Charaktere … die wirklich nerven (IV)


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"Was gibt es da zu lachen?"

Heute:  der Eindimensionale

Der Eindimensionale ist gar nicht mal zu 100% ein Idiot. Iwo, keineswegs. Der geistige Grobmotoriker hat Begabungen! Sie liegen zumeist auf dem Gebiet technischer Intelligenz, was es schließlich auch geben muß und weswegen er als Programmierer, Bauzeichner oder Software-Entwickler durchaus die Note „befriedigend“ erreichen kann. Er muß halt ein bissel gefördert werden. In Großraumbüros kommt er zurecht, solange man ihn nicht überfordert. Ein solcher kritischer Punkt ist freilich rasch erreicht. Dies hängt mit der Eindimensionalität zusammen, der der Rang einer Behinderung zugesprochen werden dürfte:

Die Welt ist, was der Fall ist. Und worüber man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen – diese beiden leider ziemlich ungehobelten Quatschsätze des blutjungen, präpotenten Ludwig Wittgenstein könnten seine Maxime sein, wüßte er denn, was eine Maxime überhaupt genau ist. – Der binäre Code, Null und Eins, das ist sein Horizont. „Deine Rede sei ja, ja, nein, nein“, heißt es in der Bibel. So denkt er eigentlich ebenfalls, obwohl er „von der Bibel und som Kram“ natürlich auch weiter nichts weiß, weil Religion – wie auch „dieser ganze Kunstscheiß“ nicht so sein Ding ist: Aber daß Sprache ausschließlich der Übermittlung von Sachinformationen dient, das würde er sofort unterschreiben. Wozu denn sonst? Mit der Sprache ist das wie mit Kartoffelbrei: Mutti hat immer gesagt, „damit spielt man nicht!“

Deshalb versteht der gelegentlich auch als nerd oder geek bezeichnete Techniker rein kognitiv grundsätzlich keinen Sprachwitz, Humor hält er für  Opas altes wet-ware-Zeug und Ironie kapiert er nicht einmal, wenn eine Bemerkung in ganze Zierleisten von Zwinker-Smileys eingefaßt wäre. Selbst den schlichtesten Scherz, achtlos im Gespräch dahingeworfen, muß man ihm erklären. Schriftliche Witze sogar zweimal.„Was gibt es denn da zu lachen?“ ist eine Frage, auf die er im Grunde noch nie im Leben eine Antwort gefunden hat. Allein bei Sarkasmen, die ätzender wirken als Domestos, hegt er gelegentlich den Verdacht, dahinter müsse sich ein Angriff verbergen. Wenn Leute lachen, argwöhnt er deshalb vorsichtshalber immer, sie wollten ihn veralbern, was er sich mit einer gewissen präventiv eingesetzten Leberwurstigkeit verbittet. 

Die aus dem nahezu totalen Humor-Defizit resultierende soziale Unbeholfenheit läßt den Eindimensionalen oft grobschlächtig und extrem schlicht gestrickt erscheinen, weswegen er als Frauenschwarm selten reüssiert, außer eventuell  bei anämischen BWL-Studentinnen mit Sternzeichen Wasserwaage, die in der Kneipe, wenn sie gefragt werden, was sie trinken möchten, immer ihr dünnes mittelblondes Haar zurückstreichen und wispern: „Ooch, …Wasser … oder egal…“ 

Im Zeitalter digitalen add-on-Marketings bei google oder amazon könnte man sagen: Wer diesen Eindimensionalen mag, der mag auch alkoholfreies Bier, Anorgasmie und Duschen, bei denen das Wasser wegbleibt, sobald man sich eingeseift hat. Er ist übrigens meistens männlich und immer zwischen Zwanzig und zweiunddreissig. „Immer“ heißt in diesem Fall: Reifemäßig bleibt er voraussichtlich die nächsten dreissig Jahre ein Twentysomething. Wenn man zu ihm sagt: Hör mal, damals hätten Leute wie du in der Partei Karriere gemacht, sagt er: „Versteh ich nicht! Welches damals meinst du denn?“ Das erklärt sich daraus, daß sein historischer Horizont in etwa der Verlaufsliste seines Rechners entspricht. Sein Weltbild hat maximal 19 Zoll und ist flimmerfrei. Als Bildschirmfarbe wählt er vorzugsweise „blauäugig“. Ältere Menschen beunruhigt er manchmal: der Eindimensionale...

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4 Kommentare - “Charaktere … die wirklich nerven (IV)”

  1. connect Says:

    guter Kartoffelbrei mit guter Bratensoße, da kanste eine Burg mit Burggraben und einer Zugbrücke bauen, wenn der nicht bereits abgefahren ist.

  2. botschaftneukoelln Says:

    Änderungen des Masturbationsverhaltens und des Vorspiels oder der Sexualtechniken allgemeyn mögen seyn hier sehr hilfreich.

    (Mir hat mal jemand verklärt, dass heisses Duschen Krebs verursachen kann)…

  3. joulupukki Says:

    Na, immerhin ist er monotaskingfähig, der Eindimensionale. Was ja nu auch nicht jeder von sich behaupten kann.

    herzlichst,
    die Programöse


  4. […] Hier ist seine «Botschaft» […]


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