Amselmamsellensammeln (Portion Emo für den King of Pop)


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Schwarzes Hähnchen...

Sorry, Fanvolk, nichts zu machen: Die Trauerfeier für Michael Jackson findet nicht hier statt. Geht bitte weiter. Verlaßt zügig das Gebäude, das Areal, das County. Geht nach Hause! Wenn euch nach einer Portion Extra-Emo ist, weint ruhig in eure Frottee-Bettwäsche mit Simpson- oder Winnie-the-Pooh-Motiven, in eurem stillen, mit Plakaten schrill, provokativ, aber irgendwie auch stilvoll geschmückten Jugendzimmer. Falls ihr definitiv erkannt haben solltet, daß das Leben jetzt keinen Sinn mehr hat: Das ist richtig.

Ihr könntet euch, um den akuten Sinnmangel zu kompensieren, eventuell ein wenig die Unterarme aufritzen. („Let it bleed!“) Aber schneidet nicht zu tief, vielleicht wollt ihr später mal ein tolles Tattoo dort, oder in Weiß heiraten („Let it be“)! Schlagt vielleicht besser methodisch mit dem Kopf gegen die Wand („Beat it!“), das wird der verblichene (ha!) King of Pop zu schätzen wissen.

Apropos schwarze Sänger: Womit auch mal Schluß sein muß, ist die Unterschätzung der Amsel! Die Amsel ist ein dynamisches, flexibles, Innovationen gegenüber aufgeschlossenes Geschöpf, Geziefer, Dings, Geflügel. Nebenbei, wer weiß das: Ab welcher Größe darf man die Sexualversionen von Vögeln eigentlich Hahn und Henne nennen? Sagt man z. B. Amsel-Hähnchen? Oder Amselmann und Amselmamsell? Damit ersterer eine möglichst attraktive dicke schwarzbraune Mamsell abkriegt, muß er sich ins Zeug legen und ordentlich was singen bzw. flöten. Je souliger und heißer er pfeift, desto mehr Amselmamsellen. Auch in Amselland gibt es einen King of Balz, der das Weiberanflöten praktisch revolutioniert hat. Ich hörte ihn im Wienerwald. Er setzt auf Samples.

Jeden Nachmittag beginnt er seine Show mit einer sensationellem Nummer: Acht Sekunden lang die perfekte Nachahmung einer Autoalarmanlage! Lalülalülalülalülalü. Dann: erschrockene Pause. (Der Besitzer inspiziert seinen nachtschwarzen Porsche-Cheyenne-FWD-Geländewagen.) Die Amselinnen lauschen atemlos im Unterholz. Und dann geht es wieder los: Lalülalülalülalüla. Cool, elektronisch, repetitiv, hypnotisch. Unter den Vögelinnen herrscht der Aunahmezustand. So etwas Aufwühlendes hat man an den Ufern der Wien noch nie gehört. Teddys, Slips, ganze Federbetten fliegen auf die Bühne. Heute Nacht könnte das Hähnchen alle haben, könnte amseln bis zum abwinken! So macht das Amselmamsellsammeln Spass! – Dies sagt der Fachmann zum Amsellied:

„Der Reviergesang der Männchen setzt sich aus flötenden Tönen zu Beginn, kombiniert mit melodischen Strophen und einem „Anhängsel“ zusammen. Der Mittelteil enthält dabei häufig kurze Imitationen und Variationen anderer Vogelarten.

Jedes Männchen beginnt sein Lied etwas anders, was eine Unterscheidung einzelner Individuen ermöglicht. Das sogenannte Kontersingen – das gesangliche Reagieren auf einen Kontrahenten oder Nachbarn – ist bei der Amsel ausgeprägt. Die am ähnlichsten klingende Strophe aus dem eigenen Repertoire wird mit entsprechenden eigenen Anfangselementen vorgetragen. Auch das „Anhängsel“ wird vielfältig in abgewandelter Form gesungen. Dabei ist der komplexe Aufbau dieser Anhängsel für das menschliche Ohr kaum aufzulösen, sondern wird erst bei Betrachtung von Sonagrammen in seinem vollen Umfang deutlich. Große Unterschiede in Tonhöhen innerhalb einer Sekunde, stark ausgeprägte Obertöne und diplophone Partien mit gegenläufigen Frequenzverläufen charakterisieren diese „Anhängsel“. Der individuelle Aufbau und die Länge der Strophen variieren stark. Eine Strophe kann zwischen 5 und 29 Elementen enthalten. Sie ist durchsetzt mit Pausen zwischen wenigen hundertstel und einigen zehntel Sekunden, welche die Strophenelemente untereinander abgrenzen.“ (Wikipedia)

Zwei Dinge fand ich im Zusammenhang mit Micheal Jackson interessant an Amseln: „Weibchen lassen manchmal gedämpfte oder dem männlichen Gesang ähnliche Strophen hören. Fordert ein Weibchen ein Männchen zur Paarung auf, lässt es gepresst klingende, sehr leise und oft hohe Laute in nicht zusammenhängenden Folgen hören.“  Das erinnert doch an „Thriller“-Triller, oder?

Noch famoser ist, was Ornithologen beim Amseln als „Leuzismus“  bezeichnen: „Bei der Amsel treten partieller Albinismus (Fehlende Pigmente), Leuzismus (Federn ohne Pigmente, Augen und Epidermis hingegen pigmentiert) sowie Chlorochroismus (Verblassen der Pigmente) auf.“ Mit anderen Worten: In gewissen Fällen können Schwarzdrosseln weiß werden, gepresst klingende, hohe Laute ausstoßen und sich anhören wie ein teures Auto! 

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Weißes Hühnchen... (Photo: Splash)

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2 Kommentare - “Amselmamsellensammeln (Portion Emo für den King of Pop)”

  1. lakritze Says:

    Balzen ist vielleicht das letzte, was Jackson wollte –? Friede seiner Asche; und gut is.

    Amseln: Ein Freund hatte seiner Stammamsel die Fanfare aus dem »Fliegenden Holländer« beigebracht. Das blöde Viech kombinierte das mit elektronischem Weckerpiepsen, was sehr irritierte.

  2. ChiantiClassico123 Says:

    Kraskaesque stimulus for contemplation (as ever).

    ‚Amsel‘: Blackbird (Duden/Oxford W/buch)

    ‚Blackbird‘: hist. a kidnapped black or
    Polynesian on a slave ship.“ (Oxford Engl. Ref. Dict.)

    ‚Blackbirding‘: The recruiting of Pacific islanders (Kanakas), mostly for work on plantations in Queensland and Fiji, from the 1860s to 1910. About 61 000 islanders were taken to Queensland between 1863 and 1904. Despite criticisms, the trade was not a form of slavery. Most came voluntarily, and under contract; about a quarter were tricked or forced. (Crystal Ref. Enc.)

    ‚Kanaka‘ (noun historical): a Pacific Islander employed as an indentured labourer in Australia, especially in the sugar and cotton plantations of Queensland.
    (ORIGIN Hawaiian, literally ‚man‘.)

    So now you know where the word Kanaka comes from! I thought it was of German origin.

    Yours – a little wiser – but still deeply saddened. The little Amsel squeaks no more.

    CC


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