Archiv für Dezember 2010

Kultur im Geddo. Vorm Fernseh Amok laufen (Jahresrückblicke)

30. Dezember 2010

Little pic, big deal: Duisburgs "Broadway"...

KILLING ME SOFTLY

Für mike-o-rama, anlässlich eines freudigen Ereignisses (Geschenktext)

Als Terrorist und Amokläufer bin ich ungewöhnlich sozialverträglich. Wenn ich hyperventiliere, Schaum vorm Mund habe und mit fahrigen Fingern nach meiner Waffensammlung taste, kriegt das gottlob selten jemand mit, denn das mach ich meist in meiner stillen Mönchsklause vor dem Fernseher aus, mit mir ganz allein. Und wegen ihm. Tosende Weltverachtung und würgender Menschenhass ereilt mich praktisch nie in der Realität, die ja ungefähr so interessant ist wie nass gewordenes Mischkorntoastbrot, sondern vorwiegend vor der seifenblasenbunten, hirnzerschmeißenden, unentwegt logorrhoe-haft vor sich labernden Idiotenmaschine, von der ich als süchtiger Rentnerkrüppel und Freund herostratischer geistiger Selbstmordkommandos halt nicht loskomme.

Ja, ja, Freunde, lasst Eure sedativen Beschwichtigungsspritzen ruhig stecken: Dass es auch Arte, 3sat und Phoenix gibt, weiß ich selber, und ich bin schon bis zum Rand vollgebildet mit kulturell wertvollen Reiseberichten, Tierfilmen und Kultur-Features (rülps!). Aber leider guck ich, süchtig und verblödet, wie ich bin, zudem unter Insomnia leidend, auch noch wie geisteskrank in den sumpfigen Abgrund bodenloser Nichtigkeit, dessen Anrainer teils die privaten, teils die öffentlich-rechtlichen Hirnwegsauger darstellen.

Was mich derzeit in die Raserei treibt, wie eigentlich vorhersehbar jedes Jahr, sind Jahresrückblicke. Teufel noch mal und tausend jaulende Höllenhunde:„Jahresrückblicke“! Man reiche mir rasch ein Anti-Emetikum! Was für ein absolut geistfernes, redundantes, dumdum-hohlgeschossiges und zutiefst viszeral ennuyierendes Genre! Am bewusstlosesten, toxischsten, übelkeitserregendsten und fauligsten: Satirische Jahresrückblicke! Und ich muss mir diesen niederschmetternden, grundstürzend saublöden Mist auch noch angucken wie ein sabbernder Katatoniker! Ich wühle in gebührenfinanzierten Mediatheken wie andere Leute in der Nase bohren – krank- und zwanghaft, obsessiv und wie vom Gottseibeiuns hypnotisiert.

Auf dieser Spur in den Untergang stieß ich gestern in der ZDF-Mediathek auf einen Nichtigkeitswichtelschwulen und Tiefflieger-Klamaukclown namens „Dieter Nuhr“, und zugleich damit auch auf die Tatsache, dass wir, was ich ganz vergessen hatte, obschon ich täglich dran vorbeiradle, hier im Geddo, gleich visavis vom Großpuff, ja auch einen schick verwahrlosten Kulturverhöhnungstempel besitzen, das „Theater am Marientor“. Dieses „Theater“ hat freilich mit Kultur so viel zu tun wie das kasernenartige Mega-Bordell für notgeile Migranten-Machos, das gleich schräg gegenüber in Steinwurfweite (würfe nur mal jemand einen Stein!) einen gesamten veritablen Straßenblock einnimmt, mit nervenzersplitternder Erotik und romantisch aufwühlender Herzensglut.

Vor reichlich gut einem Jahrzehnt wurde der Kulturhurentempel mit einem Riesenaplomp und medien-nuttig hinreißend gespieltem Print-Orgasmus eröffnet, wobei sich die regionale Presse die opportunistisch-wohlfeilgeilen Wichshände geradezu wundklatschte, weil der Muschi-Musen-Tempel angeblich unser gesamtes Drecksgeddo wie durch ein Wunder in eine blühende Hotel-und Gastrolandschaft verwandeln würde. Die ganze Welt nämlich würde nun, so prophezeite die allzeit für ein paar Euro (ohne Gummi!) käufliche Lokalpresse noch vorgestern, nach Duisburg-Hochfeld (!) strömen, um dort sog. „Musicals“ zu bestaunen! Ja, klar, sowieso! Wie gut, dass unser Alzheimer-Volk so gut wie kein Kurzzeitgedächtnis besitzt! Schrill lachend würde man andernfalls die erwähnte Lokalpresse (WAZ, NRZ etc.) auf Papier … nurmehr zu hygienischen Zwecken benutzen!

„Musical“-Produktionen starben, als Geldanlage, bereits und bekanntlich bereits in den 90ern, als man den künstlichen Kleinkunsttempel gerade erst rendite-geil ins Geddo pflanzte. Hochfeld wurde, surprise!, weder zu einem zweiten Broadway noch auch nur zu einem dritten St. Pauli inkl. Spielbudenplatz. Selbst in puncto Verkommenheit ist Duisburg nur zweite Wahl und Möchte-gern. Es verweste einfach, von einer Insolvenz zur nächsten taumelnd, als fade Erinnerung an feuchte Stadtväterträume, des Inhalts, man könne mit ein paar ergaunerten und extrem windigen Investitionen aus einem Höllenpfuhl ein In-Viertel machen.

Über Wasser hält man sich daher jetzt, schlecht & recht, mit Dritt-Verwertungen oder, wahlweise, Auftritten sog. „Comedians“, deren erbärmlich sinistre Fehlbemühungen man dann, wenn man genügend Zuschauer gekauft oder gekobert hat, vom ZDF (!) abfilmen und „zwischen den Jahren“ skrupellos wegsenden lässt. So also kürzlich diesen peinlichen, peinvollen, fremdschamschwitzenden, definitiv nichtswürdigen Kommunalclown „Dieter Nuhr“.

