A Polaroid Snap Shot from Charlotte Road, Sin City: 11/2 09, 7.05 pm

Posted 3. November 2009 by 6kraska6
Categories: In the ghetto

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Warten auf das SEK. (Foto: DPA)

A Polaroid Snap Shot from Charlotte Road. 11 /02 2009 / 7.05 pm

Meister Sun Tsu schreibt in der Kunst des Krieges: „Jene, die sich als erste am Schlachtfeld einfinden und den Gegner erwarten, sind entspannt; jene, die als letzte am Schlachtfeld eintreffen und sich übereilt in den Kampf stürzen, verausgaben sich.

 Ich weiß nicht, ob hier alles nach Sun Tsus Plan läuft. Als ich am Montag abend die Charlottenstraße passiere, bietet sich mir ein beunruhigendes Bild. Vor ihrem Headquarter ist ein 30, 40 Mann starker Trupp Bandidos aufgezogen, einige 1%er, außerdem Prospects, Supporter. Harte Blicke. Stumme Umarmungen, wenn ein neuer Brother eintrifft. Die Männer sind angespannt, ernst, nüchtern, konzentriert lehnen sie an der Hauswand. Wachsam. Kein Alkohol. Ihnen gegenüber, kaum eine Armeslänge entfernt auf dem Bürgersteig SEKler in schwarzer Kampfmontur, Maschinenpistolen im Anschlag, den Lauf etwa in Kniehöhe der Bandidos zielend. Jetzt, zwei Tage nach dem Gewaltausbruch, scheinen sie sich stark genug zu fühlen. Sie stehen breitbeinig und grinsen. Tatüü, ta daa: Die Staatsgewalt ist auch schon da. Zwei Tage zu spät, aber mit wiedergewonnenem Selbstbewusstsein und frischen Hosen. Schwer zu sagen, was das SEK jetzt hier gegen wen verteidigt.

Die Tür zum Fat Mexican ist weit offen. Rock der härteren Gangart ist von drinnen zu hören. Man demonstriert: Soo schlimm waren die Verwüstungen durch den Hell’s Angels-Überfall nun auch wieder nicht. Man wechselt harte Blicke. I’ll gonna kill ya, versprechen sie. Sure I’ll do, no kiddin’! Manche dieser Blicke wirken dunkler und bedrohlicher als das dunkle Auge im Lauf der MP. Noch hat die Nacht nicht begonnen.

Frisch aus da hood…

Posted 2. November 2009 by 6kraska6
Categories: In the ghetto

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Hochfelder Lichtspiele (Foto: DDP)

Echt wahr: Grad hatte ich mir genügend Mut angespart, mal die Einladung anzunehmen und meine Nachbarn zu besuchen. Was soll schon passieren, dachte ich. Zwar bin ich nur Drahtesel-Biker, aber ich bin andererseits auch weder Bordell-Kunde, noch brauch ich derzeit eine Waffe, und meine Drogen gibt’s legal im Fachhandel. Ich muß also heikle Dinge gar nicht ansprechen und kann in Ruhe die neue, heiße Kaffeemaschine testen, die es im Fat Mexican gibt.

Aber nix ist, bzw. der Himmel über der Hood ist schon wieder blaulicht-beleuchtet und es riecht nach Street Fightin’ Men. Das Fat Mexican hatte bereits „Besuch“ – weniger friedlichen und freundlichen, nämlich die Hell’s Angels. Zwischen dem Großbordell „Laufhaus 26“ und dem Bandido Place  gabs die nächste Runde Rockerkrieg. Baseballschläger, Dachlatten, Totschläger, Tränengas-Kartuschen, Molotow-Cocktails. Das Vereinsheim der Bandidos wurde verwüstet. Wenigstens waren diesmal keine Todesopfer zu beklagen. Trotzdem, die Lage ist angespannt.

Was mich angeht, ich bin nicht Quentin Tarantino, ich bin von Gewalt nicht unbedingt fasziniert, aber entgangen ist mir nicht, daß die Rocker zig mal besser ausgerüstet, effizienter organisiert und rascher vor Ort waren, als die Polizei, deren SEK-Kräfte gerade noch rechtzeitig eintrafen, um sich sagen zu lassen, sie mögen sich heraushalten. Ein Polizeisprecher dazu: „Das haben wir denn auch getan“.

Der Presse entnehme ich, an einem durchschnittlichen Samstagabend hätte man in ganz Duisburg rund 20 Streifenwagen im Einsatz. Die MCs mobilisieren, wenn’s  sein muß, innerhalb von 30 Minuten zwei-, dreihundert motorisierte Kräfte. Mir gibt das zu denken.

Ein stark dramatisierter, alarmistischer Bericht auf SPIEGEL online:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,658720,00.html

Keine Ahnung (Dim Sum)

Posted 1. November 2009 by 6kraska6
Categories: Aus meinem Qype-Kästchen

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Dim Sum (Quelle: Wikipedia). Die Bälle rechts hab ich auch gegessen!

Die Seuche ist wohl am Abklingen. Aber es ist noch nicht lange her, daß Teenies bei uns eine sonderbare verbale Epidemie mit sich herumschleppten: den Keine-Ahnung-Virus. Jeder geäußerte Satz mußte mindestens dreimal von dieser sinnfreien Floskel unterbrochen werden. Das ging etwa dann so, über das Outfit einer Lehrerin: „Also voll krass irgendwie so, ich finde, keine Ahnung, also wo die ihre Klamotten her hat, keine Ahnung, aber das ist so voll daneben, wie die rumläuft, ich glaub, keine Ahnung, die ist Zeuge Jehova oder was, echt, keine Ahnung, aber…“. Lustig war dies insbesondere, weil das Jungvolk dieser Altersklasse sich ja tatsächlich zumeist durch eine erfrischende, aber auch umfassende Ahnungslosigkeit auszeichnet. Im Laufe des Lebens versucht man dann später, bestenfalls, den mitgebrachten Berg von Ahnungslosigkeit abzuarbeiten.

