Einwurf: Abseits!


Kommen wir denn so hoch? (Bild: http://www.welt.de)

Nun abermals und wieder andersrum: Angesichts der enervierenden Selbstgerechtigkeit und bestürzenden Einfalt der sog. „Papst-Kritiker“ fühl ich mich gedrängt, ex kathedra privata einige vermischte Anmerkungen zu machen:

Den hohen spitzen Hut unerträgliche Fremdscham generierender Peinlichkeit hat, nein, nicht der Papst errungen, sondern das Oberhaupt der selbstgerechten Wichtigtuer, der Error-Sympathisant, Israel-Feind und Dauer-Nerver Christian Ströbele! Ich meine: Nichts gegen die deutsche Kulturkampf-„Linke“, die – in vermutlich realistischer Einschätzung ihrer kognitiven Kompetenz oder weil sie den „Abseits!“-Pfiff nicht gehört hat – lieber zum schwul-lesbisch-transischen Straßenkarneval gehen zu müssen glaubte; sie hätten von Professor Ratzingers Rede im Bundestag eh nichts begriffen. Die tuckige Schnepfigkeit und selbstverknallte Attitüde jedoch, mit der die stoffelige Ur-Knalltüte Ströbele wie ein verhaltensauffälliges, ungezogenes Kind den Bundestag während der Papst-Rede verließ, offenbarte eine derart blickdicht brunzdoofe Borniertheit und Selbstgefälligkeit, dass es schon wirklich weh tat.

Benedict XVI. pp., der alte Fuchs, hielt im Bundestag eine respektable Kurz-Vorlesung über Rechtsphilosophie resp. die christlich-naturrechtlichen Grundlagen aufgeklärter  Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten und nutzte dabei listig die postmoderne Vernunft- und Positivismus-Kritik für seine Zwecke. Er versuchte, es schlicht und simpel zu halten, überforderte das „Hohe Haus“ aber doch sichtlich. Für wen das peinlich ist, sei dahingestellt. Desgleichen, wer unter den dummstolzen „Kritikern“ in der Lage wäre, ihm auf gleichem Niveau philosophisch zu entgegnen. So ganz einfach ist das nämlich gar nicht. Aber in Deutschland wird eh lieber mit der Trillerpfeife argumentiert.

Was meine vielen atheistischen Freunde nicht so gerne hören: Es mag wenige geben, die für Religion zu klug sind – die meisten sind dazu leider eher zu dämlich. Wie? Doch, doch, man kann auch zu doof für Religion sein! So jedenfalls mein Eindruck, wenn ich die Stimme der Straße vernehme. Zu doof für Religion? Geht denn das? Aber ja! Das geht, wenn man noch nicht mal das Bildungsniveau eines Dorf-Vikars erreicht und nicht die geringste Ahnung davon hat, in welchem ungeheuren Maß das Christentum zweitausend Jahre lang unsere Kultur und Zivilisation, Kunst, Malerei, Musik, Sprache, Ethik, Philosophie, Lebenswelt und, par bleu! sogar auch noch die Religionskritik beeinflusst bzw. geprägt hat. Ohne das Christentum und die Kirche hätten die Kartoffeln, die sich für „Säkularisten“ halten, noch nicht mal das Rüstzeug, sich, metaphorisch gesprochen, alleine die Schuhe zu binden. Warum man Respekt vor dem Papst haben sollte? So fragen echte Analphabeten.

Vor der Päpstlichen Nuntiatur, dem Nachtquartier des Papstes, haben sich fünfzig postklimakterielle Frauen zusammengerottet, die sich „Hexen“ nennen, um beknackte Lieder zu grölen, den Nachtschlaf des alten Mannes aus Rom zu stören und zur Rechtfertigung in die Kamera der Tagesschau nichts besseres zu faseln wissen als: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass wir Frauen sind, und dass wir als Frauen DA sind!“ Leider trifft der Papst keine Agnostiker, sonst würde ich gern mit ihm in die Knie sinken und beten: Gott steh uns bei!

