Vorbild Nacktnasenwombat (Über Verpackungsamok)


Kopfschütteln, Knurren, Zähneknirschen: Der Nacktnasenwombat (Foto-Welle: Wikipedia, Artikel "Wombat")

Durchweg friedfertig bin ich, notorisch sanftmütig wie der manierliche Nacktnasenwombat – ein umwerfend harmloser Beutler und dickköpfig eigenbrötlerischer Pflanzenfresser, der aussieht wie das mythische Heffalumpp aus „Pu der Bär“ bzw. wie ein überdimensioniertes Meerschweinchen –, ein durchaus wehrhaftes, aber nur selten gewalttätiges Tier, das, laut Wikipedia, bei Verärgerung lediglich den Kopf schüttelt, knurrt und mit den Zähnen knirscht, ansonsten aber schnuffelnd seiner Wege geht und sich in seinem selbst gegrabenen Loch verschanzt. Natürliche Feinde hat er keine; wenn doch einmal ein Unbefugter ihn in seinem Bau belästigen will, verkorkt er das Eingangsloch einfach mit seinem plumpen, kräftigen Hinterteil und schaltet auf stur. – Mein Wappentier!

Aber jetzt reicht es. Kraska rastet aus! Ein Stuben-Wombat sieht rot! Wildwütig sieht man mich in der Kammer herumtoben wie Rumpelstilzchen oder dieser damalige Zeichentrick-Choleriker aus der HB-Reklame in den 60ern („Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zu HB!“): Wie auf hartem Ritalin-Entzug spring ich im spitzen Dreieck und stoße obszöne Verwünschungen, ja sogar infernalische, wenn auch ungezielte  Morddrohungen aus! Vorerst nämlich leider noch „gegen unbekannt“, denn welcher grundböse Dr. Mabuse oder was für eine anonyme  geistesverwahrloste Clique Kittel tragender Laborsadisten mich da in den Wahnsinn treiben will, weiß ich nicht. Oder warum. – Nur womit, das weiß ich: Mit Verpackungen.

Natürlich leuchtet es mir ein, dass man hochwertigen Waren-Kram, etwa so Elektronik-Geraffel oder High-Tec-Kleinzeug nicht einfach so nackt auf prollige Wühltische schmeißen kann, damit womöglich grobschlächtiges Kundenpack mit ungewaschenen Fingern darin herum graben könnte wie toll gewordene Konsum-Wombats. Moderne Logistik erfordert widerstandsfähige Verpackungen, klar, die Frage ist nur – Widerstand gegen wen?

Ich weiß nichht, ob euch das schon aufgefallen ist: Neuerdings, vielleicht seit zwei, drei Jahren werden Speicherkarten, Lesegeräte, Sticks & Kabelkram, möglicherweise, weil das teure Zeug optisch sonst irgendwie nichts hermacht, nämlich in eng anliegende, millimeterstarke Schneewittchensärge aus einem neuartigen Plexiglasimitat-Kunststoff eingeschweißt, einem Material, derart leder-zäh, kruppstahlhart und „unkaputtbar“ (!) fest verklebt, dass es sich um ein Abfallprodukt der Weltraumforschung handeln muß: Wasserdicht, erdbebensicher, abweisend gegen Meteoriteneinschläge, nukleare Sternenfeuer und Schwarze Löcher. Ein Meisterwerk der Chemie-Ingenieurskunst!