Eine meiner persönlichen Ahnungslosigkeiten betrifft das tiefere Geheimnis ostasiatischer Kulinarik. Obschon ich mich für vergleichsweise weltläufig halte und daher bereits unerschrocken allerhand jenseits meines Tellerrandes Gelegenes genascht habe, blieb ich in dieser Hinsicht doch ein staunender Provinzler. Zwar weiß ich (ein beträchtlicher Teil meines Weltwissens stammt aus dem Fernsehen oder der Presse!), daß man beispielsweise in China gar nicht „A17″ oder „C75″ speist, sondern eher gedämpfte Hühnerfüße, Klöpschen aus gehackten Rindersehnen, Entenzungen oder delikates Wasserkastanien-Gelee an gebackenem Schweinedarm; man knuspert in Wahrheit gar keine ledrig-fasrigen, mit Ananas und Bambus versetzten Ententeile aus Styropor-Kartons, sondern lieber knackigfrische Röstkakerlaken aus Thailand, seltsam „schwarze“, irgendwie verweste Eier, ferner auch Fischkopf-Tofu aus Hainan oder man streut sich gleich gänzlich Undefinierbares oder köstlich Unaussprechliches über die mandschurischen Reisnudeln!

Jahrzehnte blieb mir all dies, trotz xenophiler Aufgeschlossenheit, ein Buch mit sieben Siegeln bzw. acht Kostbarkeiten. Wenn Metropolitiker aus Hamburg und Berlin lässig über die besten Dim-Sum-Läden der Stadt parlierten, fühlte ich mich ausgeschlossen, und drückte, die gelbe Gefahr des Neides mühsam herunterschluckend, mir gleichsam an der harten Glasscheibe meiner Unkenntnis die Langnase platt.

Ob daß FOK MON LOU mir nun meine lukullischen Bildungslücken stopft? Keine Ahnung. Visavis vom Spielcasino, in der Kneipe, die früher „Im Büro“ hieß, dann eine Pizzeria war, zwischendurch als „Kongreß-Stübchen“ firmierte und dann leer stand, haben jetzt Chinesen aus Malaysia ein kleines einfaches Restaurant eröffnet. (Ich habe überhaupt das Gefühl, allein chinesische Entrepreneurs lassen sich von der allgemeinen Krisendepression nicht unterkriegen – die unternehmen noch was!) Das gemischt rustikal-germanische und italo-indonesisch-mediterran-niederrheinische Ambiente unterm gemütlichkeitsabweisenden Neon-Himmel verleiht dem Etablissement den globalisierten Charme planetarischer Beliebigkeit:  Während man herinnen seine Acht Undefinierbarkeiten löffelt bzw. stäbelt, mag draußen Mumbay sein, Kuala Lumpur oder Singapoore, es ist egal. Man fühlt sich wie in einer interstellaren Raststätte an der Daten-Autobahn. Per Anhalter durch die Galaxis!

Die unternehmerische Zuversicht der Betreiber drückt sich zuweilen in den Speise-Namen aus: Wer Appetit hat, kann „Gute Zukunft“ bestellen, den Feuertopf „Wahre Liebe“ oder den „Ball der Hundert Blumen“. Größere Kenner als ich bekommen vielleicht glänzende Augen, wenn sie hören, daß man sich auch auf „Chau-Fan nach Yuen-Chow Art“ versteht, „Mui-Choi-Kau mit Mui-Choi“ anbietet und „Chau-Ho à la Hong Kong“ zubereiten kann. Eine fulminante Liste exotischer Dim-Sum-Köstlichkeiten wird – erstmals in unsrer Stadt! – auch empfohlen. Neben den erwähnten Entenzungen, Schweinedärmen und Hühnerfüßen darf der Liebhaber durchaus Ungewohntes kosten: Rettichkuchen mit Räucherfleisch, Saures Gemüse im Schweinemagen, frittierte Seetang-Röllchen oder Lauchgemüse mit Schweineblut. Mmmh, lecker, vielleicht. Die Portionen sind durchweg üppig, preiswert und, was mich irritierte, überwiegend sehr fett. Muß das so? (Keine Ahnung!)

Das Personal ist flink, höflich und zuvorkommend. Dem wissbegierigen Westler steht man nach Kräften Rede und Antwort. Ich hatte unter anderem so Klößchen aus zerkleinerten Rinderbestandteilen, die frappierend nach chloriertem Fichtennadel-Badeschaum schmeckten. Meine Frage, womit man es da denn wohl zu tun hätte, beschied man mit dem geheimnisvollen Lächeln Asiens und einem geflüsterten „sin chinesisch Kräuterrh“. Je nun, immerhin, so in etwa hatte ich auch schon vermutet.

Im übrigen serviert man einen hervorragenden, soliden, perfekt temperierten deutschen Grauburgunder zum Rätsel-Mahl. Wenn Gäste anwesend sind, was im Gegensatz zu anderen China-Restaurants in Duisburg durchaus vorkommt, handelt es sich des öfteren um Original-Chinesen. Das will mir als ein gewisses Authentizitäts-Merkmal vorkommen. Aber was weiß ich schon? Des Chinesischen nicht mächtig, könnte man mir auch weis machen, FOK MON LOU hieße: „Ich habe keine Ahnung“.

 

 

 

Brother Günter macht uns den Neger

Posted 23. Oktober 2009 by 6kraska6
Categories: Kraskavers diskutiert

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Undercover-Negerl mit Tarnbaum

Zunächst hab ich nur furchtbar lachen müssen. Ein dermaßen triefigtief-betroffen plierendes, tränentreibend humorloses, um die pawlow-sabbernde Zustimmung des grün-linken Juste Milieu buhlendes Anklagegesicht wie das des zum traurigen Opfer-Negerl geschminkten  Undercover-Checker-Aufdeckers (Black & Decker!) Wallraff hebt mich moralisch sofort um Stufen! Die Dritte Welt schaut dich an! Durch dackelbraune Konaktlinsen! Oo-ha! Hungrig! Diskriminiert! Von gaaanz unten! Onkel Tom hat Polit-Migräne! Das beschämt mich schwer, mich, den latenten Rassisten, der nämlich auf „schwarz“ geschminkte weiße Wichser für Abschaum hält. Ja, heult doch!

