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Placebo gegen Unkkultur

6. Februar 2014
Kunstunke (Wikipedia)

Kunstunke (Wikipedia)

Was auch einmal mit Herz und Leidenschaft angeprangert gehört, ist die obwaltende Unkkultur. Kein Tippfehler: Es wird zu viel geunkt! Zum Beispiel über den Verfall gutbürgerlicher Dienstfertigkeit beim Verkaufspersonal. Diesbezüglich machte ich neulich eine beglückende Erfahrung, da ich – durchaus ernsthaften – Anlass hatte, in meiner Stamm-Apotheke zu fragen: „Führen Sie auch Placebos? Ich meine – bewusst?“ Es war nämlich so, dass ich in meinem medizinphilosophischen Seminar plante, zum Einstieg an die Teilnehmer Placebos zu verteilen, als Gag, Gimmick und um mal zu gucken, wie die so wirken. Oder ob. Das vorbildliche Pharma-Fräulein fühlte sich nicht im mindestens veralbert, sondern beschied mir höflich, man führe so etwas generell zwar nicht, könne es aber ohne weiteres – mit Milchzucker – für mich herstellen, nur – sie dachte auch noch mit! – dass Problem sei ja wohl eher, an eine autoritativ aussehende Verpackung zu kommen. Cool, oder? Wahrscheinlich hätte ich fragen können, ob es Tabletten gegen zu große Damenfüße gibt, und sie hätte mich milde lächelnd auf ein Schuhgeschäft hingewiesen, da Schuhe in der richtigen Größe gesünder sind als Tabletten, die in diesem Fall eh nicht viel hülfen.

Gegen das Fernseh helfen auch keine Medikamente. In einer irgendwie aus dem Ruder gelaufenen Schnaps-und Nebelaktion fand ich mich neulich unversehens vor dem Fernseher umnachtet. Das Botox-Trio Geschwister Fürchterlich krähte frenetisch: „Komm ohne Hembd, komm ohne Hembd / Zu uns ins Duschgel-Camp / das Glitschi-Glitter-Duschgelcamp!“ und fump, fump, hatte ich den Mund voller Ohr- oder Drehwürmer. Feinkost Käfer! lieferte dazu Sumpf mit Matsche, dann Werbung für Stützstrümpfe. Angora-Omas vom QVC tanzten den Pailletten-Swing, eine Silikonikone bat dringlich Ruf! Mich! An!, worauf ein Professor stracks dem Zucker den totalen Diätkrieg erklärte, was mich in einen zuckersüßen Film der ARD-Tochter Degeto spülte. Diese Filme sind das Koks der Armen („Degeto to go“), sie spielen im Dreiländereck Irland-Schweden-Bretagne, und dann ist da meist eine blonde Frau, die hat einen Mann und es ist eitel Urlaub, es kommt zu dezenten Paarungsvergnügungen, aber wegen der noch kindlichen Zuschauer wird der Orgasmus nur vorgetäuscht. Dann kriegt der Mann einen Haschmich und ist plötzlich weg, aber die Frau will nicht an Tod und Witibtum glauben, sondern macht sich auf die Suche bzw. die Socken, reist kreuz und quer durch die strukturschwache, aber blitzadrette Region, und am Happy-Endpunkt findet sie den Mann wieder. Er hatte seine Gründe, aber Hauptsache, er lebt! („Degeto ergo sum“). Dazu fidelt André Richelieu auf der Rosshaargeige, bis man matt und weinerlich ins Bett steigt, die Geschicke der Welt beseufzend.

Von Haus aus bin ich eigentlich mehr ein Ächzer als ein Seufzer, aber dennoch, ausgiebig beseufzte ich vor Tagen einmal wieder den Zustand der Gegenwarts-Kunst. Ebenfalls nämlich im Flachbildland zeigte man mir eine aus echtem Schweizerholz geschnitzte Schweizerreportage über einen Schweizerkünstler, der nach langen verschneiten Winternächten folgende Idee ausbrütete: Er ließ eine große Holzhütte bauen (schon mal gut, odd’r?), stellte diese auf vier Skateboards (irre!), hieß seine Helfer die Hütte per Drahtseil einen schneebedeckten Hang hochziehen (wie kommt man bloß auf sowas!), um, oben angekommen, das Seil zu durchtrennen – sodass die Hütte den Hang wieder herunterrutschte. Es war … aufwühlend. Die ortsansässige Bergbauernbevölkerung, zum Kunstgenuss abkommandiert, applaudierte dazu mit der ihr eigentümlichen Schweizerbedächtigkeit.

