In der Brezelstube (Schöner werden!)


Frisur schon mal klasse, aber ein paar Längsstreifen wären kleidsam! (Foto-Quelle: Wikipedia)

Ich habe eine neue Lieblings-TV-Sendung entdeckt, bedeutend unterhaltsamer und stimmungsaufhellender als die allenthalben misslichen Koch-Shows, worin bekanntlich am Herd unentwegt geredet und konversiert, gefrotzelt, gealbert, gesungen und getanzt werden muss, was den Ergebnissen kulinarischer Aspirationen sichtlich nicht zum Segen ausschlägt, denn anspruchsvolle Gerichte, das weiß ich aus eigener Erfahrung, erfordern bei der Zubereitung fokussierte Konzentration, deren permanente parapraktische Störung Soufflés , Sabaione und Tornedos à la Rossini zu verpampten bzw. verkohlten Enttäuschungen missraten lässt. Das ist schon in der heimischen Küche unschön, aber solcher unter Beteiligung immer der gleichen eitlen Ein-Sterne-Köche erfolgenden Katastrophenanbahnungen auch noch als Zuschauer beiwohnen zu sollen, scheint mir, obschon man wenigstens nicht essen muss, was dort zurecht gefrickelt wurde, dennoch als mehrheitlich inakzeptable Zumutung.

Anders die von mir bei ZDFinfo enchantiert verfolgte Frauenaufbrezelungsschau „schick & schön“, ein Unternehmen mit dem unumwunden angestrebten, löblichen Ziel: „Unsere Frau soll schöner werden!“ Um möglichst dramatische Kontrasteffekte zu erzielen, castet man jeweils Stücker drei Damen, die von der Natur in ästhetischer Hinsicht etwas stiefmütterlich bedacht wurden, je graumäusiger, verhuschter und plumper, desto besser; dünne Haare, dicke Hüften und grässliche Textilien sind erwünscht, desgleichen, dass die Kandidatinnen daheim keinen Spiegel besitzen und sich, wiewohl erwachsen, die trutschige Oberbekleidung noch von Mutti kaufen lassen.

Dann geht es los! Die Stiefmütterchen werden von einer Stil-Gouvernante erst einmal zum Friseur geschleift, wo auf betont verwegene Weise aufgepuschelt, gelockt, gebügelt, geschäumt, schräg geschnitten, extendiert, gefärbt und mit Strähnchen versehen wird, was zuvor bloß so Haare waren. Hei, was für Erwachen, wenn die frisch Geföhnten erstmals in den Spiegel schauen dürfen! Einer bis dato biederen Verwaltungsangestellten hatte man zum Beispiel einen leuchtorangenen Bubikopf verpasst, mit dem sie auf jedem tschechischen Straßenstrich reüssiert hätte, und zwar besonders auch im Dunklen. Zaghaft meldete sie etwas Gewöhnungsbedarf an.

Dann geht es weiter in die Retusche, zweite Phase der Totalrenovierung. Den bislang ungeschminkt und blass durchs Leben stolpernden Pfannekuchen werden Gesichter gemalt! Als Mann ist man spätestens jetzt frappiert: Die virtuosen Visagistinnen sind wahre Zauberfeen der tuschkastengestützten Gesichtsherstellung! Die vormaligen Pumpernickel sind nicht wieder zu erkennen und sehen jetzt aus wie aus dem Fernsehen gepellt. Am liebsten würden die frisch gestrichenen Lidschattengewächse in Freudentränen ausbrechen, aber das geht natürlich nicht, da es die ganze mühselige Kunstmalerei ruinieren würde.

Schließlich die Vollendung: Die Ex-Entlein steigen aus ihren Kartoffelsäcken und werden in schickes Schwanen-Outfit eingewickelt. Bucklichtes wird gestreckt, zu Breites mit Längsstreifen kaschiert, mangelndem Selbstbewusstsein mit kessen Farbtupfern und Accessoires aufgeholfen. Ich lernte dabei, dass sehr starke, große Mädchen unbedingt kleine Handtäschchen vermeiden sollten, weil diese die Proportionen ins Ungute verzerren.

Generalüberholt und rundum aufgebrezelt werden die strahlenden Sahnetörtchen dann ihren Familien zugeführt, welche spitze Schreie ausstoßen, sich geblendet die Hände vors Gesicht schlagen und beteuern, ihre Mädels nicht wieder zu erkennen, was allgemeinen verdienten Jubel auslöst. Ich stimme schmunzelnd mit ein, obwohl ich mich frage, ob meine feministischen Kampfgefährtinnen diesen Humbug wohl ebenfalls goutieren würden. Aber was solls – unser Land ist wieder ein Stück attraktiver geworden.

Um die Show in vollen Zügen genießen zu können, sollte man dazu ein wenig leichten Weißwein genießen, einen frischen Heurigen aus dem Wienerwald vielleicht, gut gekühlt und ruhig reichlich davon, gilt doch das bekannte Sich-Frauen-schöner-Trinken hier als wohlwollender Zuschauerbeitrag, mit dem man nicht knausern sollte!

