Ein Wien-Erlebnis mit Prominenz-Bezug


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Glückspilze treffen ihn am Naschmarkt: Herrn Grandits gibt es wirklich!

BANALER ZUFALL ODER METAPHYSISCHE KOINZIDENZ?

Weil ich übermorgen nach Wien fliege und hier für zwei, drei Tage den Rand halten muß, sende ich heute eine Wiederholung aus meinem Qype-Schatzkästchen, einen Beitrag mit Wien-Bezug, in dem auch Prominente mitspielen:

„Nee, schon klar. Ich würde das auch nicht glauben. So Geschichten gibts ja vielleicht im creative writing-Kurs, aber nicht in wirklich. Ich habe „gute Freunde“ (ha!), die sich bestimmt jetzt hämisch die Hände reiben und kichern: „Ey, guck mal, Kraska mystifiziert schon wieder! Der kann keine simple Städtetour machen wie Millionen andere auch, nee, der muß gleich wieder den Papst beim Tango treffen!“ – Und schwören nützt auch nichts? Ach, dann glaubt doch, was Ihr wollt, jedenfalls habe ich ein irres Erlebnis zu referieren…

Ich weilte also in Wien. Neben verwirrend vielen exotischen Völkerschaften hat es dort ganz glücksgelegentlichselten noch den charakteristischen, von mir bis zur Abgötterei verehrten Typus des Wiener Grandseigneurs: Gebildet, distinguiert, ungemein höflich, zuvorkommend, mit schier phantastischen Manieren und wirklich echtem, wirklich umwerfendem, auf Takt und Herzensbildung basierenden Charme. Dieser Typ Mann, den ich vom Fleck weg heiraten würde! (Und das als Mann, der ja noch nicht mal ansatzweise homosexuell ist!)

Ein Beispiel wollt Ihr? Nun, ich weiß nicht, vielleicht kennt  jemand den Herrn Ernst A. Granits – dieser soignierte, stoppelkurz-silberhaarige, kluge, reifere Herr moderiert die 3Sat-Sendung „Kulturzeit“ und ist u. a. bekannt für intelligente, auffallend uneitle, fast schon in Gespräche ausartende Interviews. Ich sehe den Mann oft, im Fernsehen, und ich gestehe: Von allen TV-Nasen ist er mir eine der sympathischsten. Da er einen ausgeprägten Akzent hat (ist der Wienerisch? Oder typisch für Graz? Oder Salzburg? das weiß ich nicht…), und wohl auch noch aus anderen Gründen kam mir dieser gewisse Herr Ernst A. Grandits, während ich in Wien herumtrabte und div. Sehenswürdigkeiten würdigte, des öfteren in den Sinn. Mal hier, mal da. Nicht obsessiv, aber immer mal wieder. So. Daran ist ja jetzt nichts Ungewöhnliches, oder? Nein.

Nun schlendere ich mit der Gattin am Montagabend über den Naschmarkt. Die Stände werden gerade abgeräumt, es ist leider Feierabend. Die abertausend Naschereien haben uns aber Appetit gemacht, und so schnüren wir am Rande des Naschmarktes herum und halten nach einem einladenden Restaurant Ausschau, und während wir noch diskutieren, strahle ich einen Passanten an, mit mutmaßlich völlig entrückt-dämlichen Grinsen und sage: “Guten Abend, Herr Grandits!“ , denn, glaubt’s nun oder glaubt’s nicht, da steht der am Naschmarkt, in persona, im vollen Glanze seiner austriakischen Höchstselbigkeit, ein paar Sackerl mit Delikatessen in der Hand und… ist ein wenig irritiert. Man sieht, wie er kramt: …Kenn ich den?  S o l l t e  ich den kennen? Ich erinnere mich nicht! Haben wir zusammen studiert, vielleicht? Oder ist das der Ex-Mann von der…hm… na….Dings?

Inzwischen sind wir etwa 15m voneinander entfernt stehengeblieben, der Herr Grandits an der Ampel, ich an der Gattin, die meinen plötzlichen Ausbruch von Enthusiasmus zu verstehen versucht, während ich stammele: „Hör mal, ist das irre! Ich glaub das nicht! Das ist DER GRANDITS! Da eben, der da, da hinten, da! Und den hab ich jetzt grad mal gegrüßt, weil, den kenn ich aus dem Fernsehen und…“ Nun ist die Gattin ja bekanntlich selber beim Fernsehen und deswegen vollkommen unbeeindruckt, und ich muß ihr erklären, warum es eine geradezu metaphysische Koinzidenz der Ereignisse darstellt, daß ich praktisch gerade erst in Wien an den Herrn Grandits gedacht hätte, und jetzt wäre der da praktisch exakt in der Wirklichkeit vor mir gestanden und… [Ich erwähnte wohl auch die ähnlich gelagerte Diskussion, die Karl Valentin im Sketch „Orchesterprobe“ mit dem von Liesl Karlstadt gespielten Dirigenten führt, ob es nämlich ein bloßer Zufall oder doch bedenkenswerte Fügung sei, daß am Sendlinger Tor, grad als er mit einem Bekannten über Radfahrer gesprochen hätte, eben ein solcher vorbeigekommen sei.] Jedenfalls redete ich, hin und wieder mit frenetischem Enthusiasmus auf den Herrn Grandits deutend, auf die Gattin ein, um ihr die Sensationalität dieses Zusammentreffens zu erläutern. Sie versteht manchmal meine Aufgeregtheit nicht, sie hat ein anderes Temperament.

