Einiges über Bilder aus dem „Wachturm“ der „Zeugen Jehovas“


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Eine schwierige Frage!

 

Ist ein rebellisches Kind im Haus?“ – so frug, im kryptischen Zusammenhang mit einem Bild von der Arbeit im Weinberg, dereinst ein Titelblatt des „Wachturms„, der bekannten Erweckungszeitung der „Zeugen Jehovas“. Diese Frage ist schwer zu beantworten. Nach meiner persönlichen Erfahrung sind rebellische Kinder selten „im Haus“, weil, sie sind meistens „feiern“, „übernachten bei einer Freundin“, „lernen zusammen für die Klausur“, das heißt also, sie gucken zusammen „Germany’s next Top-Moppel“, haben Sex und/oder nehmen div. Drogen, „machen“ also „Party“. Genaugenommen: „In da houze“ sind rebellische Kinder eigentlich nur, wenn sie Geld brauchen, oder um den Kühlschrank zu plündern. – Aber wenn nun doch mal? Was mach ich mit dem rebellischen Kind, wenn ichs daheim ausnahmsweise vorfinde? Was empfiehlt der „Wachturm“? Soll ichs vielleicht mal präventiv züchtigen? Also aus Fürsorge gut und derbe durchhauen? Vorbeugend eine schallern? Wegen Rebellentum, Unbotmäßigkeit und unbefugter Widerwortigkeit? Ach, ich weiß nicht…

Ich war auch mal ein rebellisches Kind. Ja, hätte der Herr Vater für mich ebenfalls körbeweise Weintrauben gepflückt, wär es noch angegangen, aber die stattdessen angebotenen Ohrfeigen verschmähte ich regelmäßig und verließ das Haus, während mein Erzeuger mir etwas Unflätiges oder Erzieherisches hinterherbrüllte. Ich hielt ihn damals, ehrlich gesagt, für ein ziemliches Würstchen. Es ist das Vorrecht der rebellischen Jugend, aus dem Überschwang mangelnder Lebenserfahrung arrogante Urteile zu fällen. Heute weiß ich, daß Würstchenhaftigkeit ein Zustand ist, in den ein Mann der heutigen Zeit schneller hineinrutschen kann, als er glaubt. Besser, man akzeptiert eine gewisse Grundlächerlichkeit des gemeinen Gockels, dann ist man später nicht so beschämt. Und ehe sich die Damenwelt jetzt etwas einbildet: Der Weg von der Rosenknospe und Märchenfee zur Schnepfe, Schnalle oder Zicke ist ebenfalls abschüssig und schlüpfrig!

Eine ganz andere Frage, die mich interessiert, weil ich heut schon wieder zum Quengel-Trainer und Denksportwart Reinhard Haneld muß, ins Seminar für Bildästhetik und Hermeneutik, ist ebenfalls von den „Zeugen Jehovas“ aufgeworfen worden:

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„Ist es richtig, Bilder zur Anbetung zu verwenden?“ – so fragt hier bang eine Großmutter, Trümmerfrau oder Mutter Oberin, die, während ihre in einem höchstwahrscheinlich harten, arbeitsreichen Leben abgearbeiteten, knotigen Gichthände einen Rosenkranz befingern, das miniaturisierte Bildnis eines halbnackten jungen Mannes, den man gerade totgemartert hat, weniger betrachtet als argwöhnisch beäugt oder aber, besser, ahnungsvoll seherisch durch ihn hindurch visioniert. Tja, darf man? Die einen sagen so, die anderen so. Ikonoklasten die einen, Ikonodulen die anderen. (Wenn Ihr nicht wißt, was das ist, schlagts halt bei Wikipedia nach!) Die Lösung liegt in einem entschlossenen Es-kommt-darauf-an! Worauf? Nun, was auf dem Bild zu sehen ist. Bei Jesus wird in der Regel ein Auge zugedrückt. Einen gekreuzigten Frosch anzubeten, oder, wie kürzlich in der taz abgebildert, Bayern-Trainer Klinsmann am Kreuz, das ist schon problematischer.

Regelrechter Moralalarm schrillt jedoch, wenn, wie im folgenden zu sehen, eine junge Dame, möglicherweise ein halbes rebellisches Kind, sein Spiegelbild anbetet. Hier hat Satanas das Schminktischchen reich gedeckt! 

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Fräulein Kesse Lippe auf dem Weg zur Hölle

Wie man sieht, hat das Fräulein sich eine frivole Schleife ins Haar gemacht und zieht gerade seinen „Schmollmund“ mit Lippenstift nach!  Fräulein Kesse Lippe wird daher leider in der Gosse landen! Da nützt dem Backfisch auf dem Weg zum Gefallenen  Mädchen auch nicht das weiße, gestärkte Krägelchen oder der strenge Pferdeschwanz. Tut mir leid! Dieses Girl ist verdammt! Es hat schon vom süßen Gift der Sünde (Parfüm!) genascht! Später wird es mit Adam ausgehen, und bei der Rückkehr vom Kino gibt es Knutschen mit Zungenkuß, und „sie“ wird fragen: „Kommst du noch auf einen Apfel mit ‚rauf?“ Kehrt bloß um, im Fallen begriffene Mädchen! Meidet den verderbten Schminktisch, verabscheut den Spiegel und den kristalllüsternen Flakon! Es weilt kein Segen drauf!