Ich schreibe keine Event-Kritik – diese Figur ist lediglich exemplarisch für das, was das„Theater am Marientor“ darbietet, schamfrei offeriert und rückhaltlos für sein Aushängeschild hält. – Ich meine, richtig BEGRIFFEN habe ich es nie, dass bummlig vier- oder fünfhundert Leute jeweilen rund 35 Euro zahlen, um dann anderthalb qualvolle Stunden einem ameisengroßen Hansel zuzuschauen und brav zu applaudieren, der auf einer statisch-langweiligen Bühne gefühlte Ewigkeiten lang unglaublich fade, platte, flache, beschämend unlustige Witzeleien absondert, die in ihrer öden, vorsichtigen Geschmack- und kalkulierten Harmlosigkeit dermaßen langweilig, uninspiriert und deprimierend daherkommen, dass außer meiner schwer dementen Oma kein Anwesender auch nur zu kichern vermochte. Auch ich, am Bildschirm, verspürte noch nicht einmal das anflughafte Zucken eines Schmunzelansatzes, verzog nur zwei-, dreimal vor Fremdscham qualvoll die Wangenmuskulatur. Meine Daamunnherrn, „Dieter Nuhr“!

Dieser unsägliche Typ, diese schmerz-kommödiantische Erbärmlichkeit sui generis, besetzt dabei auch noch die intellektuelle Oberklasse, weil er glaubhaft machen kann, nicht ganz so granatenbrunzdoof wie Mario Barth zu sein, – und das war es auch schon, das ist hinreichend wie Abitur und Führerschein! . – Schlugen sich die zahlenden Zuschauermassen in dem großen, übrigens hübsch gebauten und technisch ganz gut ausgestatteten „Theater“ vor Brüllvergnügen auf die abgehärteten Schenkel? Nein, keineswegs, wie man im Großtanten-Fernseh ZDF bewundern konnte und wofür ich die Duisburger, meine Mitbürger, fast schon wieder zu mögen bereit bin, nein, man beschränkte sich darauf, dem albernen Hampelmann da unten auf der Bühne gelegentlich höflichen, wenngleich hörbar matten Beifall zu spenden; einen Beifall so generös und demütigend herablassend, als hätte eine Versammlung von Studienräten einer Shakspeare-Aufführung beigewohnt, die von engagierten Downsyndrom-Akteuren auf die wackligen Beine gestellt wurde. Wäre ich dieser „Dieter Nuhr“, und mit etwas mehr Ehre im Leib, ich hätte mich selbigen Abends noch erschossen. Aber okay, das ist Geschmacksache. Und ich verstehe, dass man in Duisburg nicht begraben sein möchte, selbst als … hm, … „Comedian“ nicht.

Das Hochfelder Geddo hat jedenfalls, zwischen Großpuff und Bandido’s Place, ein „Theater“. Und zwar, um ein superlustiges Wortspiel der bevorzugten Protagonisten zu verwenden, „nuhr“ ein Theater. Sollte, was ich nicht glaube, das Publikum irgendwann zur Vernunft kommen und nicht mehr zu hirnlosen Knalltüten pilgern, die keine anderen Vorzug aufweisen,als dass man sie aus dem Fernseh kennt – dann, aber auch nur dann, wird das „Theater am Marientor“ seinem wohlverdienten Schicksal begegnen … und – gesprengt werden.

Aah, wie ich den Geruch von Semtex liebe (alles weitere vgl. unter „Amok“…)

 

Who let the dogs in?

21. Dezember 2010

Modisch, doof, aber mit Allbein-Getriebe: Franz. Bulldogge (Fotoquelle: Gemeinfrei, Wikipedia, Artikel: "Französische Bulldogge")

Manche Leute, z. b. aus dem mir so überaus unkorrekt perhorrreszierten (nachschlagen, wenn nötig!) „grün-linken juste milieu“, und nicht nur die am Prenzlauerberg, sondern auch in Stuttgart „20,5“ oder im grünkernig-kleinbourgeoisen Freiburg, können sich allen möglichen Luxus leisten! Zum Beispiel – Kinder. (Wer noch die Wahl hat: Ich rate ab! Kinder sind schlimmer als junk bonds und hedge fonds – todsichere Methoden, sich nicht nur wirtschaftlich zu ruinieren, sondern auch noch ein richtiges scheiß Gefühl dabei zu kriegen. Kinder zu zeugen und deren rechtzeitige Abtreibung zu versäumen zeugt nicht nur von „ruchlosem Optimismus“ (Dr. A. Schopenhauer), es führt auch zu emotionaler Deprivation, chronischer Depression und u. U. multiplen Persönlichkeitsstörungen. Kinder kommen gleich nach Meerschweinchen, Schildkröten und Kanarienvögeln: Undankbare, nervende, kostspielige, krankheitsbehaftete, doofe und verfressene Spezies, Parasiten der Evolution, supraviskose Überflüssigkeiten mit krebsauslösendem Nervfaktor! Zeig mir, was Du transportierst, und ich sage Dir, wer Du bist: SUVs und Allrad-Toyotas mit Maxicosi-Kindersitzen indizieren einen Fahrzeuginhaber, der seine Groschen nicht mehr zusammen hat; jedenfalls spätestens, wenn die „Kinder“ in die Schule kommen, zum Ballettunterricht chauffiert werden müssen und Reitstunden verlangen, dann sind die Groschen nämlich rasch alle!

Wer von Kindern nicht wirklich lassen kann, aber schon einen Hauch kognitiver Kompetenz sein eigen nennt, greift zum Surrogat. Ein respektables Kinder-Surrogat ist beispielsweise ein Hund. Hunde haben eine überschaubarte Lebenserwartung, sie wollen weder Markenklamotten von Dolce & Gabbana, G-String oder Lagerfeld, oder gar Nokia-Handys, und weder „erstmal die Welt kennenlernen“ noch studieren bzw. jetzt doch erstmal „noch mal was ganz anderes studieren“ (Theaterwissenschaft, Sanskritologie, Meeresarchäologie), sie sind also kostengünstig, und außerdem treuer, anhänglicher und dankbarer als jedes denkbare Kind.

