Archiv für September 2010

Protestsong mit Hähnchenbezug

29. September 2010

Ich wurde durch Liedgut sozialisiert, das man einstmals als „Protestsong“ bezeichnete. „Sag mir, wo die Hähnchen sind, wo sind sie ge-blie-hie-ben?“ – sang das nicht früher diese eine Dissidenten-Diseuse, Marlene Diva? Die Matrosen-Matrone Lale Andersen? Oder war es Joan Baez, die singende Sägeschliff-Sirene? Gleichviel. Ich wenigstens grölte den Protest lauthals und „aufs allerschärfste“ mit, denn [...]

Konsonantenfrühstück. Zahngold & Adapterschlammassel

26. September 2010

Im Geddo werd ich, wenn meine türkischen Nachbarn vielleicht mal bitte für EINEN Moment den Rand halten würden, häufiger mit dem Serbischen konfrontiert, einer Sprache, die zu lernen ich bislang den Mut nicht aufbrachte. Daß der Balkan wirtschaftlich nicht in die Gänge kommt, liegt daran, schätz ich, daß die ihr ganzes Geld in die Aufhäufung [...]

In Muttis Nippeshimmel

24. September 2010

Ohne existentiell düstere Laune verbreiten zu wollen – ich beneide ja die hinterbliebenen Leute nicht, wenn ich mal plötzlich unerwartet und todsicher „auf tragische Weise“ zu früh tot, pardauz und zuschanden ginge. Wie ich mich kenne, kommt Gevatter Tod zu mir nämlich irgendwann so überhastet, dass ich „vorher“ nicht mehr zum Aufräumen gekommen bin! – [...]

Profis immer gesucht. Milch und Schmetterlinge

22. September 2010

Ich kokettiere gern damit, die Welt aus dem Fernsehen zu kennen. Das stimmt natürlich nicht. Manches kenn ich auch aus dem Kino. Beispielsweise das Berufsbild des Auftragskillers, der mir in der wirklichen Welt bislang selten begegnete. Der Auftragskiller ist ein Mann Mitte Vierzig, auffallend unrasiert und stark melancholisch zerknittert. Seine Stirn ist von ständigem, berufsbedingtem [...]

Müssen sollen kann ich nicht

21. September 2010

Ungern langweile ich mit larmoyanten Wartezimmergeschichten. Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen, und ab fünfzig werden es wöchentlich mehr Sorgenpakete, Beschwerden-Eimer, medizinische Nervmüllsäcke, die man mit sich herum schleppt. Ist normal. Die Freuden des Alters. Ich les schon gar keine medizinischen Artikel mehr, weil ich die beschriebene, u. U. gerade neu erfundene Krankheit sofort [...]

Im Café ohne Hörsturzhelm

18. September 2010

Wie jeder halbwegs weltläufige Genussmensch liebe ich Straßencafés. Gepflegt herumhängen, geistvoll mit der charmanten Begleitung plaudern, dabei en passant das flanierende Passantengewimmel begutachten, über Modetorheiten und wandelnde Ernährungsfehler (na, ich hab’s grad nötig!) lästern, dabei einen Eis-Kaffee, einen Cappuccino oder schon, falls der Sonnenuntergang naht, also ab mittags ein Weinchen genießen – das sind Urbanitätskultiviertheiten, [...]

Theologie der digital interessierten Stubenfliege

16. September 2010

Hat eigentlich schon mal jemand die doch einigermaßen erstaunliche Tatsache erforscht, traktiert oder behandelt, daß die gemeine Stubenfliege (musca domestica), von oben gesehen, und vor allem, wenn sie über den neuen, hochauflösend-brillanten iMac-Bildschirm tippelt, einem cursor verflucht ähnlich sieht? Ich weiß nicht, warum, aber, abgesehen von meinem Mülleimer und evtl. auf dem Frühstücksbrett vergessenen Essensresten, [...]

Neue Rubrik: Integrationsimpressionen (Hier Teil 1)

15. September 2010

Kennt das noch sonst jemand? So Schubladen bis oben hin voll mit … tja, wie soll man das nennen? Krempel? Zeuch? Kram? Geraffel? Jedenfalls so Sachen, die man wahrscheinlich nie im Leben wieder verwendet, die man aber „zu schade zum Wegschmeißen“ findet? Alte Adapterkabel, stumpfe Anspitzer, eingetrocknete Filzer, ungültige Briefmarken, versteinerte Sekundenkleber, trottelig gewordene Solar-Taschenrechner, [...]

Zwei Wörter zur Integration

7. September 2010

Eigentlich ist das Café Lipa kein Café (obwohl es hier noch handgemachten Balkan-Mocca im Messingkännchen gibt!), sondern eher eine Art Kneipe, aber mir ersetzt sie biks auf weiteres das existenzwichtige Kaffee-Haus. Wenn ich am späten Abend heimkomme und hab noch Gesprächsbedarf, bin ich meist hier zu finden. Haupt-Verkehrssprache ist Serbisch. Ich kann zwar nur zwei [...]


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