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Krawallraffgieriger Onkel Ogünni (Foto: X Filme)

Ich dachte ja erst, angesichts des mit brauner Schuhcreme „in zweistündiger Arbeit der Maskenbildnerin“ eingewichsten Schwarzclowns: Manno, jetzt muß der arme (verarmte?) Investigator schon am Stadttheater von Kyritz an der Knatter den Knallchargen-Othello geben! Jetzt ist er aber wirklich echt „ganz unten“, weia! Ausgestattet mit einem unsäglich bescheuerten Karnevals-Afro und angetan mit seinem alten Ali-Schnauzbart aus besseren Tagen (beides ist in Somalia heuer extrem in Mode!) spielt der rüstige Rentner, schwarz-braun wie die dumme Haselnuss, den Asyl-Somalier „Kwami Ogonno“ (ein Extra-Preis geht an die Namensbeschaffer! Ja, so heißt er gern, der Mohr! Kwami! Ogonno! Ohgotto!), um endlich mal heroisch-investigativ aufzudecken, zu entlarven und zu demaskieren, daß es in Deutschland noch immer Spießer und Hirnis gibt, die Vorbehalte gegen Schwarze haben. Ach was! Das hätt ich ja nun im Traum nicht gedacht. Das mußte mal unter Lebensgefahr der allgemeinen Verborgenheit entrissen werden! Pfui über dich, Deutschland, bleiche Mutter! Du hochschätzt deine Neger nicht, die sind für dich „Menschen 2. Klasse“, ja, vielleicht sogar bloß Holzklasse.

Kwami Wallraff hat den bösen Deutschen mal wieder unter dem Beifall aller, die es schon immer gewußt haben und sich das gern regelmäßig bestätigen lassen, den inneren Stinkefinger gezeigt: Alles Nazi außer wir, die Guten! Stellt euch vor: Die Deutschen nennen ihren Schäferhund noch immer Blondie, und nicht Tyson, Muhammed Ali, Mobutu oder Kwami! Sie wollen somalische Asylbewerber nicht als Kegelkameraden und Schützenbrüder, nicht in der Wandergruppe und nicht als anderen Spießern gleichgestellten Schreber-Streber!

„Ich will herausfinden, wie es sich als Schwarzer in Deutschland lebt, ob die Vorstellung vom unverbesserlich fremdenfeindlichen deutschen Wesen nur noch ein Klischee ist – oder ob das von der Boulevardpresse gepflegte Schreckbild vom Schwarzen als Dealer, Asylbetrüger und Kriminellen die Stimmung im Lande kennzeichnet.“ Und? Was bei dieser objektiven Untersuchung wohl herausgekommen ist? Herausgekommen ist, daß wer vom Klischee lebt, durchs Klischee umkommt. Oder, na ja, nicht gerade umkommt, sondern zum Beispiel sich selber als der eigentliche Rassist demaskiert.

In Deutschland leben zigtausend Menschen (die Zahl hab ich nicht parat, ich hoffe auch, die wird nicht erfaßt!) schwarzer Hautfarbe. Darunter sind bekanntlich Fußball-Profis, Künstler, Musiker, Ärzte, Wissenschaftler, Schauspieler, Journalisten, Dichter, Diplomaten. Viele sind Deutsche, hier geboren. Andere kommen von irgendwoher hergelaufen, sprechen aber dennoch keineswegs nur Wolof und Xhosa, sondern in aller Regel ganz gut deutsch, englisch oder französisch. Mit anderen Worten, Günter Ogönno: Der Neger kann sprechen! Und zwar für sich selbst. Wenn Sie schon ihr Image als krawallraffgieriger Ausländer-Jesus aufpolieren wollen, warum führen sie keine Interviews mit denen? Sie würden den Schwarzen Mann gewiß in ihre Wandergruppe aufnehmen oder im Schrebergarten in der Laube wohnen lassen, klar, jederzeit, – aber mit ihm sprechen? Seine eigenen Erfahrungen brav mitschreiben, edieren und drucken lassen? So weit wollen wir dann doch nicht gehen, oder? Nachher will der Neger noch mitreden! Und macht womöglich Premieren-Palaver und Tantiemen-Tamtam!

Also muß sich Onkel Günter, der große alte Mann des Undercover-Gekaspers (wenn ich das Wort „Enthüllungsjournalist“ bloß höre, krieg ich Kotzkrämpfe!) und gefeierte Selbstdarsteller für uns alle zum Neger machen, um das „unverbesserlich femdenfeindliche deutsche Wesen“ aufzustöbern und „anzuprangern“.

Tja, Neger, Neger, Schornsteinfeger. Soulbrother Günters (Da good Nigger from the hood!) Schornstein raucht schon wieder ganz gut. Buch und Film kommen strategisch gut platziert parallel auf den Markt. Für den Friedensnobelpreis zwei Wochen zu spät, es sei denn, Obama und Onkel Ogünni sind eh Brüder. Auch Obama war ja, genau wie unser furchtloser Walli, „ein ganzes Jahr lang als Schwarzer unterwegs“! Und wie ich unsre extrem tapfren Widerständler gegen das „unverbesserlich fremdenfeindliche deutsche Wesen“ kenne, werden sie wieder ordentlich TamTam machen. – Ich mach da nicht mit. Da könnt ihr warten, bis ihr schwarz werdet.



BLUES IN HARTZ IV

Posted 14. Oktober 2009 by 6kraska6
Categories: Aus meinem Qype-Kästchen, In the ghetto

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Armutsberuhigter Blues in Hartz IV (Fies-moll)

 Arm? Geht so? Oder reich? Manchmal weiß ich gar nicht so genau, was ich eigentlich bin. Kommt halt drauf an, von wo man grad guckt. (Vielleicht sollte ich mich mal wieder trauen, einen Blick in meine Konto-Auszüge zu werfen?) Ich schätze, die meiste Zeit meines Lebens bisher war ich total arm. Man ist doch arm, wenn man  dauernd Geldsorgen hat, oder?