Hier rate ich aber: Nehmt bitte nicht wahllos einen hysterischen Jack Russel, keinen Mode-Mops und nicht die beknackte, aber hoch-modische rortweingeschwenkte franz. Bulldogge (diese dicke, debile Leberwurst mit Fledermaus-Ohren und Allbein-Gebtriebe), sondern, wenn schon-denn schon, einen richtig großen, womöglich klops-riesigen und dazu total exotischen Hund, der schon auf der roten Artenschutz-Liste steht! Der Magister empfiehlt Mastiffs, südafrikanische Bluthunde, mallorquinische Schäfer oder portugiesische Wasserhunde, jedenfalls Tiere, die man immer erst googeln muss, um eine Vorstellung von ihnen zu gewinnen. Frauen, die weniger als 50Kg wiegen, lege ich gern eine Dänische Dogge (70Kg) ans Herz, die ihr Frauchen gern mal vor ein fahrendes Auto zerrt. Der sich dann anbahnende oder abspielende Unfall wird bevorzugt „tragisch“ genannt.

Guggssu hier:

https://6kraska6.wordpress.com/2009/09/16/winterseels-jour…

Ob Hunde allerdings wirklich die definitive Lösung darstellen, ist für mich durch die Erzählungen einer Freundin und bekannten Reise-Qualitätsbloggerin  fraglich geworden, die bis vor kurzem einen imponierenden Irischen Wolfshund besaß – ein in der Tat eindrucksvolles Tier, keine Schönheit, aber ausgestattet mit einem Organ (bellen Hunde „bass-bariton“? Ich glaub, dieser schon!), dass dieses Tier Schutzfunktionen übernehmen ließ, die ein Kind, selbst wenn es quengelt, stinkt und quiekt, niemals erfüllen könnte. Ein solches Ungeheuer „Freund“ und „Kumpel“ nennen zu dürfen, erschien mir Naivling lange Zeit als exquisites Daseins-Höhepunktsmerkmal. Manno, dachte ich, wär ich nicht definitiv zu faul, allmorgendlich um 7.00 Uhr mit der Töle um den See zu marschieren, ich hätte verdammt noch mal auch gern so ein ego-steigerndes Monstrum! –

Besagte Freundin ernüchterte mich freilich harsch: Geh mit so einem „Kumpel“ mal menschlichen Bedürfnissen nach: Reisen, Hotelbesuche, Restaurants, Saunen, Museen – wohin wohl dann mit Nero, Tyson, Caligula oder Rocky (III)? – Hunde, und zwar egal ob neurotische Malteser, komplett irre Jack Russels oder meschuggene Doggen, werden in kultivierten Menschenbezirken oft überhaupt nicht akzeptiert! Wer durfte mit seinem Hund schon mal in die Irische Dampfsauna? Wo wird es toleriert, dass vierbeinige Freunde Beuyssche Fettecken wegschlabbern? Selbst in Philosophievorträgen werden große Hunde nur bedingt willkommen geheißen. 

Um so erstaunlicher, wie zögerlich sich eine Markt-Idee durchsetzt, deren menschen- wie tierfreundliche Grundgesinnung sich doch auf Anhieb erschließt: Professionelles Hunde-Hotel, gepflegter Hunde-Parkplatz, Hunde-Wellness-Spa, Hunde-Ayurveda-Bespaßung, Betreuung, Unterhaltung und tiergerechte Aufbewahrung! Hasso, Rex und Attila genießen einen frauchenfreien Wohlfühltag! Das geliebte Vieh wird nonchalant geparkt, abgegeben, ruhig gestellt und wohlmeinend untergebracht, während sich Frauchen gepflegt mal einen Latte Macchiato genehmigt, die Sauna besucht und ein Museum besichtigt. Danach schließen sich schweifwedelnd Frauchen und Hund wieder in die freundschaftlichen Arme, hecheln beglückt und haben nicht die Spur eines schlechten Gewissens. Beide haben ihr Leckerchen bekommen; beide kamen auf ihre Kosten, für die Frauchen dann natürlich leider, aber nur allzu gerne aufkommen muss. Aber für den Liebling ist doch nichts zu teuer!

Eine Gesellschaft, die mit ihren Hunden menschenwürdig umgeht, kann nicht ganz schlecht sein! Sodermaßen bin ich durchaus stolz auf meine Stadt, dass sie so etwas neuerdings bietet: Hunde-Spass! Dächte ich wie ein Rüde, würde ich allenfalls anregen: Ein … Hunde-Puff wäre noch eine Spur mondäner. Aber das kann ja noch werden.

PS: In Ermangelung eines eigenen Hundes kann ich auf das Unternehmen nur werbend hinweisen – persönlich AUSPROBIERT habe ich es freilich nicht.


Seniorenentsorgung

19. Dezember 2010

Solides Senioren-Modell

Gesellschaftliches Sorgenkind: Senioren. Sie werden immer älter, immer gesünder und stehen überall im Weg herum. Verschandeln das Stadtbild. Nerven. Erinnern daran, dass man selber nur ein begrenztes Haltbarkeitsdatum hat. Das ist ärgerlich! – Muß das denn sein? Nein! Man kann die Greise von der Straße holen! Wie denn? Setzt sie einfach vor den PC, das Notebook, den iMac! Da haben sie Spaß und sind aus der Fahrbahn. Das heißt, zunächst machen sie natürlich ein dummes Gesicht und einen mittelschweren Überforderungsflunsch: Was soll ich mit diesem Zauberkasten denn anstellen? Wo soll ich da drücken? Und was passiert denn da nun?