Segen hingegen bekommt überreich, wer auf Jehova vertraut. Sollte ich je Lust haben, nackt, nur in einen Fransenvorhang gewickelt, in einen vergitterten Keller zu springen, in dem sich drei halbverhungerte männliche Löwen sowie eine wohl kaum weniger gesättigte weibliche Löwin befinden, so werde ich umgehend Jehova anrufen und bitten: „Hol mich hier ‚raus!“

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Irgendein Bruder Ephraim oder Hesekiel im Dschungelcamp

 

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9 Kommentare - “Einiges über Bilder aus dem „Wachturm“ der „Zeugen Jehovas“”

  1. vilmoskörte Says:

    Bekamst du etwa auch die Drohung zu hören, ins Internat geschickt zu werden, später dann, enterbt zu werden, und auch die Empfehlung: „Geh doch nach drüben!“?

    Backfisch ist auch schön, schon lange nicht mehr gehört, dieses Wort.

    • 6kraska6 Says:

      Internat und Enterbung waren – aus Geldmangel – kein Thema; „nach drüben“ zu gehen, wurde mir dafür umso öfter nahegelegt!

      • olyly Says:

        Mich wollte man auf den Blocksberg schicken. Hat aber nix mit Bibi zu tun.

      • olyly Says:

        Ach 6kraska6, eigentlich wollte ich Dir nur sagen: Super Artikel. Klasse geschrieben!!!!

  2. botschaftneukoelln Says:

    In der Morgendämmerung, bei Tagesanbruch, stand der König sogleich auf, und eilends ging er zur Löwengrube. Und als er sich der Grube näherte, rief er mit betrübter Stimme Daniel zu; dabei sprach der König zu Daniel: Daniel, Diener des lebendigen Gottes, dein Gott, dem du unerschütterlich dienst – hat er dich retten können vor den Löwen? Da redete Daniel mit dem König: Ewig lebe der König! Mein Gott hat seinen Engel gesandt und hat den Löwen das Maul verschlossen, und sie haben mir kein Leid angetan. (Daniel, Kapitel 6)

    Ein surreales Gedicht unter dem Titel «Kannibalen» löst derzeit in Blogsdorf einen Run auf Menschenfleisch aus. In Vierzeilern erzählt der Text auf ironische Weise vom Speiseplan einer Menschenfresserfamilie:

    Finger jammern in der Pfanne,
    Blut schäumt über in der Kanne.
    Zwiebeln weinen dicke Tränen,
    Menschenfleisch hängt in den Zähnen.

    Früchte schlummern träg und faul,
    Nieren springen in das Maul.
    Mehl lagert in Eichenschränken,
    Zucker knistert unter Bänken.

    Käse aus dem Kühlfach schmunzelt
    Augen blicken stark verrunzelt.
    Zungen züngeln rosarot,
    Ohren sind schon länger tot.

    Lenden schmoren in der Röhre,
    kerngesund lacht eine Möhre,
    aus dem Korbe lockt ein Pilz,
    im Topfe schmort vom Kind die Milz.

    Über einem alten Pimmel
    weht ein grauer Hauch von Schimmel,
    in Sahne schwimmt vom Bauch der Speck. –
    Das Hirn war gleich als erstes weg!

    Der von Prinz Rupis Werbeagenten Mark E. Ting zum «Unternehmer des Jahres» nominierte Inhaber des Teppichhauses Trithemius erkannte sofort den aktuellen Trend, und integrierte einen Delikatessladen als Shop-in-Shop in sein Unternehmen. Der bekennende Vegetarier Trithemius offeriert dort offiziell Bioprodukte, Gemüse und Obst. Doch als «Bückware» gibt es unter dem Ladentisch in seinem «Deli» auch Menschenfleisch! Dank der Aufhebung des gesetzlichen Ladenschlusses stehen derzeit interessierte Kunden bis weit nach Mitternacht um frische Ware an.

    Quelle: «Kultblog» des Autors und Verlegers Wilhelm Ruprecht Frieling

    Koscher ist es auch nicht, selbst für gläubige Löwen…

    Der Blog der Küchenhexen nahm das den neuen Hype auslösende Gedicht als «Das besondere Rezept» mit dem Warnhinweis «Nicht für Kinder unter 99 Jahren geeignet!» auf und erinnert damit an mögliche schlechte Zeiten. Auf Empfehlung des Autors wurde «Gegrillter Bush mit Rumsfeld auf Reis» zum Tagesgericht gekürt. Die Bloggerin Immekeppel reicht dazu Molotow-Cocktails. Dieses einzigartige Menu soll, wie Insider behaupten, auf einer geheimnisvollen «Online-Lesenacht» unter der Bezeichnung «Soylent Green» als stärkende Wegzehrung gereicht werden.

  3. SwasthaMy Says:

    Kraska du sprichst mir aus der Seele … aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die „Aussenseiter“, die Rebellen aus Sicht der Gleichaltrigen heute meist die gefestigteren Persönlichkeiten sind … und die Rosenknospen von damals häufig schon verschrumpelt und irgendwie garnicht mehr so dufte.

  4. lakritze Says:

    Die Geschichte, wie Du zu diesem Wachturm gekommen bist, würde ich nun auch gern hören.

    • 6kraska6 Says:

      Wie ich gerade in „Perverse Universen“ schrieb: Der Wahnsinn ist nur noch zwei Mausklick von Dir entfernt. Jeder Wahnsinn. Die Parallelwelten sind gleich nebenan!


  5. Sogar die Kinderschänderei wird in dem Kinderbuch der Zeugen Jehovas angedeutet!

    http://www.antichrist-wachtturm.de/kinderschaender-daemon.xhtml


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