Aber dann les ich wieder, die multi-millliardäre Karstadt-Oberschnepfe Frau Schickedanz von Arcandor hinter den sieben Goldbergen hätte noch vieltausendmal mehr Geldsorgen als ich! Die kann schon nicht mehr schlafen vor Geldsorgen! Die lebt in ihrem Schloß von 600,00 Euro im Monat und weiß gar nicht mehr ein noch aus, bzw. wie sie das Personal und den Fuhrpark bezahlen soll! Also so arm wie die möchte ich nie werden! Denn ich kenn das verflucht gut, wenn am Ende vom Geld noch soviel Monat übrig ist. Da heißt’s dann schon mal, seine geliebte Sammlung seltener Pfandflaschen vom Balkon holen, das Leergut einlösen, wieder auffüllen und ansonsten zwei Wochen von Spaghetti-Nudeln mit Tomatenpampe leben. Geht schon. Und sonntags ausnahmsweise  Schachtel Ölsardinen! Ist auch mal lecker!

Wer ist denn nun arm? Der ewig klamme Donald, weil er kein Geld hat oder Onkel Dagobert, der zwar Phantastilliarden Entenhausener Taler zum Drin-Baden  sein eigen nennt, aber auch einen mittelschweren Hau hat und eine finanzbezogene Zwangsneurose? Es heißt ja immer, selbst wenn einem die halbe Welt gehörte, hätte man doch nur Scherereien, – z. B. mit dem, der die andere Hälfte hat und nicht hergeben will. Geld, so hört man außerdem ständig, regiere die Welt. Aber wo denn? Geld fehlt doch überall? Jeden Tag liest man, daß wo das Geld nicht mehr da ist! Unsere Regierung ist flüchtig. Wir werden, glaub ich manchmal eher, von einem Netz aus Haushaltslöchern und Finanzierungslücken regiert.

Meine Straße in meinem Viertel ist gewissermaßen armutsberuhigt. Morgens um 6.00 Uhr herrscht himmlische Kurortsruhe, weil niemand mehr zur Schicht muß. Hier arbeitet praktisch keiner mehr, und wenn doch, dann schwarz und ganz woanders. In meiner Nachbarschaft lebt man entweder von Kindergeld oder man hat das große Arbeitslos der Staatslotterie gezogen. Das Leben wird einem pünktlich überwiesen. Man läßt sich von der alten Frau Merkel aushalten, die mit dem Stopfen der Sparstrümpfe kaum noch nachkommt. Opa hatte einen Beruf, Vati wenigstens einen festen Job. Heute ist man, was nicht jeder als lebensausfüllend betrachtet, HartzIV-Empfänger.

Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat sich unbeliebt gemacht, weil er dreist ausgesprach, was hier eh jeder weiß. Er hat gesagt, in Neukölln wollen sich 70% der Türken und 80% der Araber nicht integrieren. Frau Süßmuth hat protestiert: Das sei eine Beleidigung der bestimmt  wenigstens 30% Türken und 20% Araber, die sich sehr wohl integrieren! Frau Süßmuth sollte mal den Nobelpreis für angewandte Statistik kriegen! – Sarrazin hat noch gesagt, 20% der Berliner Bevölkerung seien unproduktive, ökonomisch „unbrauchbare“ Empfänger von Transfer-Leistungen. Bei uns liegt der Prozentsatz noch höher, glaube ich. Von 455.000 Einwohnern in Duisburg erhalten 70.000 Leute Geld von der ARGE.

Trotzdem sind viele HartzIVler bei uns im Viertel ökonomisch nicht völlig unnütz. Auch sie bilden einen Markt! Einen Markt, dem sich mit entschlossenem Willen zum Erfolg ein Büdchen widmet: Die „Hartz IV-Ecke“ (s. Foto!). Dieses Büdchen ist zielgruppentechnisch auf die Mehrheit in der Hood fokussiert. Die größte Gruppe bei uns sind nämlich, heißt es unter vorgehaltener Hand, weder Türken noch Deutsche, sondern die Alkoholiker. Sinnigerweise kommt hier der Markt zum Anbieter. Solange die Temperaturen es zulassen, versammelt sich der Markt am kleinen Rondell vorm Büdchen und zapft, was die ARGE hergibt. Das Leben eben. Das Leben hat hier 40%, in der Regel, und es  dauert von Sonnenauf- bis -untergang. Die Nacht dann ist lang, melancholisch und zähtränig-quälend wie ein Leonard-Cohen-Song.

Nichts ist ohne Schönheit: Was treue Begleithunde und Mitsäufer gemeinsam haben: Sie verurteilen dich nicht. Sie leben heute, von Schluck zu Schluck. Weil man ihnen das Futter ja hinstellt. Beide fragen nicht nach morgen. Man dämmert, mehr oder minder ohne Zuversicht, aber voller Überlebenswillen, in eine Zukunft, für die man kein Wort hat.

 Nachtrag: Wer schon immer einmal in einem verzweifelt komischen, absurd ni-hihi-listischen Theaterstück von Samuel Beckett mitspielen wollte, aber nie engagiert wurde, der komme zum kleinen Platz vor der „HartzIV-Ecke, im Spätsommer, und frage die dort versammelten ca.15 stark angetrunkenen Niederrheiner nach dem Weg zu irgendwas, das direkt um die Ecke liegt…

Ich wollte eigentlich, sorry, lustig sein, aber dann wurde es ein Blues in Hartz IV. Geld macht blöd, wenig Geld macht traurig, gar kein Geld macht philosophisch. Wir treffen uns, weil jetzt wird es Herbst und kalt, im nächsten Frühling: In der Hartz IV-Ecke. Besser eine vage Verabredung, als gar keine Zukunft.

Shoot Out in SIN CITY: Duisburgs Ruf wieder aufpoliert!

Posted 11. Oktober 2009 by 6kraska6
Categories: In the ghetto, Notizen

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Bandidos unterwegs

Wer Duisburg nicht kennt, kennt es wahrscheinlich aus den „Schimanski“-Tatort-Machwerken der Achtziger und Neunziger: Verrostete Mega-Montanstadt, leicht verlottert und verwahrlost, mit ruhrpottherzigen Eingeborenen, versoffenen Proll-Komissaren (Paraderolle von Götz George) und ab und zu mal ’nem Deko-Türken. Beilage: Gemütliche Holländer mit süßem Akzent. Schöne Tage in Clichée. Na ja. Das Schlimme, las ich kürzlich in einem Reiseführer über Polen, von einem Polen geschrieben, sei, daß die meisten Vorurteile AUCH stimmen! Aber eben andererseits auch wieder gerade nicht.