Schau an, dachte ich, nicht ohne Rührung: Es ist doch nicht ALLES „grundsolide“, was man in der Schweiz treibt und produziert. Es blieben indes Fragen offen: Hatte ich jemals schon einmal etwas brunzdummeres, hirnloseres, geistferneres, langweiligeres, inspirations- und humorfreieres gesehen als diesen Hüttenkäse-Kunsthonig? Und wann hat dieser Scheiß eigentlich angefangen? Mit Duchamp schon? Oder war es erst der Scharlatanschamane Beuys, der die Türen weit aufgestoßen hat zum Kinderparadies offensiver Talentlosigkeit? Immerhin, diese Sache mit dem Hasen und das mit dem Schakal, das war wenigstens noch hochkomisch, wenn auch unfreiwillig, aber heute, scheint’s, hat die Beliebigkeit den Siedepunkt erreicht, wenn man das so sagen darf und Beliebigkeit überhaupt so heiß wird. Aber ich will nicht unken. Sondern lieber in einer angesehenen Galerie zu einer Performance einladen, wo ich mir mit extrem feierlichem Gesicht und bedeutungshochschwangerer Körpersprache ächzend die Schnürsenkel binde. Dann gehe ich mit dem Hut herum. Ich nehme auch Schecks.

New Year’s Hangover

1. Januar 2014
Wer zählt die Tage?

Wer zählt die Tage?

Ein bißchen hab ich von der Silvesternacht noch einen Kater. Aber warum heißt das eigentlich so? Niemand kann mir das erklären*. Warum jammert man nicht: Menno, ich habe vielleicht ein Mordskänguruh? Oder ein verflucht schlimmes Nacktnasenwombat, nur beispielsweise? Ich selbst besaß früher einmal einen Kater, er hieß originellerweise Tiger, aber außer dass er etwas streng roch und immer versucht hat, die Sofalehne zu vögeln (sagt man bei Katzen überhaupt vögeln?), war das ein ganz liebes Tier, ein ganz liebes. Weder hat er mir den Magen umgedreht noch im Kopf herumgehämmert wie blöde. Manchmal kapiere ich Metaphern nicht, da liegt irgendeine Blockade vor. Kann die mal jemand wegmachen? Ich wage jetzt auch mal eine Metapher, die nicht jeder verstehen wird, und zwar: Ein Jahr ist eine Tüte Chips. Oder, Moment, vielleicht besser: eine Tüte Erdnussflips. Genau! Ich darf kurz einflechten, dass die Erdnuss gar keine Nuss ist, sondern eine Hülsenfrucht; dies zu wissen kann Partys bereichern und einen in den Mittelpunkt einer faszinierten Damenwelt stellen, von der man rotwangig angestaunt wird. Was der alles weiß! Zurück zur Erdnuss. Kürzlich sah ich das Plakat einer Gutmenschenorganisation, da stand drauf: Problem: Kinder weltweit verhungern. Lösung: – und als Lösung war da dann eine Erdnuss abgebildet. Eine  (1) einzelne Erdnuss! Das muss man sich mal vorstellen: Da streckt einem ein armes Negerkind – früher hatten die sowas und das hieß auch so: Negerkind – streckt einem also verzweifelt die dürren Hungerärmchen entgegen, und was tut man als saturierter weißer Scheißer? Man wirft ihm eine (1!) Erdnuss in den Schoß. Welthunger-Problem gelöst! Soviel zum europäischen Humanismus, Leute. Das prangere ich an! Das muss sich ändern!

