Archiv für September 2010
29. September 2010
Ich wurde durch Liedgut sozialisiert, das man einstmals als „Protestsong“ bezeichnete. „Sag mir, wo die Hähnchen sind, wo sind sie ge-blie-hie-ben?“ – sang das nicht früher diese eine Dissidenten-Diseuse, Marlene Diva? Die Matrosen-Matrone Lale Andersen? Oder war es Joan Baez, die singende Sägeschliff-Sirene? Gleichviel. Ich wenigstens grölte den Protest lauthals und „aufs allerschärfste“ mit, denn [...]
Kategorien: Aus dem Kulturbeutel älterer Jugendlicher, Aus meinem Qype-Kästchen, In the ghetto, Integrationsimpressionen, Notizen
Tags: Althamborn, ausgesttorbene Vögel, Backhendl, Bier, Bohnensalat, Brüstchen, Döner, Duisburg, Ernährungsbasis des Proletariats, Ess-Folklore, Fastfood, Feierabend, Fett, Flügel, Grill-Kunst, Grillhähnchen, Gurke, Hähnchenhans, Joan Bayez, Kentucky Fried Chicken, Klassenbewußtsein, KnowHow, Knusprigkeit als lukullisches Kulturgut, KPD/ML, Kraut, Kulinarik, Kultiviertheit, Lale Andersen, Leibspeise, Leitkultur, Marlene Dietrich, Mayo, Montan-Industrie, Multikulturalismus, Nostalgie, Osmanen, Pilger, Pommes, Proletariat, Protest, Protestsong, Ruhrgebiet, Salat, Schenkel, Strukturwandel, Sultan, Tomate, Untergegangene Handwerke, Wien, Wienerwald
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26. September 2010
Im Geddo werd ich, wenn meine türkischen Nachbarn vielleicht mal bitte für EINEN Moment den Rand halten würden, häufiger mit dem Serbischen konfrontiert, einer Sprache, die zu lernen ich bislang den Mut nicht aufbrachte. Daß der Balkan wirtschaftlich nicht in die Gänge kommt, liegt daran, schätz ich, daß die ihr ganzes Geld in die Aufhäufung [...]
Kategorien: Aus meinem Qype-Kästchen, In the ghetto, Integrationsimpressionen
Tags: Adapter, Baßgitarre, Bruchgold, deutsch, Ernie, Frühstück, Gebrauchtwaren, Geddo, HiFi-Anlagen, Kabel, Kaufhaus, Konsonanten, Lefty the salesman, Nasenloch, Ohrloch, Piercing, Schlehmil, schwierige Wörter, Serbisch, Sesamstraße, Tattoo, türkisch, Zahngold
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24. September 2010
Ohne existentiell düstere Laune verbreiten zu wollen – ich beneide ja die hinterbliebenen Leute nicht, wenn ich mal plötzlich unerwartet und todsicher „auf tragische Weise“ zu früh tot, pardauz und zuschanden ginge. Wie ich mich kenne, kommt Gevatter Tod zu mir nämlich irgendwann so überhastet, dass ich „vorher“ nicht mehr zum Aufräumen gekommen bin! – [...]
Kategorien: In the ghetto, Me myself I, Notizen
Tags: Aufräumen, Entsorgung, Erben, Fotos, Marburger Literatur-Archiv, Müll, Mutti, Nachlaß, Nippes, Peinlichkeit, Schrott, Tod, Trödel
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22. September 2010
Ich kokettiere gern damit, die Welt aus dem Fernsehen zu kennen. Das stimmt natürlich nicht. Manches kenn ich auch aus dem Kino. Beispielsweise das Berufsbild des Auftragskillers, der mir in der wirklichen Welt bislang selten begegnete. Der Auftragskiller ist ein Mann Mitte Vierzig, auffallend unrasiert und stark melancholisch zerknittert. Seine Stirn ist von ständigem, berufsbedingtem [...]
