Archiv für Februar 2011

Ehrendoktor für zu Guttenberg!

18. Februar 2011

Der Doktor, dem die Frauen vertrauen

Die nationale Erregungsgemeinschaft treibt ein neues Ferkelchen durchs Dorf: Karl Theodor zu Guttenberg, amtierender Baron Münchhausen von Berlin und zu Kunduz, soll seine Dissertation mit Fremdmaterial aufgefüttert haben. Ach, Herrjeh! Was für ein Aufreger! Hatten wir doch bisher gedacht, unsere führenden Politiker seien allesamt Geistesfürsten, Brillanzexzellenzen und Intelligenzquotienzpotentaten, wandelnde Kompetenzcenter und akademische Ordinariatsorakel! Und nun das! Der Haarölprinz hat „geschummelt“. „Plagiat, Plagiat“, schreien alle, die gar nicht wissen, wie man das Wort „Dissertatation“ überhaupt schreibt. Sonst haben wir keine Sorgen. Unser oberster Heerführer stolpert über fehlende Fußnoten!

Leute, darf ich höflich anfragen, wie naiv ihr seid? Glaubt ihr ernsthaft, ein Berufspolitiker, der zwölf Stunden am Nachmittag im Heli von Termin zu Termin fliegt, kann ständig überprüfen, was ihm seine Referenten für Textbausteine zusammenklauben? Denkt ihr, der Mann hätte die Zeit, 450 sturzbrunzlangweilige Laberseiten mit zwölfhundert Fußnoten selber zu lesen? Bloß weil es sich um seine eigene Diss handelt? Dafür hat man Assistenten! (Die gehören jetzt natürlich zeitnah entlassen.) Wer jemals an einer geisteswissenschaftlichen Dissertation gesessen hat, weiß, daneben noch einen Vollzeitjob durchzustehen, ist völlig unmöglich. Wer glaubt, Dr. Helmut Kohl, Dr. Guido Westerwelle etc. hätten ihre Doktorarbeit mühselig selber zusammengeforscht, der glaubt auch, dass der alte Mann im roten Mantel im Dezember Geschenke bringt.

Außerdem leben wir in der Post-, wenn nicht sogar in der Postpostmoderne: Die Ära der Zitate, Samples und Collagen. Sollen jetzt vielleicht alle DJs, Rapper und HipHopper jeden ihrer Samples mit Fußnoten versehen? Wie soll man die denn singen? Originalität heißt heute, geschickt und kreativ zusammenzubasteln, was es schon gibt. Wenn das schon für Hits gilt, warum dann nicht für sehr viel weniger groovende Wälzer über Verfassungsrecht?

Ob sich der alert-aalglatte Freiherr jetzt Professor, Lügenbaron oder König Ohneland nennt, ist mir doch egal! Dass der Sproß einer uralten Dynastie notorischer Rosstäuscher, Bauernauspresser und Parasiten ein Blender und cremeschnittiger Windbeutel ist, wurde von Fachleuten schon lange vermutet. Ja und? Was für Politikerdarsteller wollt ihr denn? Vielleicht Rainer „Prost“ Brüderle? Das knopfjackige Merkelmuttchen? Den Weißschopf-Steinbeißer? Den umtriebigen Triebschwätzer Siegsam Gabriel? Haben die vielleicht attraktive Blondinen an ihrer Seite? Können die mehrere Sätze mit Inhalt auswendig geradeaus aufsagen? Sind die in der Lage, hier, dings, Kompotenz von und zu vermitteln? Na bitte!

Ich stehe zu Karl Theodor und seinen Referenten. Und wenn die Uni Bayreuth ihm jetzt womöglich seine Collage vermasseln will und das „summa cum lausig“ zurücknimmt, dann wünsche ich ihm als Trostpreis einen echten Ehrendoktor. Auf den Bahamas gibt es so etwas schon für ein paar Tausender.

 

Bingo, Ingo!

17. Februar 2011

Hier wird noch korrekt kommuniziert...

Bingo! Ingo!