Mir persönlich ist die Gnade des Glaubens nicht gegeben, worauf ich nicht stolzer bin als auf ein abbes Bein; mein Interesse an Religionen ist eher melancholisch-distanziert (darf ja nicht mitspielen…), aber was mich fuchsig macht, ist kenntnisfreie Respektlosigkeit vor der eigenen Kultur. Plumper Anti-Katholizismus ist nicht weniger borniert als jedes andere Anti-. Leider sind die Trivial-Pöbler mit ihren ennuyierenden Stereotypen, die dem Papst an den Kragen wollen, um es mal derb-lutherisch auszudrücken, noch nicht mal in der Lage, ihm in die hübschen roten Schuhe zu pinkeln.

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10 Kommentare - “Einwurf: Abseits!”

  1. cbx Sagt:

    Damit dagegen g’redt is!

    Geschliffen argumentiert, geschätzter Magister! Mir stellt sich allerdings die Frage, was denn der Ratzinger Sepp für “zweitausend Jahre” “Kultur und Zivilisation, Kunst, Malerei, Musik, Sprache, Ethik, Philosophie, Lebenswelt” kann. Ein weiser Mann schrub unlängst: “Herr Dr. Ratzinger ist nicht Jesus. Nicht mal er behauptet das.” Nicht nur das. Die alten Herren in Rom sind eben nicht das Christentum, sondern nur ein Verwaltungsverein.

    Sogar ich pöble beispielsweise nicht gegen die Demokratie an sich, wenn ich H.C. Strache oder T. Sarrazin (mithin “demokratisch” gewählte Vertreter) als unerträgliche Vollpfnurpfel bezeichne.

    Und Christ kann man schon seit dem elenden Ketzer Luther auch ohne Papst und seinen Club sein. Dessen abgehobene und teils menschenverachtend argumentierende Truppe von der Zeit überholter Hobbyphilosophen möchte ich nämlich wirklich nicht gut finden.

    Trotz all dem stimme ich Dir zu. Auch der Papstbesuch wurde halt wieder einmal von vielen Seiten zur öffentlichen Onanie instrumentalisiert. Wie zahllose andere medienaktive Ereignisse auch. “So what?”

  2. puzzle Sagt:

    Nebenbei ist er ja auch noch ein Staaatsoberhaupt, somit politischer Staatsbesuch – damit steht ihm ähnlicher Respekt zu wie der Queen oder Fürst Albert II. von Monaco.
    Er spielt, und das ist unglaublich clever eingerichtet (man merkt dem Ganzen die einzigartige 2000jährige politische Erfahrung an), eine ausschließlich für andere schwierige Doppelrolle, die zu recht politisch und weltanschaulich schwere Kost ist für die Besuchten, die aus gesellschaftspolitisch nachvollziehbaren Gründen mit den antiquierten, in unserer Kultur zutiefst verankerten politischen Stereotypen nicht zufrieden sein wollen. Selbstverständlich ist kindisches trotzverhalten kein eindrucksvolles Mittel, den Pontifex zu beeindrucken, aber die Argumentation könnte man ebenso auf Atomkraftgegner oder Stuttgart21er anwenden, um das Ganze wieder auf die richtige Protest-Ebene zu bekommen. Wenn die Protestler sich unintelligent äußern, ist das ein bedauerlicher Fakt, aber ursächlich ist gegen Kundgebungen im Zusammenhang mit der (kirchen-)politischen Gestalt nichts einzuwenden. Respektlosigkeit ist keine achtenswerte Kommunikationsform, aber ‘die Straße’ ist andererseits auch die breite Basis, auf die sich die religiösen Institutionen allgemein stützen, auf recht zynische Art. Dann werden ihre Verteter es auch mehr oder weniger wohl auch ganz gut verkraften können, wenn sie von dort auf naive Weise ‘angepinkelt’ werden. Daß die Medien die blödesten Äußerungen und die skurrilsten Gruppen von ‘Anpöblern’ aufschnappen und wiedergeben, hat mit dem Unterhaltungswert zu tun, ähnlich wie auch bei anderen Demonstrationen lieber die Chaoten als die dezenten Teilnehmer gezeigt werden.
    Abgesehen davon macht es tatsächlich keine Freude, sich in seiner eigenen kritik an etwas neben sich idiotisch Verhaltenden wiederzufinden.