Aus der Perspektive des Wiener Prominenten sah es wohl eher so aus: Da scheint ein offensichtlich hilfsbedürftiger Irrer Fürsorge zu benötigen! Fragend sieht er zu mir her. Ich wiederum hebe entschuldigend die Hände, gestikuliere erklärend – was die Sache noch wirrer macht. Der Fernseh-Seigneur, schon in mitmenschlicher Sorge, macht ein paar Schritte auf mich zu… – und ich auf ihn. Ich möchte ihm gern erklären, inwiefern ich keineswegs völlig bescheuert sei und auch gar kein Provinztrottel, der gleich erstürbe, wenn er einen Menschen, den er aus dem TV kenne, in der Wirklichkeit träfe, – während wiederum der Herr Grandits wohl denkt, er muß einem armen Provinz-Depperl aus der Patsche helfen, und so reden wir eine kurze Weile aufeinander ein – ich stammle immer wirreres Zeug (“Wissen’s, Sie! Ich kenn…, i hob, i woaß, i liab Sie praktisch – meine Verehrung! – wegen denen Ihra Sendung und bin praktisch a Fan, und dann hab i Sie auf der Strassen gsehn und da hab i denkt, ich grüß, aber i woaß natürlich, daß SIE MICH net kenna derfa und…“

– und der wunderbare Herr TV-Geheimrat oder Gnä’ Herr Professor wirft seinen sahnigen (aber nicht die Spur selbstgefälligen!) Bariton an und sagt: “Danke. – Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ Jetzt bin ich VÖLLIG daneben. Geradezu schon debil und wie nicht mehr ganz zurechnungsfähig grinse ich das Intellektuellen-Idol nun praktisch fast fanatisch an, strahle, kichere wie doof und stammele: “Äh, nee, nein, äh. Danke, ich glaub, Sie können mir nicht helfen, mir kann wahrscheinlich keiner…“ – worauf dieser wunderbare Mann, anstatt sich achselzuckend wegzudrehen, freundlich und fürsorglich nachhakt und sagt: “Nun, aber ich habe Sie mit Ihrer Frau Gattin über dem Stadtplan grübelnd gesehen und dachte, vielleicht suchen Sie etwas?“

Da hab ich dann gestanden, na ja, schon, ja, in der Tat, ein nettes Restaurant suchten wir gewiß, und… – und der Herr Grandits fragt huldreich-geduldig: “Etwas Österreichisches? Und net zuu teuer?“ Ich kann nurmehr stumm nicken, während das Fernsehidol nachdenkt, blinzelt, stirnrunzelt und offenbar ernsthaft (wegen mir!!!) grübelt und dann spricht und das Orakel kundgibt: “Naa … da gehns doch zum Horvath! Des is reell, des is österreichisch und des is bezahlbar!“ Worauf die televisionäre Berühmtheit mir dann auch noch ganz unprätentiös, aber journalistisch präzis den Weg zum Wirtshausm  weist und beschreibt … – zu dem wir uns dann auf den Weg machten, nachdem ich dem Herrn Grandits noch ein Lächeln hinterhergeschmissen hatte, das, wäre ich eine einigermaßen hübsche Frau gewesen, ihm eventuell hätte hypothetisch den Abend hirnzerstäubend versüßen hätte können.

Der Weg dann zum Gasthaus war echt hart… – für die Gattin. Obwohl sie praktisch DABEI gewesen war, mußte sie sich von mir ungefähr fünfzehnmal die Geschichte anhören, wie ICH in Wien zufällig an den Herrn Grandits aus dem Fernseh gedacht hätte und dieser dann urplötzlich dagestanden wäre. Und daß er uns einen Weg zum Gasthaus gewiesen… Unglaublich! Oder? Oder? Liebling! Denk doch mal! Das war DER Grandits!!! DER aus dem Fernsehen! [Das vielleicht absolut Grandioseste an der Gattin ist, daß sie in diesem Moment, wiewohl vollkommen im Recht, NIEMALS sagen würde: Na und? MICH kennst Du auch aus dem Fernsehen! – – Ich habe halt eine sehr STOLZE Frau!] Das „Horvath“ war dann übrigens auch tatsächlich recht gut!

Die Frage ist freilich: Werde ich nun jemals noch den Herrn Grandits im Fernsehen erblicken können, OHNE Mitzuschauern die Geschichte zu erzählen, wie ich diesen verehrungswürdigen Mann mal am Wiener Naschmarkt getroffen habe und er mir einen Restauranttipp gab? Es gibt Koinzidenzen, die ließen auch einen metaphysisch Unmusikalischen erschauern…“

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2 Kommentare - “Ein Wien-Erlebnis mit Prominenz-Bezug”

  1. lakritze Says:

    Na, dann aber mal verschärft schöne Ferien, Herr Kraska!


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