Aufgewachsen bin ich im Schützengraben des Dreissigjährigen Ehekrieges meiner Eltern. (Noch heute bin ich ein wandelnder Kollateralschaden…) Eine der verheerendsten Waffen im Krieg zwischen Mutti und Vati war das mehrtägige Nicht-miteinander-Reden. Man schwieg sich an, schwieg sich nieder, schwieg sich tot. Ich war sozusagen ein echter Schwieger- oder Schweigesohn, der irgendwann nicht mal mehr zusammenzuckte, wenn am ca. 1qm-großen, resopalbezogenen Esstisch, an dem die ganze Familie saß, die Mutter mir auftrug: „Frag Vati, ob er noch Kartoffelpürée will!“ Ich tat wie geheißen, und übersetzte zwischen den Krieg führenden Schweige-Kombattanten. Meinen Eltern verdanke ich daher den früh entwickelten Sinn für das Absurde. Als in den 60ern die irren Stücke von Beckett, Ionescu und Arabal („Absurdes Theater“) auf die Bühne kamen, war ich als Einziger nicht irritiert – war ja wie zu Hause! Mutti saß in ihrem Resignier-Sessel und schlürfte Schmoll-Cognac, während Vati sich Kriegsrat bei den Waffenbrüdern im Schützenverein suchte…

Um so traumatisiert-neurotischer reagierte ich, als jetzt mein altes MacBook und mein neuer iMac, wiewohl auf dem gleichen Schreibtisch zuhause, sich ebenfalls weigerten, miteinander zu kommunzieren. Ich versuchte es mit allen Tricks: Ethernet, Bluetooth, externe Festplatten – nix! Wie verzickte Ehestreithähne wandten die Geräte sich den Rücken zu und wollten voneinander nichts wissen.

Die alten Schröcknysse des Dreyssigjährigen Krieges stunden wieder auf und brandtschatzten, verwüsteten und verheerten mein Nervenkostüm! Das konnte doch nicht wahr seyn! Zwar von Mutter und Vater mittlerweile emanzipiert, bin ich doch heute von Rechnern abhängig – die ich ebenso wenig begreife wie weiland meine werten Erzeuger.
Naive Eigen-Frickeleien, innigste Gebete und hilfesuchende Telefonate mit Qyperin „karu“ – die sich mit Macs normalerweise auskennt wie sonst mit Presslufthämmern, Schaufelbaggern und Zementmischmaschinen – brachten keine wirkliche Hülfe. Lag es, wie bei meinen Eltern, an den unterschiedlichen Betriebssystemen? War es, wie bei ihnen, der Altersunterschied? In meiner Not griff ich zu den extremsten Methoden: Spielte den Geräten etwa Mario Barth vor („Ick hab ne Freundin, verstehsse, verstehsse, verstehssse, ne Freundin, die vasteh ick einfach nich…“) – aber so dumm waren die Rechner dann auch wieder nicht.

Dann kam die Erleuchtung – Bingo! Ingo!

Nach außen führt Ingo das unauffällige Leben eines brillentragenden Werbefuzzis und Webseiten-Bastlers. Aber wenn wo in Big Apple MacIntosh-Town ein armer Depp in Not ist, schlüpft er in der Telefonzelle in sein Supermac-Kostüm und kommt in Nullkommanix angeflogen, setzt sich vor meine zickenden Rechner, lässt, unverständliche Abbreviaturen, Suffixe und Tool-Namen murmelnd, ca. zweieinhalb Minuten lang die Finger über die Tastatur fliegen, stellt ein lokales Netzwerk her, verbindet telepathisch beide Geräte und fragt: „Sonst noch Probleme?“

„Äh, nein, nix, oder doch, warte Mal, hier, Dings…“ – Ingo löst, wo er schon mal da ist, noch schnell ein paar Probleme, von denen ich kaum wusste, dass ich sie hatte, und hinterlässt noch ein Test-Dokument mit dem Titel „deringokannwiederweg.doc“, steckt ein – eigentlich viel zu kleines, weil im Grunde ist er meine gesamten Zahn- und Bruchgoldvorräte wert – Scheinchen ein und fliegt wieder davon.

Mein Guru! Hätte ich ihn nur früher gekannt, er hätte bestimmt auch meine Eltern mit irgend so einem Ever-nice-Programm repariert! Für Techno-Analphabeten wie mich ist so einer wie Ingo mehr wert als die Heiligen Nothelfer St. Dionysius, St. Timotheus und Sta. Barbara! Leute mit Mac-Problemen: Ruft-ihn-an!

Mein NoteBook und mein iMac sind jetzt im Dauerbetrieb: Sie haben sich sooo viel zu erzählen…