Gott oder Google? Geheime Zeichen zur Daseinswürze


God2-Sistine_Chapel

Der Herr Google gibt Fingerzeige!

Als Kind hab ich ab und zu an Gott geglaubt, vorsichtshalber. In prekären oder kritischen Zeiten sandte er mir nämlich manchmal so geheimnisvolle Zeichen!  Da fiel im letzten Moment die gefürchtete Mathe-Arbeit aus, und ich bekam noch mal die Chance, zu üben; da hatte mir die schöne Heidrun aus der vierten Klasse zugelächelt, obwohl ich es gewesen war, der an ihren Zöpfen gezogen hatte, oder es gelang mir fehlerlos, den ganzen Schulweg lang nur auf jede zweite Gehwegplatte zu treten, was ich gern als gutes Omen für irgendwas nahm. Ich meine, das waren doch Hinweise! Eine höhere Intelligenz kümmerte sich um mich und gab mir Tipps für den weiteren Lebensweg! –

Heute bin ich eigentlich nicht mehr so gläubig. Vor allem auf höhere Intelligenz setze ich nicht mehr, da hab ich die Hoffnung aufgegeben, schon bevor ich anfing, mich bei Qype zu tummeln. Hier bekomme ich „von oben“ bloß barsche, für mich ärgerliche Botschaften und Löschforderungen vom HQ, und ich glaube eigentlich nicht, daß es sich bei dem um eine sog. höhere Intelligenz handelt.

Gleichviel. Eine höhere Macht vermute ich seit ein paar Tagen aber bei Google. Google ist endlich wieder so freundlich, meinen Artikelchen seitlich kleine Werbebotschaften hinzuzufügen (zu adden, wie die Fachkraft sagt). Seit einer Weile beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie man mir, ganz gleichgültig, worüber ich schreibe, hartnäckig und sogar dringlich insistierend nahe legt, ich möge mich a) jetzt aber mal dalli um die Verminderung meines überschüssigen Bauchfetts kümmern, vor allem, indem ich fünf Fehler vermeide, die man mir indessen aber nur gegen Entrichtung einer Gebühr verraten will. (Ich schätze mal, die fünf Fehler sind: Zu gerne essen, zuviel Alkohol trinken, zuwenig Bewegung, zu hohes Alter und daß ich den Bauch-weg-Trainer irgendwann in den Keller verbannt habe. Was denn sonst?) – sowie b) umgehend 15 Kg abnehmen, und zwar, wer hat schon Zeit für Faxen, „über Nacht“, „durch Fettkiller“. Kennen die mich denn? Kann man bei Google Earth womöglich jetzt schon, von oben oder von der anderen Straßenseite, meinen Bauchumfang erkennen? „Ey guck ma, da unten geht grad der dicke Kraska, Mensch, ist der uffjedunsen!“ Schlimme Vorstellung, irgendwie, oder?  Es heißt ja auch immer, US-Spionage-Satelliten können aus der Umlaufbahn jetzt sogar schon entdecken, ob du ein Bauchnabelpiercing trägst oder rote Ohren (infrarot!) aufweist.

Google hat leider Recht, das ist ja das Beunruhigende! Es stimmt ja! Meine Silhouette gefällt mir selber auch nicht. Wenn es nur so leicht wäre, meine fünf Fehler abzulegen! Könnte ich dies, gelänge mir eventuell, was ein weiteres Goggle-ad-on mir ratgeberisch andient, nämlich mir das Geheimnis zu verraten, wie ich „einen Mann in mich verliebt“ mache! Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt möchte. Obwohl, vielleicht ist das auch ein Zeichen?  Wenn es jetzt so ein Milliardär wäre, und ich gestände ihm, nach Eroberung seines Herzens, daß ich leider ein Mann bin und im Grunde auch gar nicht besonders schwul, und er würde dann aber, wie dieser eine Typ am Ende von „Manche mögen’s heiß“ zu Jack Lemon („Daphne“), zu mir sagen: „So what? Nobody is perfect!“, dann wäre das natürlich schon eine interessante Lebenswegänderungsanbahnung. Plötzlich vom Schicksal verfügten Lebensbahnkehren soll man sich ja nicht harthörig verweigern, sie sind, heißt es immer, die Würze des Daseins. Zwar kommt mir meine Biographie manchmal überwürzt vor wie schlechtes Gyros, aber höhere Intelligenzen sind dazu da, für mich das Denken zu übernehmen. Die könnten das erklären.

Sie raten mir im weiteren noch, mich rasch und unverzagt in einen Internet-Single-Flirt-Chatroom zu begeben, vermutlich, nehm ich mal an, um dort diesen einen Mann verliebt in mich zu machen. Nur wieso ich vor dem Chatten „zuverlässig und nachhaltig“ meinen „Mundgeruch“ (?) bekämpfen soll, ist mir unerfindlich, erstens, weil der im Netz doch nicht stören würde, und in der Realität hat sich noch nie einer bei mir in diesem Sinne beschwert. Ich frag mich nur, mit welchen Tags und Schlüsselwörtern ausgerüstet man mir diese Werbebotschaften zuteilt. Verwendet man höheren Orts ein „intelligentes Design“? Schwer zu glauben…

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One Comment - “Gott oder Google? Geheime Zeichen zur Daseinswürze”

  1. eichiberlin Says:

    Wie jetzt, „Qype“ ist gar nicht techno-arawakisch für „Inri“???🙂


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