner-Gesindel nicht ein. Ich freu mich schon auf die erste Dementen-Olympiade (paralytic olympics), Diszplinen: Ausbruch aus dem Heim, Hürdenlauf zum alten Zuhause, Verwandten-Erinnern mit Hindernissen. Künftige Medizinhistoriker werden unsere Epoche als die Ära des abgeschmackten Wahns identifizieren, in der „Bewegung“ das definitive Universalremedium für alle Gebresten gefunden zu haben.

Wer glaubt, das Alter, der angeblich schwer eisweingoldene Herbst des doofen Daseins, winke wenigstens, als Trostpreis für Impotenz, Inkontinenz und Indolenz, mit wachsender Toleranz und Gelassenheit, den muss ich enttäuschen. Ihr verwechselt Toleranz mit Resignation und Schwäche. Vitale Senioren erkennt man daran, dass sie an rein gar nichts mehr glauben und ihnen außerdem immer mehr Leute immer verschärfter auf die Nerven gehen. Toleranz heißt bloß, dass man, wie ich, die Zwille in den Schrank hängt und Passanten nicht mehr mit getrockneten Kichererbsen beschießt, sondern es dabei belässt, ihnen trocken hinterzukichern. Mögen sie denken, dieser Kicherer sei der Tod. Vielleicht bewegen sie sich dann ein bisschen, und zwar gerne erstmal aus meinem Blickfeld.

Aber gut, mal angenommen: Wir bescheuerten Fitness-Idioten, allesamt ausgemergelte Bewegungsmelder mit Bundessportabzeichen in ihren goldenen Neunzigern, sitzen nun im Stuhlkreis. Wir sind, was das Schlimmste am Alter ist, in die Hände jüngerer Leute gefallen. Sie klatschen und singen mit uns und führen uns ihren Golden Retriever zu, Emma, eine ganz liebe! Mit zittrigen, arthritischen Händen betatschen wir das blonde Kind, Quatsch, Tier, und erinnern uns wieder. Zum Beispiel an unsere Ex-Frauen. Wollen wir das? Und haben wir dafür dankbar zu sein? Sind wir dafür geboren, so zu enden?

Schon gut, ich hör auf mit dem Schlechte-Laune-Funk. Man soll selbst den Realismus nicht übertreiben. Außerdem: Dauerregen im Juni, Schlafwandergruppe, Gespräche mit der Nähmaschine: Was soll da schon noch Arges kommen? Und jetzt ein Saxofon-Solo.

Keine Bewegung!

18. März 2012

Bewegungsunschärfe ist kein gutes Versteck vor dem Tod! (Quelle: itwissen.info)

Ich muss mich kurz fassen, denn gleich ist es Zeit: Ich muss zum Vergeblichkeitstraining! Vielleicht ist das erklärungsbedürftig. Das Institut entdeckte ich nämlich gerade noch rechtzeitig, man drohte mir bereits mit Apfeldiäten, Sportspazieren und Altersjubel. Horden von homöopathischen Waldorf-Vorkostern verfolgten mich bis zum Gemüse-Türken, das Haus umstellt von Physio- und Psycho-Terroristen, meine Dauerkarte fürs Phantasialand konfisziert. Trinkverbot. – Also schneller Entschluss: Flucht und Verkleidung! In den Untertauchanzug schlüpfen, Tarnkneifer auf, Nase zu und durch!

Mir kam die Zufallsfee zur Hilfe, es regnete, ich stellte mich in einen Hauseingang, und weil es nicht aufhören wollte, las ich aus Langeweile die Inschrift am Portal: „Institut für Negatives Denken“ stand auf dem polierten Messingschild, und darunter, kursiv: „Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind“. Hier war ich richtig, das wusste ich gleich und drückte die Klingel. Die Tür zu meinem neuen Leben schwang auf.

