Bin ich “Der Kannibale von Hochfeld”? (Schlechte Bücher)


Dass zu viel schlechte Lektüre ins Verderben führt, ist heute selbst bei Extrem-Alarmisten ein nur noch selten gehörter Warnruf. Längst stehen Killer-Spiele, Ego-Shooter und überhaupt dieses ganze Internetz aus Porno und Gewalt im Fokus des Verdachtes. Doch vielleicht zu unrecht! Lesen kann noch immer Schäden verursachen! Der Beweis in Bild und Schrift: Es kam so. Heute war so ein mies-kühler Herbsttag, diverser Lebensunbill hatte mich klamm ums Herz werden lassen und ich hatte so Fröstel-Blues, und da dachte ich: Legst Du mal Kant und Hegel beiseite und gönnst dir, schön muggelich im Hausmantel in den Sessel gekuschelt, Kanne Kaffee dabei, einen richtig schönen Serienkiller-Kannibalen-Splatter-Roman. „Blut und Knochen“ von Stuart MacBride schien mir das genau Richtige für einen besinnlichen Sonntag: Jede Menge Sadismus, kannibalischer Horror und Blut bis über die Kachelgrenze – danach würde es mir vielleicht besser gehen.

Während ich mich der blutigen Lektüre hingab, machte ich nebenher immer mal wieder Notizen auf meiner To-Do-Liste für später, wenn ich die Gattin zu Szegediner Gulasch und Münsteraner „Tatort“ besuchen würde. Spät abends heimgekehrt fiel mein Blick auf die liegengebliebene Liste –  und mir gefror das Blut in den Adern. Da stand tatsächlich: „Nicht vergessen: Einmalhandschuhe – Tupperdosen – Reinigung! – Versicherung prüfen!“ Purer Zufall, ich schwör! Und ich kann alles erklären!

Aber nur mal angenommen, gerade wäre per tragischem Zufall meine Nachbarin zerstückelt aufgefunden worden und man entdeckte nun bei einer Hausdurchsuchung diesen Zettel bei mir! Würfe dies nicht ein verdammt schiefes Licht auf mich? Zwar würde die Gattin bestätigen können, die Tupperdosen seien für frischen Apfelkuchen bestimmt gewesen und die Handschuhe ihr schon lange zum Putzen versprochen worden, ferner hätte ich geäußert, die Kosten meiner Krankenversicherung fräßen mich auf und ich müsste mal die Tarife klären und außerdem mein Sakko in die Reinigung bringen  – aber reichte das zur Entlastung? Bloß gut, dass nicht auch noch „Kettensäge“, „Schaufel“ und „Parkanlagen googeln!“ auf meinem Zettel standen – ich hätte mir ja selbst nicht mehr über den Weg getraut!

Paranoia schärft den Blick: Bloß nichts Schriftliches hinterlassen! Geriete ich in den Blick der „in alle Richtungen ermittelnden“ Kripo, würde man bestimmt auch die Reste unseres Gulasch in die forensische Pathologie bringen und dort hochnotpeinlich überprüfen. Und? Man fände Bröckchen von einer blöden Kuh und einem fiesen Schwein! In Chili-Sauerkraut! Iigitt! Ich seh mich schon in der BILD-Zeitung, einen nur äußerst knapp bemessenen schwarzen Balken vor den Schamteilen meines Gesichts, darunter die Schlagzeile: „IST DAS DER KANNIBALE VON HOCHFELD?“ – Würde ich danach jemals wieder Vorlesungen über Kants Kategorischen Imperativ halten können? Iwo! Ich könnte nicht mal öffentlich „Königsberger Klopse“ sagen, ohne dass man mich mit schauderndem Misstrauen scheeläugig examinierte! Vor meinem Haus rottete sich der Mob zusammen und reckte Schilder in die Luft, auf den stünde: „Raus die Sau!“, „Unsere Kinder sind vor Kannibalen nicht sicher!“ und „Keine Gnade für Fleischesser!“

Den Rest meines Lebens müsste ich in einer Höhle im Stadtwald zubringen, getarnt mit einem Klebebart und einer künstlichen Glatze! So gefährlich sind niveaulose Lektüren und fahrlässige To-Do-Listen. Also, Nachbarn: Bedenkt, was ihr tut!

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5 Kommentare - “Bin ich “Der Kannibale von Hochfeld”? (Schlechte Bücher)”

  1. cbx Sagt:

    Das wirklich Grauenhafte an diesem Reinheld Hanard, (Name geändert) dem “Kannibalen von Hochfeld” ist, dass er jede seiner abscheulichen Gräueltaten detailliert in seinem Blog (das er unter einem Pseudonym! betreibt) ankündigt. Allerdings tut er das in einem pseudointellektuell-verquasten Jargon, den nur mehr die ältesten der alten schwer linksintellektuellen alt-68er Terroristen, denen H. nahe stehen soll, verstehen können.

    BKA-Präsident Ziercke hat nun zur Entschlüsselung der Protokolle des “Kannibalen von Hochfeld” eine nie da gewesene Kooperation mit Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt angekündigt. “Bei der Bekämpfung derartiger Verbrechen darf es keine Denkverbote geben”, meinte Ziercke dazu gegenüber der BILD-Zeitung.

  2. erinnye Sagt:

    Noch ganz unter dem Eindruck dieser erschütternden Lebensbeichte habe ich meine To Do-Liste für heute tiefenpsychologisch analysiert. Ein ganzes Universum heuchlerischer Lebenslügen ist über mir zusammengebrochen. Apfelessig, Stecknadeln, Plastilin kaufen.
    Weshalb ich mir vorgenommen habe, die Biotonne rauszustellen, konnte ich noch nicht abschießend klären, ebenfalls nicht den Eintrag “Elektrosäge beim Nachbarn ausleihen”.

  3. Thomas Sagt:

    Zumindest wärest Du ein perfekter roter Hering…

  4. Waldbauernbub Sagt:

    Also ich für meinen Teil würde, sollte ich mich als Kannibale von Hochfeld neu definieren wollen, Menschenfleisch aus rein biologischem Anbau bevorzugen. Denn der Mensch ist was er isst.
    Und wer will hier denn so nen ekligen Büdchensteher verputzen? BAH!


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