Zur Sicherheit Röntgenpornos


Leonardo da Vinci, Pionier des Röntgenporno

Ein Live-Konzert des von mir verehrten Tom Waits. Wieder kapier ich von seinen Conferencen nur die Hälfte, weil, sein breitgekautes, zähflüssig verwaschenes LA-Genuschel versteht ja nun wirklich keine Sau, Englisch-Leistungskurs hin oder her. Ich krieg gerade mal so mit, daß er etwas über Porno-Filme erzählt, die man in den US „x-rated“ nennt. Dann wird sein raspelig-raues Jack-Daniels-Organ plötzlich verschwörerisch wie die Stimme des Mannes aus der Sesam-Straße, der mit Buchstaben dealt: Offenbar phantasiert er jetzt von – bedeutungsschwere Pause – „double x-rated movies“. Ultimativen Quadratpornos sozusagen. Und? Wie sind die so? Waits mit seinem albernen Pepita-Hütchen und dem unseriösen Grunge-Ziegenbärtchen wiegt den Schädel, schließt verzückt die Augen und raunt dann  genießerisch: „Yeaaahh… ya know, man, that means… ya know, imagine that… – sex…even WITHOUT SKIN!“ Röntgensex also, wenn man so will. Visuelle Gier, die an der blanken Haut noch lange nicht stehen bleibt.

An solche schauerlichen Röntgenpornos muß ich komischerweise immer denken (und dann unreif kichern), wenn ich die Debatten über sog. Nackt-Scanner verfolge. Clash der Kulturen! Einerseits die doppelhochprüden angloamerikanischen Klemmbrettchen, deren protestantischer Wahnsinn sie zur Erörterung von scholastischen Fragen führt wie der etwa, ob das Durchleuchten eines Minderjährigen im Nackt-Scanner nicht den Tatbestand der Kinder-Pornographie* erfülle (*= Man stelle sich die entsprechenden Untergrund-Pädophilen wor, wie sie heimlich Tomographien tauschen! Oder Ultraschall-Bilder!), andererseits diese Daniel-Düsentrieb-hafte Wille zum technologischen Overkill, zur totalen Transparenz  und absolut restlosen Kontrolle über alles und jedes. Tja, na ja, wenn’s der Sicherheit dient… Nun, das scheint eher zweifelhaft. Global gesehen sind technische Intelligenz und unbegrenzte Finanzmittel ja auf beiden Seiten gut verteilt, so daß weiterem Wettrüsten nichts im Wege steht. Nach dem Schuh- und dem Unterhosenbomber bekommem wir demächst wahrscheinlich den Magen-und-Darm- oder den Knochenbomber. Irgendeine Möglichkeit, sich unentdeckbar in eine menschliche Bombe zu verwandeln wird sich schon finden; ausgefeiltere Sicherheitstechnologie desgleichen.

Ist es ein beruhigendes Gefühl, daß deutsche Ingenieurskunst immer dabei ist? In iranischen Uran-Zentrifugen, irakischen Raketen-Steuerelementen, afghanischen Minenräum-Sensoren, aber auch in amerikanischen… Nackt-Scannern? Nun, an deutscher Technologie wurde noch nie gezweifelt, höchstens daran, ob wir unsere ethischen Tassen noch alle im Schrank haben. Ich werde das als Privatverbraucher kaum testen können, aber die Körper-Scanner der in Wiesbaden ansässigen Firma Smith Heimann Detection sind jetzt in aller Welt, von Bagdad bis Bullerbü, sehr gefragt und wahrscheinlich qualitativ hochwertig.

Trotzdem, mir reicht das nicht.

Ich will den brain scanner, baldmöglichst. Über ihn heißt es in „The Kraskanian Mad Scientist Report“: „Das MIT (‚Mißtrauen Ist Trumpf’) arbeitet mit der Firma AnnoyingAbsurds Inc. an der Entwicklung eines Gedanken-Lasers auf der Grundlage osmochromatofibrillärer Plasma-Sensorik. Hochauflösende Coloradochloroform-Chromatomorphe scannen die Farbmuster synapsulärer Felder. Gelber Neid, gallegrüne Sauwut, purpurne Raserei („Ein Mann sieht rot“), ja selbst, wenn ein Proband wegen des allgemeinen Wetttrüstens den Blues bekommt – der brain scanner registriert die Farbmuster und schlägt Alarm. Eine Utopie? Keineswegs! Das Gerät gibt es, und es funktioniert längst! Bizarre Pointe: Man hatte den Gedanken-Laser zunächst bei internem Personal (CIA-Freiwillige) getestet und keinerlei Gedanken abbilden können. – Das hatte aber gar nicht am Apparat gelegen!“

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3 Kommentare - “Zur Sicherheit Röntgenpornos”

  1. hyke Says:

    Als ich so12 oder 103 war. da gab es in den Fernsehzeitschriften immer so eine Werbung von einer Röntgenbrille, mit der man alle Menschen nackt sehen konnte. Mit dem Namen meiner Mutter hatte ich mir so ein Ding bestellt, da ich meine Kinderliebe mal unten ohne sehen wollte. Leider hat das Ding nicht funktioniert.
    Sorry. aber dein Beitrag hat mich daran erinnert. :-)

  2. hyke Says:

    Blöde Tastatur des Mini-PC!!! Ich war 12-13 und nicht 103!!!!!

    • 6kraska6 Says:

      Also meine Liebe, die Korrektur war überflüssig! Daß Du nicht 103 warst, war mir klar. Ich liebe skurrile Geschichten, aber sooo skurril, nein. Indes, ich bewundere Dich für den Mut und die kriminelle Energie, auf den Namen der Mutter die Röntgenbrille zu bestellen. Das hätte ich mich nicht getraut – und ich hätte diese Brille VERDAMMT GERN gehabt! (Wegen Ilona!)


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