Am Empfangsdesk saß rauchend eine naturbleiche Mondäne, die sterbensmüde in ihr Sektglas starrte. Ohne mich anzuschauen, murmelte sie: „Keine Bewegung!“ – „Wie? Was?“ – zögernd hob ich die Hände. „Erstes Gesetz hier: Keine Bewegung!“ Ich ließ die Hände wieder sinken. „Also kein Seniorenturnen, kein ‚nordic marching’, kein Gehampel auf futuristischen Fitnessgeräten…“, fuhr die Dame fort, „…schaffen Sie das?“ Ich nickte so heftig, dass sie entnervt aufseufzte. „Wir haben noch einen Platz in der Sitzgruppe frei. Wenn Sie wollen? Bringt aber nicht viel…“ – So kam ich zum Vergeblichkeitstraining im Institut.

Vorkenntnis braucht man keine, nur die Einsicht, dass der Tod einen, entgegen der Propaganda der Ärzteverschwörung, auch dann findet, wenn man sich ständig bewegt. Tut mir leid, Ihr Super-Ultra-Ausdauerlebenden, ich verrate euch was: Bewegungsunschärfe ist kein hinreichendes Versteck! Der Sensenmann holt auch hagere Hungerhaken. Vielleicht, mag sein, wie gesagt, etwas später, so dass sie stolz auf ihr langweiliges Gemüse-Dasein ohne Alkohol, Fleisch, Zigarren und gemütliche Couch-Abende zurückblicken dürfen. Na schön, Glückwunsch. Übrigens, was die Apothekerzeitung verschweigt: Auch Ärzte sterben. Obwohl sie ja verrückt nach Bewegung sind und praktisch im Schweinsgalopp leben. Die sollen mal schön still sein, die Ärzte! Ständig zeigen sie unappetitliche Bilder von menschlichen Innereien vor, schneiden saure Besorgnisgesichter dazu und raten, weil ihnen ja sonst nichts einfällt, natürlich zu viel Bewegung im Hamsterrad makrobiotischer Ertüchtigung. Lachhaft!

Vergeblichkeitstrainiert und tiefenentspannt durchschaut man bald das gauklerische Lügengewebe der Diät-Dealer. Freunde, um euch auch diese Illusion zu nehmen: Dünne alte Männer haben bei der Damenwelt kein Gramm mehr Chancen als dicke alte Männer; eine späte Schnitte machen höchstens reiche alte Männer, aber reich wird man nicht durch Diät, höchstens durch Diäten, haha. Ich sag wie es ist. Es ist alles vergeblich. Junggebliebensein ist eine Illusion besonders starrsinniger Alter. Punk ohne Pogo – was soll das? Jung bleiben ist letztlich wie blöd bleiben, wobei letzteres möglicherweise noch erreichbar sein mag. Und also? Schlussfolgerung? Den Gürtel weiter schnallen, der Kulinarik pflegen, erlesene Drogen konsumieren, gelegentlich krasse Sätze der Altersweisheit raushauen. – Wie etwa die obigen.

Kleiner Diät-Song

23. April 2010

Ärzte im Diät-Streit

Kleiner Diät-Song

(Kraska war beim Allergologen)

Nicht Fisch, nicht Flunsch
Und alles ungewürzt nach Wunsch
Nicht Bier, nicht Wein
Kaum Alkohol, an
purem Gin sind hundert
Gramm das Maximum
Vom Blütennektar nur den Seim
Glutamat wär Suizid, und Laktose
Ging ja wohl voll in die Hose,
desgleichen Erbstwurst, Pudelfleisch
und Fertichklops. Kaldaunen? Nein,
(oder nur im Notfall), und vor allem alles
mit Salizylat: Wäre Verrat
an meim
Körper.
Um Chottes Willen bloß keine Nudeln!
Und keine Zahnkrem mit Streifen!
Nur nicht mit Farbstoff besudeln,
und bitte, ja? ausnahmslos neutrale Seifen!
Vom Knäckebrot studiere den Beipackzettel!
Und was ist mit Natriumhydrochlorid?
(Dr. Oetkers Leute mischen doch perfid
Ihren Chemo-Scheiß in jeden Bettel!)
Die Damen: Bitte ein Weilchen kein Sperma schlucken,
die Herren: Solln sich gegen Milchproducken
sperren.
Psychotrope Pilze sind zu meiden, Crystal Myth und Speed
Und Opas Koks, dem Wunsch nach Rausch zum Trotze:
Allergologisch ist das alles Moppelkotze!
Ärztlich untersagt sind ferner Marmeladen,
Muscheln und Mayonnaisen,
sämtliche Säfte, Salben, gefüllte Schokoladen,
Vorderformschinken, analoge Käse-Prothesen,
Pizzen-Streu und nee, auch kein Haferl Knusperflocken,
Wolln Se denn der Herr Dokter seine Diät verbocken?
Nicht Flunsch, nicht Fleisch
Und alles unerwünscht:
das Bier, mein Wein
Und überhaupt der Alkohol! Doch an
purem Gin sind hundert
Gramm das absolute Minimum.