Eine Tüte Erdnussflips also, und zwar, es ist doch so: Mitten in der Nacht sagt man Prost! und reißt eine Packung dieser köstlich-knusprigen, würzig-fettigen, mit naturidentischen, indes enorm Sucht erregenden Aromastoffen aufgepimpten Erdnussmehl-Würmchen auf, weil man nur mal probieren will, ob die heutigen noch so schmecken wie in der Kindheit die guten von der Fa. Bahlsen – und zack! ist die Tüte, man weiß nicht wie, schon leer geknuspert. Das ganze Jahr kurzerhand eingepfiffen, wegschmaust, uffjefressen, komplettamente. Boah! Schon kommt die Gattin, guckt streng und äußerst sich kritisch: Sag mal, hast du etwa die ganze Tüte 2013 einfach mirnichts dirnichts weggefuttert?! Muss ich wohl. Die Packung ist jedenfalls leer und das Jahr konsumiert, als wäre man nicht dabei gewesen. Viel war ja auch nicht. Von den Naturkatastrophen ist mir nur die in Erinnerung geblieben, wo die ARD vorher schon zwei Extras gesendet hat, und dann kam der Orkan hinterher gar nicht. Emmissio praecox, wie wir Altklugsprachler sagen. Und sonst? Krisekrisekrise, Skandale, Randale („Rote Flora“, die Arschgeigen), dann wieder Krise, dann Krieg. Massakermassakermassaker: Rattarattata! Austattung von der Firma Heckler&Koch, weltweit tätiger deutscher Mittelstand. Apropos Rüstungsindustrie. Irgendein frommer Leitartikelidiot maulte kürzlich, die bösen Israelis würden ihre Waffen an den armen, friedfertigen Hamas-Arabern „ausprobieren“. Ja – sollen sie es besser in Deutschland tun? Vielleicht in der Redaktion der ZEIT oder der Süddeutschen? Oder, horribile dictu, an Peter Scholl-Latour? No way, sagt Helmut Schmidt, die uralte Morla, das Orakel der bleiernen Zeit.

Wo ich bei Blei und Orakel bin – ich mache mal den Nostradamus von Notredame und verrate, wie das Jahr 2014 werden wird (damit die ARD ihre Sondersendungen planen kann): Zuvörderst wird irgendwo das Meer überschwappen und evtl. Mitmenschen ersäufen, was uns betroffen macht, aber auch nicht so sehr, dass wir uns anderntags nicht schon wieder mit anderem Grusel verwöhnen lassen. Es wird ein bisschen schneien ( ARD-Extra: „Ganz Deutschland versinkt im Schneechaos“) oder auch nicht, was wahlweise als Indiz für Erderwärmung, Klimawandel oder neue Eiszeit bekakelt werden wird. Später wird es etwas wärmer („Ganz Deutschland stöhnt unter der Hitzewelle“). Kaum ist das durchgestanden, wird ein Minister in flagranti erwischt, mit der Hand in anderer Leute Knabbergebäck-Tüte. Aufschrei! Dann Fortschritt durch Rücktritt. Guido Westerwelle wird vor einer weltweiten Erdnussölkrise warnen. So Anne Will. Dann schließlich die wirkliche Katastrophe: Dreitägiger bundesweiter Stromausfall (Sondersendung der ARD: entfällt). Die Züge der Deutschen Bundesbahn werden danach zwei Jahre Verspätung haben, die Wirtschaft bricht zusammen, die Deutschen hungern. Die Unesco schickt jedem Bürger eine Erdnuss. Rettung! Puh, das war knapp! Überdies werden wieder mehrere betagte Mitmenschen den Löffel abgeben. Ein Berufskraftfahrer wird sich böse den Kopf anstoßen (Extra: „Ganz Deutschland betet für Idol Schumi!“), aber nee, Augenblick, das war ja schon. Am Ende aber, so weissage ich, wird es eine bundesweite Finsternis geben, die Menschen werden sich betrinken, Polytox-Cocktails in den Himmel werfen und eine neue Tüte Leben aufreißen, sofern beide Hände gesund drangeblieben sind bei der Knallerei. Und dann die Tüte. Lecker neue Erdnusslocken locken. Bitte, greift nur zu! – Ausblick auf 2015: The same procedure as every year: Die Menschen werden einen Kater haben.