Zu meinen ganz unmittelbaren Nachbarn gehören, ich habe ihnen einen Text bei Qype und auf meinem Blog gewidmet, die Motorrad-Rocker vom hiesigen „Chapter“ der „Bandidos“. Je nach Blickwinkel eine super-freundliche (und, bitte nicht übel nehmen, ja? -  etwas … spießige) Orstvereinigung motorradsportbegeisterter, hoch-bodygebuildeter Früh-Senioren – oder aber, wenn man der Presse glauben darf, eine der organisierten Kriminalität zugewandte schlimm-fingrige Konkurrenz-Mafia zu den berüchtigten, noch unsympathischeren „Hell’s Angels“. Hmm. Da ich selbst nur ein Fahrrad-Biker bin, an den Versammlungen „meiner“ Bandidos immer nur vorbeifahre (auf dem Weg zu einer in ihren Augen wahrscheinlich extrem uncoolen Arbeit) und an Gewaltkriminalität ein eher theoretisch kriminologisches Interesse habe, traute ich bislang mich nicht, die auf meinen skeptisch-ironischen Text hin eintrudelnde rau-herzliche Einladung eines gewissen „Mike“ einzugehen, der mir zusicherte, ich dürfte THE FAT MEXICAN, das hiesige, in der Hood unübersehbare Vereinslokal der „Bandidos“, ruhig mal aufsuchen, aufn Kaffe, und müßte dabei keine Angst um meine teuren Kronen hegen.

 Jetzt trau ich mich aber schon wieder nicht, weil es direkt vorm Fat Mexican am Freitag eine tödliche Schießerei gab. (Wenn ich wo wohne, gibt’s anscheinend irgendwann immer irgendwo in der Nähe eine tödliche Schießerei. Beim großen Mafia-Massaker vor drei Jahren wohnte ich auch um die Ecke!) Jedenfalls hat ein arbeitsloser, turkstämmiger Freefighter namens Timur A. den neuen Freund seiner Ex erschossen, auf offner Straße. Das Opfer war Bandido „Ashley“, Anfang dreissig. Schon wenig später sickerte durch, der Mörder stehe mit den „Hell’s Angels“, den Erzrivalen der „Bandidos“ in Verbindung. Au weia. Bzw. ach du Scheiße! Jetzt gibs wohl wieder Krieg. Die Bullen haben schon eine ambulante Wache vor Vereinslokal aufgebaut. High Noon in SIN CITY! Und ich muß mir mit meinem Fahrrad wohl einen anderen Weg zur Arbeit suchen.

Einfach mal gut finden

Posted 9. Oktober 2009 by 6kraska6
Categories: It's a women's world

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Ich freu mich total für Frau Müller! Sie hat ihn wirklich verdient!

Doch. Nicht oft, aber manchmal passiert es, daß selbst ein Dauernörgler und misanthropischer alter Ätz-Texter wie ich reine, unvermischte Freude empfindet, über etwas, was „da draußen“ vor sich geht. Das oft extrem vertrottelt & verkalkt wirkende Komitee in Stockholm hat den Literatur-Nobelpreis an Herta Müller vergeben! Seit gestern Mittag 13.00 Uhr  juble ich still vergnügt vor mich hin. Gibt es also in 0,0001% aller Fälle auch mal Gerechtigkeit? „Der Mensch ist ein grosser Fasan auf der Welt“ war Mitte der Achtziger das erste Buch von ihr, das allein wegen des anmutig-rätselhaften Titels meine Aufmerksamkeit weckte. Danach gehörte sie, und das blieb so, nicht nur zum äußerst exklusiven Kreis noch lebender AutorInnen, die ich reinen Herzens verehre, sondern auch zum noch kleineren Kreis jener wenigen „Gerechten“, aufrechter, tapferer, menschenwürdiger Menschen, die die Existenz unserer Spezies notfalls rechtfertigen.

Herta Müller war für mich seit Mitte der Achtziger immer ein Beleg (wenn Menschen denn ein „Beleg“ sein können) für zwei Dinge: a) daß es Menschen gibt, die äußerlich unscheinbar, weich und verletzlich wirken, aber im  inneren unbeugsam wie der legierte, millionenfach gefaltete Härtestahl eines Samurai-Schwertes sind: Gewalt, Terror, perfider Psycho-Druck, Verleumdungen, Lügen, die bis heute andauern – der ganze widerwärtige Apparat der Securitate, des rumänischen Geheimdienstes der Ceaucescu-Ära, konnte Herta Müller nicht brechen, nicht zum Schweigen bringen, sie nicht vom Schreiben abhalten! – Und b) daß es möglich ist, warmherzig, mitfühlend, menschenfreundlich zu empfinden, ohne auch nur einen Hauch von Falschheit (in der Literatur: Kitsch) zu produzieren.

Herta Müllers Prosa ist poetisch, eigenwillig, metaphernstark, kompromißlos und zart zugleich – all das aber nicht im Sinne von Kritikerliteratur: Ihre Werke sind lesbar, sogar mit Vergnügen und Genuß lesbar! –, vor allem aber ist Herta Müller nicht „wie“. Literaturwissenschaftler wie ich lernen ja immer das Komparative als Einordnungsprinzip zu nutzen. Frau Müller ist … „wie Kafka als Frau“? Wie eine wiedergeborene Achmatova? Wie … nein! Herta Müllers Stimme ist einzigartig und unverwechselbar! Daß sie, die Banater Schwäbin, deutsch schreibt, ist eine Ehre für unsere Sprache.

Die letzten Male, als deutschsprachige Literaten den Nobelpreis bekamen, senkte ich eher so  schamerrötend den Blick (Böll? DER unsägliche, sprachlich absolut unbegabte, hölzerne, linkskatholische Moralin-Kitschier? Und dann noch der bornierte Poltergeist und selbstverknallte Geniedarsteller Grass, der bloß ein einziges gutes Buch zustande brachte? Oder gar, ich bitte um Verzeihung, die bescheuerte Madame E. Jelinek mit ihren neurotischen Obsessionen? Gott! Wirf Hirn ab über Stockholm! – Tut mir Leid, so empfand ich…); nun aber bin ich versöhnt und froh. Schon als Oskar Pastior den Büchner-Preis bekam, freute ich mich. Und jetzt: Herta Müller! Ich persönlich hatte zwar einen anderen Favoriten auf der Stockholmer Shortlist: Bob Dylan, mein Groß- und Jugendidol. – Aber die Entscheidung von gestern beglückt mich noch mehr.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Müller. – Für die, die ihr Werk noch nicht kennen: Müller ist ein Name, den man sich merken muß. Müller. Herta Müller. Literatur-Nobelpreis 2009!