  3. 6kraska6 Sagt:

    Nein, Ratzinger ist nicht Jesus. Nicht mal er behauptet das. Aber er ist a) der oberste Repräsentant von ca. 1 Milliarde gläubiger Katholiken, b) 264. Papst einer Institution, ohne die unsere Zivilisation nicht denkbar wäre, c) kein “Hobbyphilosoph”, sondern ein hochgebildeter Gelehrter und Philosophie-Professor, den unterkomplex zu kritisieren eher peinlich ist.

    Nein, die Kirche ist kein Verwaltungsverein, sondern wie Benedict XVI. pp richtig sagt, ein “Mysterium”.

    Natürlich kann man ohne Papst Christ sein. Man kann aber auch, wie ich, mit Papst KEIN Christ sein.

    “Von der Zeit überholt!” ist der katholische Glaube wohl eher nicht; vielmehr ist die Heilige Mutter Kirche eine gewaltige Maschine zur Überwindung der Zeit und ihrer erodierenden, entropischen Zerbröselungskraft. Sie flößt mir Respekt ein als ein lebendes Fossil. Das es sie gibt, finde ich gut. Vielleicht, weil ich nicht Mitglied bin…

    • cbx Sagt:

      Welch harsche Worte. Und wenn Herr Benedikt-16 sagt, dass die Kirche ein Mysterium ist, so möchte ich ihm recht geben. Ein wichtiger Funktionär hat einmal (sinngemäß) gesagt: “Kirche ist dort, wo Menschen in meinem Namen zusammen kommen”. Das ist ein Mysterium.

      Der irdische Verwaltungsapparat für dieses zweitausendjährigen Dauermysteriums hingegen ist zutiefst profan, wie ich auch von befreundeten TheologInnen, bekannten Priestern und aus dem Pfarrgemeinderat weiß.

      Aber die “Heilige Mutter Kirche”? Fast möchte ich den Anklang spiritueller Torschlusspanik in diesen Worten wittern…

      Komme ich jetzt in die Hölle? Und wen werde ich dort treffen?

    • /cbx Sagt:

      Was ich eben gelesen habe, musste Dir ein mildes Lächeln entlocken, Magister:

      http://derstandard.at/1316733476504/Das-Marsmaennchen-die-Deutschen-und-ihr-Papst

      • Reinhard Haneld Sagt:

        Na ja, um ehrlich zu sein, entlockt mir schon der bloße Name Josef Joffe ein mildes bis müdes Lächeln, da muss er gar nicht erst was schreiben. Seit Theo Sommer nicht mehr aktiv ist, ist Joffe der größte Schmock bei der ZEIT…

  4. erinnye Sagt:

    Postklimakteriell sind wohl alle im Beitrag aufgeführten Beteiligten, nicht nur die Pöblerinnen vor der Nuntiatur. Insbesondere die Institution selbst hat etwas Postklimakterielles. Als Mitglied darf ich das ja äußern ….

  5. V0oD0o Sagt:

    Eine Institution, ohne die unsere Zivilisation nicht denkbar wäre? Nun, das klingt mir nach einem ordentlichen Schwung philosophischer Spekulation. Wobei es in einer Lesart durchaus richtig ist: die Menschheitsgeschichte der letzten Jahrtausende ist dermaßen stark durchwirkt von Religion im Allgemeinen und dem Christentum/Katholizismus im Speziellen, dass es keinen Sinn hat, zu “denken”, wie die Welt ohne dies heute aussähe. Genauso wenig ist es allerdings gerechtfertigt anzunehmen, dass wir in unserer technischen und geistigen Evolution heute zwingend weniger weit fortgeschritten wären, wenn es die Kirche nie gegeben hätte. Bisher hat noch kein “Machtvakuum” lange überlebt…
    Nichtsdestotrotz kann ich deinen Respekt vor einer Organisation mitfühlen, die seit 2 Jahrtausenden besteht und in aller Welt agiert. Wer kann das schon von sich behaupten?

  6. Waldbauernbub Sagt:

    Mehr ist zum Herrn Ströbele nicht zu sagen. Jede Zeile überflüssig.


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