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Sieben Jahre Bratherrschaft (Korpulenz-Initiative)

30. August 2011

Klar, JETZT, wo es arbeiten SOLL, schläft es natürlich, das Plapper-Hirn!

Item: Me and my brain. – Mein Gehirn und ich, wir sind schon ein verrücktes Paar! Zwei glorreiche Halunken! Die rechte und die linke Hand des Teufels! Jedenfalls weiß die rechte nie, was die linke tut und vice versa. – Der Zwist beginnt immer am späten Abend zur Kuschelzeit: Ernie, der Körper, ein hinfälliger alter Sack, will ruhen und träumt von „der Langen Nacht des Schlafens“ (titanic); Bert, das hyperaktive Hirn, will aber unbedingt plappern. Hört einfach nicht auf, hat Plauderlaune, Quackelwasser getrunken, rappelt und sabbelt vor sich hin, in einem fort. „Gib Ruhe jetzt, Hirn!“ fordert der gesetzte Herr Körper. „Ja, ja, gleich, warte, nur eines noch will ich loswerden…“ antwortet die interne Wörtermühle. Irgendwann duselt Körper-Ernie mal weg, wacht aber in der Gespensterstunde wieder auf und lauscht: Da quatscht doch wer! – Bert, das Hirni, labert fröhlich vor sich hin! Es ist drei Uhr, Mensch! Hirni indes kennt keine Ruhezeit.

Tagsüber ist es ins Joch gespannt, pflügt noch immer durch Hegels „Wissenschaft der Logik“, studiert Wahrheitstabellen oder müht sich, Luhmanns System der Systeme zu begreifen, des nachts aber hat es sozusagen sturmfrei und klatscht, klabautert und kaspert fröhlich im Leerlauf. Der verständige Körper bemüht sich, beim Aufwachen ganz leise zu sein, um zu horchen, was Hirn-Bert so treibt. Und? – Er redet jetzt schieren Unfug vor sich hin! „Sieben Jahre Bratherrschaft sind genug – geht ihr mal ruhig jetzt tanzen!“ frohlockt es da, oder grölt sinnlose Parolen wie „Durch das Land muss eine Korpulenz-Initiative gehen!“ bzw. summt zur hirnrissigen Operettenmelodie ein saudummes Liedchen in endloser Wiederholung: „Keiner ist ja richtig gut / und besser erst / viel später...“

Das Körper, ermattet von Tagwerk, Wein und Alterszwicken, schlummert wieder ein, schreckt aber im Morgengrauen auf – das werte Gehirn hat noch immer Logorrhöe, bzw. noch schlimmer, denn inzwischen wird es frech und (das ist die gefürchtete seniorale Morgendepression!) richtig gemein: „Du mieser Versager!“ krakeelt es Schuldbewusstsein einflößend, „du kannst doch nichts, du bringst es nicht, du elender Prokrastinierer und Alles-Versäumer! Ich zähl dir mal auf, was du alles nicht gebacken kriegst…“ – Menno, muss man sich denn vom eigenen Gehirn derart unflätig beschimpfen lassen?

Ist erst sechs Uhr, aber trotzdem, was hilfts, ich stehe auf und gucke mir verschwiemelt selber beim Kaffee-Kochen zu, setz mich im Frottee-Morgenmantel an den Streitschrift-Schreibtisch, wo allerhand Arbeit ruft. Und wer hört mal wieder nicht? Genau! Hirn ist jetzt endlich eingeschlafen und nimmt den Hörer nicht ab. Nobody at home! Mein Gehirn und ich, wir ziehen einfach nicht am gleichen Strang. Wir streiten sogar darüber, wer von uns ich ist.


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