Volle krasse Pestilenzplage: Ärzte! (Scharlatanschamanensalatschurken)

2. April 2010

Bildquelle konnte ich nicht ermitteln - ist möglicherweise urhebrechtlich geschützt


Hat man aber, als robustes Kind und mit Gottes Hilfe, seine Fummelpriester erstmal überlebt, dräut der zarten Seele schon bald neue Gefahr, h’enthsätzlich Pestilennz und voll krasses Grauen der Hölle, und das höret nimmer auf: Das Pestgeziefer der Ärzte, vulgo Quacksalber, Salbader und Salpeterbalbiere! Pfui über die Pfuscher! Zweifellos stürbe man seltener, – triebe nicht im Gewaber der Miasmen, üblen Gerüche und fibrösen Fibrillen (vgl. K. Valentin) der Städte (vgl. die Große Hure Babylon) der sog. Medizyner sein gottloses Unwesen und lauerte, den Sensenmann schamlos untergehakt, auf „Kunden“!

Es bezeugte dies aber schon der große Gelehrte, Menschenfreund und Gott gefälliger Bürgermeister Bordeauxs, der hochgeborene Monsieur Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592):

„In erster Linie ist es meine Erfahrung, die mich die Medizin fürchten läßt, denn soweit mein Auge recht, sehe ich keine Menschen so schnell erkranken und so langsam genesen wie jene, die sich ihrem Machtanspruch unterworfen haben. Ihre Gesundheit wird vom Zwang der Diätvorschriften regelrecht zerrüttet und zugrunde gerichtet, denn die Ärzte begnügen sich ja nicht damit, über die Krankheit das Regiment zu führen, sondern sie machen überdies die Gesundheit krank, um zu verhindern, daß man zu irgendeiner Zeit ihrer Herrschaft entwische.“

Auch sein Landsmann, der ehrenwerte Tapissier und nachmaliger Komödiant des Königs, Jean-Baptiste Poquelin, gen. Molière (1622-1673), wusste schon, was noch schlimmer ist, als die Figur des „eingebildeten Kranken“ – die eingebildeten Ärzte nämlich! Sie sind die Brut und Gesandtschaft des Höllenfürsten, um uns Menschenkindern Verderben zu bringen: Nachtalb, Schleimfluß und Sodbrennen, Pusteln, Pickel und Pestbeulen, Grind, Gicht und Grusel, Siechtum, Wahnsinn und Würgreiz: Für solcher Art namenloses Menschen-Leyd fand man das Wort „iatrogen“, was aber bedeutet: Von dene Ärrzten und Kurpfuschern recht eigentlich und mit Fleiss produzieret.

Seit jeher lebet aber der Mensch und überlebet wohl mancherlei virales und bakterielles Abendtheuer, indem er sich von dene Ärrzte hübsch fern hält und sie meidete wie das höllische Gelichter der satanischen Oberdämonen Luzifer, Urian, Asmodeus, Beelzeboab, Bahometh, Mixa, Mammon, Karius und Baktus! Die fromme Seele schaudert es bis auf den Bodensatz gefrorenen Blutes, wenn sie an die Herren Doctores denkt, die Kunstfehlerproduzenten, die Pharmareferenten und Pillendreher, Abrechnungsbetrüger und Bakterienverschmierer, die frei nomadisierenden Gliedsäger, Schädelbohrer, Zahnreißer und ambulanten Amputierer, das dumpfe, viehblöde Pack der Rezepte-Kritzzeler, der Computerpornographen und selbst ernannten nuklear-medizinischen Scharlatanschamanensalatschurken!