Zwar kenne ich persönlich eine Menge Senioren, die informatisch und EDV-mäßig alles top auf der Reihe haben, besser als Nintendo-Jungspunde jedenfalls, aber das Klischee will es, dass Senioren halt doof und computer-resistent sind. Na ja, ich im Grunde ja auch.

So habe ich etwa erst gestern zum ersten Mal (!) „ge-chattet“! Boah! Es kam so: In meinem iMac machte es plötzlich „Blub“. Dann noch mal „blub“. Ich brauchte ungefähr eine halbe Stunde, um zu raffen, dass eine Freundin (die Bloggerin und berühmte deutsch-amerikanische Blues-Chanteuse „bitch-in–berlin“), mich auf „facebook“ … wie sagt man? An-ge-chattet? hatte. Oh Gott! Was jetzt bloß tun? Oh, oh! Techno-Alarm! Und kein schlaues „Kid“ da, mir zu helfen! Ich brauchte eine weitere halbe Stunde, bis ich geschnallt hatte, wo man seine Antwort eintippen musste und wie man dann die absendet. Dann aber entspann sich ein schönes Schrift-Gespräch über Blues, Philosophie, Medizingeschichte, Gänse-Leber und Hühnermägen. Etwas holprig noch, weil sich die Antworten immer kreuzten, überschlugen und verknubbelten, aber immerhin!

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für den alten Magister, der noch mit Tinte, Pergament und Gänsefeder aufgewachsen ist. Jetzt kommuziert er in Echtzeit und hat Spaß! Die Goethe-Zeit neigt sich dem Ende zu. Empfindsam gereimte Liebeserguss-Epistel gibt es ab sofort nur noch in Kostümfilmen.

Daten-Krake Paul, quatsch, Google, sorgt sich auch um die Senioren. Deshalb hat er/sie ein Programm aufgelegt, das älteren Mitbürgern den Weg zur PC-Nutzung ebnet. Per Video-Schulung. Etwas gönnerhaft und betulich, nimmt die Suchmaschine uns Alte an die Hand, um uns begreiflich zu machen, was z. B. „copy & paste“ bedeutet, wie man eine E-mail verschickt oder, hm, … chattet. Für seniorale PC-Doofheit gibt es nun keine Entschuldigung mehr. Wenn Opa jetzt ein Foto seines Enkels ge-mailt kriegt, hat er ab sofort freudig erregt Geschenke abzuschicken. Zur Not, für Fortgeschrittene, per „paypal“. Auf diesem Wege werden Senioren auch dem Markt wieder zugeführt, was ja nur gut ist. Schließlich ist Digit-Xmas.

 

Idiosynkratische Hünxe (Altersfreibeitrag)

12. Dezember 2010

"Hünxe": Kräftige HÜften, lange HaXeN...

– Für Gabel  –

Mein zertifiziertes Magistertum erlaubt mir, mit Wörtern herumzuschmeißen, die mich automatisch zum Mittelpunkt jeder Party machen. Ein schon paradiesvogelartiges Flair verleiht zum Beispiel der Ausdruck „idiosynkratisch“. Seinen faszinierenden Bedeutungsreichtum offenbart dieses Wort gern allen Fleißsternchen-Sammlern, die das mal irgendwo googeln. – Unter anderem nennt man zum Exempel wiederum Ausdrücke „idiosynkratisch“, die einer Privatsprache Würze und Glanz verschaffen. Unsere privatsprachlich kommunizierende eheliche Sprach-Zugewinngemeinschaft bereicherte die Gattin gestern im  Bonner„arco“ durch ein neues Wort. Es heißt „Hünxe“.

„Hünxe, Hünxe …  – ist das nicht so’n Ort oder was?“ fragen aufgeweckte Leserinnen. Ja schon, auch, – doch in unserem Fall setzte sich das Wort aus den Komponenten „Hüfte“ und „Haxen“ zusammen und bezeichnete eine im unnatürlich gezickten Super-Model-Gang daherstiefelnde, langbeinig einen blasierten Hüftschwung pflegende Kellnerinnen-Blondine, deren mittelhochnäsiger Gesichtsausdruck darauf hindeutete, dass es sich evtl. um eine Eigentlichkeitsschnepfe handeln mochte. Dies sind Personal-Personen, die mit jeder Geste, Miene und Bewegung zum Ausdruck bringen, dass sie „eigentlich“ gar keine Kellnerinnen sind, sondern eben in Wirklichkeit Super-Model, Stewardess-Prinzessin oder wenigstens Kunstgeschichtsstudentin im 3. Semester.

Als lebenszerknitterte Gebrauchtmenschen und Falten-Rocker, die wir schon vom Senioren-Tellerchen nippen und sich den Cocktail im Schnabeltässchen bringen lassen, trieben wir den Altersdurchschnitt von Personal und Publikum der schnieke, aber sympathisch gestalteten Lokalität drastisch in die Höhe. Hinterm Tresen und im Service schien mir, meinem subjektiven Eindruck nach, überhaupt niemand mehr über 21 zu sein; allesamt blutjung-bildhübsche, angenehm „unverschrumpelte“ (Max Goldt) Exemplare der Generation „Irgendwas-mit-Medien“! Uns wurde das fällige Absackerchen nicht von der Hünxe, sondern von einer zuckersüßen, ätherisch-zarten Milchzahnfee serviert, die überdies eine frappierende Ähnlichkeit mit Fräulein Emma Watson aufwies, dieser entzückenden ehemaligen Kinderdarstellerin und nunmehrig schon fast erwachsenen Jung-Actrice aus den Harry-Potter-Filmen („Hermine“)! – Berückend!