Nur eine Lasche, einen Nippel oder eine Sollbruchstelle mit der Aufschrift „Bitte hier öffnen!“ sucht man vergebens. Stattdessen zerrt, würgt, reißt, kratzt, frickelt und fummelt man sich die Finger blutig, bis man, nach einer Stunde, Irrsinn in den blutunterlaufenen Augen, losrennt, „Werkzeug holen“. Na, dann viel Vergnügen, Bastelkönig! Nagelfeilen, Grillspieße und Stricknadeln brechen sofort; edle japanische Fischmesser aus Damaszenerstahl sind zu schade; Patentscheren werden stumpf oder lösen sich aus dem Scharnier; Heckentrimmer, Flex und Schneidbrenner sind zu unpräzise, desgleichen Dynamit und Semtex. Am Rande des Amoklaufentschlusses sägt, schnippelt, hämmert, bohrt, sticht, brennt, hackt, ätzt und häckselt der scharf gemachte Verbraucherdepp an der tadellos stabilen, transparent-blanken Superfolie herum, die indes nicht mal einen Kratzer bekommt und das Objekt der Begierde in unmittelbarer Nähe, aber auch höhnischer Unerreichbarkeit glänzen läßt. Ein Königreich für ein Laser-Schwert! Falls man keinen mittelschweren Bolzenschneider besitzt, kommt man noch am besten, ich gebe den Hausfrauentipp gerne weiter, mit einer Kombi- oder Kabelzange voran.

Schon wenigen Stunden später zeigen sich erste kleine Risse in der Verpackung, Haifischzähnen gleich fahren rasiermesserscharfe Plastik-Splitter aus und machen sich bereit, dir hinterrücks heimtückisch die Heimwerkerhände zu zerfetzen. Zu diesem Zeitpunkt, sagt die Gattin, hätte ich begonnen, mit den Zähnen zu knischen und knurrende Geräusche von mir zu  geben.

Kurz bevor ich endgültig in Weißglut geriet, nahe daran, das Drecksding zurück zum Händler zu bringen, um es ihm entnervt vor die Füße zu schleudern (wahrscheinlich hätte ich es damit geknackt?) kapitulierte der Panzer schließlich doch noch. Schweißgebadet, blutüberströmt und kurz vorm Schlaganfall gelang es mir, das 2cm große Kartenlesegerät zu befreien. Leider erwies es sich als defekt. An der Verpackung kann es nicht gelegen haben.

Entscheidend für das Verpackungsknacken ist richtiges Werkzeug!

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19 Kommentare - “Vorbild Nacktnasenwombat (Über Verpackungsamok)”

  1. Uffnik Says:

    Als eine völlige Neuentwicklung wird in Heimwerkermärkten mittlerweile ein aus gehärtetem Edelstahl hergestellter Spezialöffner angeboten. Für schlappe € 16,99 ist das Gerät zu haben. Das braucht man einfach heutzutage.
    Wie es funktioniert kann ich noch nicht sagen. Ich bekomme die Verpackung nicht auf!

  2. ottogang Says:

    Ich versteh‘ euch nicht. Wieso ist eine Verpackung ein Problem.
    Vorher genau anschauen, ein passendes Werkzeug und das Teil eurer Begierde ergibt sich eurem Drängen.
    Aber jugendliches Drauflosstürmen bringt selten Erfolg.

  3. karu02 Says:

    Letztens die Speichererweiterung: Hartplastikverpackt, nur mit dem dem Uffnik beschriebenen, bei mir nicht vorhandenen Werkzeug zu öffnen, in meinem Mac jedoch nicht zu verwenden und daher umzutauschen, Originalverpackt, versteht sich. Er als ich es irgendwie wieder einpacken wollte, sah ich am unteren Rand eine kleine Ausbuchtung, auf die hätte nicht drücken müssen und das Verpackungsding wäre aufgesprungen, ganz ohne Kraftaufwand.
    Es wurde dann trotzdem zurück genommen.

  4. /cbx Says:

    Allerwertester Magister!

    Nein, das nehme ich zurück. Das riecht ein wenig nach Mißverständnis.

    Allerhöchst ge-wert-schätzter Magister,

    seit längster Zeit bin ich ein treuer Bewunderer Eurer eloquenten Exzellenz. Jedoch möchte heute ich Eure geschätzte Aufmerksamkeit auf den international operierenden Normalmenschen-Beglückungsdienst Amazon lenken. Diese höchst philanthropische Truppe bietet schon seit geraumer Zeit „frustfreie Verpackungen“ (vgl: http://www.amazon.de/gp/feature.html?ie=UTF8&docId=1000303353„) an.

