Über sprachliche Verbringungsarten


Trotz Orden: Goethe sprach nicht bundeswehrisch!

Meinen Abi-Nachhilfis, die im Migrationshintergrundsumpf stecken geblieben sind, pflege ich immer zu predigen: Leute! Kiddos! Bambini! Çocuglarım! أطفال 

– lernt mit Fleiß fremde Sprachen! Wobei ich mit „fremd“ jetzt durchaus nicht eure Muttersprache sowie die einstweilen hiesige meine, die solltet ihr eh beherrschen, sondern noch ganz andere! Pfingstliche Polyglossalie gehört zu den skills, die ihr bringen müsst, um auf dem Arbeitsmarkt mengenmäßig krass viel unbezahlte Praktika zu ergattern! Wer von Lissabon bis Islamabad an der Rezeption in der jeweiligen Landessprache Beschwerde über das defekte Klo führen kann, oder gar in fließend Einheimisch zu monieren imstande ist, es hänge „da oben anner Decke so’n komisches Tier“, – aus dem wird mal was!

Meine eigene Sprachbiographie widerspricht dem allerdings. Ich musste zunächst Sprachen von Ländern lernen, in die ich entweder nie hin – oder aus denen ich schon immer weg wollte: Latein, Altgriechisch, Plattdeutsch, Urdu. Vorerst lernte ich aber Schulenglisch, leider bei einem ultra-extrem oxfordianischen Oscar-Wilde-Anhänger, mega-sophisticated, aber mit der Folge, dass ich noch Jahre später, in Chicago, Illinois, wo ich vorübergehend kurz Wohnsitz nahm, überall für schwul gehalten wurde. Nicht schlimm eigentlich, es sei denn, man hatte sich vorgenommen, das überaus faszinierende Volk der US-Amerikaner kennenlernmäßig von der weiblichen Seite her aufzurollen.

Zuvor schon hatte ich mich zunächst aufs Italienische gestürzt, wegen einer venezianischen Verlobten namens Luigiella; dann, weil ich als Historik-Student der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, zwecks höherem Verständnis der dänischen Arbeiterbewegung,  einen Schein in der Sprache unserer Erbfeinde machen musste, lernte ich im Chrash-Kurs Dänisch, was mir so lala zu gute kam, als ich mich in Mittelschweden als Strohrum-Schmuggler-Gehilfe  zu orientieren hatte. Eine unausschöpfliche Quelle kindlichen Vergnügens hingegen besteht im Geddo darin, türkisch zu verstehen, es sich aber nicht anmerken zu lassen. Türken sind unglaublich vertrauensselig!

Natürlich kann man sein Leben auch damit zubringen, Deutsch zu lernen. Ich kann Goethe-Deutsch, Geddo-Speak, ein bisschen Ärzte-Sprache (das haben die gar nicht so gern, wenn man mit ihnen in ihr eigenen Kauderwelsch plaudert!) sowie ganz gut juristisch, wenn auch nicht fließend. Jetzt habe ich mir vorgenommen, noch Bundeswehrisch zu lernen, denn das bietet einem völlig neue Perspektiven. Zum Beispiel: Wie heißt es auf bundeswehrisch, wenn einer unserer geheimen KSK-Kämpfer in Afghanistan mit dem Fallschirm abspringt? Das heißt, ehrlich wahr jetzt: „Verbringungsart: vertikal“, und zwar tunlichst unter Verwendung eines „luftbeweglichen Starr- oder Drehflüglers“ (deutsch: Flugzeug oder Hubschrauber), welcher zumeist dem „Eigenbestand“ entnommen wird. Dem Taliban seine Toyata-Pickups zu mopsen nennt man hingegen „Fremdgewinnung einsatzfähiger Transportmittel aus gegenerischen Beständen“.  

Natürlich darf so nur ein Staatsbürger in Uniform sprechen; alle anderen würden wohl in die Klappse gebracht, wobei die Verbringungsart eher horizontal sein dürfte.

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6 Kommentare - “Über sprachliche Verbringungsarten”

  1. cbx Says:

    Etwas in der Art habe ich mir zuletzt auf meinem 25-Jährigen Maturatreffen gedacht, das für mich eine wahrhaft babylonische Erfahrung war.

    Die meisten sprachen ein sich tief ins Ohr einfräsendes Lökalidiom mit krachendem „K“ und allerlei glutturalem Beiwerk, das mir zwar inzwischen durchaus fremd geworden ist, tendenziell aber noch verständlich war.

    Schlimmer waren die Juristen. Am schlimmsten aber war ein erfolgreicher management consultant finance expert business angle general professional, dessen Ausführungen, obwohl wir vor Jahrzehnten gut befreundet waren, meine hermeneutischen Fähigkeiten nichts entgegenzusetzen hatten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch gedacht, die deutsche wie auch die englische Sprache leidlich zu beherrschen – jetzt ist mir klar, dass ich nur einen mikroskopischen Bruchteil der bizarr bunten Breite der deutschen Sprache beherrsche.

    Und von echten Fremdsprachen möchte ich gar nicht erst anfangen…

    • 6kraska6 Says:

      So ist das mit den Fachsprechen. Manche Deiner IT-technischen Posts kapiere ich leider auch nicht, obwohl Du Dir schon Mühe gibst…

  2. Waldbauernbub Says:

    Gestern am Brücken-Plaza hatten einige Deiner Nachbarn schon die horizontale Vertikal-Verbringung zu ihrem LUP gelernt.
    Hut ab!
    Oder war es gar die alleinige vertikal Vernichtung von einigen Felsgold die dann darin endete? Wer will das entscheiden?
    Das kann nur der BAK.

  3. Diethard Says:

    Die venezianische Verlobte… Hatte ich gar nicht mitbekommen, das verlobt Sein… Aber hieß sie nicht Luisella? Saetti?
    Wollte immer mal wieder nach Torcello, hab’s aber bisher noch nie geschafft.
    Der, der damals dabei war (und auch noch ein paar Italienisch-Brocken im Kopf hat)

    • 6kraska6 Says:

      … ich leiste mir gelegentlich kleine Überarbeitungen und Mystifikationen der Realität. Und natürlich werden Namen aus Datenschutzgründen immer geändert! – Lustig, dass Du hierher gefunden hast…

      • utecht Says:

        Und ich dachte bisher stets, Du schriebest hier die Wahrheit; wärst authentisch. Am Ende doch alles Showbusiness, diese Bloggerei?


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