Das den Laden frequentierende Jungvolk bestand indes fast ausnahmslos aus auffallend gesitteten, neuerdings zu Recht das Abitur besitzenden, adrett gewandteten Seiten- und Mittelscheiteln, die mitteleuropäisch urban (d. h. hübsch zimmerlautstark, zierlich-zivilisiert und kashmir-brav) miteinander plauderten, dazu permanent nichtrauchten und Alkohol nur in homöopathischen Dosen konsumierten. An den in Verbraucherschutzartikeln gelegentlich bemängelten Sitzgelegenheiten schienen sie nichts auszusetzen zu haben, sondern besetzten diese mit Nonchalance und tanzstundenerprobter Gewandtheit. – Ach, was für ein Unterschied zu den verqualmten, zugemüllten und mit Rock-Musik vollgedröhnten Laster- und Drogenhöhlen, in denen unsereins seine Jugend verbrachte bzw. verschwendete! Ehrlich: Hätte ich Nachwuchs, der noch einer gewissen pädagogischen Aufsicht und Betreuung bedürftig bzw. zugänglich wäre, ich wäre beruhigt, wenn sie den Abend bzw. Lebensmorgen in einer Lokalität wie dieser verbrächten. Meinetwegen dürften sie dort sogar kellnern – vielleicht würden sie ja „entdeckt“!

Wir selbst freilich retirierten, um die Jugend mal unter sich sein zu lassen, dann doch lieber ins nahe gelegene Hotel, wo wir Senioren residierten; zum Ausgang humpelnd, registrierten wir noch die Tatsache, für die stolzgewachsene kühle Blonde berechtigterweise Luft zu sein. Nun ja, ab einem gewissen Alter gewöhnt man sich daran, unsichtbar zu sein. – „Pah! … Hünxe!“ schnaubte die Gattin, und ich verstand sie ohne weiteres.

 

 

 

Lob des „unter“. Wir sind alle camouflage

10. Dezember 2010

Winnie-der-Pu lebt im Wald unter dem Namen "Ed Sanders"...

 

„Es war einmal vor einiger Zeit, und diese Zeit ist schon lange, lange her, etwa letzten Freitag, als Winnie-der-Pu ganz allein unter dem Namen Sanders in einem Wald wohnte. („Was heißt ‚unter dem Namen’? fragte Christopher Robin. ‚Es heißt, dass er den Namen über der Tür in goldenen Buchstaben hatte und dass er darunter wohnte.’“)

Ich werde bestimmt nicht der erste sein, dem auffällt, dass Menschen ihr Leben, Weben, Wuseln und Sein immer gern „unter“ etwas betreiben. Manni würde wahnsinnig gern „unter einem Dach“ mit der blonden Gesine aus der Telefonzentrale verbringen und mit ihren Kurven „unter die Bettdecke“ schlüpfen. „Unter uns“ gesagt: Ich publiziere meinen Quatsch ja auch lieber „unter dem Namen“ von Bruno Kraska, und ich bin froh, dass nur wenige Auserwählte wissen, dass unter resp. hinter dieser Kunstfigur, einem ursprünglich halb-fiktiven tschechischen Seemann, eigentlich der banale Traurigkeitslehrer Dr. Arnold Winterseel sich verbirgt, den man „unter“ seiner E-mail-Adresse an der Universität suchen, wenn auch nicht unbedingt finden kann. – Das Kleid von Marilyn Monroe war hauteng, aber nicht eng genug, um darunter nicht noch bequem die Existenz von Mrs. Norma Jean Baker unterzubringen.  Unter dem Namen „Bob Dylan“ krächzt, hustet und röchelt sich ein stinknormaler Robert A. Zimmerman durch eine seit 50 Jahren nicht enden wollende Welttournee. Hans Gustav Bötticher, auch er ein Seemann und allzeit voller Vollmatrose, verbarg sich unter dem Namen „Joachim Ringelnatz“. „Unter“ lebt es sich offenbar commoder, un-molestierter und im Sinne einer öffentlichkeitsscheuen Freiraumwohnung unbeschwerter als unter seinem angestammten Klarnamen!

Unter dem Pflaster liegt der Strand, hieß es früher verheißungsvoll in Sponti-Kreisen. Nebbich, meist ist es umgekehrt: Unter dem spektakulären Palmenstrand residiert zumeist ein trivialer Kurtchen Müller, Wolfgang Meister oder Kevin Mustermann.

Unter dem Namen einer italienischen Pizzeria vermutet man dementsprechend, so auch ich, einen Giorgio, Fransesco, Luigi oder Mimmo. Man hat doch so seine gediegenen Vorstellungen von einem Italiener, oder? Modernes Weltwissen indes belehrt uns: Diese Vermutung geht neuerdings oft in die Irre. Das Italienertum ist markenrechtlich nicht geschützt. Die „besten Italiener der Stadt“ entpuppen sich bei näherer Nationalitäten-Analyse immer öfter als Ägypter, Pakistani, Bangladeshis oder Finno-Uiguren, die sich das gastronomische Italienertum nur geborgt, abgelauscht oder per Leasing-Vertrag gesichert haben. Man ist also nie sicher, Opfer der eigenen Vorurteile zu werden. So schrieb ich kürzlich übr die „Pizzeria Cavalli“, und ließ mich, angesichts der doch italo-affinen Pizza dort sogar zu Vermutungen hinreißen, es handele sich um einen besonders mafia-resisenten Original-Italiener.