Treibet einen armen Mann aber blanke Noth oder chronifiziertes Ohrenbluten doch einmal zu einem Arzt, was hat der Schelm und Schlehmil da zu erwarten? Was darf er hoffen? Nun, Heilung gewisslich nicht, denn das wäre ja zu einfach. Günstigenfalls verlässt er die Konsultation mit Überweisungsformularen zu fünf anderen Ärzten. Angenommen, ich litte unter „schwerer Diagnose“ wie TV-Dittsches Kunstfigur Herr Karger, und hätte wie dieser auch noch Nervenflattern – ich könnte für die nächsten Monate glatt in Wartezimmerfluchten übersiedeln, jene Lieblings-Biotope von Imbezillen, Amphibolien, Thrombohnen, Naturalinfektionen und anderem Ansteckungsmief von Tröpfchen- bis Schmierinfektion. Brrr. Andauernd muß man seinen Bypass vorzeigen und plagistanischen Gürtelrosenverkäufer abwimmeln. Gesund wird man hier auch nicht, die verschriebenen Gifte und Hexengebräue entfalten indessen ungeheure Nebenwirkungen bis hin zu schwerer Gesichtsverformung, unkontrollierbarer Körperschwellungen und div. gichtigen Gebresten.

Was ich zart andeuten möchte, hier, zwischen Zeilen: Ich bin kein Freund von Arztbesuchen. Dennoch mußte ich zum HNO. Mal nackgucken lassen, den dauerdröhnenden Brummkreiseschädel. Hals, Nasen und Ohren besitzen überraschend viele Duisburger, sodaß an die Organisations-, Verwaltungs- und Rangierfähigkeiten der Empfangszerberusse hohe Ansprüche gestellt – und glanzvoll erfüllt werden.

Herr Schürmann, ein Arzt mittleren Alters und schon an der Grenze zum Melancholeriker, wirkte trotz Streß & Zeitdruck entspannt, beruhigend und auf angenehme, milde Weise überarbeitet. Vielleicht sogar auch leise verzweifelt, ich weiß es nicht. Ich mochte ihn jedenfalls. Er führte allerhand endoskopische Gerätschaften in meine Schädelkugel, leuchtete, spähte, schallte in mich ultra hinein,  ließ es wieder herausschallen und als er irgendwo „Hinterwand-Echo hatte“, machte er ein ausgewogen besorgtes, aber auch nicht zu beunruhigtes Gesicht und stellte mir die Einnahme diverser Sprays anheim.

Ich aber, karfreitagsmäßig optimal eingestellt und zum Schmerzensmann gestempelt, fiebere mich nun, wochenlang vorgekränkelt, durch die Ostertage, verbrauche täglich zwei Kilo „Tempos“ und w’hümpfe alln n fpnöhmes Ohfterfess! Ha-ttschi! –  Mano, nee, werdet bloß nicht krank, Freunde, da liegt kein Segen drauf!

Marmorkuchen, Kaiserschmarrn: Überleben trotz Ärzten

26. Juni 2009
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Er lebe ruhig ziemlich hoch: Josef II. (HRR), Kaiser des Hlg. Römischen Reichs Deutscher Nation, 1741-1790