 *Wer das unbedingt wissen will, der klopfe hier an: http://www.gfds.de/sprachberatung/fragen-und-antworten/uebersichtsseite/einen-kater-haben/

Sind wir nicht alle ein bisschen Jude?

28. November 2011

Karl Kraus und Henryk M. Broder ermitteln: Eine jüdische Großmutter haben wir doch alle!

Man soll den Namen des Herren nicht missbrauchen, ich weiß, aber: Gott steh mir bei und erwecke mich wieder! Kürzlich wurde ich von einer Netzbekannten angegangen, warum ich immer am Islam nörgle, aber selten an den Christen oder am orthodoxen Judentum. Antwort: Nu, nebbich, sind halt meine Leit! Außerdem, was letzteres angeht: Warum denn? Alte Leute ziehen komische Hütchen auf, binden sich Handtäschchen um den Arm, schaukeln hospitalisierend hin und her und singen unrhythmische Lieder. Warum soll ich das kritisieren? Weil es so uraltehrwürdiges Brimborium ist? Phhh, muss ich denn mitmachen? Ich spreche nicht mal Hebräisch; eine Unterredung mit JHW wäre definitiv ein unter atmosphärischen Störungen zerbröselndes Ferngespräch mit einem sehr, sehr entfernten Verwandten, einem Urgroßonkel etwa, der es in äußerst begrenzten Arealen Israels evtl. regnen, blitzen oder donnern lässt.

Mitmachen muss ich freilich das parareligiöse Ritual des allsonntäglichen Tatort-Guckens. Das ist ein Gebot des Herrn, bzw. der Gattin, die es nicht ausstehen kann, wenn ich beim Heiligen Krimi-Dienst mal kurz wegdämmere. Egal, wie strunzdoof und grottenlurchlangweilig sich das Geschehen am Rande vollständiger Stagnation hinschleppt; unbeschadet der krudesten Plots, der debilsten Klischees und komplett spannungsfreien Beton-Dramaturgien öffentlich-rechtlicher Geistesverkümmerung – blanken Auges staunend und hellwach soll ich den hölzernen Dialogen lauschen, die man vor Überdruss schon ganz erstarrten Mimen ins Hirn gedübelt hat, soll bestürzend öden Vorhersehbarkeiten und entsetzlich magersüchtigen Scherzen Interesse abgewinnen und auch noch ausdauernd wissen wollen, wer der Mörder ist, auch wenn mich das zumeist einen Scheiß interessiert.

Generell seh ich dem Sonntag also eh mit Blümeranz entgegen; ob ich das durchhalte? Wenn ich zum Essen schon zwei Glas Wein getrunken habe, und das lässt sich aufgrund der guten Küche daheim selten vermeiden, muss mich ein Fernseh-Krimi schon zu fesseln vermögen, und sei es durch Originalität oder Spannung. Heute aber war es mal wieder eine Tortur! Volle viereinhalb Stunden dauerte der Tatort, was die Gattin aus apologetischen Gründen natürlich bestreitet, und es nahm der Ödnis kein Ende. Seit dieser Märznacht 2007, als die ARD nachts eine Zugfahrt von Oranienburg-HBF nach Zwickau-Ost übertrug, hab ich nichts Nervenverzehrenderes, Ennuierenderes und Blutdrucksenkenderes mehr gesehen. Die Handlung, wenn man das so nennen will, war so spannend wie ein Filzkügelchen im Bauchnabel, fade wie feuchtes Graubrot und zäh wie alter Pizzateig. Heroisch kämpfte ich mit dem Schlaf, konnte aber nicht immer gewinnen.

