Philosopher’s Corner (I)


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                     Kraskas Arbeitszimmer: Typisch Taxi-Fahrer!

Meinen erlernten Beruf nenne ich selten. Ich mag die abschätzigen Blicke nicht. Wenn ich angebe, ich sei Philosoph, gucken die Leute immer so, als hätte ich behauptet, von Beruf Vegetarier zu sein. „Ach… und davon kann man leben?“ Philosophie ist irgendwie nicht wirklich cool, immer umgibt sie so etwas Abgefahrenes, Antiquarisches, Anachronistisches. Einerseits verdächtigt man sie prinzipiell der weltfremden Verstiegenheit, auf der anderen Seite hat heute jede mittelständische Firma, vom Autoreifenhändler bis zum Zoogeschäft, eine „Philosophie“. Der Fußballtrainer sagt im Fernseh: „Unsere Philosophie ist: Die Mannschaft muß das Spiel gewinnen!“ Ach was. Da muß man ja nicht unbedingt für studiert haben, oder?

Bizarrerweise ist ein Philosophiestudium, wenn man darin gut sein will, ein sauteures, aufwendiges, strapaziöses Unternehmen. Man kauft und liest eine Unmenge Bücher und muß es lernen, mit Gleichmut zu ertragen, daß man die meisten Wälzer von Seite eins bis siebenhundertdreiunddreissig nicht versteht. Erst einmal jedenfalls ziemlich sicher kein einziges Wort! Lest Hegels „Phänomenologie des Geistes“ oder Gilles Deleuzes „Differenz und Wiederholung“, und ihr wißt, was ich meine. Zu meiner Zeit lag die Abbrecher-Quote bei 80 %. Von den restlichen Magistern und Doktoren fährt die Mehrheit Taxi oder verwandelt sich an irgendwelchen Uni-Fakultäten bei lebendigem Leibe in Aktenstaub. Der Rest, survival of the fittest, wird Unternehmensberater. Schade. 

Wofür ich dankbar bin: Mir hat das Studium keinen nachhaltigen psycho-kognitiven Schaden verursacht. Die Gattin mag das gelegentlich anders sehen, aber die Unfähigkeit, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen, ist nichts spezifisch Intellektuelles. Und schusselig war ich schon vorher!

Sichtbares Zeichen des Anachronismus, Berufsphilosoph zu sein, sind die mehreren Doppelzentner Bücher, die man so ansammelt. Heute sieht man nicht mehr häufig Privatgemächer, die mit Büchern vollgestopft sind. Wozu denn Bücher? Steht doch alles bei Wikipedia! Wenn ich was wissen will, dann google ich das! Wenn ich Besuch von jüngeren Leuten bekomme, kriege ich manche Maulsperre zu sehen: Boooaaah! Sooo viele Bücher! Ich beginne dann immer innerlich zu zittern, weil in 65% der Fälle kommt dann sehr bald die Frage, die ich fürchte wie vietnamesische Darmgrippe: „Ham Se die alle gelesen?“ – Je nach Geschlecht, Charme und unverschrumpelter Ansehnlichkeit des/der Fragenden antworte ich lieb oder harsch: „Nein, Schätzelein, die sind nur zur Wärmedämmung!“

Und jetzt im Ernst: Wozu so viel Bücher? Und wieso … „Philosophie“? Ich verrat’s Euch. Aber nicht jetzt. Es ist spät. Ich komm drauf zurück…

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