Daß es sich dabei um eine Fehldeutung handelte (der Betreiber ist ungefähr so viel Italiener, wie ich tschechischer Seemann bin), ahnte ich bereits, als ich den Pizza-Virtuosen unverhofft nach spätabendlichem Feierabend in meiner serbischen Stammkneipe wiederfand, wo er sich ungerührt und mit befriedigter Miene, anstatt eigenproduzierter Pizza, allerhand Cevapcici, Rasnici und Slibovice in den Mund schüttete. „Moooment!“ schnarrte ich inquisitorisch, „Pizza-Mann! Was bist du denn jetzt? Du bist doch kein Original-Italo nicht!“ Nee, war er auch nicht, sondern, wie er nonchalant zugab, „binnich in die Wahrheit a Bosnier!“ Als Bosnier weiß er aber: „Wenn du treibst italienische Mitnahme-Pizza, muß du haben Italo-Flair, bisschen, verstehst.“ So, neue Vistenkarten, neuer Auftritt in Internetz, neue Speisekarte. Firmiert der lustige Bosniake jetzt nicht mehr unter „Pizzeria Cavalli“, sondern unter „Da Dino“. Dino is gut, kann ja sein alles rund um die Adria. Hat sich außer dem „unter“ was geändert? Glaub ich nicht; Pizza noch immer passabel bis beinahe gut. Nur das offensiv freimütige Bekenntnis, statt edlem  prosciutto lediglich und ausschließlich ekelhaften  „Formfleischvorderschinken“ auf den Hefefladen zu schmeißen, betrübt mich; diese lebensmitteltechnische Skandalösität unter dem Namen „gekochter Schinken“ feilzubieten, finde ich abstoßend.

Also jetzt: „Da Dino“. Pizza noch immer ganz gut, heiß, billig, würzig. Und junk sowieso. Da ich das hiesige Pidgin-Deutsch beherrsche, frage ich freundlich: „Na? Und? Wie Laden läuft gezz so?“ Der getarnte Bosniake wiederum beherrscht die Kunst, gleichzeitig die Schultern zu zucken, die Handflächen auszubreiten, zu nicken und resigniert mit dem Kopf zu schütteln, will heißen: Na ja, nicht ganz schlecht, aber könnte viel besser sein. (Red mit Balkan-Leuten übers Geschäft, es ist immer eine Katastrophe, selbst wenn sie mit goldenen Daimlern durchs Viertel fahren!) – „Aber, hier, Kraska, musst Du jetz  nicht gleich weiter erzählen, klar?“ Nee, klar, – was ich hiermit getan habe. Wir leben ja alle camouflage-mäßig im Unter-Grund. Hier ist niemand, was er zu sein scheint. Mir gefällt das, weil es meinem Hang zur Selbstmystifikation entgegen kommt. Sich täglich oder wöchentlich neu zu erfinden, gilt hier als respektabler Existenzmodus. Also kauf ich hier meine Pizza und tu so, als wär ich ein grundnaiver deutscher Depp. Kann nie schaden, unter fremden Label zu leben! Fake ist normal. Wer hat schon Lust, zu sein, was er ist? Bei so einem Langeweiler würd ich nicht essen gehen!

Im Geddo: Cherchez le pig (Deutsch nichso gut)

9. Dezember 2010

Rätselhaftes Schweinchen: Was hat man auf der Pfanne?

 

Für Chris & Hella (Gute Besserung, Mensch!)

„Dialog der Kulturen“ im Geddo. Fragt kleiner serbischer Nachhilfe-Schüler mich: „Lehrerr! Ch’abb isch mal Frage – darf ich? – „Hhmmm?“ – „Lehrerr, bist eintlich … Müslim?“ – „Nee! Niemals nich!“ – „Und, ja aber, Herrr Lehrerr, ch’ast du doch Frau! – Deine Frau, ist der denn Müslima?“– „Also erstens heißt es: ‚die’! Und außerdem, nö, schätz ma erst recht nich!“ – „Ach so, denn is der Krist oda was?“ – „’Die’, Blödmann!!! Aber sonsten: nö, wohl auch nicht…“ – „Unn was seit’n ihr denn zusammen?“ – „Na, weißt … eher so … halt … nix!“  – „???“ – „Na, schaust, Kleiner, Deutsche sind oft weder Krist noch Müslima…“ – (Schüler, sich stolz aufrichtend): „Aba binnisch auch Deutscher … –  und ischbinnich Muslim!“ – Ich, etwas jovial: „Ja, und? Was issn das gezz überhaupt so dolles, Muslim?“„Wir essen kein Schweinfleisch!“ kommt die Antwort prompt wie aus dem Bolzenschussgerät geschossen. Aha.

Aber mal andere Frage: Schweine jetzt – sind die, also von sich her, eigentlich „halal“, „koscher“ oder „ungläubig? Kurzum, was frisst’n so’n Schwein denn selbst? Ja klar, die Studis von der Wikipedia-Uni schnipsen eifrig mit den Fingern. Nach ihrem frisch gebackenen Klickwissen sind Schweine nämlich „Allesfresser“. How how! Beißen, schlingen und knuspern also alles Organische, was nicht bei „drei“ auf den Bäumen ist! Toastscheiben, Suppenreste, Kartoffelschalen: Dem Schwein ist alles Wurscht! Notfallls, wie mein Lieblingsfilm „Hannibal“ zeigt, frisst das wilde Waldschwein auch unmenschliche Bösewichter. Verdient hamses ja wohl, oder?!

Weil isch bin gutte Lehrer, ging ich Sache auf Grund. Schwein! Gibssu mir Wahheit! Bist du koscher, halal oder bös schlimmer Finger? Stieß ich auf so rundes Töppchen „Appel-Grieben-Schmalz“ von öko-edlem „Apfelparadies“. Aah! Ha! – Bzw.: Was? Wie? Ob denn lecker? Ja, ja, klar! Aber nicht die Frage. Auf Deckel von Töppchen hatte Chef von Schmalz-Schmiede (wer sonst traut sich so, bitte?) unbeholfen visuelle Graphik appliziert. Siessu drauf eines von den drei kleinen Schweinchen (Oink-oink-oink, aber ohne böse Wolf, wo pustet Häuschen um!), keckes Kochmützchen auffm Schweinskopp druff. Unterm Hals war so dünnes linkes (!) Ärmchen windschief drangemalt, wo hält seinerseits Pfanne in Pfötchen (sieht bisschen aus wie Augsburger Puppenkiste, Serie: „Die Mumins“). In Pfanne aber nun wiederum entweder vielleicht a) boah! ein klein niedlich Hundchen (hä? Is das chinés Schwein? Unn essen süß-saure arme Hundchen mit Soja unn Anananas, wo doch aber niedlich? – Bah!) , – oder doch vielleicht eher b) noch mal’n Schweinchen (also das zweite von den drei kleinen…). Was soll’n das? Grübel-grieben-grübel.