Damit aber nicht genug. Die Politkommissare, Justiziare, Sozialpädagogen und volkserzieherischen Berufsgutmenschen der öffentlich-rechtlichen ARD-Anstalt hatten sich zusammengesetzt und sich gesagt: Jetzt packen wir einfach mal ein hochbrisantes Thema an: den Juden nämlich! Der Jude ist bekanntlich ein heißes Eisen! Wir machen das aber ganz, ganz unverkrampft und betont ausgewogen. Damit uns der Jude, der bekanntlich die Medien beherrscht und habituell zu Empfindlichkeiten neigt, nix kann, streuen wir jede Menge Schulfunk-Belehrungen ein („Das Judentum ist eigentlich keine Religion“) und zeigen ihn als was? Genau! Als ganz normalen Menschen! Auch der Jude nämlich, wer hätte das gedacht, schwängert seine Geliebte, lügt, betrügt, schubst Fieslinge die Treppe hinunter und verrät andere Juden (was ihm allerdings nicht gut bekommt: Er wird gerechterweise gemeuchelt, denn der Jude richtet bekanntlich „Auge um Auge, Zahn um Zahn“). Auch der Jude, stellen wir emanzipiert-erleichtert fest, ist ein Schlawiner, ein Verdächtiger, ein zurecht von der Polizei Observierter! Das meinen wir aber gerade eben nicht anti-semitisch, sondern total integrativ: Der Jude ist auch bloß wie wir. Nach 65 Jahren hat er das Recht auf eine gewisse Durchschnittlichkeit.

So viel Mut fordert natürlich seinen Preis: Schlotternde Knie, Angstschweißperlen auf der Stirn, Schwindelgefühle. Was wird der Zentralrat sagen? Wird „Haaretz“ einen Artikel bringen? Broder intervenieren? Na ja, ARD eben. Also lässt man den Rebbe zwischendurch allerhand Weltanschauliches und Pseudo-Philosophisches aufsagen, und der bayrische Kommissar zeigt auf seine lange Nase, um anzudeuten, dass die Deutschen letztlich eventuell, wer weiß das schon, auch nur Juden sind. Wer noch nie in einer Synagoge war oder in a Schul, der bekommt noch gezeigt, dass der Jude, wenn er unter sich ist, zwar exotische, aber im Grunde harmlose Bizarrerien pflegt. Dass man dort Christenkinder schlachtet, ihr Blut trinkt und aus ihrem rosigen Fleisch Mazze macht, wurde dankenswerterweise dezent ausgespart. Außerdem wurde so oft „Shalom Shabbat“ gesagt, dass einem ganz muggelig zumute wurde! Fazit war jedenfalls nach mehreren Stunden, dass der Jude zwar befremdlich, aber sonst ein ganz okayer Mitbürger ist, der gar nicht möchte, dass man sich bei ihm permanent für den Holocaust entschuldigt. Selbst der jüdische Mörder „Aaron“ konnte für seinen Mord nichts dafür, weil er behindert war, was irgendwie damit zusammenhing, dass seine Eltern in Israel bei einem Selbstmordattentat zu Tode kamen und er von einem Rabbiner aufgezogen werden musste, was natürlich strafmildernd wirkt. Zum formidablen Schluss, ich biss schon in die Tischkante, fuhr der Münchner Kommissar endlich mal nach Dachau, um sich moralisch dekontaminieren zu lassen.

Spät in der Nacht aufgewacht, hatte ich zwei Dinge besser begriffen: Warum der katholische Jude Karl Kraus fand, dass „gut“ das Gegenteil von „gut gemeint“ sei und wieso der atheistische Jude Henryk M. Broder behauptet, Philosemitismus sei die andere Medaillenseite des Anti-Semitismus. Die Gattin war trotzdem nicht amüsiert. Wenn  ich laut schimpfe, nervt sie das; wenn ich meine Kritik subtil und gewaltlos durch kommentarloses Einschlafen äußere, genügt ihr das auch nicht.

Nächstens werd ich mal ernsthaft eine Polemik gegen das orthodoxe Judentum erwägen, um meinen Islam-Fans eine Freude zu machen. Der Gesang in der Synagoge ist ja nun wirklich voll uncool! Ferner gelobe ich, irgendwann eine Kipa aufzusetzen und dem unbekannten Gott dafür zu danken, dass er mich nicht unter die öffentlich-rechtlichen Pharisäer geschmissen hat! – In diesem Sinne, Nachbarn: Nächstes Jahr in Jerusalem!