Verliebt, verlobt, verpeinlicht: Bonner Knutschfleckchen heiratet Zonen-Urschel

Posted 5. Oktober 2009 by 6kraska6
Categories: Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht? Polemiken

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Direkt nach der Konfirmation hat der kleine Guido seine Mutti geheiratet. Trauzeuge Horst „Ödipussy“ Seemeier macht, was er als Chefdiplomat aus dem Land des Lächelns gelernt hat:  gute Miene zum blöden Spiel. Mutti hätte es ja auch schlimmer treffen können. Immerhin hat der Bub ja gute Anlagen (in Liechtenstein und der Schweiz, glaub ich) und in seinem Alter schon den schwarzgelben Gürtel im Krisen-Weggrinsen. Ein Lausbub, Laumann und Blaumacher von Format wird aus dem frisch verpartnerten Sympath mal werden, comme il faut und cosi fan tutte, Kameraden! Der seit kurzem onanie-abstinent lebende Jungjurist freit keine blonde Barbie mit Atomhupen, der läßt sich von oberflächlichen Sex-Äußerlichkeiten gar nicht erst geil machen, der greift sich lieber die solide abgehangene Maultrommel aus der Uckermark ab, die Kartoffel mit dem Pokergesicht (Royal Flunsch!), von der er mit Recht erhoffen darf, daß sie ihn samstagabends, wenn regierungsfrei ist, auch mal ordentlich stramm übers Knie legt. Erwartungsfroh strahlt das Arschgesicht schon mal über alle Backen. Wie ein kaputtes, notdürftig mit Tesa geflicktes, noch mal kurz „ans Netz“ gehendes Atomkraftwerk.

Hei, das wird bestimmt dann zünftig, scheint auch der Feld- und Wiesn-Freund Seebeißer zu schmunzeln, dem man eigentlich selbst Absichten auf Mutti nachgesagt hatte, nach dem er der ollen Urschel neulich vom Oktoberfest extra ein Lebkuchenherz mitbrachte bzw. ihr vor die Füße legte, wo draufstand, also auf dem Herz, nicht den Füßen, „Angelika du bist unsere Beste“ oder so ähnlich. Aber Horst Seemann lächelt tapfer. Als Diplomat kann er ja auch schlecht zum Juniorpartner und neuen Hausfreund sagen: „Warum grinst du Blödmann denn so verschwiemelt?!“ So etwas sagt ein Brautführer aus der Hauptstadt der Bewegung nicht. Daher kann der bengelhafte Spitzbub und verliebt in seine Zukunft winkende Außen-Ministrant in spe auch nicht antworten: „Ich freu mich so auf die Kohabitationsverhandlungen! Ich schätz, ich steh ganzganz kurz vorm ersten Koitus!“ Mutti pliert dazu wie gerade selbstbefriedigt in die Kamera und deutet mit den Händen an, wie groß die Welle ist, die der Guido machen kann. Ganz schön groß, oder? Und länger als Zonen-Urschels erste Banane im freien Westen!

(Für diesen unreifen Beitrag bitte ich um Entschuldigung. Ich weiß nicht, so kenne ich mich gar nicht. Was ist mit mir los? Warum mir zu diesen Nasen bloß noch Zoten & mühsam unterdrückte Obzönitäten einfallen, ist mir schleierhaft. Ich schätz, für Politik bin ich zu hohl, unernst, albern und oberflächlich…)

Irgendwie süß: Westerwelle wahrscheinlich ein Mensch!

Posted 30. September 2009 by 6kraska6
Categories: Die Banalität des Blöden: Zur Semiologie des Alltags, It's a women's world, Kraskavers diskutiert, Notizen

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Klein, aber Juhu! – Der designierte Dingsminister beim Onanieren erwischt! (Keinenglischkönnen ist doch nicht schlimm!)

Ich bin ja neurotischerweise nie gern bei der Mehrheit. Da bin ich etwas affig. Die Mehrheit macht mich nervös. Und was macht die Mehrheit sonst momentan? Das, was bisher mein erklärtes Steckenpferd war: Guido-Bashing ist der allerneueste Hype  im Netz, in den Foren, auf den angesagten Blogs. Guido Westerhase wird jetzt wahrscheinlich irgendwas, etwa Vize oder Außen, und alle sofort so: „Yeaahh!“.  – Das ist gemein! Gehässige Ironiker schießen sich gerade aufs Schiesser-Model Guido Westerwäsche ein! Ich meine, klar, FDP und so, da fällt vernünftigen Menschen-mit-Hirn der Kitt aus der randlosen Brille. FDP geht ja nun mal gaar nicht, und Westerwelle, omg! (...“Oh, mein Gott!“) Trotzdem: Ich denke hingegen kurz mal quer und um die Ecke: Ist er denn nicht aber  irgendwo auch … – süß?

Mein differenzierungsfroher Sinneswandel hat folgenden Grund:  Ich habe den Verbalmüll dieses Mannes ja stets für eine Zumutung gehalten und das arrogant-schnöselig-peinlich-dummdreiste Herrenlaberhandtäschchen aus aknegenarbten Nobelleder für einen elend-unsäglichen Rhetorikkasper, dessen semipolitischen Lautsprechereien – immer im Westerwellenschliff messerscharfer  Auftrumpfgrandezza gehalten! – ungefähr so geistvoll wirkten, als hätte der Mann den Schwarz-gelben Gürtel in Sudoku.