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12 Kommentare - “In der Brezelstube (Schöner werden!)”

  1. erinnye Says:

    Lieber Mag. Kraska, ich solidarisiere mich hier ausdrücklich mit allen pfannkuchengesichtigen, graumäusigen, trutschigen und pumpernickligen Frauen. Das Problem ist nämlich: Die meisten Männer sind ebenso pfannkuchenbetont, mausgrau und pumpernickellastig, oft haben sie zudem falsche Zähne, hässliche Krawatten, und Achselschweißprobleme, nur haben sie überwiegend – im Gegensatz zu den Frauen – noch nicht einmal die AMBITION, sich zu verschönern. Und leider muss man sich viele Männer nicht nur schön trinken, sondern auch noch geistvoll. Da hilft nur hochprozentiger Absinth.
    Mit feministischem Gruß
    (Danke für den Artikel, extrem amüsant, wie stets)

  2. 6kraska6 Says:

    Liebe Erinnye, nichts anderes hatte ich im Sinn. Ich betreibe Fernseh-, nicht Frauenkritik…

    • erinnye Says:

      Das hätte ich an dieser Stelle auch gesagt … Bezüglich des Absinths muss ich mich korrigieren, im Prinzip wäre hochprozentiger Mythylalkohol empfehlenswert. Er bewirkt ja bekanntlich nicht nur die Ausschaltung sämtlicher kognitiver Prozesse sondern führt darüber hinaus auch zur Erblindung, beide Effekte könnten in gewissen Situationen hilfreich sein.

      • richensa Says:

        Indeed, erinnye, warum gibt es solche Fernsehformate nicht auch für Männer! Sobald frau sich des wochenends in der Innenstadt umschaut oder gar während der Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Potential eines solchen Formates offensichtlich!

  3. rotewelt Says:

    Bekäme ich diesen Sender rein, würde ich die Sendung bestimmt auch schauen, ich liebe das. In Frauenzeitschriften gibt es ja auch machmal diese Vorher-Nachher-Bilder – und bisweilen sehen die Frauen nachher schlechter aus, müssen sich aber schöner finden.
    Schade, dass es sowas nicht für Männer gibt, aber die Quote…. Wobei…, Frauen würden dann sicher gern einschalten und vielleicht ihre Kartoffel auf dem Sofa versuchen zu motivieren, sich auch zu verschönern…

  4. Lakritze Says:

    Hahaha! Hach, Magister, ohne diese Ausflüge ins abendliche Fernsehprogramm würde ich popkulturell doch vollends auf der Strecke bleiben. Verbindlichsten Dank.
    Solche Formate werden ernstlich von Zuschauergebühren finanziert? Sollten da nicht die Kosmetikfirmen sponsern, wenn nachher alle Welt ihr Geld in Verschönerungsgeschäfte trägt?

  5. oachkatz Says:

    Naiverweise stresst mich da mein eigenes Unvermögen, der dreimonatlich zu entrichtenden GEZ-Gebühr nicht entronnen zu sein. Käme das Ganze auf ProSieben und Konsorten, würde ich es anschauen, um mich gebührend (no pun intended) zu echauffieren und heimlich zu lernen. So aber boykottiere ich guten Gewissens.

  6. erinnye Says:

    Indeed, Richensa. Derartige Formate für Männer wird es dann geben, wenn den äußerlich graubrotigen, unattraktiven Tatort-Kommissaren ebenso viele stampfkartoffelige Kommissarinnen gegenüberstehen. Wenn das ttt-Magazin der ARD von einer Frau moderiert wird, die ebenso alt ist wie Dieter Moor und mit dem gleichen Pumpernickelfaktor gesegnet ist. Wenn es nicht nur aufstrebende pfannkuchengesichtige Jungpolitiker gibt und aufstrebende Supermodel-Politikerinnen, sondern auch die WEIBLICHE Variante der optischen Bratkartoffel Karriere machen kann. Ausnahmen bestätigen hier wie immer die Regel. Wenn die 50-jährige ökonomisch potente Managerin sich ohne soziale Ächtung einen 19-jährigen mittellosen aber konsumorientierten Schulabgänger als Lebensgefährten hält.
    Also, letztendlich wird es diese Formate wohl NIE geben.


  7. […] In der Brezelstube (Schöner werden!) In der Brezelstube (Schöner werden!): […]

  8. wassily Says:

    Also, ICH geh zu meinem Stukkateur nebenan. Wo ist das Problem ?

  9. Birdbrain Says:

    Jetzt gibts die „Brezelstube“ sogar im ZDF, Samstags 14.00 Uhr… und manchmal sind sogar Männer dran! 🙂
    Ich find’s sehr amüsant, da gebe ich doch meine GEZ-Gebühr lieber für her, als für irgendwelche stundenlangen Live-Übertragungen von so spannenden Randsportarten wie Langlauf, Eisstockschießen, Hallenhalma etc.!!!


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