Überall dasselbe: Historischer Hotzenprotz! London, Paris, Madrid, Lissabon, Brüssel, Wien: Im Eurovision Sightseeing Contest punkten  Metropolen mit Prunk und Pracht. An jeder Ecke alte Schachteln! Mörderische Marmorkuchen bratzen fett, monströs und milliardenschwer in Parks, an Plätzen, am oberen Ende von Alleen und am Saum der Boulevards und Avenuen: Ungeheuerlichstes Un-Getürm, posamentierte Potentaten-Palastpanzer, Schlossallee-Schlösser. Neureiche Chinesen-Touris umkurven den Steinschlamasselsalat mit der Gondel oder dem Fiaker und machen „Oh!“ und „Ah!“. „Klick“ macht es auch ununterbrochen, Asiaten wollen ja Hofburg und Versailles gern als mp3 mitnehmen, im Kopf macht es aber nicht „klick“, weil die Herrschaften kein „L“ aussprechen können, oder weil sie der diensthabenden Niedlichkeitsprinzessin, Fremdführerin Li, nicht zuhören. Quak, Qaack, sagt die gerade, was soviel heißt wie: „Kaiser Nepomuk III.a  errichtete hier ein Sommer-Sanatorium“ oder „Scherzherzog Fürstenschreck-Osterhazy leitete zum Zweck der Türkenabschreckung hier die Donau in den Wienerwald…“ usw. Wie denn, fragt sich der Bildungsferne, in Geschichte immer Geschwänzthabende: Wurde das Habsburgerreich denn von Maurern und Kanalbauern regiert? Ja und nein. Na ja gut, eher nein. Die Knochenarbeit wurde von eigens zusammengekarrten Knochenarbeitern gemacht, aber immerhin auf kaiserlich-königliche Bestellung. Wie? Was fragt ihr? Nicht alle durcheinanderreden! Du da! Was ist deine Frage?

Ob es Kaiser und Könige wirklich gegeben hat? Aber selbstverständlich! Alfons der Viertelvorzwölfte, der Kaiser mit den neuen Kleidern, der Schwiegervater von Aschenputtel und der Chef vom Eisernen Hans – die haben alle wirklich mal gelebt! Ist aber lange her. Heute sind die meisten auf ihrem Pferd versteinert und stehen auf Parkplätzen, oder so Plätzen im Palastvorgarten. Manche kennt man noch: Kaiser Testarossa, Kaiser Schmarrn, Fürst Pückler. Oder eben auch Dings, Kaiser Josef.

„Och nö! Nicht schon wieder Josef! Dann heiß ich ja wie diese ganzen anderen Kaiser alle“, maulte der kleine Prinz. Na gut, hieß es in Hofkreisen, dann nennst du dich eben … Josef II. –

 Als Josef II. geboren wude, 1741 in Wien, gab der Palast eine Presseerklärung heraus, die heute noch grooved:

 „Heute in der fruhe zwischen 2 und 3 Uhr seynd Ihre Majestät die Königin zu Hungern und Böheim (sic!), Erz-Hertzogin zu Österreich, unsere Allergnädigste Landes-Fürstin und Frau eines schön- und wolgestalteten Ertz-Herzogen zu unaussprechlicher Freude Allerhöchster Herrschaften wie auch zum höchsten Trost alhiesiger Inwohner und gesammter Königl. Erb-Königreichen und Landen glücklichst entbunden worden; von welcher glüklichen Entbindung alsogleich der Ruf mithin ein immerwährendes Jubel-Geschrey durch alle Gassen noch bey eitler Nacht erschollen. Von dieser glücklichen Entbindung seynd auch die Nachrichten mittels Abfertigung einiger Kammer-Herren, Truhsessen und respektive Expresso an unterschiedliche auswärtige Höfe abgefertigt worden.“

 „Ein immerwährendes Jubel-Geschrey durch alle Gassen noch bey eitler Nacht“, das kennt man sonst nur von der Fußball-WM, aber der kleine Säugling vom Mutter Maria Teresia hatte es verdient! Schon früh widmete sich der Kaiserlehrling der Aufgabe, sich beim Volk unvergesslich zu machen, etwa durch sorgfältig und systematisch organisierte Ausbeutung Ungarns, der Tschechei, Rumäniens, Serbiens, Kroatiens, Sloweniens, Norditaliens usw., denn eine Hofburg oder ein Schloß gibt’s ja nun nicht auf Bausparvertrag. Josef II. hat aber auch viel fürs Volk gemacht. Hauptsächlich Vorschriften, und zwar für alles und jedes. Er galt ein bisserl als Pedant, weil er der Bevölkerung sogar vorschrieb, wieviel Kerzen sie bei einer Beerdigung anzünden sollten. Außerdem verbot er den Genuß von Pfeffernüssen, von denen er irgendwo mal gelesen hatte, sie seien gesundheitsschädlich.