Kategorien: Aus dem Kulturbeutel älterer Jugendlicher, Die Banalität des Blöden: Zur Semiologie des Alltags
Tags: Auftragskiller, Der Amerikaner, George Clooney, Geschlechtsakt, große Brüste, Herbert Grönemeyer, Jean Reno, Kino, Leon, Milch, Prfi, Schmetterlinge
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21. September 2010
Ungern langweile ich mit larmoyanten Wartezimmergeschichten. Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen, und ab fünfzig werden es wöchentlich mehr Sorgenpakete, Beschwerden-Eimer, medizinische Nervmüllsäcke, die man mit sich herum schleppt. Ist normal. Die Freuden des Alters. Ich les schon gar keine medizinischen Artikel mehr, weil ich die beschriebene, u. U. gerade neu erfundene Krankheit sofort [...]
Kategorien: Me myself I, Notizen
Tags: Blockade, Book on demand, Geld, Humoristik, Kurzprosa, Prokrastination, Schreiben, Verlage
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18. September 2010
Wie jeder halbwegs weltläufige Genussmensch liebe ich Straßencafés. Gepflegt herumhängen, geistvoll mit der charmanten Begleitung plaudern, dabei en passant das flanierende Passantengewimmel begutachten, über Modetorheiten und wandelnde Ernährungsfehler (na, ich hab’s grad nötig!) lästern, dabei einen Eis-Kaffee, einen Cappuccino oder schon, falls der Sonnenuntergang naht, also ab mittags ein Weinchen genießen – das sind Urbanitätskultiviertheiten, [...]
Kategorien: Auf die Ohren! Fertig! Auf die Ohren!, Aus dem Kulturbeutel älterer Jugendlicher, Aus meinem Qype-Kästchen, Integrationsimpressionen, Me myself I
Tags: Akkordeon, Belästigung, Karl Kraus, Rilke, Roma, Sinti, Straßenmusik, Zigeunermusik, Zurna
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16. September 2010
Hat eigentlich schon mal jemand die doch einigermaßen erstaunliche Tatsache erforscht, traktiert oder behandelt, daß die gemeine Stubenfliege (musca domestica), von oben gesehen, und vor allem, wenn sie über den neuen, hochauflösend-brillanten iMac-Bildschirm tippelt, einem cursor verflucht ähnlich sieht? Ich weiß nicht, warum, aber, abgesehen von meinem Mülleimer und evtl. auf dem Frühstücksbrett vergessenen Essensresten, [...]
Kategorien: Bizarres aus der Denkfabrik, Theologoumena & neue Gottesbeweise
Tags: Allah, Bildschirm, cursor, Flachbildscirm, Gott, Höheres Wesen, heilig, Heiliger Text, iMac, Insekten, Interpretation, Offenbarung, Perspektivismus, Religion, Schmeißfliege, Stubenfliege
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15. September 2010
Kennt das noch sonst jemand? So Schubladen bis oben hin voll mit … tja, wie soll man das nennen? Krempel? Zeuch? Kram? Geraffel? Jedenfalls so Sachen, die man wahrscheinlich nie im Leben wieder verwendet, die man aber „zu schade zum Wegschmeißen“ findet? Alte Adapterkabel, stumpfe Anspitzer, eingetrocknete Filzer, ungültige Briefmarken, versteinerte Sekundenkleber, trottelig gewordene Solar-Taschenrechner, [...]
Kategorien: Aus meinem Qype-Kästchen, Integrationsimpressionen
Tags: Bayern, Bazar, Dinge, Geddo, Integration, Kramladen, Lehrer, Migranten, Ruhris, Schulbedarf, Serben
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7. September 2010
Eigentlich ist das Café Lipa kein Café (obwohl es hier noch handgemachten Balkan-Mocca im Messingkännchen gibt!), sondern eher eine Art Kneipe, aber mir ersetzt sie biks auf weiteres das existenzwichtige Kaffee-Haus. Wenn ich am späten Abend heimkomme und hab noch Gesprächsbedarf, bin ich meist hier zu finden. Haupt-Verkehrssprache ist Serbisch. Ich kann zwar nur zwei [...]
Kategorien: Aus meinem Qype-Kästchen, In the ghetto
Tags: Integration, Jugoslawien, Migranten, Montenegro, Ramadan, Sarrazin, Serben, Slibovic
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