Es verhält sich aber alles eventuell ganz anders, weil Guido nämlich wider Erwarten DOCH eine menschliche Seite hat! Wie? Guido W., der berühmteste Android der Nukleus-6-Klasse – ein … Mensch? Und kein Replikant? Jaa! Das Menschliche am Guidomobil ist nämlich, und das ist wohl süß: Er kann kein Englisch! Hihi! Wie niedlich! – Eigentlich ist das doch gar nicht ehrenrührig! Würde mich z. B., gäbe ich Pressekonferenzen, plötzlich ein ausnehmend zierlicher, latte-macchiato-farbener Journalist aus der Namib-Wüste in der geheimnisvollen namibischen Klicksprache der X!hosa! ansprechen, würde ich vielleicht auch hilflos-doof, verzweifelt herumrudernd und pampig  herumeiern, halb hilfeheischend, trotzdem auch etwas trotzköpfig andeutend, ich sei dieser extrem irren, kaum nachzumachenden Klick-Kick-Knix-Sprache der Busch-Leute nun mal nicht mächtig, und das sei auch gut so! Bon, bzw.: gut. – Aber Englisch? Das saugt man doch mit den Pampers auf, oder? Das kann doch irgendwie jeder, schon aus dem Radio oder wegen diesem dauernden Werbe-Denglish! – Tja, Guido aber mal eben leider nicht. Bums, aus, basta! So what? („Na und?“) Hat man als Außenminister vielleicht Dolmetscher zur Verfügung, oder was? Ich muß doch als Schwarzgelb-Verschieber, Steuerhinterzieher oder Versicherungsbetrüger auch nicht Jura studiert haben, um vor Gericht gestellt zu werden!

Daß jetzt hunderttausend Kleingeister, die das Ti-Äitsch beherrschen, sich euphorisch beömmeln, bloß weil sie irgendetwas besser können als Herr Dr. jur. Guido Westerwelle (Mr Westwave, Esq.), finde ich verständlich, aber wenig sympathisch. Anyhow, I felt in love with Guido (= „gleichviel, ich fiel mit Guido in die Liebe“), als ich auf YouTube vorgeführt bekam, wie der fernstudierte Überflieger und Teleakademiker durch eine simple, von einem britischen Journalisten auf Englisch gestellte Frage aber auch schon dermaßen aufs Bodenpersonal reduziert wurde, daß er beinahe zu weinen anfing! War das nicht süß? Doch, wohl, das war süß!

Plötzlich mutierte die übermäßig vorlaute Streber-Hackfresse zu einem maulaffig-verheulten, innerlich kurzbehosten Schulbuben, der des Hausaufgaben-Vergessenhabens überführt wurde: Halb pupertätsrotzig, halb schmollmundig schuldbewusst verrutschten und entgleisten ihm sämtliche teilprivatisierten Gesichtszüge, will sagen, setzte er ein Gesicht auf genau wie damals, als ihn Mutti beim Onanieren erwischt hatte; die kleinen verschlagenen Blauäuglein hinter der Panzerglasbrille huschten panisch wie Guppies auf Brautschau nach Eingebung suchend im Saal umher, Schweißperlenketten umkränzten in Sekundenbruchteilen die quergestreifte Stirn, schamgepeinigt rollte sich der schweiß-gelbe Schlips, das sonst so freche Beißschnütchen öffnete und schloß sich karpfenhaft lautlos, und dann … dann erlebte man ein überaus seltenes Naturschauspiel: Ein Teil des Gehirns („Projekt 18%“!) von Mastermind Wüsterwille fängt notgedrungen an – zu arbeiten!! Man kann das sehen! Man sieht es! He-she-it works! Knarrend und ächzend beginnen sich die Zahnräder zu drehen, mit durchdringendem Quietschen setzt sich die schwergängige Synapsen-Spieldose in Bewegung, lautlos formen sich Worte, werden buchstabiert, tonlos nachgesprochen, verworfen, dann neu formuliert… Man schluckt, sammelt Speichel, Verzeihung, Mund ist so trocken! Oha. Gleicht kommts ihm! Ein Gedanke, ein Ideelein, ein Schimmer-Tierchen. In atemloser Spannung verfolgt die Bundespressekonferenz den rekordbrechenden Denkversuch des Guinnes-Preisträgers! Fünfhundert polyglotte Ohren spitzen sich aufs äußerste: Kommt da noch was? Ja!

Nach quälend anhaltendem Hirnknistern, -knastern und -knuspern krächzt aus dem plötzlich 30 Jahre jünger wirkenden Bübchen-Gesicht, dessen Miene sich dabei zu einem irgendwie Uhu-verschnüffelten, wattig entrückten Übersprungsgrinsen verzieht, ein entschlossenes „….Ääähh…“ heraus. „Well…“ übersetzen die Dolmetscher schon mal. Aber der Außenminister-in-spe („in guter Hoffnung“!) ist noch nicht fertig mit der Pressemeute. Die kriegts jetzt nämlich rhetorisch so fett aufs Butterbrot geschmiert, daß die Schwarte kracht: „…äh….äh… wir sind hier ja, ja, in … äh… Deutschland, und da…, äh…, da sprechen wir Deutsch! Sie da, daheim, Sie sprechen ja da zuhause bei sich ja auch englisch!“ Gut gekontert, finde ich, eloquent und gnadenlos logisch. Seit Hitlers V2 hat keiner mehr dem perfiden Albion gezeigt, wo… dings, äh… („Don’t mention the war!“)

Die Situation ist hochnotpeinlich peinlich, aber erstmal gerettet. Doch hinter Guidos schweißsalbaderter Stirn irrlichtert und nachgewittert es noch. Pinball Wizzard! Es googelt rastlos durch die Synapsen. Guidolein ist ja nicht dumm. Na ja, gut, jedenfalls nicht soo dumm. Daß das jetzt kein Triumpf des Westerwillens war, ahnt er. Irgendwie kommt ihm das Gefühl bekannt vor. Wenn er das Wort kennen würde, würde er es einen Déja vu nennen. Ungefähr so hat er sich kürzlich gefühlt, als seine Rechtsanwaltseltern ihm die Hypothekenschlampe, quatsch, Immobilienmaklertochter als Braut ausgesucht hatten und er gestehen mußte, bereits mit einem Mann verheiratet zu sein. Erwi-hischt!

Ich finde das irgendwie süß. Meine schwulen, intellektuellen Freunde sagen das immer, wenn sie etwas oder jemanden besonders unsäglich finden: „Aber … ist doch irgendwie auch schon wieder süß, oder?“

Nach der Wahl: Schwarz-Geld siegt!