 Gesundheit war ihm überhaupt wichtig! Deshalb ließ er 1784 den Narrenturm bauen, um psychisch Kranke zu pflegen – damals revolutionär. Das Gebäude hat 5 Stockwerke mit je 28 Zellen, weil das für Josef, einen Anhänger der kabbalistisch-astrologischen Zahlenmystik, irgendwas bedeutet hat. Auch Monarchen pflegen Marotten. Es heißt, Kaiser Josef II. hätte sich im Narrenturm ein eigenes Studierzimmer einrichten lassen,  weil dort, hoch im obersten Stock, die „geistige Energie“ besonders stark gewabert habe, die der Kaiser habe tanken wollen oder so, vielleicht war der Habsburger insgeheim ein Feng-Shui-Anhänger? Nein, aber gehörte dem Geheimbund der Rosenkreuzer an, und deren Vorstellungen waren spinnert genug.

Anderen Spinnern war der aufgeklärte Absolutist eher abhold: Er drängte den Einfluß des katholischen Klerus zurück, befahl religiöse Toleranz und löste alle Klöster (700!) auf, die keine produktive Arbeit leisteten. Im übrigen düste der Kaiser in seiner Kutsche rastlos inkognito quer durch Europa, um als „Graf Falckenstein“ so seine Erfahrungen zu machen, zu denen es wohl auch zählte, über den Kaiser, den Hundsfott, schimpfen zu hören. Allerdings wussten die meisten Menschen schon bescheid, wenn „Graf Falckenstein“ auf Tour war: Sie zogen ehrerbietig die Hüte und riefen: „Grüß Gott, Herr Kaiser!“.

Ein späterer Nachfahr des Kaisers, Franz Joseph, hat in Wien ein Hutmuseum begründet. Das nebenbei. Die damals geschwenkten Hüte könnten also evtl. besichtigt werden.

Dort, wo Josef II.  den Narrenturm bauen ließ, befanden sich bereits Armen- und Pesthäuser sowie ein Militärspital und eine Feldscher-Schule, Einrichtungen, die der Kaiser zu Wiens größtem und (damals) modernsten Krankenhaus zusammenfasste, welches man deshalb, mit gewissem Recht und zweckmäßigerweise, „Josephinum“ nannte. Das Josephinum gibt es noch heute; neben diversen Uni-Instituten beherbergt es die „Sammlungen der Medizinischen Universität Wien · Josephinum“, eine der bedeutendsten, in Jahrhunderten gewachsenen, komplett erhaltenen medizinhistorischen Sammlungen der Welt. Hier läßt sich studieren, warum die Leute, die damals überlebten und ein respektables Alter erreichten, es zumeist TROTZ der Ärzte taten, und nicht wegen. Ob dies heute natürlich vollkommen anders ist, darüber darf man denken, was man will – nicht zuletzt aufgrund der emsigen Aufklärungstätigkeit des großen Kaisers Josef II., von dem die Leute erst merkten, daß er eigentlich doch nicht so ein übler Patron gewesen war, als sie in den Genuß der Regentschaft seiner erzreaktionären Nachfolger kamen.

 Ansonsten wäre noch zu sagen, daß der Kaiser das engelhafte Originalgenie Wolfgang Amadeus Mozart dankenswerterweise generös mit Opernaufträgen bedachte. Hoch lebe daher, wenn auch nicht ganz so hoch wie’s Wolferl, der Kaiser Josef II.! Ihm, der 1790 an Tuberkulose starb, folgte sein Bruder, Leopold II. Da war erstmal Schluß mit lustig und mit Meinungsfreiheit.