In Kopp von zweitem Schweinchen stecken, schlarraffenlandesk surreal unwirklich bereits verzehrfertig & verbrauchergerecht Messerchen und Gabeline. Geht Hermeneutik auf Grundeis: Wie jetzt? Is Schweinchen denn kannibal? Schwein & Schweinchen im Blickwechsel: Mag ich disch? Fress isch disch? Bissu Koch oder Opfer, du … Sau? Kannibalische Wohlfühlkommunikation! Schwein guckt Schwein guckt Schwein guckt Schwein … und so weiter. Rätselbild! Fiesolophisch gesagt;  „Selbstobjektiviert und entfremdet durch den die Anerkennung verweigernden Blick des Anderen wird das Subjekt, den Fremden er-blickend als subjektiviertes Objekt auf der ent-fernt anderen Seite des Blick-Agons, seinerseits subjektiviert, kurz: wird im dialektischen Blickwechsel das identifizierte Andere seiner selbst im Spiegel des fremden Blicks“ (J.-P. Sartre, „Das Sein und das Nichts“). Jaha! Genau! Resp. Au weh!  Das Schwein ist des Schweinchens böser Wolfi! Das Böse lauert überall. Wer Schwein, wer Wolf, wer Werwolf? Der Apfel der Erkenntnis fällt im Apfelparadies (!) nicht weit vom Schwein. Hirnschmalz siedet, mit Apfel und Zwiebelgemüse, Grieben noch dabei. Dem Reinen ist alles Schwein. Aber wie soll das ausgehen?

Wie schön iss Muslim-Sein. Nix Dialektik, nix kannibal, nur sauber Übersicht und klare Regel: „Wir essen nix Schwein!“ Kann Schwein mal sehen, wo bleibt. Botschaft von Werbung ist schweindeutig: „Wir obergut, wir vorsichtshalber mal nix essen von unübersichtlich Tier! Wie sagt Proffeeht? Kannibalschwein is grundbös das! Genau wie Schnaps und fiese Kippen!“ – So, jetzt klar das. Schwein unrein unn hat Gesicht wie Steckdos! Sogenannt Schi-nitzel ist Essen von Ungläubige Hunde wie mich und dir! Womit geklärt  Ontologie von Schwein, – wir nix essen dies, bah & basta!

Weil gutte Lehrer immer geben Weltwissen, ich erklär: Wir auch nix essen Oile, Meerschawein und Käng-Guru! Aber sind deswegen nicht doll stolz drauf. Gebe kein Distinktionsgewinn. (Wort Schüler nich verstehn. Aach, mache nix, egal!) Weil deutsch, auch nich schlingen Frosche, Spaghetto und Kakerlak. Aber deswegen nich gleich gut, weil andermal wieder knuspere Kroko, Hummere und Auster-Schleim. Stecke in Mund, was kommt. Unsere Gott egal. Will nur nich, dass wir beiße in Goldene Kalb. Goldene Kalb ganz schlecht, auch in Scheibe (Schi-nitzl).

Serbische Freund’ von „Lehrerr“ fressen gern Manne-Essen: Fett mit Fett an Fett in Fett, aber bittscheen mit gut Buttersoße, sowie viel mit dicke Käse bei. Ja, schaust du: Dicke Mann, gutte Mann, unn is auch viel testosterone Mann-Mann! Frauen machen scharf, wenn dicke Mann! Mann muss immer könne, esse Viagra, fette Lamm, Hammelbein und mächtige Huhn mit Fetttauge-Suppen. Geht alles, wenn hinterher Slibo gut viel.  Hauptsach, nix Schwein. Schwein doppelplusungut. Allah unn Proffeht will nich wissen von Schwein. „Ich soll geschöpft haben? Nie, nix, nimmer. Ist doch krass eeklich Geziefer! Sieht aus wie Mensch, schmeckt wie Mensch, rolle blonde Auge wie Mensch, wenn köpfe.“, so sagt Herr Koran.  Allah meine nich gut mit Schwein. Zwar geschöpft, aber Ausschuß von Schöpfung!

So, willzu esse gut Schweinschmalz, gehssu in Paradies von Apfel. Nix 72 Jungfraue, aber gut esse! Mann stark danach! Ganze Runde ruft: „Ey, Wirt, mache Slibo fiehr Lehrerr! Is nich Müslim, aber gutte Mann, derr Magistrevic!! Weiß immer Bescheid!“ Frau aber schittelt Kopf (ohn Tuch). Hat sie wirklich gesagt: „Mann! Du bist zuviel in dieser Serbenkneipe! Du verblödest da noch!“ ?

PS: Chabb ich gehert, Freund von Freund Chris is anne Airport London gestoppt, weil hatte Töppchen Grieben-Schmalz in Gepäck. Musste ausläffeln an Gate zweihunderfuffzich Gramm von die fette Schmier! Hat danach nebbich bisschen explodiert, und war dann alles voll … Schweinesch…malz. – Allah! Wußt ich, dass Schmalz is fettich und schwer im Magen. Aber Sprengstoff? Nich glauben. Schwein harmlos. Und Islamerer-Terrorist geht nie mit Schwein!

 

Über die innere Übersichtlichkeit unserer Nutztiere. Mongolen-Könige kaufen in Dinslaken!

