Aus Hölderlins Papierkorb


Oh so heilig-nüchtern der Blick des Greises auf
Die Jugend: Wie sie geht und sich bewegt, die Haare fönt und
Sich im Tanze dreht, des reschen Leibes Schönheit im Genusse
Pflegt und von sich selbst die höchste Meinung hegt und es
Schwant der glatten sorgenfreien Stirn noch kein Verdruss:
Still ruht von Zweifeln bar das Hirn –
Haupt und Alabasterknie aus lautrem Marmor und mondenrund.

Von den sauren Mühn des Sports aber wissen sie nichts und noch
Aller Diäten ledig schwingt sich des Lebens große Feier unbeschwert
Von Ast zu Ast und singt den Jubel des Vogel-Seyns: frei! Frei
Will ich sein und vor allem ein Ich! das wie Narziss im Sommerloch
Gähnend mit sich selbst verkehrt, in seinem Nabel bohrt und unbelehrt
Vollkommen ist wie Spiegelei.

Seinesgleichen sucht aber der Abend am Samstag. Der Götter Glocken
Rufen zur Party, lockender Nektar schäumt und die fromme Mutter spendet
Nudelsalat zu laben die strotzenden Glieder der Lieben – ihr Frohlocken
Und Jauchzen ist Lohn genug für das Hudeln am Herde, denn es wendet
Doch immer alles zum Wahren und Guten sich, worauf von Ferne zärtlich
Der sanfte Blick der Mutter ruht: Auf den satten Wiesen

Weiden unter ihrer klugen Hut die Herden wohlgenährter Kinder, die
Kugeldumme, herrliche Brut der Tugend: Jugend, du …

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5 Kommentare - “Aus Hölderlins Papierkorb”

  1. puzzle Says:

    Ein sprachlicher Quell der Wonne alles, mein Liebling ist aber das aus dem Dialekt heraus zu Höherem berufene „Hudeln am Herde“ haja.

  2. 6kraska6 Says:

    😉

  3. eukapirates Says:

    Is das Foto von dir?
    Falls ja: wo geschossen? (Ich meine selbstredend: wo im Ländle?)
    Höchst köstlich…

    • 6kraska6 Says:

      Nein, leider, leider, dieses Foto hab ich nicht nur nicht selber geschossen, ich weiß nicht mal, wers war! Aber ich fands soo schön, dass ichs verbreiten musste….

  4. eukapirates Says:

    Ja, wirklich ganz arg zabuerhaft!
    Schade, das mit der Urheberei, wär interessant gewesen, aber so geht’s eben heut 😉


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