    Aus persönlicher Erfahrung kann ich berichten, dass diesen Verpackungen (vorwiegend aus totem Baum) mit meiner werksseitigen Erstausrüstung an Werkzeugen beizukommen ist.

    Hilfe naht also!

  5. /cbx Says:

    Alternativ dazu kannst Du das Zeug auch per Spedition/Sammeltransport nach Bulgarien (oder Dresden – ist in diesem Fall egal) schicken. Nach meiner Erfahrung gibt es auf diesem Planeten keine Verpackung, die sowas übersteht.

    • 6kraska6 Says:

      Das scheint mir eine, wenn auch etwas umständliche, Lösung zu sein. Aus Erfahrung klug, möchte ich allerdings fragen: Kommt das aus Bulgarien auch wieder … zurück?

      • /cbx Says:

        Zurück? Na das war ja wohl gar nicht die Frage. Ich bin Ingenieur, nicht Magister. Wir lösen Probleme schrittweise. Ich kann mit Bestimmtheit behaupten, dass die Verpackung beim Eintreffen am Bestimmungsort offen sein wird (und das war ja das eigentliche Problem).

        Für diese völlig anstrengungslose Öffnungsmethode kann man dann wohl mal einen kleinen persönlichen Ausflug nach Bukarest (oder Dresden – ist in diesem Fall egal) machen, um das geöffnete Teil in Empfang zu nehmen.

        Tadaaa! So elegant lösen Ingenieure ihre Probleme!

  6. 6kraska6 Says:

    … und da hab ich immer gedacht, Ingenieure und Philo-Magister hätten keine gemeinsame Kommunikationsbasis!

  7. oachkatz Says:

    Was Du alles zu Hause hast!?

  8. Scarpa Says:

    Aber Leute, das geht doch ganz einfach: mit der Verpackungsverordnung!
    n der Kasse freundlich darum bitten, das zu erstehende Teil aus der Umhüllung zu lösen und letztere dann zurückzunehmen und dem Recycling zuzuführen. Wenn das an der Kasse nicht gemacht wird, freundlich den Geschäftsführer oder einen sonstigen, des Öffnens kundigen, herbei bitten und diesen werkeln lassen.
    Wenn man aber dem Kundenwunsch nicht nachkommen will, unter Information der anderen Kunden den Laden verlassen.
    Wenn das ein paar Leute mit machen, regelt sich das Problem von ganz alleine.
    Also: Guerilla-Einkauf! Den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen.

    • 6kraska6 Says:

      Das scheint mir ja nun die zweit-umständlichste Lösung (gleich hinter dem Versand nach Bulgarien) zu sein. Wenn ich jedesmal den Geschäftsführer kommen lassen und einen Kundenaufstand anzetteln müßte, da hätte ich ja viel zu tun! Aber darum gehts gar nicht. Es geht um die anti-Verbraucher-Mentalität der Verpackungsindustrie! So schnell laß ich mir meine Aufreger nicht nehmen!

      • Uffnik Says:

        Jawoll! Was wir hier gar nicht lesen wollen sind Lösungsvorschläge. Adrenalin und Glückshormone werden doch nur durch solche Aufreger ausgeschüttet. Basta!

  9. Uli Says:

    Man müsste mal einen Anwalt fragen, ob da was wegen „physischer und psychischer Körperverletzung durch unaufmachbare Verpackungen“ machbar wäre.

  10. ottogang Says:

    Irgendwie komm ich da nicht ganz mit.
    Ein Verpackungsinschinör hat doch die Aufgabe ein Produkt zu VERPACKEN, niemand hat ihm etwas davon erzählt, er müsse es auch ENTPACKEN.
    Da ist doch die Aufgabe Desjenigen, der das Produkt mit nach Hause nimmt.


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