4. Dezember 2010

Wille zur Gemütlichkeit: Tisch fürs private Gänseessen am Digitalkamin

Bei einem privaten Gänseessen, auf dem wildfremde Leute halt notgedrungen miteinander reden mussten, kam irgendwann natürlich die unvermeidliche Frage auf: „Und was machst du so beruflich?“ – Eine eigentlich enorm indezente und überdies uninteressante Gesprächseröffnung, die selten zu funkelnden Highlights der Konversation führt, denn die meisten machen eh halt „irgendwas mit Medien“, und wenn nicht, wie in meinem Fall, bekommt man nur nebulöse Auskünfte, die in die Irre führen. Mein durch reichlichen Gans- und Rotwein-Genuss schon auf wattig-beduseltes Aufmerksamkeitsniveau herabgesunkenes und dort träge herumdümpelndes Gemüt bekam jedoch einen erfrischenden Kick, als meine charmante junge Tischbarin kundgab, sie sei jüngst von der gemeinen „Eigenbestandsbesamerin“ zur „amtlich zertifizierten Besamungstechnikerin“ aufgestiegen. Das groovt ja nun eindeutig mehr als das Geständnis, man sei „Philosophielehrer für ältere Erwachsene“, oder? – „Sind das nicht“, frug ich rotwangig animiert und durch RTL2-Reportagen vorgebildet, „nicht so Leute, die sich einen blauen Müllsack über den Arm stülpen, um dann hinterrücks schultertief in Kühen herumzustochern?“ – „Pferde“, konterte die zierliche Mitgästin daraufhin lakonisch, „ich mach es nur bei Pferden“. Als kostenfreie Dreingabe bekam ich hierzu die fortbildende Mitteilung, Pferde seien „innen viel übersichtlicher und auch hygienischer“ als Kühe, eine Information, die mir nicht weniger schwer verdaulich vorkam als die servierten Gänsekeulen. Meine stark angefackelte Wissbegierde wurde leider nicht weiter befriedigt, weil andere Gastmahlsteilnehmer das sich anbahnende Gespräch als „bei Tisch nicht appetitfördernd“ abbzubrechen befahlen. „Aber wieso denn..?“ versuchte ich noch zu protestieren, „das ist doch ganz … äh … natürlich!“, wurde aber mit einem Gläschen Wodka abgefertigt und ruhig gestellt. Halb träumerisch begann die mit Rotwein begattete innere Spieldose meines unübersichtlichen Gehirns bereits ein spekulativ angelegtes Traktat zu formulieren, das den barocken Titel tragen sollte: „Über die innere Übersichtlichkeit größerer Haus- und Nutztiere“…

Übersichtlicher als der Komplettvogel sind natürlich vor-amputierte Gänsekeulen, aber dennoch, sie angemessen und mit hohem Köstlichkeitsfaktor zu braten erfordert ein ähnliches Maß an Erfahrung, know how, Liebe und Hingabe wie, beispielsweise, die Besamungstechnik. Ich griff der federführend gastgebenden Hausfrau brattechnisch ein bisschen unter die Arme, denn bei Gänsebraten verstehe ich keinen Spaß! Erstens sind Gänse hochsympathische, viel zu denken gebende Geschöpfe Gottes, zweitens isst man sie höchstens ein, zwei Mal im Jahr, weswegen man sie drittens mit  besinnlicher Andacht, quasi-religiöser Hingabe und pedantischer Präzisionspusseligkeit zubereiten sollte.  Pfusch und Gefummel sind hier Lästerung! Als zwar nicht zertifizierter, aber seit Landei-Kindheit doch erfahrener Eigenbestandsbrater weiß ich darüber hinaus, dass es eine gehörige Rolle spielt, ob da jetzt so eine lieblos maisgestopfte, haltbare Graugans (Bertolt Brecht) aus schneeverwehten Tiefkühleiswüsten zu uns herübergehumpelt ist, oder ob es sich um ein vom grünen Bio-Bauern liebevoll handgestreicheltes, des Abends mit Liedern aus dem agrarischen Folkloreschatz in den Schlaf gesungenes, zertifiziertes Edelthaustier handelt – das Ergebnis nach drei Stunden Bratandacht unterscheidet nämlich sich um Welten!

Die in unserem Falle überaus köstlichen (außen kross-knusprigen, innen zart würzigen) Gänsekeulen lieferte eine hiesige Qualitäts-Metzgerei, die vielfach prämiert und zertifiziert ist und sich im Internet mit berechtigtem Stolz als „königlicher Hoflieferant der Bordschigin Familie der Mongolei“ präsentiert. Die mir bis dato gänzlich unbekannt gebliebene Tatsache, dass die Mongolen über einen König verfügen, der sich überdies sein Fleisch ausgerechnet aus Dinslaken-Hiesfeld einfliegen lässt, gehörte zu den weiteren lehrreichen Unterrichtungen dieses genussvollen Abends in unserem nun gewiß nicht „bildungsfernen“ Kreis.

Unser Tischgespräch glitt indes im weiteren aus dem Pferde-Inneren wieder hinaus und in den Erfahrungsaustausch über die Frage hinüber, wie es sich anfühle, eine Gans auszunehmen. Einig war man sich, dass hier Fingerspitzengefühl angeraten sei, denn käme es durch Unachtsamkeit oder Defizite in der Kenntnis der Vogelanatomie zur Verletzung der Gallenblase, müsse das schöne Vieh nämlich leider komplett weggeschmissen werden. Ein Pferd wegzuschmeißen, wäre zweifellos noch trauriger und kostspieliger, aber die rund um dieses Tier ausgebildete Tisch-Dame versicherte mir beruhigend, ein Pferd sei, schon aus Gründen innerer Übersichtlichkeit, weniger empfindlich und gefährdet, sodaß der Eingriff in der Regel eben nicht zur Verringerung des Pferdebestandes, sondern zu seiner Vermehrung beitrage, – eine Sachinformation, die nicht zuletzt auch den Mongolen-König erfreuen dürfte, wenn denn seine Existenz nicht, wie manche meinen, „eine Ente“ sei. Über die Zubereitung solcher Enten ein andermal.