Posted 28. September 2009 by 6kraska6
Categories: Offene Briefe, Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht? Polemiken

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Prost Pamp-Ganz! Von der Mitte...

 

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… zum Sack, zack zack!

Sehr verpeilte WählerInnen! Es folgt eine harte, aber verdiente Wählerbeschimpfung. Ihr habt ja wohl ein Rad ab! Das ist nicht euer Ernst, Leute. Ihr habt euch doch verwählt, Mensch! Diese ausgekochten Rosstäuscher und stellvertretenden Karriereleiter sollen euch durch die Krise tragen? Die schubsen euch noch, ihr werdets sehen! Die werden euch ausziehen, würgen, betuppen, vermöbeln, enterben, abziehen und -zocken, ja sogar ausbeinen und abkochen, daß eure Schwarte kracht! Lebendig ausweiden werde die euch, eure Kinder werden sie kaltherzig zum Schuldenabbau als Soldaten nach Amerika verkaufen und die rachitischen Beinchen eurer Enkel werden dennoch unter astronomischen Schuldenlasten zerbrechen. Erst biegen, dann knicken, dann brechen! Lauscht auf das jetzt schon anschwellende winselnde Jammern eurer unschuldigen, zarten Enkel! Ihr habt sie auf dem Gewissen!

Und DAS habt ihr gewollt, mehrheitlich? Man glaubts nicht: Ausgerechnet die nuklearwarnfarbene Wespenkoalition, schwarz-geld, mit der ollen Backbremse Merkel als verbeamteter Diplom-Türstopperin und seiner Unsäglichkeit Guido Lüsterklemme als Schließmuskelmann im Inkompetenz-Center. Wenn ich des selbst-beseligten Triumphal-Grinsens dieses geölten Blitzdurchfall-Schlehmils und präpotenten Herrenausstattergehilfen ansichtig werde, steigen in mir  grün-gallige Westerwellen der Übelkeit auf.  Sagt mal – geht’s noch? Da stehen euch nun schon bummlig über 20 Parteien zur Auswahl, von Bunt über Blöd bis Bibel, – und ihr wählt ausgerechnet die FDP, die Partei der Zahnärzte, Mafia-Anwälte und Golfplatz-Betreiber? Und das, wo selbst die Tierschutzpartei mehr Wirtschaftsverstand und Mitmenschlichkeit besitzt? Ihr seid doch nicht mehr zu retten, ihr seid verloren, wisst ihr, euch hat der Antichrist schon im Sack! Aber mindestens fünfzehnprozentig!

In meinen feuchten Albträumen seh ich das Dreamteam schon öffentlich intim werden: die ignoranzige Schnutenpute aus der ehemaligen doofen Ostzone und das flutschig-flotte Gleitcremeschnittchen aus der Bonner Arroganztagsschule, den famosen Steilkarrieregeneral Vicômte de Vaseline, den Ölprinzen und antibakteriellen Ätzrhetoriker aus der Kabelschmiede künftiger Krawattenmänner des Jahres. Die Schnöde und der Biest. Mörkl und Wetterwende. Örx! Rumpf-Rapunzel heiratet den rammeligen Rumpelstenz und halb Deutschland liegt sich hirnbeschwipst in den Armen, um sein eigenes Verderben zu feiern. Lassen wir eben weiter anschreiben und studieren neue Abschreibemodelle. Wenn wir Glück im Unglück haben, wird der spaßmobile Marktlibero Guido („Sein Hobby ist Lobby“) bloß Außenminister. Wir sind ja eh schon Weltmeister in internationaler Blamage. Und jetzt dann eben mit neuem luftgekühlten Lautsprechersystem. Da kann sich die Welt klimawarm anziehen, da ist was im Anzug! Ein wohlparfumiertes Einstecktüchlein nämlich, das sprechen kann, aber hoffentlich nicht auswendig, sondern immer schön der inwändig implantierten Spieldose nach. Und es wird ein Befremden über die Welt ziehen, kühl wie FCKW und gähnend wie ein Ozonloch: Deutschland, das gehasste, gefürchtete und beneidete Land der dicken Kartoffeln, erfindet sich neu und materialisiert sich als Föhnwelle mit Sprühfestiger. Wir setzen auf die Auftrumpfkarte: Null ouvert! (Na ja, vielleicht ja der richtige Chefdiplomat für eine Weichei-Armee, in der Soldaten, wenn ein Taliban sie im Bazar finster ansieht, eine postraumatische Belastungsstörung bekommen.)

Im Ernst: Fragt ihr euch denn gar nicht, wer euch demnächst von der Wand kratzen soll, gegen die euch dieses unselige Prinzenpaar der semi-politischen Narrenzunft fahren wird? Wenn ihr schon vor Tod, Teufel und dummem Geschwätz, den drei apokalyptischen Reitern aus Berlin, keine Angst habt, fürchtet ihr euch denn wenigstens vor Verarmung, Verblödung und Verstrahlung? Oder beruht eure Wahlentscheidung auf unverbrüchlich-beinhartem Gottvertrauen? Seid ihr gegen Studiengebühren, Steuererhöhungen, Kostenexplosion im Krankheitswesen, gegen Bankenkräche und Börsen-Baissen irgendwo versichert? In welchem medien-ästhetischen Abhärtungs-Camp habt ihr euch stählen lassen gegen die zu erwartenden Pressekonferenzen und Parlamentsreden des gelierten Herrentorts und seiner Plaste-Pampganz und Chef-Mutti?

Habt ihr, Wahlvolk, euch IRGENDWAS GEDACHT bei eurer Wahl? Ihr habt vier Jahre Zeit, mir das zu erklären; bis dahin ist mein Vertrauen erstmal erschüttert. Die Verachtung eines Unpolitischen: Ihr habt sie euch selbst zuzuschreiben! Ich überdenke nun die Option, eine Diktatur anzustreben, für die ich mich als Machtmensch zur Verfügung stellen würde. Ich verspreche euch: Dann wird aber das richtige Wählen geübt, bis die Finger bluten! – 

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"Gestatten, ich bin ein Telefant, Madame..." - Das Meckpommernpumpel und ihr Brandenburger Tor.